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19. Dezember 2008

Fangeschichte von: Lennart aus Delmenhorst

Das schönste Geschenk der Welt

„Leise rieselt der Schnee… Still und starr liegt der See…“
Marill seufzte und setzte sich vorsichtig in den kalten Schnee unter ihr.
Sie drehte sich und schaute verträumt auf den See, der nicht weit von ihr lag.
In der letzten Nacht war es bitterkalt. Es fiel neuer Schnee und der See fror zu.
Jeder kleine Grashalm, der noch nicht zugeschneit war und jedes noch übrige Blatt von den Bäumen waren mit kleinen, weißen Frost versehen.
Alles wurde in eine glänzende, weiße Farbe getaucht.
Marill genoss diesen Anblick jedes Mal aufs Neue. Sie freute sich das ganze Jahr auf diese schöne, kalte Jahreszeit.
Aber noch mehr freute sie sich auf ein ganz besonderes Fest: Weihnachten!
Für jedes Pokemon war Weihnachten etwas Tolles. Es gab immer ein großes Fest.
Die Familien kamen zusammen, sie feierten und brachten Geschenke mit.
Das ist genau das, was sich ein Pokemon unter Weihnachten vorstellt. Die schönste zeit des Jahres!
Aber nicht für alle Pokemon gab es so ein üppiges Fest. Und auch keine Geschenke. Die Rede ist von Pokemon, wie Marill. Für sie gab es kein Fest. Es gab noch nie ein Fest für sie. Nie hatte sie zu Weihnachten ein Geschenk bekommen. Niemand hatte an Weihnachten je an sie gedacht.
Alle Pokemon saßen in ihren Häusern mit ihren Familien und feierten ein frohes Fest.
Doch jedes Jahr an Weihnachten saß Marill allein vor diesem See.
Und sie wartete auf jemanden. Sie wartete auf ihre Familie.
Sie baute jedes Jahr einen großen Tisch auf. Er war so groß, dass jeder in ihrer Familie darauf Platz hätte. Sie deckte ihn mit Beeren und Kräutern, die sie das ganze Jahr über für diesen Tag gesammelt hatte.
Und sie tat es mit so viel Liebe, dass viele Pokemon sie um ihr Fest beneideten. Doch sie wussten nicht, dass es für sie kein Fest gab. Der Grund, warum sie jedes Jahr einen üppigen Tisch deckte, war ein anderer.
Es geschah vor fünf Jahren, Sieben Tage vor Weihnachten.
Marills ganze Familie war um den See versammelt. Es schneite leicht, der See jedoch war noch nicht zugefroren. Dann drehte sich das Azumarill, Marills Vater, zu ihr.
„Marill. Ich und deine Mutter müssen nun gehen…“
„Marill… Schatz. Dein Vater und Ich werden Futter sammeln. Für Weihnachten!“ fügte Marills Mutter hinzu.
Azumarill machte sich etwas kleiner und streichelte Marill auf ihrem Kopf.
„Bis Weihnachten sind wir wieder da. Versprochen.“
Marill nickte mit wässrigen Augen. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte.
Sie war auch noch viel zu klein, um wirklich zu verstehen, was los war.
Ihr Vater erhob sich wieder und trat einen Schritt von Marill zurück.
„Tschüss, Liebes.“ Sagte ihre Mutter. Dann gingen beide durch den kalten Neuschnee in Richtung See. Behutsam traten sie ins Wasser. Sie liefen weiter, bis ihnen das Wasser bis zum Mund stand. Sie drehten sich kurz um und winkten Marill noch einmal zu.
Dann schwammen sie los. Sie schwammen immer weiter durch den kalten See, bis man sie irgendwann nicht mehr sah.
Marill kullerte eine große Träne aus ihren Augen.
„Mama… Papa…“ flüsterte sie. Dann winkte sie noch ein letztes Mal…
Die Zeit verstrich langsam. Marill konnte es nicht erwarten endlich ihre Eltern wieder zu sehen. Sie sammelte alles Mögliche ein, was sie fand.
Sie nahm ihr allerletztes Geld und kaufte ihren Eltern die schönsten Geschenke, die sie fand. Es waren große Schneekugeln. Für sie wäre so eine Kugel das Größte überhaupt gewesen, aber diese waren für ihre Eltern.
Sie verpackte sie in dem schönsten roten Geschenkpapier, das sie finden konnte und verzierte sie mit einer goldenen Schleife. Und schon bald kam die erhoffte Zeit:
Es wurde Weihnachten.
Und als es dunkel wurde, legte sie sich alles zurecht.
Sie baute aus alten ästen einen kleinen Tisch und platzierte ihn direkt an der Stelle, an der ihre Eltern sie verlassen hatten.
An diesem Abend war es sehr windig und kalt. Schnee fiel, doch Marill blieb stur dort, wo sie war. Nichts in der Welt könnte sie davon abhalten, hier zu verharren, bis ihre Eltern wieder da sind. Die Zeit verstrich schnell.
Doch ihre Eltern kamen nicht. Die Stühle gegenüber von Marill blieben an diesem Abend leer. Innerlich wusste Sie, dass ihre Eltern nicht mehr kommen würden.
Aber sie wollte es einfach nicht wahr haben. Sie glaubte so fest daran, dass ihre Sie kommen werden. Sie hatten es versprochen.
Aber es war zwecklos. Marill wartete und wartete. Aber niemand kam.
Dann begann Marill zu weinen. Sie weinte so bitterlich, dass der Schnee unter ihr richtig nass wurde. Sie war enttäuscht und verletzt. Langsam kauerte sie sich auf dem Boden zusammen und schluchzte. Plötzlich kam eine kleine Windböe auf. Ihr kleiner Tisch wackelte und die Geschenke rollten von ihm runter.
Doch landeten sie nicht im schönen weichen Schnee. Nein, sie fielen auf einen harten Stein, der nicht mit Schnee bedeckt war.
Es gab ein lautes Klirren und die Kugeln brachen entzwei.
Genau wie Marills Hoffnung, ihre Eltern heute zu sehen…

So ging es viele Jahre lang. Jedes Jahr baute sie erneut einen Tisch auf und kaufte die schönsten Geschenke, die sie fand. Doch niemand kam…

Genau wie die vielen, vielen Feste davor, hatte Marill auch dieses Jahr alles vorbereitet. Sie tollte nur noch im Schnee herum und wartete, bis es endlich Abend wurde.
Doch sie war nicht allein. Hinter einem großen Stein, ganz in ihrer Nähe versteckte sich Pikachu und beobachtete sie.
Marill tat Pikachu unendlich Leid. Doch er wusste genau, was sie fröhlich machen würde. Dieses Jahr sollte sie nicht alleine feiern.
Vorsichtig kam er hinter dem Stein hervor und ging auf sie zu.
Marill sah ihn schon kommen.
„Hallo! Und frohe Weihnachten!“ rief sie und lächelte ihn an.
Pikachu wurde etwas verlegen. Er wusste nicht einmal mehr, was er sagen wollte.
„Was möchtest du denn?“ fragte Marill mit niedlicher Stimme.
Er holte tief Luft.
„Ich… möchte dich einladen.“
Marill schaute ihn verdutzt an.
„Du… feierst Weihnachten doch immer alleine…“
Marill lächelte.
„Das ist nett von dir. Aber ich kann nicht. Du weißt doch, dass dieses Jahr meine Eltern wiederkommen… Ich möchte da sein, wenn sie kommen.“
Pikachu senkte den Kopf.
„Okay… Ich gehe dann nach Hause…“
Er drehte sich um und machte sich auf den Heimweg. Marill winkte ihm zum Abschluss hinterher.
Pikachu tapste in Gedanken versunken durch den Schnee.
Der Himmel wurde immer dunkler, es dämmerte schon.
Bald würde die Bescherung sein und alle Pokemon würden feiern.
Aber ihm war nicht nach Feiern zumute. Er war tieftraurig, dass Marill dieses Jahr schon wieder enttäuscht wird. Jeder im Dorf wusste, dass ihre Eltern nicht mehr wiederkommen werden. Aber Marill wollte es einfach nicht glauben.
Und Pikachu fiel auch keine andere Möglichkeit ein, Marill zu helfen.
Da müsste schon Magie her. Er konnte nichts tun, als es sich von ganzem Herzen zu wünschen.
Dann blieb er stehen. Er holte tief Luft und begann dann laut zu Schreien:
„Bitte lieber Weihnachtsmann! Ich möchte nichts mehr, als dass es Marill gut geht! Das ist mein größter Wunsch!“
Er schrie aus voller Kehle, hoffte aber insgeheim, dass ihn keiner gehört hat.
Dann lief er weiter durch den kalten Schnee, bis er die Lichter des Dorfes sah.
Er drehte sich noch einmal um und schwor sich, dass er Marill heute Nacht besuchen würde. Sie konnte dieses Jahr nicht wieder alleine sein…

Mit der Zeit wurde der Himmel immer dunkler, es wurde Nacht.
Der Schnee hatte aufgehört zu fallen und man konnte am Himmelzelt klar alle Sterne sehen. Eigentlich müsste Pikachu nun bei sich zuhause im Warmen sitzen und mit seiner ganzen Familie feiern.
Aber das tat er nicht. Er stampfte den Pfad zum See entlang, durch den weißen Schnee. Und obwohl es stockfinster war, wusste Pikachu genau, wo er hin musste.
Marill hatte Kerzen angezündet. Und diese schienen nun hell in der dunklen Nacht. Pikachu kam nun endlich bei dem See an. Marill saß schon dort und wartete ungeduldig. Behutsam stampfte er durch den Schnee, immer näher an sie ran.
„Hallo, Marill…“ sagte er leise und sofort drehte sich Marill zu ihm um.
„Oh… Du bist es…“ Sagte sie und sah Pikachu in die Augen.
Marill sah traurig aus. Ihre Augen glitzerten im Kerzenschein und ihr lief eine kleine Träne aus den Augen.
Dann deutete sie auf den Platz auf der Bank neben ihr und lächelte ihn an. Er setzte sich vorsichtig.
„Ich… ich habe dir etwas mitgebracht…“
Er hielt ihr ein kleines Geschenk hin. Marill wischte sich die Träne weg und nahm das Geschenk an. Es war rund und mit rotem Geschenkpapier eingewickelt.
Langsam und immer noch traurig riss sie das Papier auseinander und betrachtete es. Es war eine große, runde Schneekugel.
Genau so eine, wie sie vor fünf Jahren welche gekauft hatte.
Sie schaute die Kugel an und plötzlich kam alles aus ihr heraus.
Der ganze Frust, die Wut die Trauer all der Jahre kam wie ein Wasserfall aus ihr heraus gesprudelt.
Sie lehnte sich an Pikachu und klammerte sich ganz fest an ihn.
Sie begann so stark und laut zu weinen, dass es herzzerreißend war.
„Meine Eltern… Sie kommen nicht wieder! Sie werden niemals wiederkommen! Ich werde immer alleine sein! Genau so, wie es die letzten fünf Jahre lang war! Dabei hatten meine Eltern es mir versprochen… Sie werden zu Weihnachten wieder da sein!“ Sie schluchzte bitterlich.
Pikachu nahm sie in den Arm.
„Ich bin all die Jahre nur Illusionen nachgerannt! Meine Eltern sind weg! Für immer!“ Marills Tränen wollten kein Ende nehmen.
Pikachu blickte traurig auf den See hinaus. Doch er sah ebenfalls Niemanden. Keine Marill… kein einziges Azumarill…

Auch dieses Jahr würden die Plätze gegenüber von ihnen leer bleiben.
Und wie er so mit glasigem Blick auf den See schaute, sah er plötzlich ein helles Licht über dem See. Er kniff die Augen zusammen und sah genauer hin.
über dem See schwebte eine Gestalt, und sie kam immer näher.
Er tippte Marill hastig an.
Mit Tränen übergossenem Gesicht setzte sie sich wieder hin.
Und sogleich traute sie ihren Augen nicht.
Am Ufer des Sees stand eine Gestalt. Man konnte nicht sehen, wer oder was es war, aber es verbreitete ein geborgenes Gefühl.
Geblendet von dem Licht über dem See sah man nur die Umrisse der Gestalt. „W-wer bist du…?“ fragte Pikachu vorsichtig und man konnte erkennen, wie die Gestalt eine Hand hob.
„Ich… Ich bin der, der an diesem Tage die Herzen aller Pokemon mit Glück erfüllt. Denn an Weihnachten wird denen Glück geschenkt, die lieben und Wünsche haben. Somit… Euch beiden!“
Die Hand verschwand wieder im Schatten und kam sogleich mit einem Schwung wieder hervor. Aus der Hand flogen viele kleine glitzernde Teilchen auf den See hinaus. Und als Pikachu und Marill auf den See hinaus schauten, verschwand die Gestalt. Doch anstelle von ihm erschien nun etwas anderes.
Zwei rundliche Wesen kamen aus dem Wasser gestiegen.
Und sofort stand Marill auf. Sie strahlte übers ganze Gesicht. Ihre Freude war unbeschreiblich groß. Denn das, was dort aus dem Wasser stieg, waren zwei Pokemon.
Marill und Azumarill!
„Mama! Papa!“ rief sie überglücklich und umarmte die beiden, so fest sie nur konnte. Azumarill streichelte ihr liebevoll über den Kopf und Marill lachte.
„Warum… Warum wart ihr so lange weg…?“ flüsterte sie und schmiegte sich an ihre Eltern. „Marill… Liebes… Wir sind nicht wirklich hier…“ flüsterte ihre Mutter.
„Deine Mutter hat Recht. Unsere Zeit ist begrenzt. Bald müssen wir wieder gehen…“ Marill ließ von den beiden Pokemon ab.
„Was?!“ rief sie verzweifelt. „Ich dachte, wir bleiben jetzt auf ewig zusammen!“ „Schatz… Unsere Zeit ist begrenzt… Wir können hier nicht lange bleiben.“ Erwiderte ihre Mutter. Marill senkte ihren Kopf.
„Aber es reicht, um hier zu bleiben, bis die Sonne aufgeht. Dann ist der Zauber gebrochen und wir müssen gehen…“ sagte das Azumarill.
Marill schaute ihre Eltern an und grinste. „Dann lasst uns keine Zeit verlieren! Lasst uns feiern! Und zwar das schönste Weihnachtsfest aller Zeiten!“
Marill freute sich und alle waren glücklich.
Sie lachten und spielten miteinander. Sie aßen gemeinsam und erzählten sich Geschichten. Und obwohl Marills Elter nur Geister waren, feierten sie das schönste Weihnachtsfest von allen.
Und Marill war von allen Pokemon dieser Welt bestimmt das Glücklichste.

Durch diese kalte Nacht hallte noch zum letzten Mal eine Stimme, begleitet von einem goldenen licht, das über den Horizont flog!
Frohe Weihnachten euch allen!