9. Dezember 2008
Fangeschichte von: Lupa aus Berlin
Die Hüter des Schnees
Jedes Jahr um die Weihnachtszeit übernachtete Sarah ein paar
Tage bei ihrer Freundin Nina. Am zwölften Tag vor Weihnachten setzten
sie sich mit ihren Pokémon Igelavar, Riolu, Hydropi und Evoli vor das
Kaminfeuer und wollten wieder die alte Geschichte hören. „Bitte, Mama,
erzähl uns die Geschichte von den Hütern des Schnees“, bat Nina ihre
Mutter. „Ja, Tante Katja“, meinte Sarah. „Evo evoli“, fügte ihr Evoli
hinzu. „Ihr müsstet die Geschichte doch langsam auswendig kennen“,
sagte Katja lachend, „dann hört gut zu: Es gab einmal eine Zeit, in
der das Wetter in diesem Tal wütete. Der Sommer war unerträglich warm,
die Pokémon und unsere Vorfahren litten unter der Hitze. Ohne
Vorwarnung konnte das Wetter plötzlich zu starken, lang anhaltenden
Platzregen wechseln, die die beiden Flüsse überlaufen ließen. Im
Winter fiel zur Trauer der Kinder keine einzige Schneeflocke, dafür
war es eisig kalt. Häufig waren die Brücken so stark zugefroren, dass
es lebensgefährlich gewesen wäre, hinüberzugehen. So war unser Dorf
von der Außenwelt abgeschnitten. Auch die Pflanzen konnten diese
extremen Wetterwechsel kaum aushalten; den Menschen war es fast
unmöglich genug zum überleben anzubauen.
Das Gebirge, welches sich um das Tal legte, war größtenteils
verschont von den Wettereinflüssen. Auf den Spitzen lag das ganze Jahr
über eine recht hohe Schneeschicht; auf dem höchsten Gipfel lebte eine
Gruppe Absol. Während eines Sommers wurden zwei Absol geboren. Die
Geschwister sahen sich ziemlich ähnlich bis auf einen kleinen
Unterschied. Das weibliche Absol hatte eine andere, seltenere Farbe,
ihre Fellfarbe war Rot. Schnell merkten die Absol, dass beide seltsame
Fähigkeiten besaßen. Sie konnten das Wetter beeinflussen. Seitdem die
Geschwister auf der Welt waren, hatte sich die Sommerhitze
normalisiert; die starken Regenschauer hatten ebenfalls nachgelassen.
Auch die Temperaturen im Winter waren etwas gestiegen, nur der Schnee
fehlte immer noch. Von einer unbestimmbaren Macht getrieben, gingen
die kleinen Absol kurze Zeit vor Weihnachten ins Tal, ihnen folgte der
Schnee hinunter. Vorerst blieben sie im nahen Wald, der Schnee
erreichte nun auch unser Dorf.
Am elften Tag vor Weihnachten verließ der Bruder den Wald und
lief zum Dorf. Dabei kam er am Dorfesrand an einer seltsamen
Steinformation vorbei. Die Steine existierten schon, als unsere
Vorfahren das Tal besiedelten. Es waren fünf große Pokémonfiguren, die
vier äußeren Figuren gehörten zu den vier Elementen. Glutexo für das
Feuer im Osten, Folipurba im Süden für die Erde und die Pflanzen, im
Westen Raichu für die Luft und die Blitze und Tyracroc im Norden für
das Wasser. Sie bildeten einen Kreis um den fünften Stein. Als Absol
den fünften Stein näher betrachtete, hielt er kurz inne. Er konnte
seinen Augen nicht trauen, der Stein stellte zwei Absol dar, die ihm
und seiner Schwester verblüffend ähnlich sahen. Jedes von den
Steinpokémon hatte in seinen Pfoten oder auf dem Kopf eine
Steinschale, in der sich eine durchsichtige, weiße Kugel befand.
Schließlich wandte Absol den Blick ab und lief weiter zum Dorf. Am
Dorfeingang begegnete er einer älteren Frau, ihre Blicke trafen sich,
da geschah etwas Seltsames: Glutexos Kugel leuchtete kurz auf und
entzündete sich danach in einer intensiv glühenden Flamme. Dieses
seltsame Ereignis erschreckte sowohl Mensch als auch Pokémon, die Frau
wich zurück und Absol floh in den Wald. Seiner Schwester erzählte er
davon, sie wunderte sich genauso.
Absol wagte sich an den folgenden drei Tagen wieder ins Dorf.
Am ersten Tag begegnete er einem jungen Trainer mit seinem Rattfratz,
Folipurbas Kugel entzündete sich. Die Kugel von Raichu entflammte am
zweiten Tag durch eine Begegnung am Waldesrand. Als Absol am dritten
Tag den Bürgermeister traf, leuchtete zuletzt noch Tyracrocs Kugel mit
einer lodernden Flamme auf. Mit Verwunderung aber ohne Angst
beobachteten die Dorfbewohner die Geschehnisse. Sie freuten sich über
die Anwesenheit von Absol, da es - seit die Geschwister sich im Wald
aufhielten – zum ersten Mal schneite. Weiterhin wurde ihnen klar, dass
die Absol für die Veränderung des Wetters verantwortlich waren.
Weihnachten rückte immer näher, es war der siebte Tag vor dem Fest.
Die Schwester versuchte ihren Bruder zu überreden: „Brüderchen, bitte
lass’ mich heute ins Dorf gehen. Ich möchte auch eine Flamme
entfachen.“ „Das ist viel zu gefährlich! Die Menschen haben noch nie
ein rotes Absol gesehen. Wer weiß, wie sie reagieren werden?“ Sie
entgegnete: „Dann komm doch einfach mit. Ich gehe hinunter und du
folgst mir in einem angemessenen Abstand.“ „Na gut“, antwortete Absol
trotzig. So kam sie ins Dorf und begegnete dort einem kleinen Mädchen.
Dem Mädchen gefiel das Absol mit der schönen roten Fellfarbe, sie gab
ihr den Namen Amy. Da unsere Vorfahren sie von nun an so nannten,
behielt sie den Namen. An dieser fünften Begegnung mit den
Geschwistern war etwas anders. Die Kugel der Absol-Figur entzündete
sich zwar, brannte jedoch mit einer leuchtend blauen Flamme. Amy
kehrte schnell zu ihrem Bruder zurück, die Dorfbewohner und die Absol
wunderten sich über die andersfarbige Flamme. Da bemerkten sie, dass
nicht nur die Absol wundersame Fähigkeiten besaßen, sondern auch der
Schnee. Ab dem Moment, wo die blaue Flamme entfacht worden war, begann
der Schnee seine regenerierende Wirkung zu entfalten. Der Boben wurde
wieder fruchtbar und die Pflanzen konnten sich erholen, sie wuchsen
schneller, höher und schöner. Ebenso gefiel den Pokémon diese
Veränderung, denn sie fanden jetzt mehr Nahrung. Menschen und Pokémon
beobachteten die Flammen weiter, es war unerklärbar, warum die Flammen
nicht erloschen. Die fünf Feuer brannten eine Woche lang. Schließlich
kam der Weihnachtstag, die äußeren Flammen färbten sich ebenfalls
blau. Wie jedes Jahr schmückten die Dorfbewohner einen großen
Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz; durch ein kleines Turnier wählten
sie denjenigen aus, der das letzte Schmuckstück – ein goldenes Sterndu
– anbringen durfte. In diesem Jahr gewannen eine junge Trainerin und
ihr Feurigel diese Ehre. Nachdem sie das Sterndu aufgehängt hatten,
bemerkten sie, dass Amy und Absol am Rand des Marktplatzes standen.
Fröhlich luden die Dorfbewohner die Geschwister zur Feier ein, sie
waren ihnen sehr dankbar für ihren Segen – den Schnee. Als der nächste
Tag anbrach, erloschen auf einmal die Flammen; der Schnee verlor seine
heilenden Fähigkeiten, jedoch hatte er genug für das Tal getan. Amy
und Absol kehrten zurück in die Berge, wenige Wochen später war der
Schnee komplett verschwunden. Sehr oft kamen die Absol im Jahr nicht
hinunter, nur manchmal hielten sie sich im Wald auf. Von nun an
verließen sie jedes Jahr um dieselbe Zeit ihr Zuhause und kamen mit
dem Schnee ins Tal, um die Flammen zu entzünden und mit den Menschen
Weihnachten zu feiern. Sogar als ihre Gruppe weiter zog, blieben die
Geschwister hier. Die Dorfbewohner warteten immer sehnsüchtig darauf,
den Absol während dieser fünf Tage „zufällig“ zu begegnen, denn die
Menschen, durch deren Blickkontakt die Flammen entzündet wurden,
hatten im nächsten Jahr das meiste Glück. Um die Absol zu ehren,
bauten die Menschen einen kleinen Tempel für die Steinpokémon. Mit der
Zeit wurde aus dem Dorf die kleine Stadt, in der wir heute leben. Es
ist jetzt schon über 200 Jahre her, doch Absol und Amy halten das
Wetter immer noch im Gleichgewicht und besuchen uns jedes Jahr zu
Weihnachten.“ Sarah und Nina waren erstaunt, wie jedes Mal, wenn sie
die Geschichte hörten. Nina wandte sich an ihre Pokémon: „Igelavar,
Riolu, dieses Jahr müssen wir wieder versuchen, eins der Absol zu
treffen. Was sagt ihr dazu?“ „Lava!“ „Riolu!“ Sarah sagte: „Ja, dieses
Jahr klappt es bestimmt. Und morgen ist schon der elfte Tag vor
Weihnachten.“ In freudiger Erwartung legten sie sich schlafen. „Gute
Nacht, Freunde.“ „Evo.“
Es schien ein ganz normales Weihnachtsfest zu werden, doch
dieses Jahr war etwas anders. Natürlich hatte sich die Geschichte von
den Absol in den anderen Gebieten verbreitet, aber einige wollten die
Absol für ihre Zwecke nutzen. Seit dem Sommer wohnte der junge
Professor Frings mit seinen Assistenten in der Stadt. „Professor
Frings, wie lange wollen Sie noch warten? Wir können doch einfach in
die Berge gehen und die Absol einfangen“, fragte ein Assistent. Ein
anderer fügte hinzu: „Wozu brauchen Sie die Pokémon eigentlich. Das
sind doch nur Absol.“ Leicht gereizt antwortete Professor Frings: „Nur
Absol? Diese Absol sind über 200 Jahre alt. Das Weibchen namens Amy
ist ein seltenes rotes Absol. Und das Wichtigste sind ihre
Fähigkeiten, sie können das Wetter manipulieren!“ Er wandte sich um
und zog ein Tuch von einem großen Käfig. „Eins von den Absol genügt,
wir werden warten, bis Amy am siebten Tag ins Dorf kommt, sie ist im
Schnee leichter zu sehen. Mit ihren Fähigkeiten werden wir die Welt
unterwerfen.“
Die beiden Freundinnen wachten am Morgen früh auf, sie wollten
Absol nicht verpassen. Doch sie wurden enttäuscht. Kaum hatten sie
fertig gefrühstückt, da hörten sie ihre Nachbarin rufen: „Da war er!
Ich habe Absol gesehen!“ Schnell liefen die Mädchen zu dem Tempel,
welcher am Stadtrand stand. Sarahs Hydropi und Evoli rannten voraus,
sie entdeckten als erste Glutexos Flamme. Auch am folgenden Tag waren
die jungen Trainerinnen zu spät. Zusammen mit ihren Pokémon
schlenderten sie über den Weihnachtsmarkt. Riolu spürte hinter sich
etwas und sah beim umdrehen Absol. Er zerrte an Ninas Jacke, aber als
sie sich umschaute, war Absol bereits wieder verschwunden. Wieder
suchten sie den Tempel auf, Folipurbas Kugel war durch einen
Budenbesitzer entfacht worden. Der dritte Tag lief auch nicht besser.
Die Mädchen waren Babysitter und machten sich gerade etwas zu Essen,
da blickte Absol durch das Fenster in die Augen des Kindes. Nina bekam
nur noch Absols Schweif zu Gesicht. Jetzt leuchtete Raichus Flamme.
Ihre Laune sankt noch weiter, nachdem sie am vierten Tag erfahren
hatten, dass Schwester Joy die vierte Kugel entzündet hatte. Aber ihre
letzte Chance wollten sie nicht verpassen. Deshalb sagte Nina am Abend
des achten Tages vor Weihnachten: „Morgen müssen wir Amy treffen, ich
habe keine Lust noch ein Jahr zu warten! Damit wir nicht wieder zu
spät sind, sollten wir noch vor Sonnenaufgang aufstehen. Es ist
wahrscheinlich am Besten, wenn wir am Waldesrand auf Amy warten.“
Da saßen sie nun zitternd in der Morgendämmerung und warteten
auf Amy. Allerdings waren sie nicht die Einzigen. Professor Frings
hatte sich mit seinen Assistenten hinter dem Tempel versteckt. Ein
Assistent fragte: „Professor, was machen wir mit den Kindern und ihren
Pokémon?“ „Es ist gut, dass sie da sind. Sie können Amy für uns
ablenken. Falls sie Amy beschützen wollen, ist das auch kein Problem;
ihre Pokémon sehen sehr schwach aus“, erwiderte Professor Frings.
Plötzlich war es soweit, Amy schritt aus dem Wald heraus und bewegte
sich auf Nina und Sarah zu. Die drei blickten einander tief in die
Augen, sie konnten regelrecht hören, wie die Flamme der Absol sich
entzündete. Sie blickten zum Tempel und bemerkten den blauen Schimmer,
der neben den anderen Lichtscheinen entstand. Der Professor machte
sich bereit, er holte einen Pokéball aus der Tasche. Während Evoli und
Riolu ein wenig dösten, spürten Hydropi und Igelavar, dass sich noch
weitere Personen in ihrer Umgebung befanden. Verzweifelt versuchten
sie, ihre Trainerinnen zu warnen, aber der Professor war schneller. Er
warf einen Pokéball, aus diesem erschien ein Lohgock. Nina und Sarah
waren vor überraschung erstarrt. Die Assistenten schickten ebenfalls
ihre Pokémon in den Kampf, es waren zwei Stahlos, drei Bojelin, ein
Roserade sowie ein Gastrodon. Professor Frings rief seinem Pokémon zu:
„Lohgock, greif’ Absol mit Himmelhieb an!“ Amy wollte fliehen, doch
Lohgock war schneller. Es traf das Absol mit einem mächtigen Schlag
und sie landete betäubt im Schnee. Nina sagte schnell zu Igelavar:
„Igelavar, lenke Lohgock mit Sternschauer ab. Riolu, du setzt Konter
ein, falls sie wieder angreifen.“ Igelavar drängte durch Sternschauer
das Feuerpokémon zurück, Riolu bereitete sich auf einen erneuten
Angriff vor. Des Weiteren hielten Hydropi und Evoli die anderen
Pokémon durch Aquaknarre und Sandwirbel auf Abstand.
Während des Kampfes kam Amy wieder zu sich; als sie versuchte
aufzustehen, bemerkte sie, dass ihre Hinterpfote verletzt war.
Inzwischen hatte auch ihr Bruder die Kampfgeräusche vernommen und
rannte in Richtung des Dorfes. /Die Pokémon der Kinder sind ganz schön
stark,/ dachte Professor Frings, /ich muss sie ausschalten/. Er
blickte sich nach Roserade um: „Roserade, setz’ Schlafpuder ein!“
„Rose!“ Es versprühte sofort seine einschläfernden Sporen; bevor die
kleinen Pokémon einschliefen, hörten sie, wie Amy jemanden anschrie:
„Brüderchen, lass’ dich nicht einfangen! Kümmere dich nicht um mich,
geh’ zurück in die Berge!“ Absol musste hilflos mit ansehen, wie seine
Schwester in einen Käfig gesperrt wurde. Ihm wurde klar, dass das
spezielle Material der Gitterstäbe ihre Fähigkeiten blockierte. Er
wurde sehr wütend, lief zurück in den Wald, drehte sich noch einmal um
und sagte schließlich mit düsterer Stimme: „Ihr Menschen, die ihr euch
in dieses Dorf eingeschlichen habt, werdet für diese Tat bezahlen. Wir
verändern das Wetter zu Gunsten der Dorfbewohner. Nun wird das Wetter
euch für eure Missetat bestrafen.“ Nach diesen Worten zog er sich noch
tiefer in den Wald zurück, die wilden Pokémon ahnten etwas und folgten
Absol, um sich in Sicherheit zu bringen. Die Assistenten brachten Amy
in ihr Labor, im Tempel erloschen die vier äußeren Flammen und die
mittlere färbte sich schwarz. Der Schnee außerhalb des Waldes schmolz
binnen weniger Minuten und die kalten Temperaturen setzten wieder ein.
Allerdings konzentrierte sich die schlimmste Kälte auf das Labor, in
dem Amy gefangen war. Sofort stiegen durch die Wassermassen die
Wasserstände der Flüsse an, die Einwohner mussten durch knöcheltiefes
Wasser waten. Einige Kellerräume von Professor Frings Labor waren
voller Wasser.
Nina träumte gerade von ihrem Sieg gegen Silvana, da spürte sie
kleine Berührungen an ihrem Arm. Langsam öffnete sie die Augen und
sah, dass sie von Igelavar angestupst wurde. Vorsichtig stand sie auf,
auch Sarah und deren Pokémon waren wieder auf den Beinen. Mit fester
Stimme meinte Nina: „Amy muss befreit werden.“ „Aber wie?“, fragte
Sarah. „Es wäre am Besten, wenn wir das Labor erst einmal beobachten.
Vielleicht fällt uns dann etwas ein“, entgegnete Nina. Igelavar
knurrte leise zustimmend. Die ganze Woche über schlichen die Mädchen
um das Labor und suchten nach einer Möglichkeit Amy zu helfen. In
dieser Woche waren die Temperaturen immer weiter gesunken; die Natur
konnte sich nicht regenerieren, weil kein heilender Schnee fiel.
Am Weihnachtstag mussten sie handeln, sie hatten ein Telefonat
des Professors belauscht. „Ja. Ich werde das Absol noch heute nach
Schleiede bringen. Sobald sie da ist, benachrichtige ich Sie sofort.
Diese Steinpokémon werden ebenfalls abtransportiert.“ Die beiden
Freundinnen warteten, bis nur noch ein Assistent im Labor war.
Igelavar brannte ein Loch durch die Tür und schaltete Roserade mit
Flammenrad aus. Hydropi und Evoli griffen den Assistenten mit Tackle
an und schlugen ihn KO. ängstlich beobachtete Amy das Geschehen. Sie
verlor diese Furcht, als der Käfig durch einen weiteren Tackle
zerstört wurde. „Wir möchten dich zu deinem Bruder zurückbringen“,
erklärte Riolu. „Vielen Dank“, war die freudige Antwort. Im Tempel
entflammte erneut Glutexos Kugel. Die Kälte ließ etwas nach und auch
der Wasserstand sank wieder.
Amy schwankte zwar anfangs beim Laufen etwas, jedoch war ihre
Verletzung wieder verheilt. Während sie durch die Stadt liefen,
entdeckten sie keine weiteren Assistenten. Die Stadtbewohner begrüßten
Amy fröhlich. Als sie plötzlich Professor Frings näher kommen sahen,
versteckten sie Amy schnell unter einem Süßigkeitenstand. Foliburbas
Flamme ging wegen der Hilfsbereitschaft der Menschen wieder an. Am
Tempel angekommen bemerkte die kleine Truppe, dass Stahlos und ein
Bojelin die Raichufigur wegtrugen, ihre Trainer warteten an einem
Lieferwagen. Riolu setzte sofort Ruckzuckhieb ein, Bojelin wich aus
und warf dabei die Figur in die Luft. Hydropi griff geschickt das
größere Stahlos an. „Die Figur darf nicht zerbrechen“, rief Nina.
Sarahs Evoli rannte zu dem fallenden Raichu, noch im Laufen
entwickelte es sich auf einmal in ein Psiana. „Psiana, fang die Statue
mit Psychokinese!“, befahl Sarah. Psiana strengte sich an und ließ das
Raichu in der Luft schweben, setzte es danach an seinen gewohnten
Platz. Kaum war es abgesetzt, entflammte die Kugel. Nina und Sarah
sagten Psiana und Riolu, dass sie am Tempel warten sollten, damit
niemand versuchen konnte, die Statuen zu stehlen. Die Mädchen zogen
mit Amy weiter Richtung Wald. Kurz vor dem Waldesrand trafen sie
Absol, der seine Schwester beim Begrüßen fast umrannte. Auch er war
ihnen sehr dankbar für die Rettung von Amy. Doch so schnell wollte
Professor Frings nicht aufgeben. Er und seine Assistenten warfen ihre
Bälle, Stahlos griff als Erster Absol an. Nina ließ Igelavar mit
Flammenrad angreifen, Stahlos wurde zurückgeschleudert. Absol war
überrascht über die Hilfe der Menschen, Tyracrocs Kugel entzündete
sich, zudem begann es zu schneien. Die Mädchen und Absol versuchten,
die zwei Bojelin, Gastrodon und Lohgock fern zu halten, doch die
Gegner waren zu stark. Wie zuvor Evoli entwickelte sich nun auch
Igelavar; das Tornupto sorgte mit seinem Flammenwurf dafür, dass die
Pokémon zurückwichen. Jedoch hielt diese Wirkung nur kurz an, dann
stürzten sich die Gegner auf die Geschwister. Ohne zu zögern stellten
sich Nina, Sarah und Tornupto mutig dazwischen.
In diesem Moment geschah im Tempel etwas, was noch nie
vorgekommen war: Die mittlere Flamme nahm wieder ihre blaue Farbe an,
die vier äußeren erhielten ebenfalls kurzzeitig ihre Blaufärbung.
Danach erstrahlten alle Flammen schneeweiß, Riolu und Psiana schauten
sich verwundert an. Zudem erhielt der Schnee wieder seine heilende
Wirkung, nur dieses Mal war sie um ein vielfaches stärker. Amy spürte
die Weißfärbung der Flammen und richtete sich auf, ihre Augen glühten
noch intensiver rot. Sie sprach mit seltsamer Stimme: „Lapides
vivite!“ Um sie herum bildete sich ein rot scheinendes Kraftfeld,
welches sich wie eine Schallwelle nach allen Seiten über das Tal
ausbreitete. Kamen Menschen oder Pokémon mit dieser Kraft in Kontakt,
so nahmen sie eine wohlige Wärme war. Auch der Tempel wurde von dieser
Kraft getroffen, Psiana und Riolu liefen verunsichert hin und her. Da
bemerkten sie, dass die Augen der Steinpokémon aufleuchteten; Glutexos
rot, Folipurbas grün, Raichus gelb und Tyracrocs blau. Die beiden
zuckten erschrocken zurück, als Folipurba und Tyracroc anfingen zu
knurren, Glutexos Steinflamme am Schwanz wurde zu einer richtigen
Flamme. Noch etwas steif fingen die Statuen an sich zu bewegen,
vorsichtig setzten sie ihre Schalen mit den schneeweißen Flammen ab,
Raichu half Folipurba. Anschließend machten sich die erweckten Pokémon
auf den Weg in den Wald. Bevor das kleine Riolu und Psiana den
Steinpokémon folgten, lasen sie noch schnell die Inschrift auf dem
Sockel der Absolstatue: „Geraten die Hüter des Schnees unter der
schwarzen Flamme in Gefahr, so erweckt die rote Hüterin die alten
Wächter, die Wächter beschützen sie im Schein der weißen Flamme.“
Professor Frings gab einfach nicht auf, immer wieder ließen er
und seine Assistenten ihre Pokémon angreifen, den Pokémon der beiden
Mädchen ging allmählich die Kraft aus, auch die Geschwister waren
schon sehr schwach. In der Zwischenzeit hatten die wilden Pokémon
versucht, den Absol zu Hilfe zu kommen, doch auch sie waren zu
schwach. Die Steinpokémon tapsten weiter durch den Schnee in Richtung
Wald, die Menschen, die die Pokémon sahen, folgten den lebenden
Steinen. Auf dem Kampffeld bemerkten beide Seiten nichts von der
herannahenden Truppe, Psiana und Riolu rannten voraus und berichteten
ihren Freunden: „Da war so ein rotes Licht, welches die Statuen traf.
Auf einmal begannen sie sich zu bewegen, sie sollen den Hütern des
Schnees helfen. Gleich werden sie hier sein.“ Ungläubig fragte
Tornupto: „Die Steinpokémon sind auf den Weg hierher? Wie soll das
funktionieren?“ „Seht, da hinten kommen sie. Ich kann schon Glutexos
brennenden Schweif sehen!“, rief Hydropi. Auch ihre Trainerinnen und
deren Gegner hatten mittlerweile die laufenden Statuen bemerkt.
„Bojelin, greif diese komischen Gestalten mit Aquaknarre an!“, befahl
der Prossesor. Die Bojelin folgten der Anweisung, aber ihre Angriffe
zeigten keinerlei Wirkung. Verängstigt erstarrten die Pokémon, die
Assistenten wichen langsam zu einem Hubschrauber zurück, der hinter
einer Baumgruppe versteckt worden war.
Jetzt hatten die Pokémon den Kampfplatz erreicht, die
gegnerischen Pokémon griffen noch einmal an, aber es half nicht.
Glutexo schaltete Stahlos aus, Raichu die Bojelin und Folipurba das
Gastrodon. Tyracroc schnappte sich das starke Lohgock des Professors.
Es gab nur eine Möglichkeit: Flucht. Der Professor und seine
Assistenten riefen die Pokémon zurück in die Pokébälle und flüchteten
mit dem Hubschrauber. Nina, Sarah und die Absol hatten sich inzwischen
wieder erholt, sie blickten die Steinpokémon erstaunt an. Diese kamen
näher, blieben vor den Absol stehen und verneigten sich vor den Hütern
des Schnees. Zuerst zögerten die Geschwister, dann erwiderten sie den
Gruß; Nina, Sarah und ihre Pokémon ebenfalls. Fast die ganze Stadt
hatte sich vor Wald und Tempel versammelt, die Flammen brannten immer
noch schneeweiß. Nun drehten die Statuen sich um und gingen zurück zum
Tempel, die Absol und ihre neuen Freunde folgten ihnen. Nachdem sie
dort angekommen waren, kehrten die Wächter an ihre Plätze zurück und
nahmen ihre Flammen an sich. Anschließend erloschen ihre Augen und es
waren wieder leblose Statuen. Für einen Moment schlossen die Menschen
und die Pokémon die Augen und dankten den Wächtern schweigend für ihre
Hilfe.
Als Abschluss des Tages sollte wieder der große Weihnachtsbaum
geschmückt werden. Allerdings war es in diesem Jahr nicht schwer,
denjenigen zu finden, der das goldene Sterndu anbringen durfte. Alle
waren sich einig, dass niemand besser geeignet gewesen wäre als Nina
und Sarah. Amy musste dabei an die junge Trainerin und deren Feurigel
denken, die an ihrem ersten Weihnachten das Sterndu aufhängen durften.
Nina und Sarah gaben Riolu und Hydropi das Sterndu, die kleinen
Pokémon überlegten, wie sie an die hohe Spitze kommen sollten. Absol
hatte eine sehr hilfreiche Idee. Die beiden Pokémon kletterten auf
einen kleinen Schneehügel, Absol setzte vorsichtig Klingensturm ein.
Durch die Wucht der Attacke wurden Riolu und Hydropi mit dem Sterndu
in die Luft befördert. Sie flogen gerade hoch genug, um das Sterndu
auf die Baumspitze zu stecken. Sicher landeten sie auf Absols Rücken.
Die anschließende Feier dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Der
Schnee verlor wieder seine heilende Kraft; im Tempel färbten sich die
Flammen blau und erloschen dann, um nächstes Jahr von den Hütern des
Schnees wieder entzündet zu werden.