11. Dezember 2008
Fangeschichte von: Tsubaki aus Fahrdorf
First Christmas - Bisasams erste Weihnacht
(Aus Bisasams Sicht der Dinge)
Alles begann Ende November. Maike, meine liebe Trainerin, fing
an, sich seltsam zu benehmen. Sie war fröhlicher als sonst und redete
immer über „Weihnachten“ und „Schnee“. Allerdings machte ich mir
darüber keine weiteren Gedanken und beschloss, erst einmal abzuwarten.
Nach ein paar Tagen war Maike noch aufgeregter als vor kurzem.
Ich war ziemlich verwirrt, weil ich nicht verstanden habe, wie man
sich so freuen konnte, wenn es draußen eiskalt war. Winter war für
mich fremd. Aber ich mochte ihn jetzt schon nicht. Meine Trainerin
aber schien ihn sehr zu mögen. Sie fing an knisterndes Papier, welches
sehr bunt bedruckt war, zu kaufen und blieb vor den Schaufenstern von
Blütenburg City stehen. Ihre Augen schienen förmlich zu strahlen und
sie wünschte sich, dass ihre Eltern ihr dies zu „Weihnachten“
schenken.
Schon wieder dieses „Weihnachten.“ überall war es zu sehen. Auf
den Plakaten über den Läden, in den Gärten der Menschen und auch bei
Maike zu Hause. Es machte mich noch neugieriger, als auf einmal alle
anfingen ihre Häuser zu dekorieren mit bunten Lichtern. Die Wohnungen
waren geschmückt mit weißen Wattebäuschen und in den Gärten standen
große weiße Figuren aus Plastik, die schwarze Zylinder trugen und eine
Karotte als Nase. Aber die nur aus Plastik. Was mir sehr gefiel, war
der Schmuck im Haus. Kerzen leuchteten überall im Haus und es roch
nach frischem Gebäck. Alles war so, als ob ein Fest gefeiert werden
würde. Ich wollte so gerne wissen, was dieses Weihnachten war. Das
Einzige was ich wusste war, dass es etwas sehr schönes sein musste, da
alle lachten und fröhlich waren. Also beschloss ich am 23. Dezember
Maike zu befragen. Ich ging in ihr Zimmer, wo sie gerade diverse
Gegenstände wie Spielzeug oder Trainer Zubehör mit dem bunten Papier
verpackte.
Um ihre Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, gab ich einen Laut
von mir. Sie drehte sich lächelnd zu mir um und fragte mich, was ich
denn wolle. Nachdem ich einige Zeit benötigt hatte um ihr meine rage
verständlich zu machen, verstand sie. Ihr Gesichtsausdruck war etwas
überrascht. Ob es wohl schlimm ist nicht zu wissen was Weihnachten
ist? Meine Bedenken waren aber unnötig, da Maike anfing zu Lächeln und
mich hochhob auf ihren Schoß. Dann find sie an zu erzählen. Ich war
beeindruckt von dieser Geschichte und je mehr sie über Weihnachten
redete, desto schöner fand ich dieses Fest. Meine Trainerin erklärte
mir, dass es bei dieser Feierlichkeit um die Geburt eines Kindes geht.
Diese Geburt wird gefeiert, da das Kind eine wichtige Rolle in der
Geschichte spielt. Viel verstand ich davon nicht. Auch Maike meinte,
dass dies viel mit Religion zu tun habe. Ein anderer wichtiger Punkt
ist die Dekoration. Also diese ganzen Lichterketten und bunten
Girlanden waren damit gemeint.
Außerdem würde an Heiligabend der Weihnachtsmann kommen, durch
die Nacht fliegen und den Kindern, die brav waren, Geschenke bringen.
Die Menschen und Pokémon machten sich auch welche und Maike packte
gerade diese für ihre Freunde, Verwandten und Bekannten. Ich lächelte
glücklich. Weihnachten war so ein tolles Fest. Aber ehe ich mich
weiter freuen konnte, fiel mir etwas Wichtiges ein: Ich hatte gar kein
Geschenk für Maike und bald war es schon soweit!
Nach einer Weile widmete Maike sich wieder ihren Paketen und
deren Verpackungen. Sobald ich unten auf dem Boden war, entschloss ich
mich auf die Suche nach Gegenständen zu gehen, die man verschenken
konnte. Ich ging aus dem Haus und ging zuerst in die Stadt, um mich
dort umzusehen. In den Schaufenstern waren viele Spielzeuge,
Kleidungsstücke, Pokémon Zubehör und vieles mehr, alles umrahmt mit
glitzernden Sternen und weiße Watte war daneben gelegt. So viele
schöne Dinge, die zu kaufen waren, aber ich konnte mir nichts leisten,
da ich kein Geld hatte. Das Ergebnis nach einer Stunde war immer noch
eine leere Tasche. Enttäuscht verließ ich meine Heimat und ging in den
nahe gelegenen Wald, in der Hoffnung dort mehr Erfolg zu haben.
Auf meinem Weg verdunkelte sich der Himmel weiter und tauchte
sich nun in ein dunkles Grau. Und ehe ich mich versah schwebten kleine
weiße Kügelchen hinab. Es waren zuerst nicht viele, aber trotz der
dunklen Umgebung funkelten sie hell, wie kleine Sterne. Eine dieser
Flocken landete sanft auf meiner Nase und ich erschauerte. War das
weiße Ding kalt! Doch ehe ich es weiter betrachten konnte, löste es
sich in Wasser auf und fiel runter zu Boden, wo sich langsam eine
weiße Schicht aus diesen weißen Sternen bildete, was nun aussah wie
eine weiche Decke. Eine glitzernde und kalte Decke. Ein paar Minuten
verstrichen, wo ich nur diese Pracht anstarrte und bewunderte. Dann
erinnerte ich mich wieder an mein eigentliches Vorhaben und lief
weiter in die Tiefe des Waldes. Ich war eine Weile unterwegs und fand
nichts Passendes. Nicht einmal eine Beere oder eine Blume, denn alles
war bedeckt von dem weißen Puder, welches langsam reichlicher wurde.
Außerdem fielen sie nicht mehr nur einzeln. Immer mehr flog vom Himmel
zur Erde hinab und es entwickelte sich langsam ein Sturm.
Doch davon konnte ich mich nicht ablenken lassen. Ich musste
schnell etwas finden, denn Morgen war schon Weihnachten. Je tiefer ich
in den Wald ging, desto weniger wurde der Schnee, denn die Tannen
verhinderten das Durchkommen der Flocken. Es wurde langsam Abend. Der
Sturm war noch nicht eingetroffen, aber er war in diesem Moment leicht
abgeschwächt. Ich konnte die ersten Sterne am nächtlichen Firmament
aufblitzen sehen. Aus ein paar Sternen wurden mehr und mehr, aber die
Wolken verdeckten die leuchten Punkte am Himmel immer wieder. Auch der
Mond wurde von meiner Sicht abgeschirmt. Ein paar Schritte weiter
betrat ich eine Lichtung. Das verschleierte Mondlicht erhellte meinen
Weg und strahlte direkt an einen Baum. Was für eine schöne Tanne es
doch war. Mit dem Weiß auf den Nadeln und dem eindringenden Mondlicht
wirkte es, als seien Kerzen mit bläulichen Flammen auf dem Baum
angebracht. Selbst ohne jeglichen Schmuck war es ein wunderschöner
Anblick.
Meine Augen fielen auf den leicht weiß bedeckten Fleck
darunter. Dort war eine blaue Blume. Wie ein schimmerndes Licht in der
Dunkelheit hatte sie den weichen Boden durchbrochen und tanzte nun
leicht in dem aufkommenden Wind. Sie war das perfekte Geschenk für
Maike. Allerdings musste ich sie erst einmal vor dem Sturm retten,
denn dieser würde sie bestimmt fort wehen. Schnell rannte ich zu ihr
hin und grub ein Loch um die Pflanze herum, damit ich sie später
mitsamt ihrer Wurzel wieder einpflanzen konnte. So würde sie nicht
schnell verwelken und würde jedes Jahr aufs Neue ihre Schönheit
zeigen.
Schnell beendete ich meine Ausgrabung und legte die Pflanze
behutsam in meine Tasche. Hinzu füllte ich ein bisschen Erde. Gerade
als ich fertig war, kam ein starker Wind auf. Der Sturm war stärker
geworden und der Sternenhimmel war vollends unter den Wolken
verschwunden. Immer mehr Weiß kam vom Himmel und ich beeilte mich so
schnell wie möglich Heim zu gelangen. Dies stellte sich aber als sehr
schwierig heraus, da ich immer wieder Flocken in meine Augen bekam und
meine Sicht behinderte. Ich erkannte nur noch leichte Umrisse der
nebenstehenden Bäume. Weiter und weiter ging ich, bis mir so kalt war,
dass ich es nicht mehr aushalten konnte. Als ich mich nach rechts
drehte, sah ich ein Licht. Zuerst dachte ich, ich würde halluzinieren,
aber als ich näher kam, wurde das Licht immer stärker und heller. Noch
wenige Schritte trennten mich von einem Höhleneingang. Aus diesem
schimmerte das matte Licht. Ich entschied mich einzutreten, auch wenn
es gefährlich sein konnte, da es zumindest wärmer war als hier draußen
in der Kälte. In einem Sturm. Meine Blume hielt ich an mich gedrückt,
damit sie nicht kaputt ging.
Im Inneren loderte eine Flamme auf. Wärme erfüllte die
Umgebung. Ein paar Pokémon hatten sich hier niedergelassen, um sich
vor dem Wind zu schützen. Genauer gesagt waren es ein Glumanda, ein
Zigzachs und ein Azurill. Ihre Blicke ruhten auf mir, aber sie hießen
mich Willkommen und ich nahm die Einladung an, mit ihnen hier zu
sitzen und zu warten, bis der Sturm vorüber war. Ich setze mich zu
ihnen an die wärmende Glut. Die Wärme tat gut gegen die eisige Kälte
und aus dem Weiß, was ich auf mir trug wurde schnell Wasser. Nach
einer Weile war ich wieder ganz trocken.
Da wir nicht wussten, was wir anderes tun sollten, erzählten
wir etwas über uns, was wir zum Beispiel hier in der Kälte machten.
Glumanda war der Erste, der Erzählte. Er war auf der Reise mit seinem
Trainer von ihm getrennt worden und fand diese Höhle. Dort hatte er
auch das Feuer gemacht. Zigzachs hatte dem zugestimmt und gesagt, ihm
sei dasselbe passiert. Azurill hingegen wollte spielen und hatte sich
dabei zu weit von seiner Familie entfernt. Als dann auch noch der
Sturm aufkam fand es nicht mehr zurück. Azurill fing an zu weinen. Wir
alle versuchten sofort es zu beruhigen und versichertem ihm mit einem
Lächeln, dass alles wieder gut werden würde und seine Familie ihn
bestimmt schon suchen würde. Mir tat Azurill furchtbar Leid. Für so
ein kleines und junges Pokémon war es bestimmt nicht leicht gewesen,
sich in dem Chaos dort draußen zurecht zu finden und auch noch ganz
allein. Ich wurde auch ein wenig traurig. Morgen war Weihnachten und
wenn es nicht bald aufhörte so zu wehen, würde ich es nicht mehr
rechtzeitig nach Hause schaffen zu Maike und meinen Poké-Freunden. Und
mein Geschenk konnte ich ihr auch nicht mehr geben. Dabei hatte ich
mir so viel Mühe gegeben es zu finden.
Die Anderen bemerkten meinen traurigen Blick und fragten mich,
was geschehen sei. Ich erklärte ihnen, wie ich versucht hatte ein
Geschenk zu finden um es meiner Trainerin zu schenken. Sie schauten
betroffen zu mir. Doch meinten sie auch, ich solle die Hoffnung nicht
aufgeben und dass ich es bestimmt schaffen werde Maike es rechtzeitig
zu übergeben. Einen Moment legte sich Stille über uns. Nur das leise
knistern des Feuers war zu hören. Ich fasste mir wieder Mut und
versuchte wieder ein fröhliches Gesicht zu machen. Auf Einmal bekam
ich eine tolle Idee. Anstatt nur hier zu sitzen, konnten wir doch
Weihnachten feiern. Auch wenn wir keinen Weihnachtsbaum hatten mit
bunten Kugeln und Figuren und keine Geschenke, konnten wir es trotzdem
feiern. Weihnachten war schließlich das Fest der Liebe und nicht das
Fest der Trauer. Sofort gab ich meinen Vorschlag bekannt und die
Gesichter der anderen erhellten sich. Ich wusste zwar nicht wie man
dieses Fest feierte, aber die Anderen wussten es.
Wir fingen an Spiele zu spielen und versuchten auch
Weihnachtslieder zu singen. Natürlich nur so weit wie wir den Text und
die Melodie wussten. Auch wenn es recht schräg geklungen haben muss,
hat es mir viel Freude bereitet. In der Höhle fanden wir auch ein paar
Tsitrubeeren. Da knurrte uns der Magen plötzlich und wir fingen an zu
lachen. Wir beschlossen die Früchte zu essen. Wir spielten danach
wieder verschiedene Dinge. Darunter befand sich auch ein
Pantomime-Spiel. Die witzigsten Posen kamen dabei heraus und als
Glumanda einen Surfer imitierte, fingen wir alle an zu lachen und
lagen dabei auf dem Rücken.
Ich blickte zum Ausgang und bemerkte, dass der Sturm aufgehört
hatte und der Schnee, Zigzachs hatte mir erklärt was die weißen
Flocken waren, nur noch langsam fiel. Sofort zeigte ich dies meinen
neu gewonnenen Freunden und wir rannten hinaus. Draußen angekommen
stockte uns der Atem. überall war es weiß von dem vielen Schnee und
der Boden glitzerte, als ob Diamanten verstreut worden wären. Das
matte Licht der Morgendämmerung schimmerte hin und wieder durch die
Schneewolken hindurch und verschönerte den Anblick noch weiter. Es
wirkte wie ein Wunderland aus Schnee und Eis, völlig unberührt von
Fremden Kreaturen. Doch länger konnten wir den Anblick nicht genießen,
denn wir mussten zurück.
Der Abschied war alles andere als leicht. In der kurzen Zeit
waren wir sehr gute Freunde geworden und hatten viel Spaß gehabt.
Einzelne Tränen kullerten uns aus den Augen, hinab auf die weiße
Oberfläche. Dort schienen sie wie Kristalle zu gefrieren. Auch wenn
wir traurig waren, freuten wir uns, denn wir hatten uns immerhin
getroffen und eines Tages würden wir uns auch Wiedersehen. Unsere Wege
trennten sich in unterschiedliche Richtungen. Ich schaute noch einmal
zurück zu ihnen und für einen Moment schienen sich unsere Blicke noch
einmal zu treffen. Dann verschwanden die letzten Umrisse.
Auch ich machte mich zurück auf den Weg zurück. Mit meiner
Blume im Gepäck ging ich den Pfad entlang. Der tiefe Schnee machte es
mir nicht einfach zu laufen und ich sank immer wieder hinein in das
kalte Weiß. Am Abend kam ich an in Blütenburg City. Ich war etwas
müde, aber fröhlich und glücklich. Ich klopfte mit meinen Ranken an
die Tür und Maike öffnete mir in Tränen. Sie sah zu mir herunter und
noch mehr von den salzigen Tränen tropfte ihre Wangen runter. Sofort
kniete sie sich zu mir runter und umarmte mich stürmisch. Sie weinte
immer noch, aber diesmal waren es Freudentränen. Immer wieder sagte
sie mir, wie sehr sie mich vermisst hatte und das sie sich Sorgen
gemacht hatte. Ich konnte mich nun auch nicht mehr länger zurückhalten
und fing auch zu weinen an.
Nach ein paar Minuten stand Maike auf und wir gingen hinein.
Maikes gesamte Familie und alle ihrer Pokémon standen dort und
warteten auf uns. Ich war überglücklich, dass alle auf mich gewartet
hatten und sich freuten mich wieder zu sehen. Als wir zu Ende gegessen
hatten, kam die Bescherung. Ich wollte meiner Trainerin die Blume
geben, aber als ich die Pflanze ansah war sie schlaff und die Blüten
hingen herab. Betrübt schaute ich sie weiter an und Maike kam zu mir
rüber, als sie bemerkte, dass etwas nicht stimmte.
Sie schaute auf die Blume und fing auf einmal an zu lächeln.
Ich schob ihr die geschwächte Blume hin und sie freute sich trotzdem.
Verwundert schaute ich zu ihr auf. Ich verstand nicht warum sie
glücklich darüber war. Mit einem kurzen „Komm mal mit“ gingen wir
zusammen nach draußen. Maike hatte die Blume in den Händen. Ich sah
ihr zu, wie sie sich auf den Boden kniete und den Schnee beiseite
schob. Vorsichtig grub sie mit ihren Händen eine kleine Mulde und
setzte das blaue Gewächs hinein, bedeckte es behutsam wieder mit Erde
und wärmte ein bisschen Schnee auf, um die Blume mit Wasser zu
begießen. Neugierig schaute ich zuerst auf die Blume und dann auf
Maike. Sie lächelte wieder und sagte mir etwas: „Du brauchst nicht
traurig sein Bisasam. An Weihnachten sind nicht die Geschenke das
wichtigste, sondern die Liebe die man den Menschen entgegenbringt und
das man seinen Lieben zeigt, dass sie einem wichtig sind. Der Gedanke
ist das, was zählt.“ Ich verstand was sie mir sagen wollte und
lächelte auch wieder. „Und wenn wir es uns ganz fest wünschen, wird
der Weihnachtsmann vielleicht die Blume wieder erblühen lassen.“ Meine
Trainerin zwinkerte mir zu und wir gingen zurück ins Haus um mit
unseren Freunden und unserer Familie zu feiern. Als ich mein Heim
betreten wollte, hörte ich leise Glocken und schaute noch einmal
zurück. Dort glitzerte bunter Staub auf die blaue Blume herab und ehe
ich mich versah blühte sie wieder in ihrem alten wunderschönem Blau.
Ich schaute hinauf zum schneegefülltem Himmel und einen kurzen
Augenblick konnte ich die schleierhafte Silhouette eines Mannes in
einem Schlitten sehen. Glücklich schaute ich ihm nach, obwohl er schon
verschwunden war.