7. Dezember 2008
Fangeschichte von: Kimberly aus Handeloh
Nicolas Begegnung mit Botogel
Ein eisiger Wind kam vom Gipfel herab und fuhr Nicola ins
Gesicht. Fröstelnd schlang sie sich ihre Jacke enger um den Leib. Doch
die half wenig bei diesen niedrigen Temperaturen. Neidisch blickte sie
zu ihrem Evoli, das sich ausgelassen im Schnee wälzte und sich dem
Schneesturm mit seinem dicken Winterfell trotzig entgegenstellte. "War
vielleicht doch keine so gute Idee über den Berg zu gehen, oder?",
rief sie ihrem Evoli zu. Wegen des starken Sturms musste sie schreien,
damit Evoli sie hören konnte. Es hob den Kopf aus dem Schnee und
rannte zu ihr. "Evo- Evoli?", fragte es. "Ich wollte dich fragen, ob
es eine gute Idee war, über den Berg zu gehen!" "Evoli!", antwortete
es entschieden: Doch! Nicola wollte es gerade fragen warum, als sie
über sich einen Hubschrauber hinwegfliegen hörte.
"Das war doch ein Hubschrauber, oder? Komm, wir folgen ihm!"
Evoli nickte und sie stürmte los. In dem hohen Schnee war es nicht
leicht, das Gleichgewicht zu halten, aber Evoli zeigte ihr die
glitschigen Stellen rechtzeitig, sodass sie ausweichen konnte. Langsam
wurde das Motorengeräusch wieder lauter. Nicola wunderte sich. Müssten
sie nicht langsamer als der Hubschrauber sein, selbst bei so einem
Schneesturm? Wahrscheinlich war er angehalten, oder er kam ihnen
entgegen. Als Evoli und sie eine Baumgruppe durchquert hatten, sahen
sie den Hubschrauber etwa hundert Meter weiter vorne in der Luft
schweben. Eine Strickleiter hing aus seiner Tür und unter dem
Helikopter standen zwei in schwarz gekleidete Gestalten, die ihre
Pokémon aus ihren Pokébällen gelassen hatten: Ein Hunduster und ein
Luxio.
Doch etwas stimmte da nicht! Die Typen zogen ein Netz hinter
sich her, in dem sich etwas lebendiges befand, denn es sträubte sich.
"Stop!", schrie sie. Die Gestalten blickten kurz in ihre Richtung,
widmeten sich dann aber wieder dem Netz, das sie nun an einer
Halteleine des Hubschraubers befestigten. "Schnell Evoli, wir müssen
etwas tun!" Sie rannte los, dicht hinter Evoli. Die Leute beeilten
sich jetzt. Sie wollten offensichtlich nicht gestört werden. Auf
halber Strecke konnte Nicola das Zeichen auf dem Hubschrauber
erkennen. Als sie es sah, erschrak sie und rannte noch verbissener
weiter. Es war ein R.
"Halt! Was machen Sie da?", rief sie. Einer der Typen drehte
sich um. "Hau ab, Kleine", blaffte er, "das hier ist kein Spielplatz!"
"Was haben Sie da in dem Sack? Lassen sie es frei!" Nun drehte sich
auch die andere Gestalt um. "Das geht dich absolut nichts an.
Verschwinde!" Es musste etwas wichtiges in diesem Netz sein, das stand
fest. Es war bestimmt ein Pokémon, da war Nicola sich sicher. "Lassen
Sie das Pokémon frei!", forderte sie. Die zweite Gestalt wandte sich
an die erste. "Kümmere du dich um die Kleine, ich mach hier das Netz
weiter."
"Los Hunduster, verpass diesem aufgeblasenen Gör eine Lektion!
Glut Attacke!" Das Hunduster holte gerade aus, als es ein Ruckzuckhieb
von Evoli traf. "Gut gemacht, Evoli. Setz nun den Bodycheck ein!",
rief Nicola. Das Hunduster hatte sich gerade wieder aufgerappelt, als
der Bodycheck ihn traf. Diesmal K.O. ging es zu Boden. Wütend rief der
erste Rüpel sein Pokémon zurück. "Na Warte nur bis Heino mit dir
fertig ist!", schrie er aufgebracht. Der zweite Rüpel wandte sich um.
"Los Luxio", sagte er beinahe ruhig.
"Okay Evoli, versuch es noch mal mit dem Bodycheck!" Evoli nahm
Anlauf und sprang. "Setz Doppelteam ein", befahl der Rüpel. Evoli
sprang direkt durch das Trugbild und landete mit dem Kopf voran in
einer Schneewehe. "Jetzt Knirscher!" Das kleine Pokémon hatte keine
Chance auszuweichen. Evoli wurde hoch in die Luft geworfen. "Beende es
jetzt mit dem Funkensprung!" "Nein! Evoli! Schnell, benutz den
Ruckzuckhieb!" Aber Evoli konnte nichts mehr tun. Das Luxio traf es
noch in der Luft. Es fiel zu Boden und schlug hart auf der Erde auf.
"Evoli!"
Nicola eilte zu ihrem verletzten Pokémon. "Hoffentlich hast du
deine Lektion gelernt. Verschwinde jetzt!" Sie sah auf. "Niemals. Ihr
werdet das Pokémon das ihr da habt nicht mitnehmen", flüsterte sie.
"Stimmt!" überrascht drehte sie sich nach der Stimme um. Sie kam vom
Waldrand. "Lasst das Damhirplex frei oder es wird euch Leid tun!",
rief die Stimme. Die Rüpel sahen einander an. "Das Pokémon kommt mit
uns. Du wirst nichts daran ändern können, fürchte ich!", sagte einer
der Rüpel in Richtung Wald.
Plötzlich tauchten zwei Pokémon aus dem Schneesturm auf. Das
eine war ein Botogel, das erkannte Nicola sofort. Aber das blaue
Pokémon, auf dem es ritt, hatte sie noch nie gesehen. "Lasst sofort
das Damhirplex frei!", sagte das Botogel. Es war die gleiche Stimme
wie zuvor. Die Rüpel grinsten hämisch. "Holt es euch doch!", sagten
sie völlig unbeeindruckt von der sprachlichen Aktivität des Botogel.
"Seid vorsichtig, sein Luxio ist stark!", warnte Nicola die Pokémon.
"Keine Sorge", beruhigte sie das Botogel, "das erledigen wir schon."
Obwohl es ruhig wirken wollte, bemerkte sie, dass es ziemlich wütend
war.
"Suicune, schick bitte diese Rowdys zu den Sternen." Das blaue
Pokémon schnellte vor und feuerte einen Aurorastrahl auf die Rüpel und
ihre Pokémon ab, woraufhin diese sofort vereisten. "Danke, mein
Freund. Nicola, magst du bitte das Damhirplex befreien? Ich habe nicht
so geschickte Hände...", bat das Botogel.
Nicola war sprachlos. "Woher...?", begann sie. "Weiß ich deinen
Namen? Ich weiß ihn einfach. Aber das erzähl ich dir später. Lasst uns
schnell von hier verschwinden, bevor die Männer in schwarz wieder
auftauen." Nicola streichelte ihr bewusstloses Evoli und ging dann zu
dem Netz hinüber. Darin saß ein kleines, verängstigtes Damhirplex und
schaute sie mit großen Augen an. "Keine Angst", sagte sie mit
schmeichelnder Stimme, "ich hol dich hier raus." Die Maschen waren
zwar sehr geschickt miteinander verknotet, waren aber keine
Herausforderung für ihr Taschenmesser und in kürzester Zeit war das
Damhirplex wieder frei.
Sobald die letzte Masche durchtrennt war, sprang das Damhirplex
sofort auf und schmiegte sich eng an Nicolas Körper. Offensichtlich
war es ihr Dankbar für die Rettung. "Ist ja gut, ich hab dir ja gern
geholfen", lachte sie. Das Botogel nickte zufrieden. "Es mag dich,
weil du es vor diesen Team Rocket Gaunern gerettet hast", erklärte es.
Nicola schüttelte den Kopf. "Aber ich habe den Kampf doch
verloren...", begann sie, aber Botogel viel ihr ins Wort:" Du hast mit
ihnen gekämpft und wolltest es retten, obwohl du in der Unterzahl
warst. Und nur das zählt für Damhirplex. Nicht wahr?"
"Damhir-Damhirplex!", sagte es mit piepsiger Stimme. Nicola musste
lachen.
Sie ging wieder zu ihrem Evoli. "Was mache ich denn jetzt mit
Evoli? Es wurde beim Kampf verletzt", sagte sie. Vorsichtig hob sie es
hoch und nahm es in die Arme. Das Pokémon öffnete langsam die Augen
und lächelte sie an. "Du hast gut gekämpft. Ruh ich jetzt etwas aus",
sagte sie leise zu ihm. Evoli schloss wieder die Augen und kuschelte
sich an ihre Brust. "Folge mir, ich bring dich zu meiner Werkstatt",
sagte Botogel. "Zu deiner...deiner Werkstatt???" Nicola war ratlos.
Was für eine Werkstatt?
"Ja, meine Werkstatt. Komm mit, ich zeig sie dir. Ach um
die...", Botogel wies auf die Team Rocket Männer, "....brauchst du dir
keine Sorgen machen, die tauen schon nach etwa einer halben Stunde
wieder auf." Nicola musste kichern. "Na gut, aber wir sollten uns
beeilen, sonst erfriere ich hier noch." "Okay, dann setz dich."
Botogel wies hinter sich auf den Rücken von dem blauen Pokémon. "Ich
soll... mich auf das blaue Pokémon setzten?" Nicola war perplex.
"Ja, setz dich. Keine Angst, dieses Pokémon ist mein Freund. Es
ist ein Suicune." Ein Suicune! Von dem hatte Nicola schon gelesen. Es
war ein legendäres Pokémon. Den Sagen nach verkörperte es den Nordwind
und hatte die Fähigkeit, schmutziges Wasser zu reinigen. Nicola fühlte
sich geehrt. "Vielen Dank. Ich fühle mich geehrt!"
Sobald Nicola sich gesetzt hatte, schoss das Suicune los. Es
lief so schnell, dass Damhirplex gerade noch mithalten konnte. Die
Bäume verschwammen zu einer braunen Wand. Es huschte den Berghang
hinauf und folgte dem Kamm entlang zu einer Gebirgskette. Es folgte
ihm etwa eine Viertelstunde, bevor es nach Westen abbog. Etwa zehn
Minuten später erreichte es einen weiteren Gebirgskamm. Als es oben
angekommen war, blieb es kurz stehen. Vor ihnen erstreckte sich ein
weites, grünes Tal. Nicola kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Bisher war alles hier oben Schneebedeckt gewesen. Dieses Tal bildete
eine Ausnahme. Etwa die Hälfte des Tals war mit einem dicht belaubten
Wald bedeckt. Den Rest bildete eine riesige sattgrüne Wiese, die einen
kristallklaren See umschloss. Wie kam es, dass das Tal von den
Wettereinflüssen verschont blieb? Gab es hier vulkanische Aktivitäten?
"Gefällt’s dir?", fragte Botogel. Nicola strahlte. "Es ist
wunderschön! Wie kommt es, dass man euch hier noch nicht gefunden
hat?" Das Botogel musste schmunzeln. "Ein anderer Freund von mir
schützt das Tal mit einem Schild. Ich stelle ihn dir später vor. Aber
jetzt sollten wir uns um dein Evoli kümmern. Außerdem musst du müde
sein. Ich schlage vor, dass du jetzt erst einmal schlafen gehst.
Morgen führe ich dich rum und stelle dich meinem anderen Freund vor.
Einverstanden?" Nicola gähnte herzhaft. "Einverstanden."
Suicune huschte den Hang hinab und tauchte im dichten
Blätterdach des Waldes ein. Von oben noch nicht zu sehen, konnte
Nicola nun viele Pokémon an Holztischen arbeiten sehen. Sie wollte
erst fragen, was es damit auf sich hatte, erinnerte sich dann aber an
die Führung am nächsten Tag. Nach ein paar Minuten erreichten sie ein
gemütlich wirkendes Baumhaus. Nicola konnte keine Aufstiege oder
ähnliches entdecken. Dann viel ihr auf, dass Botogel ja auch ein
Flug-Pokémon war und einfach hinauffliegen könnte. "Da oben wohne ich.
Da können Evoli und du sich ausruhen." Suicune nahm Anlauf und sprang
kraftvoll auf einen kleinen Vorsprung vor der Eingangstür. "Vielen
Dank, Suicune. Du kannst dich jetzt auch ausruhen gehen. Wir sehen und
morgen", sagte Botogel zu dem Suicune. Dieses stieß einen Ruf aus und
sprang von der Plattform. Nach wenigen Augenblicken war es im
Unterholz verschwunden.
"Komm doch rein", lud Botogel nun Nicola ein. Sie folgte ihm
dankend durch die Eingangstür. Dabei musste sie sich bücken, weil das
Haus ja eigentlich für Botogel und nicht für Menschen gemacht war.
Nicola war mit ihren 1,57 zwar recht klein für eine 16-Jährige, hatte
aber dennoch Probleme, sich in dem Haus zurechtzufinden. Hinzu kam,
dass sie noch ihr Evoli im Arm hielt und dadurch stärkere
Gleichgewichtsprobleme hatte. Das Pokémon hatte anscheinend
Verständnis dafür und blieb im ersten Raum stehen. "Gib mir mal dein
Evoli, ich kümmere mich darum", bat Botogel. Nicola gab ihm Evoli
etwas zögernd. Botogel war zwar nett zu ihr gewesen, aber Evoli war
ihr bester Freund, mehr noch. "Keine Angst, ich tu ihm nichts",
beruhigte es sie, als es ihr zögern bemerkte. Nicola wurde rot und
übergab ihm Evoli. Es ging damit in ein Nebenzimmer und kam kurz
danach wieder zurück.
"Ich habe es auf mein Sofa gelegt. Ihm fehlt nichts, es muss
sich nur gründlich ausschlafen. Morgen sollte es wieder fit sein. Du
kannst hier im Wohnzimmer auf der Couch schlafen. Sie ist vielleicht
etwas klein, aber immerhin besser als der harte Holzfußboden. Ich
besorge dir noch eine Decke." Nicola wusste gar nicht, was sie sagen
sollte. Warum war das Botogel so nett zu ihr? Und warum konnte es
sprechen und warum wusste es ihren Namen? Hoffentlich bekam sie morgen
Antworten darauf. "Vielen Dank, Botogel. Gute Nacht!"
Der nächste Morgen begann für Nicola viel zu früh. Sie schlief
noch tief und fest, als sie plötzlich etwas feuchtes im Gesicht
spürte. überrascht öffnete sie die Augen. Ihr gesamtes Sehfeld wurde
von einem braunen Fellknäuel eingenommen, das gerade eben ihr Gesicht
ableckte. "Evoli, ist ja gut", lachte sie, als sie ihren Freund
identifizierte. Ihr Blick richtete sich auf das Fenster. Dem
Sonnenstand nach müsste es später Morgen sein. "Na, hast du dich
vollständig erholt?", fragte sie? "Evoli, Evoli!", rief es und sprang
auf ihr auf und ab. Nach dieser offensichtlichen Antwort richtete
Nicola sich erst einmal auf und gähnte herzhaft. "Guten Morgen ihr
Zwei. Habt ihr gut geschlafen?" Botogel kam eben in den Raum herein
und hielt ein Tablett mit frischen Obst in Händen. "Tut mir Leid, ich
habe leider nur Obst zum Frühstück da. Wir Pokémon essen halt nicht so
gerne Brot und Käse wie ihr Menschen", entschuldigte es sich. Nicola
winkte ab. "Das ist wirklich nicht schlimm. Ich esse morgens eh nur
eine Kleinigkeit, weil ich da noch nicht so viel essen kann." Evoli
war inzwischen von ihrem Schoß gesprungen und rannte zu Botogel mit
dem Tablett rüber. "Na Evoli, hast du Hunger?", fragte Botogel
lachend, "Na dann lass uns da mal ganz schnell etwas gegen
unternehmen." Es stellte das Essen auf einen kleinen Holztisch in der
Mitte des Raumes.
Eine Stunde später kletterte Nicola erfrischt und gesättigt von
dem Baumhaus hinunter. Evoli konnte von Botogel getragen werden, aber
sie war dafür wirklich zu schwer. Der Baum war auch nicht wirklich
hoch, sodass der Abstieg in Windeseile geschafft war. "Was hat es
jetzt eigentlich mit deiner Werkstatt auf sich?", fragte Nicola.
"Das..", begann Botogel,"...will ich dir auf den Weg zu meinem Freund
erzählen. Folge mir." Es schlug in östliche Richtung ein und Nicola
folgte ihm. "Du kennst bestimmt den Weihnachtsmann, oder?", fragte
Botogel. "Ja, natürlich!", sagte Nicola prompt," Naja, nicht
persönlich, aber kennen tue ich ihn schon. Warum?" "Was wäre, wenn
dieser Weihnachtsmann in Wirklichkeit ein Pokèmon wäre?" Nicola
antwortete nicht sofort. "Ich weiß nicht...", sagte sie schließlich.
"Er hätte Fähigkeiten und Möglichkeiten, die ein Mensch nicht hätte,
nicht wahr?", fuhr Botogel fort, "Was wäre nun, wenn der
Weihnachtsmann vor langer Zeit ein anderes Pokémon gebeten hätte, ihn
in ein Pokémon zu verwandeln?" Nicola zuckte die Achseln. "Er wäre
heute immer noch ein Pokémon, oder?", fragte sie zögernd. "Richtig!
Und was für ein Pokémon passt am besten zur Persönlichkeit des
Weihnachtsmannes? Welches Pokémon verteilt liebend gern Geschenke und
lebt gerne dort, wo es kalt ist?", fragte Botogel weiter. Nicola
dachte nach. Ja, welches Pokémon?
Da fiel es ihr ein. Wie dumm, dass sie nicht gleich darauf
gekommen ist! Es lief doch direkt vor ihr! "Ein Botogel!", sagte sie
triumphierend. Es nickte. "Richtig!" "Aber.. aber dann bist du...?"
Wieder nickte es. "Ja, ich bin der Weihnachtsmann. überrascht dich
das? Deinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen schon." Es lachte. "Vor
langer Zeit war ich nur ein normaler Mensch und schenkte den Menschen
gerne eine Freude. Ich gab den Kindern in meinem Dorf in der dunklen
Jahreszeit immer Puppen oder Holzschwerter zum Spielen. Aber irgendwie
wollte ich mehr", erinnerte es sich, " Und da bat ich meinen Freund,
mir zu helfen, damit noch mehr Kinder sich freuen können. Also
verwandelte es mich in ein Pokémon. Heute helfen mir sehr viele
Pokémon in meiner Werkstatt. Und ich beschenke Kinder auf der ganzen
Welt." Nicola hatte immer noch nichts gesagt. "Und wie schaffst du es,
innerhalb von nur ein paar Stunden, über zwei Milliarden Kindern ihre
Geschenke zu bringen?", fragte sie schließlich. "Das regelt mein
Freund", sagte es. "Sieh nur, wir sind da." Sie erreichten eine kleine
Waldlichtung. "Wo ist denn dein Freund?", fragte Nicola. Sie konnte
kein Pokémon entdecken. "Komm raus, Celebi!", sagte Botogel.
Plötzlich erschien auf der Lichtung ein grünes Licht. Nicola
kniff die Augen vor dem grellen Licht zusammen. Als sie ihre Augen
wieder öffnete, schwebte auf der Lichtung ein grünes Pokémon mit
kleinen Insektenflügeln. "Das ist mein anderer Freund, Celebi. Celebi,
dies ist Nicola, sie hat gestern das kleine Damhirplex gerettet",
stellte Botogel sie vor. Das Celebi nickte Nicola freundlich zu.
"Celebi kann durch die Zeit reisen. Es sorgt dafür, dass ich so lange
lebe. Auch hat es mich in ein Botogel verwandelt. Zu Heiligabend lässt
es die Zeit anhalten, damit ich in der Zeit zusammen mit Suicune die
Geschenke verteilen kann", erklärte Botogel. "Und du machst das nur,
weil es dir Spaß macht, anderen Geschenke zu machen?", fragte Nicola
erstaunt. Botogel nickte. "Ja, das ist mein Lebensinhalt. Ich schenke
immer in der dunklen Jahreszeit, weil da die meisten etwas
Aufmunterung brauchen könnten." Sie verstand. "Alle Achtung, Botogel.
äh... ich meine Weihnachtsmann", sagte sie. "Eine Frage: Selbst wenn
Celebi die Zeit anhält; es dauert bestimmt dennoch fast ewig, bis du
zu jedem Kind auf der Welt gegangen bist, oder?", fragte sie. "Wir
mischen aus dem Puder der Smettbos, Omots und Papinellas ein Mittel,
das es Suicune ermöglicht, zu fliegen", erklärte Botogel, "Aber dieses
Rezept ist natürlich streng geheim."
Plötzlich hörte sie in der Ferne einen Hubschrauber. Zuerst
dachte sie, sie hätte sich geirrt, aber dann wurde das Geräusch immer
lauter. "Hört ihr das?", fragte sie, "Das hört sich an, wie ein
Hubschrauber!" Botogel wandte sich in die Richtung der Geräuschquelle.
"Keine Angst, Celebi schützt das Tal mit einem speziellen Schuld. Die
können hier nichts sehen, keine Sorge!" Dennoch hatte Nicola ein
ungutes Gefühl dabei. "Komm mit, lass uns doch mal nach Damhirplex
sehen", schlug Botogel vor. Nicola war begeistert und stimmte sofort
zu.
Während sie zu der Wiese gingen, kam das Motorengeräusch stetig
näher. Nicola hatte den Verdacht, dass der dieses Tal im Visier hatte.
Celebi begleitete sie und spielte vergnügt mit Evoli. Die Zwei hatten
sich angefreundet. Es zeigte Evoli gerade ein paar coole Psychotricks,
als sie bei der Damhirplexherde ankamen. Das kleine Damhirplex
entdeckte sie sofort und lief freudig auf sie zu. "Hallo Damhirplex!
Hast du mich vermisst?", fragte sie lachend. Es schmiegte sich an sie
und rief immer wieder "Damhirplex, Damhirplex!" Da sah sie über sich
den Hubschrauber kreisen. Das Damhirplex und ihr Evoli verkrochen sich
sofort bei ihr. "Keine Angst. Celebi passt schon auf, dass...", begann
es.
Plötzlich schoss aus der Unterseite ein Netz heraus und bevor
irgendjemand etwas tun konnte, schrie Celebi auf und wurde in einem
stählernen Netz nach oben gezogen. "Nein!" Nicola nahm Anlauf und
erreichte gerade noch das Netz. Ihr Evoli hatte sich zum Glück
rechtzeitig an ihre Schulter geheftet. Celebi wand sich dem Stahlnetz
und verfing sich dadurch noch mehr. Psychoattacken konnte es auf das
Stahlnetz nicht anwenden. "Keine Angst, ich hol dich da raus!",
versprach Nicola. "Nicola, komm da runter!", rief Botogel. Es war zu
ihr nach oben geflogen. "Aber ich muss Celebi retten!", wiedersprach
sie. "Lass das, das ist zu...", begann es, wurde aber plötzlich von
hinten von einer Attacke getroffen. Ein Skorgoro klapperte bedrohlich
mit seinen Scheren und verpasste Botogel noch einen Schlitzer. Dieses
drehte sich nun um und griff nun seinerseits mit einem Eisstrahl an,
dem Skorgoro auswich. "Okay, versuch du Celebi zu befreien! Ich
kümmere mich um dieses Skorgoro!", rief Botogel ihr zu.
Was konnte sie tun? Das Netz hatte den Hubschrauber beinahe
erreicht. Sie versuchte es mit dem Taschenmesser, mit Evolis Biss und
ihrem Feuerzeug. Aber das Stahlnetz war einfach unnachgiebig. Es war
unmöglich, es zu zerstören. Der Boden des Hubschraubers öffnete sich
schon. Nicola konnte dort Team Rocket Rüpel warten sehen. Mist! Sie
kraxelte nach oben und wartete, bis das Netz im Hubschrauber war.
"Seht mal, was wir mitgeangelt haben", lachte einer der Rüpel. "Lasst
Celebi frei!", sagte sie mit zitternder Stimme. "Warum sollte wir das
tun?", fragte der Rüpel. "Los Evoli!", rief Nicola, "zeig's ihnen!"
Die Rüpel lachten. "Los Machomei, verarbeite dieses Evoli zu
Tiermehl", sagte der Rüpel kichernd und warf einen Pokeball. Ein
riesiges Pokémon erschien im Innenraum des Hubschraubers. Nicola biss
sich auf die Lippen. Gegen ein Machomei hatte Evoli keine Chance...
"Kreuzhieb!", befahl der Rüpel. "Weich mit Ruckzuckhieb aus und setz
den Eisenschweif ein!", rief Nicola. Evoli sprang mit einem Satz zur
Seite und warf sich gleich darauf wieder mit einem Eisenschweif auf
das Machomei. "Greif dir den Schwanz und setz Geowurf ein!", befahl
der Rüpel. Evoli hatte keine Chance mehr, auszuweichen. Das Machomei
schleuderte es durch den Raum, bevor es verletzt am Boden liegen
blieb. "NEIN!", rief Nicola, "Du darfst jetzt nicht aufgeben! Denk an
Celebi! Bitte steh wieder auf! EVOLI!" Das Pokémon öffnete die Augen.
Entschlossenheit spiegelte sich in seinem Blick. Verbissen stand es
wieder auf. Plötzlich begann es zu leuchten.
Seine Form veränderte sich. Es wurde größer; sein Schwanz wurde
länger und gabelte sich am Ende. Das Licht verschwand. Evolis Fell
hatte nun eine rosa Farbe. Es hatte sich weiterentwickelt! "Evoli! Du
hast dich weiterentwickelt!", rief Nicola überglücklich. "Psiana!",
rief es. "Okay Psiana, schick diese Typen mit der Konfusion zum
Mond!", rief Nicola. Das Machomei erhob sich in die Luft, genauso wie
die Rüpel. Unter großem Geschrei wurden sie aus dem Laderaum in den
Himmel geschleudert. "Psiana, du hast es geschafft!" überglücklich
umarmte sie ihr Pokémon. Psiana rieb seinen Kopf an ihren und gurrte
zufrieden dabei. "Komm, lass uns Celebi befreien!" Der Verschluss war
am oberen Tei des Netzes angebracht. Es war ein Kinderspiel, Celebi
aus dem Netz zu holen. Glücklich über die neugewonnene Freiheit,
umarmte es erst Psiana und Nicola, bevor es aus dem Laderaum flog.
Plötzlich fühlte Nicola sich unglaublich schwerelos. Ein lilafarbenes
Licht umspielte ihren Körper und auf einmal erhob sie sich in die
Luft! Mit Psiana geschah das gleiche. Sie schwebten durch das Loch an
der Seite und entdeckten Celebi, das ebenfalls von einem lilafarbenen
Licht umgeben war. Es dirigierte ihren Flug mit seinen Armen. Weiter
unten verpasste Botogel dem Skorgoro gerade den finalen Eisstrahl, als
Psiana und Nicola zu ihm geschwebt kamen.
Wir haben es befreit", meldete sich Nicola und wies
überflüssigerweise auf Celebi, das die beiden immer noch in der Luft
hielt. "Und Evoli hat sich zu Psiana weiterentwickelt", fügte sie noch
hinzu. Botogel nickte weise. "Das hat es getan, weil es dich sehr
leibt. Du weißt, dass Evoli sich nur dann zu Psiana entwickelt, wenn
es sehr großes Vertrauen zu seinem Trainer hat?" Nicola lächelte und
blickte liebevoll zu Psiana hinüber. "Ja, das weiß ich. Und ich bin
sehr stolz auf mein Psiana." Es war Abend geworden. Langsam nahm der
Himmel ein tiefes rot an und wurde allmählich immer dunkler. Botogel
hatte ihr den Rest des Tages das Tal gezeigt. Wie Tornupto und Glurak
unter enormer Hitze Feuersteine herstellten oder die Griffel die aus
Holz Spielzeuge schnitzten. Jetzt saß Nicola auf Suicunes Rücken und
verabschiedete sich von Botogel und Celebi. "Vielen Dank, dass du mir
das alles gezeigt hast", sagte Nicola und umarmte Botogel. Es
lächelte. "Du darfst niemals jemanden von der Existenz dieses Ortes
erzählen", ermahnte es. Nicola hob die Finger. "Ich schwöre!" Botogel
nickte. "Sehr schön. Suicune wird dich jetzt zur nächsten Stadt
bringen. Von dort aus kannst du dann mit dem Zug oder dem Bus nach
Hause fahren. In zwei Wochen ist Weihnachten. Beeil dich also, dass du
rechtzeitig nach Hause kommst." Nicola hob die Hand zum Abschied. "Das
werde ich. Und nochmals vielen Dank! Vielleicht sehen wir uns ja
einmal wieder!" "Das werden wir bestimmt. Auf Wiedersehen!"
Suicune machte eine Wende und rannte davon, dem Horizont
entgegen. Nicola musste sich gut festhalten, um nicht
hinunterzufallen. Im Laufen warf sie einen zärtlichen Blick auf
Psiana, das auf ihren Schoß saß und hatte das Gefühl, dass längst
Weihnachten war.
Frohe Weihnachten!