6. Dezember 2008
Fanart von: Harukacchi aus Hengersberg
Fangeschichte von: Tina aus Bautzen
Ein ganz besonderer Adventskalender
Ich rieb mir die Augen und schwang mich aus dem Bett. Während
ich verschlafen durch mein Zimmer tapste, fiel mein Blick auf den
Kalender. Heute war der 1. Dezember und das bedeutete nur noch 23 Tage
bis Weihnachten. Sofort bekam ich gute Laune, denn ich mochte die
Adventszeit und das Fest wirklich sehr. Und etwas würde mir die
Wartezeit darauf noch versüßen: mein
Pokémon-Sammelkartenadventskalender. Es war nicht leicht gewesen ihn
zu finden, aber irgendwie hatte es meine Mutter schließlich doch noch
geschafft. Ich liebte das Kartenspielen und wenn ich Glück hatte war
auch die eine oder andere seltene Karte dabei. Gespannt, was hinter
dem ersten Türchen auf mich warten würde, ging ich zum Schreibtisch
und suchte die 1 auf dem Kalender. Vorsichtig öffnete ich das Türchen
und zog die Karte aus dem Schlitz. Es war ein Pikachu. Zwar keine
Seltenheit, aber zumindest hatte ich sie noch nicht. Während ich mir
die Attacken durchlas, spürte ich plötzlich ein leichtes Vibrieren,
das von der Karte ausging. Erschrocken ließ ich sie fallen. Noch im
Flug fing sie an zu leuchten und im nächsten Augenblick war mein
Zimmer von einem seltsamen, regenbogenfarbenen Licht erfüllt.
Geblendet schloss ich die Augen. Als ich sie wieder öffnete, schaute
ich genau in zwei schwarze Kulleraugen. Während mir ein leiser Schrei
entfuhr, taumelte ich nach hinten und stolperte über den Teppich,
sodass ich im nächsten Moment unsanft auf dem Hintern landete. Doch
den Schmerz spürte ich nicht mal, denn meine ganze Aufmerksamkeit galt
dem Wesen, das nicht mal einen Meter entfernt auf dem Boden saß und
mich beobachtete. Es war klein, gelb, hatte zwei lange Ohren, einen
gezackten Schwanz und rote Bäckchen. Das war ganz zweifelsfrei ein
Pikachu! Doch was hatte das Elektropokémon in meinem Zimmer zu suchen?
Das war doch gar nicht möglich, immerhin war das hier die reale Welt.
Aber womöglich träumte ich auch nur oder hatte Halluzinationen. Doch
als der Gelbling auf mich zukam und an meinen Zehen schnüffelte,
fühlte sich das Kitzeln der kleinen Nase sehr realistisch an. Ich nahm
all meinen Mut zusammen und streckte meine Hand nach dem Pokémon aus.
Aber das Pikachu löste sich nicht wie vermutet bei Berührung in Luft
auf, nein, ich griff tatsächlich in ein seidig weiches Fell. Noch
immer zweifelnd, wandte ich mich an das mysteriöse Wesen: „Hallo
Pikachu, sag mal bist du echt?“
„Pika, Pika!“, nickte es fröhlich, sprang auf meinen Schoß und
schaute mich erwartungsvoll an. Ich war so von den Socken, dass ich
erst mal nur bewegungslos da saß und es fassungslos anstarrte. Doch
Pikachu stupste solange auffordernd mit der Nase gegen meine Hand, bis
ich endlich anfing es zu kraulen. Mit genüsslich zugekniffenen Augen
schmiegte es sich an mich. Ich fand das auch echt toll, nur hatte ich
immer noch keine Ahnung, was da eigentlich gerade passiert war.
Schließlich wurden Sammelkarten nicht jeden Tag einfach mal so
lebendig. Doch ich hatte gar keine großartige Zeit mir darüber den
Kopf zu zerbrechen, denn der eindringliche Ruf meiner Mutter erinnerte
mich, dass ich ja noch zur Schule musste. Also unterbrach ich die
Streicheleinheiten und hob Pikachu hoch. Es blinzelte nur freundlich,
ließ sich aufs Bett setzen und schaute mir dann interessiert beim
Umziehen zu. Nachdem ich meinen Rucksack gepackt hatte, ging ich zu
Pikachu und fuhr ihm sanft über den Kopf.
„Hör zu Kleiner, ich muss jetzt zur Schule. Du wartest bitte
schön still und brav hier auf mich, ja?“ Pikachu legte den Kopf schief
und sah mich mit meinem verständnislosen Blick an, bevor es mit einem
quietschigem „Pika“ auf meine Schulter sprang. Unter dem Gewicht der
zu groß geratenen Elektromaus sackte ich für einen Moment zusammen.
„Autsch, du bist ja ganz schön schwer. Mich wundert’s, dass Ash keine
Nackenschmerzen kriegt, wenn er dich ständig auf der Schulter trägt.“,
richtete ich mich an meinen neuen kleinen Freund. Doch ich hatte jetzt
andere Probleme. So sehr mir der Gedanke wie Ash mit nem Pikachu auf
der Schulter durch die Gegend zu laufen gefiel, so wusste ich doch
auch, dass ein richtiges Pikachu für eine Menge Trubel sorgen würde
und solange ich noch nicht wusste, wie es hierher gekommen war, wollte
ich nichts riskieren. Also nahm ich Pikachu behutsam von mir und
setzte es wieder aufs Bett: „Tut mir leid, Kumpel, du kannst wirklich
nicht mitkommen. Wenn ich von der Schule zurück bin, überleg ich mir
was. Und nun sei bitte lieb und bleib in meinem Zimmer.“ Als ich mich
umwand, lief es mir wieder hinterher.
‚Hach, Trainer sein ist gar nicht so leicht.’, seufzte ich.
Warum hatten die, wer auch immer Pikachu geschickt hatte, bloß keinen
Pokéball mitgesendet? So musste mir irgendetwas anderes einfallen um
das kleine Monster zu beschäftigen. Da kam mir plötzlich eine Idee.
Ich schaltete den Fernseher ein, drehte den Ton ganz leise und legte
eine Videokassette in den Rekorder. Die flimmernde Kiste und vor allem
die großen Buchstaben die darauf erschienen, faszinierten Pikachu
sofort. Ich legte ihm noch ein paar Kekse hin und während das kleine
Elektrowesen gebannt die neusten Episoden von „Pokémon“ verfolgte,
schlich ich mich leise zur Tür und entschwand. Mir war zwar nicht wohl
dabei das Pokémon allein zu lassen, aber was sollte ich sonst machen?
Als ich in die Küche kam, begrüßte mich meine Mutter und fragte
nach, weswegen ich so lang gebraucht hatte. Für einen kurzen Moment
kam mir der Gedanke sie einzuweihen, doch ich hatte die Befürchtung,
dass sie über den neuen Mitbewohner nicht sonderlich erfreut sein
würde. Ich wollte nicht unbedingt, dass sie nach einem „AHHH, eine
gelbe Riesenratte!“-Schrei, den Kammerjäger rief, deshalb behielt ich
den seltsamen Besuch erst mal für mich.
In der Schule konnte ich jedoch keinen klaren Gedanken fassen
und sobald die Glocke das Ende der letzen Stunde einläutete, war ich
in Windeseile auf dem Weg nach Hause. Als ich die Haustür aufschloss,
hatte ich schon die leise Befürchtung ein Trümmerfeld vorzufinden,
doch alles war noch heil an Ort und Stelle. Pikachu war also zum Glück
im Zimmer geblieben. Als ich dieses jedoch betrat, war da weniger von
Ordnung zu sehen. Die Blätter von meinem Schreibtisch sielten sich
verknittert zwischen Kekskrümeln und angeknabberten Socken auf dem
Boden herum, meine Gardine hing leicht schief und einige Bücher hatten
ihren angestammten Platz im Regal verlassen. Wie es schien hatte
Pikachu mein Zimmer gründlich unter die Lupe genommen. Doch so wenig
ich über dieses Chaos erfreut war, ich konnte dem kleinen gelben
Tierchen, dass sich friedlich schlafend im völlig zerwühlten Bett
zusammengerollt hatte, einfach nicht böse sein. Also schaffte ich erst
einmal Ordnung und machte so leise es ging meine Hausaufgaben damit
ich die friedlichen Träume meines besonderen Freundes nicht störte.
Kaum war ich fertig, sah ich wie die langen Ohren verdächtig zuckten.
Keine Sekunde später hatte Pikachu die Augen offen und stürmte freudig
auf mich zu. Ich fing die gelbe Maus auf und ließ mich lachend erst
einmal gründlich abschlecken. Während ich es im Gegenzug ausgiebig
kraulte, hörte ich auf einmal ein dumpfes Dröhnen. Pikachu lief leicht
rot an und hielt sich den Bauch. Ich musste lachen: „Da hat wohl
jemand Hunger.“ Verständlich, denn heute früh hatte ich ja nur Zeit
gehabt ein paar Kekse hervorzukramen. Da meine Mutter noch nicht da
war, konnte ich nun also mit Pikachu auch im Rest der Wohnung agieren.
„Na komm, wir sehen mal, ob wir was für dich finden.“
Es schien verstanden zu haben, denn seine Augen funkelten
plötzlich. Pikachu ließ es sich nicht nehmen, den Weg bis zur Küche
auf meiner Schulter zurückzulegen. Neugierig sah es sich um und nahm
die neuen Gerüche schnüffelnd auf. Als ich die Kühlschranktür öffnete,
wurden Pikachus Augen ganz groß. Für das Pokémon sahen die fremden
Speisen bestimmt alle sehr interessant aus, doch für mich stellte sich
das Problem, dass ich keine Ahnung hatte, was ein Pikachu außer Rockos
Pokémonfutter noch fraß und ich wollte diesem seltenen Exemplar auf
keinen Fall eine Lebensmittelvergiftung bescheren. Also ließ ich ihn
alles beschnuppern und gegebenenfalls probieren. Nach einer halben
Stunde Futtersuche hatte Pikachu ganz klar seine Lieblingsspeise
herausgefunden: Käse, Bananen, Röstzwiebeln und Ketchup- und zwar
alles zusammen. Ich hatte zwar ein leicht flaues Gefühl im Magen, als
ich meinem gelben Freund beim Essen zusah, doch solang es ihm
schmeckte...
Nach dem Essen machten wir es uns auf dem Sofa gemütlich und
sahen die neusten Animefolgen an. Natürlich gefiel es ihm besonders
gut das andere Pikachu in dem kleinen Kasten zu beobachten, wobei es
so sehr mitfieberte, dass es in einer brenzligen Situation fast einen
Donnerschock losgelassen hätte. Ich kam gerade noch an die
Fernbedienung um das Gerät auszuschalten. Zwar war es etwas
verwundert, dass plötzlich nur noch schwarz zu sehen war, doch
zumindest beruhigte es sich wieder und die Wohnzimmereinrichtung bleib
vor der Verkohlung verschont. Doch ich merkte, dass Pikachu wohl ein
bisschen viel Energieüberschuss hatte und so beschloss ich mit ihm
raus in den Garten zu gehen. Es erkundete sofort neugierig die neue
Umgebung und sprang sogleich fröhlich herum. Wir spielten Fangen,
wobei ich so meine Probleme hatte der wendigen Elektromaus hinterher
zukommen. Gerade wenn ich an den Gelbling herangekommen war, setzte es
Ruckzuckhieb ein und war ruck zuck wieder außer Reichweite. Dabei war
es so voller Feuereifer, dass es durch die Hecke aufs
Nachbargrundstück schoss. Zum Glück war es so verdutzt darüber, dass
es stehen blieb und ich es schleunigst wieder zurückholen konnte,
bevor irgendjemand dieses Wesen, was eigentlich hätte gar nicht
existieren dürfen, zu Gesicht bekam. Doch damit war Pikachus Neugier
auf die Welt hinter der Hecke erwacht und ich hatte einiges zu tun, es
an seinem Erkundungsdrang zu hindern. Da hatte ich mir ja was
eingebrockt. Bevor es noch entwischte, schnappte ich mir Pikachu und
ging wieder rein. Keine Sekunde zu früh, denn meine Mutter kam von der
Arbeit wieder. Ich verschanzte das Pokémon in meinem Zimmer und war
nun fortwährend damit beschäftigt mich ganz normal zu verhalten,
meiner Mutter zu helfen und gleichzeitig Pikachu bei Laune zu halten,
das offensichtlich am liebsten in meiner Nähe war. Ich war
erleichtert, als es Zeit zum Schlafen gehen war und ich ohne Vorwand
in meinem Zimmer verschwinden konnte. Ich stellte Pikachu noch ein
kleines Körbchen vor mein Bett, doch die Mühe hätte ich mir auch
eigentlich sparen können, denn kaum hatte ich mich ins Bett gelegt,
sprang die kleine Elektromaus auf dieses und schob sich unter meine
Bettdecke. Da jeglicher Protest zwecklos war, schlief ich also ein
paar Minuten später ziemlich erschöpft mit einem echten Pikachu im Arm
ein.
Irgendwie hatte ich ja die ganze Zeit die leise Hoffnung
gehabt, alles sei nur ein Traum gewesen, doch am nächsten Morgen wurde
ich von einer nassen Zunge geweckt. Als ich die Augen aufschlug, sah
ich immer noch in zwei große schwarze Kulleraugen. Pikachu hatte sich
also nicht einfach so in Luft aufgelöst. Auf der einen Seite fand ich
das toll, denn wer konnte schon ein richtiges Pikachu sein Eigen
nennen, doch ich wusste immer noch nicht richtig, was ich mit ihm
anstellen sollte, während ich in der Schule war. Ich stand vor dem
ernsthaften Problem, wie man ein Pokémon beschäftigen konnte, wenn man
nicht auf Reisen war. Doch es gab zunächst noch ein anderes zu
bewältigen, denn es war ein neuer Tag und das bedeutete ein weiteres
Türchen zu öffnen. Irgendwie hatte ich kein gutes Gefühl, denn
schließlich wusste ich nicht, ob das mit Pikachu nur Zufall gewesen
war oder ob es wirklich mit diesem Kalender zusammenhing und mich nun
eine weitere lebendige überraschung erwartete. Doch dies konnte ich
eigentlich nur herausfinden, indem ich das Türchen mit der 2 öffnete.
Unentschlossen stand ich vor dem Kalender. Anscheinend etwas zu lange,
denn der Kalender nahm mir die Entscheidung ab, indem er plötzlich
anfing zu leuchten und mir die Karte einfach entgegenspuckte. Etwas
überrascht fing ich sie auf und konnte noch die Konturen eines
Charmian erkennen bevor die Karte sich ebenfalls in gleißendem Licht
auflöste und Sekunden später eine kleine Katze in meinem Zimmer saß,
die mich gleich mal ziemlich fordernd anmauzte. Ich fand Charmian toll
und ließ mir deshalb die Gelegenheit nicht nehmen, es ausgiebig zu
streicheln. Doch bereits nach kurzer Zeit war es Charmian zu viel. Es
fauchte mich finster an und ich konnte gerade noch meine Hand
zurückziehen, bevor es seine scharfen Krallen in diese schlug. Gewand
sprang das Katzenpokémon aufs Bett, genau neben Pikachu. Die gelbe
Maus streckte seinem neuen Spielgefährten gleich freudig die Pfote
entgegen, doch Charmian ignorierte sie. Das war wohl keine Liebe auf
den ersten Blick, doch solange die beiden im meinem Zimmer keinen
Kampf anfingen, sollte mir das recht sein.
Während ich mich umdrehte um meine Sachen zusammen zu suchen,
hörte ich auf einmal ein ziemlich empörtes „Pika“ hinter mir. Als ich
mich umdrehte, lag Pikachu auf dem Boden und blickte verärgert zu
Charmian hoch, dass sich an der Stelle, wo eben beide noch gesessen
hatten, breit gemacht hatte. Pikachu ließ sich dieses Verhalten jedoch
nicht gefallen und versprühte als Warnung Funken aus seinen Bäckchen.
Charmian machte einen Buckel und begann bedrohlich zu fauchen. Doch
bevor die Beiden sich aufeinander stürzen konnten, war ich herangeeilt
um den Streit zu beenden. Als ich Pikachu auf den Arm nahm, holte ich
mir einen kleinen Schlag und wusste nun wie sich Team Rocket immer
fühlen musste. Ich sprach mit beiden ein Machtwort und hoffte
inständig, dass sie den Zwist bei Seite legen würden. Pikachu schien
auch nicht weiter nachtragend zu sein und so setzte es sich nur leicht
grummelnd wieder neben Charmian aufs Bett. Ich kramte ein paar
Spielsachen hervor, besorgte für die Beiden was zu futtern, bevor ich
mich verabschiedete und mit dem leisen Zweifel, dass ich mein Zimmer
heute Nachmittag genauso heil wiederfinden würde, machte ich mich auf
den Weg zur Schule.
Doch als ich wiederkam, war nicht mehr als
das übliche Chaos entstanden. Gut, es gab ein paar kleine Brandspuren,
vermutlich von Donnerblitzen, im Teppich und Pikachus Nase zierte eine
breite Kratzerspur, aber zumindest lag nicht das Haus in Trümmern und
die Beiden waren auch noch am Leben. Pikachu kam gleich freudig zur
Begrüßung auf mich zugestürmt und nahm seinen Lieblingsplatz auf
meiner Schulter ein. Auch Charmian ließ sich von seinem Schlafplatz
herab und strich mir um die Füße. Ich hatte schon den ganzen Tag
gegrübelt, wie ich die beiden Pokémon bei Laune halten konnte und mir
war auch tatsächlich was eingefallen.
„Kommt ihr beiden, wir gehen Plätzchen backen!“ Sie sahen mich
zwar etwas verständnislos an, folgten mir aber sofort in die Küche.
Unter den neugierigen Blicken der Zwei holte ich alles was wir zum
Backen brauchten aus den Schränken und stellte es auf den Küchentisch,
wo die beiden Kleinen sie sofort untersuchten. Pikachu öffnete die
Mehltüte und schnüffelte daran. Doch der feine Staub stieg ihm sofort
in der Nase, was ihn zum Niesen veranlasste. Eine große Mehlwolke
wirbelte auf und plötzlich hatte ich ein weißes Pikachu in der Küche
sitzen. Charmian ließ ein hämisches Mauzen los und auch ich konnte mir
ein Kichern nicht verkneifen. Ich musste die kleine Elektromaus erst
mal abduschen bevor wir weiter machen konnten. Während ich Pikachu
trocken rubbelte, nahm Charmian in der Küche die Milchpackung unter
die Lupe. Ich konnte gerade noch verhindern, dass es die Packung
aufschlitze. Um die Katze ruhig zustellen, schüttete ich ein kleines
Schüsselchen mit der weißen Flüssigkeit voll, auf die sich Charmian
sofort stürzte. Pikachu und ich taten derweil alles Notwendige in die
Schüssel. Während ich die Zutaten zusammenmischte, bereitete es
Charmian unheimliche Freude ständig mit seiner Pfote ein paar
Teigbrocken zu angeln. Aber auch Pikachu nahm eine kleine Kostprobe
begeistert entgegen. Kaum war der Teig fertig, klingelte auf einmal
das Telefon. Es war Paula, meine beste Freundin. Sie plapperte wie
immer munter drauf los und so vergaß ich für einen Moment meinen
ungewöhnlichen Besuch in der Küche. Doch plötzlich gab es einen lauten
Knall. Erschrocken fuhr ich herum und rannte zurück. Die Schüssel lag
unten und die restliche Milch ergoss sich über den Tisch, den Boden
und ein total verschrecktes Pikachu. Charmian saß an der anderen Ecke
und putzte sich mit engelsgleicher Miene die Pfoten.
„Was war
das denn?“, hörte ich eine Stimme aus dem Telefon.
„Ehm, ein
kleiner Küchenunfall.“, erklärte ich leicht verlegen. Mit Pikachu war
es nicht einfach gewesen, doch die Beiden allein unter Kontrolle zu
halten, würde sehr schwierig werden. Ich brauchte Hilfe und wenn ich
jemandem mein Geheimnis anvertrauen konnte, dann ihr. Also holte ich
tief Luft und sagte: “Du, ich muss dir was erzählen.“
Eine halbe Stunde später hatte ich die Sauerei in der Küche
beseitigt, die ersten Plätzchen waren sicher im Backofen gelandet und
wurden aufmerksam von Pikachu und Charmian beobachtet, als es an der
Tür klingelte. Meine Freundin hatte mir natürlich kein Wort geglaubt,
ließ sich die Gelegenheit zu einem Besuch aber nicht nehmen. Mit
leichter Vorfreude führte ich sie in die Küche. Als sie die beiden
Pokemon, die gebannt in die Röhre starrten, sah, verschlug es ihr erst
einmal die Sprache und das wollte bei ihr etwas heißen! Ungläubig rieb
sie sich die Augen, doch die gelbe Elektromaus und die Katze mit dem
spiraligen Schwanz lösten sich nicht in Luft auf. Als sie sich wieder
aus ihrer Schreckensstarre gelöst hatte, näherte sie sich den Pokémon.
Neugierig und doch vorsichtig stupste sie Charmian an. Die Katze
drehte sich verärgert um und fauchte meine Freundin giftig an. Paula
taumelte zurück und brachte dann ein immer noch ungläubiges „Die sind
ja wirklich echt!“ heraus. „Tja, was hab ich dir gesagt?“ Ich
amüsierte mich über das erstaunte Gesicht meiner Freundin. Aber nach
einer kurzen Eingewöhnungsphase war sie auch von meinen beiden neuen
Gefährten begeistert. Ich war sehr froh, dass ich jetzt nicht mehr
allein auf die beiden Pokémon aufpassen musste. So war es auch viel
einfacher die restlichen Plätzchen zu backen und anschließend mit
ihnen raus in den Garten zu gehen und zu toben. Nach einer reichlichen
Stunde Ballspielen und Ausbruchsversuche verhindern, waren wir mehr
als fertig. So verbrachten wir den Rest des Tages einfach nur mit
einem kleinen Fotoshooting und ausgiebigen Kuschelstunden.
Dem nächsten Morgen sah ich mit etwas mehr Entspannung
entgegen, denn Paula hatte sich gleich mal bei mir einquartiert,
sodass, egal wer da gleich aus dem Kalender springen würde, ich damit
nicht allein klarkommen musste. Und da mich interessierte, ob die
sonderbaren Begebenheiten etwas mit mir zu tun hatten, ließ ich meine
Freundin das dritte Türchen öffnen. Als ich ihre strahlenden Augen
sah, brauchte ich gar nicht mehr zu fragen, welches Pokémon sie heraus
gezogen hatte. Sekunden später fing die Karte wie üblich an zu
leuchten und die Umrisse eines Glumandas formten sich, dass gleich mal
von meiner Freundin stürmisch halb zu Tode geknuddelt wurde. Die Karte
war wirklich ein absoluter Volltreffer, denn Glumanda war ihr
Lieblingspokémon. Und die Feuereidechse schien meine Freundin auch
gleich ins Herz geschlossen zu haben, denn es schleckte sie sofort
gründlich ab. Von da an wich Glumanda keinen Zentimeter mehr von
Paulas Seite, oder Paula von Glumandas Seite? Das konnte keiner sagen.
Es war ein hartes Stück Arbeit die beiden zu überzeugen, sich
zumindest für die Schulzeit zu trennen.
Am Nachmittag hatten
wir, nun mehr zu fünft, genügend helfende Hände um die gestern
gebackenen Plätzchen zu verzieren. Der meiste Zuckerguss und die
Streusel landeten zwar auf den Pokémon, sodass sie selber wie
riesengroße Kekse aussahen, doch es war genügend da, damit auch das
Gebäck etwas abbekam, sofern es nicht vorher in einem der drei Mäuler
der kleinen Naschkatzen verschwand. Nachdem alles fertig war,
überlegten wir uns, was wir mit den Dreien denn noch machen konnten.
„Das blöde ist, dass wir sie so nirgends mit hinnehmen können. Sie
sind einfach zu auffällig.“ Ich hätte ihnen schon gern mehr von
unserer Welt gezeigt, denn es war immerhin Weihnachtszeit und es gab
eigentlich überall etwas zu sehen.
„Ich hab eine Idee! Lass uns
doch versuchen, sie mit Pokebällen einzufangen.“, schlug Paula vor.
„Hey, das hier ist kein Anime, sondern die Realität.“, tadelte ich
sie.
„Sagt die mit dem Pikachu im Wohnzimmer.“, hielt sie
grinsend dagegen. Irgendwie hatte sie ja Recht. Zumindest versuchen
konnte man es. Also kramte ich den Plastikball, der mal eine
Sammelfigur und Süßigkeiten beinhaltet hatte heraus. Ich nahm eine
coole Pose ein und warf dann den rot-weißen Ball mit den Worten:
“Pokéball los!“ Er raste auch zielgerichtet auf Pikachu zu, prallte
dann jedoch gänzlich wirkungslos ab und rollte über den Boden, während
sich das getroffene Pokémon mit einem völlig entgeisterten
Gesichtsausdruck, kleinen Tränen in den Kulleraugen und einem
verständnislosem „Pika?“ umdrehte.
„Oh tut mir leid, Pikachu, das war nicht so gemeint.“ Ich
musste meinen Fauxpas mit einer ausgiebigen Knuddelstunde wieder gut
machen, während Paula sich vor Lachen auf dem Boden kringelte. Ich
konnte mir schon vorstellen, dass die ganze Aktion ziemlich dämlich
ausgesehen haben musste. Aber nun wussten wir zumindest, dass wir das
mit den Pokébällen vergessen konnten. Also mussten wir uns etwas
einfallen lassen. Doch nach reichlich Kopfzerbrechen hatten wir eine
Idee. Pikachu befestigte ich mit zwei Schnüren auf meinem Rücken und
solang es still hielt, ging es durchaus als Rucksack durch. Charmian
kam an die Leine und Glumanda bekam einen Pelzmantel übergezogen. Zwar
sahen uns alle mit etwas seltsamen Blicken nach, als wir mit einem
Hund mit flammender Schwanzspitze und einer merkwürdigen Katze über
den Weihnachtsmarkt spazierten, doch keiner erkannte das wahre Wesen
dieser etwas anderen Vierbeiner. Mit so was rechnete schließlich auch
keiner. Ich selbst hätte wohl noch vor ein paar Tagen jeden
ausgelacht, der mir erzählen wollte, er hätte ein richtiges Pokémon zu
Hause. Doch jetzt sah das ganze etwas anders aus. Ich hatte zwar immer
noch keine Ahnung, wie das passiert war, doch inzwischen hatte ich
einfach nur soviel Spaß mit meinen ungewöhnlichen Spielgefährten, dass
die Frage nach dem Warum völlig in Vergessenheit geriet. Ich genoss es
einfach nur ihre staunenden Gesichter über all das fremde glitzernde
Zeug zu beobachten. Zwar mussten wir beständig aufpassen, dass unsere
Tarnung nicht flöten ging, doch mit den Drein den Weihnachtsmarkt zu
erkunden, war bei weitem schöner als in den vergangenen Jahren.
Besonders als Pikachu die Zuckerwatte entdeckte und schließlich über
und über in der klebrigen Masse versank, konnten wir uns vor Lachen
nicht mehr halten. Obwohl noch kein Schnee lag und es bis zum Fest
noch ein paar Tage hin war, kam doch bereits bei diesem kleinen Bummel
auf den festlich geschmückten Straßen eine vorfreudige
Weihnachtsstimmung auf. Doch irgendwann war auch der schönste Ausflug
vorbei und Paula musste zurück nach Hause. Um mir stundenlanges
Abschiedsgeheul zu ersparen, gab ich ihr Glumanda einfach als
getarnten Hund mit. Wie sie das ihrer Mutter beibrachte, war ihre
Sache.
Auch ich hatte eigentlich vorgehabt meine neuen Spielgefährten
vor meiner Mutter geheim zu halten, doch spätestens als am 4. Morgen
plötzlich ein Arkani in meinem Zimmer stand, war daran nicht mehr zu
denken. Die drei Kleinen zu tarnen war kein Problem, aber einen zwei
Meter großen Hund zu verstecken, war so gut wie unmöglich. Also
beichtete ich ihr schließlich unseren ungewöhnlichen Besuch. Doch
anstatt in Panik auszubrechen, schnappte sie sich gleich Pikachu und
knuddelte es innig. Damit war die ganze Angelegenheit noch etwas
weniger schwierig. Auch meine Mutter schloss schnell Freundschaft mit
den knuffigen Wesen und sie schien doch auch ein wenig vom
Pokémon-Fieber, dass sie jahrelang als kindischen Blödsinn abgetan
hatte, befallen worden zu sein. Nur als am 10. Dezember ein Webarak
aus meinen Zimmer direkt auf ihr Bett kroch, war sie alles andere als
begeistert. Gerade noch rechtzeitig konnte ich sie davon abhalten dem
Spinnenpokémon mit Insektenspray zu Leibe zu rücken. Seitdem achtete
sie darauf, dass sich das überdimensionale Krabbeltier nicht in ihrer
Nähe abseilte. Auch Zirpeise betrachtete sie mit Argwohn. Ein bisschen
erinnerte mich ihr Verhalten an Misty. Nur mit Wadribie schien sie
keine Probleme zu haben, denn das große Bienenpokémon lieferte ihr den
leckersten Honig für den morgendlichen Tee. Ansonsten bleib sie bei
dem Chaos, das die täglich wachsende Pokémonschar anrichtete, doch
erstaunlich gelassen.
Natürlich war es trotzdem schwer alleine etwas mit der immer
größer werdenden Rasselbande zu unternehmen. Deshalb beschloss ich
meinen restlichen Freunden von meinem besonderen Besuch zu erzählen.
Zwar lachten mich alle am Telefon bei dieser Story aus, doch zwei
Stunden später war ich es, die herzlich über ihre dummen Gesichter
beim Anblick der Pokémon in unserer Wohnung lachte. Keiner von ihnen
hatte auch nur die leiseste Ahnung, wie so etwas möglich war, doch es
dauerte nicht lange, da hatten alle diese Frage vergessen, denn sie
waren von den seltsamen Wesen sofort verzaubert. Jeder hatte so seinen
Liebling und so wurde schon nach kurzer Zeit gekuschelt und gespielt
was das Zeug hielt. Und natürlich ließen wir es uns auch nicht nehmen
einmal echte Pokémontrainer zu sein. Ins Trainer-Cosplay geschlüpft,
kam richtiges Animefeeling auf. In unserem Garten fanden jeden Tag die
heißesten Kämpfe statt. Zwar wunderten sich die Nachbarn wohl über die
ein oder andere Flammensäule oder plötzlich eintretenden Donner bei
klarem Himmel, doch dank der hohen Hecke um unseren Garten, blieb
unser seltsamer Besuch unentdeckt. Während einige meiner Freunde im
Anime sicher exzellente Pokémontrainer geworden wären, so zeigten
andere ein großes Talent für Pokémonwettbewerbe, an denen wir uns auch
versuchten. Und ich nutze nebenbei jede freie Minute um
Beobachtungsstudien über meine besonderen Gäste zumachen. Prof. Eich
wäre sicher stolz auf mich gewesen. Doch wir unternahmen auch ganz
„normale“ Sachen mit ihnen. Inzwischen hatte es angefangen zu schneien
und die wilde Bande war ganz begeistert davon in der weißen Pracht
herumzutollen. Neben heißen Schneeballschlachten, die meist damit
endeten, dass das arme Enton total in Schneebällen vergraben war, denn
bei seiner Lahmheit war es ein nur allzu leicht zu treffendes Ziel,
machte es ihnen besonders Freude Schneepokémon zu bauen. Während die
meisten ein wenig verunglückt aussahen, erwiesen sich Glumanda und
Arkani als wahre Meister im Eisfiguren formen. Mit wohldosierten
Flammen schmolzen sie die von Glaziola hergestellten Eisblöcke zu den
herrlichsten Skulpturen, die eine glänzende Galerie in unserem Garten
bildeten. Da aber bei der ständig wachsenden Pokémonzahl unser Garten
allmählich zu klein wurde, beschlossen wir einen Nachmittag einen
kleinen Ausflug zu machen. So gut es ging getarnt, was sich vor allem
bei dem endlos langen Dragonir als ziemliches Problem herausstellte,
zogen wir mit Schlittschuhen und allen Schlitten, die wir auftreiben
konnten, los. Wir suchten uns ein abgelegenes Plätzchen an einem
zugefrorenen See. Zwar war die Eisschicht noch nicht dick genug zum
Laufen, doch da wir ja praktischerweise ein Eispokémon dabei hatten,
war das nach einigen Augenblicken kein Thema mehr und wir konnten die
Fläche ohne Bedenken betreten und Schlittschuh laufen. Oder na ja,
zumindest es versuchen. Denn während Kirlia grazil wie eine Elfe über
das Eis tanzte, hatten die meisten anderen Pokémon so ihre Probleme
auf den Pfoten zu bleiben. Währenddessen ich Nachtara, das alle vier
Pfoten in eine andere Richtung gestreckt, hilflos auf der
spiegelglatten Fläche lag, hoch half, fand Pikachu heraus, dass man
auch ganz hervorragend auf dem Bauch über das Eis schlittern konnte
und so fand jedes Pokémon schließlich seine ganz spezielle, teilweise
etwas merkwürdige, Art über das rutschige Element zu kommen. Auch wenn
ich das ein oder andere mal über ein zu schnell heranschießendes
Pokémon stolperte und unsanft auf der Eisfläche landete, so machte es
doch einen heiden Spaß. Und auch Schlittenfahren war bei weitem
lustiger, wenn man Pokémon mit an Bord hatte. Und Dank Glaziola hatten
wir auch eine ungewöhnlich schnelle Rutschbahn, die leider ab und zu
an einem Baum endete. Es gab zwar ein paar blaue Flecken, doch
ernsthaft verletzt wurde niemand. Und wenn uns bei dem ganzen
Schneespielen zu kalt wurde, entfachten Glumanda und Arkani einfach
ein kleines wärmendes Lagerfeuer. Nach der ganzen Rumtoberei hatten
wir aber irgendwie keine Lust mehr nach Hause zu laufen, also banden
wir alle Schlitten zusammen und ließen uns von unserem
Riesenschlittenhund Arkani bis vor die Haustüre ziehen. Total erledigt
fiel sogar ausnahmsweise der ganze Pokémonhaufen gleich ins Bett und
schlief friedlich, von Abenteuern im Schnee träumend ein.
Der 23. Dezember war dann für alle noch viel aufregender, denn
meine Mutter hatte uns einen schönen großen Weihnachtsbaum besorgt und
als die Truppe die ganzen glitzernden Dekorationssachen sah, war sie
kaum noch zu bremsen. Bisasam und Chelast waren mit ihren Ranken sehr
hilfreich, wenn es darum ging den Schmuck in der Baumkrone anzubringen
und Ambidiffel nutze seine zwei Griffel geschickt zum Verteilen an
schwierigen Stellen. Wablu und Voltilamm spendeten etwas von ihrem
flauschigen Fell, das nun wie kleine Schneehäufchen die grünen äste
verschönerte. Das Lametta konnten wir uns dieses Jahr auch sparen,
denn Webarak überzog den Baum mit feinen seidig glitzernden Fäden.
Selbst Botogel wollte seine „Geschenke“ an den Baum hängen, doch als
eines davon in Riolus Pfote explodierte, sahen wir davon ab die
schimmernden Kugeln zu befestigen. Klingplim schien offenbar Gefallen
daran zu finden, sich als Stern auf die Baumspitze zusetzen und uns
mit seinem wundervoll friedlichen Gesang zu begleiten. Alle waren mit
Feuereifer bei der Sache. Shnebedeck war zwar überhaupt nicht
begeistert, ebenfalls mit Kugeln und Schleifchen geschmückt zu werden,
doch wer schon wie ein Tannenbaum aussah, musste eben dran glauben.
Als es langsam anfing zu dämmern, zündete Arkani vorsichtig die Kerzen
an und unser Weihnachtsbaum erstrahlte in einer wunderschönen Pracht.
Völlig fasziniert saßen alle noch bis spät vor dem funkelnden Baum.
Und dann war endlich der heilige Abend gekommen. Ein bisschen
aufgeregt war ich schon, denn heute war schließlich das letzte Türchen
zu öffnen und ich hatte so eine leise Ahnung, dass mich etwas
Besonderes erwarten würde. Und das tat es auch tatsächlich. Als ich
behutsam den Schlitz in der Mitte öffnete fand ich...
...nichts.
Der Hohlraum, in dem sonst die täglich lebendig werdende Karte
steckte, war absolut leer. Ich untersuchte den Kalender genauestens,
doch es war nichts zu finden. Ich war zugleich verwundert und
enttäuscht, doch die anderen 23 Pokémon nahmen mich sofort so in
Beschlag, dass ich es bald wieder vergaß. Es war auch noch genug zu
tun, meine Mutter brauchte Hilfe bei den zahlreichen Gänsebraten, die
sie für unsere außergewöhnlichen Gäste zubereitete. Und die ließen es
sich Mittags auch kräftig schmecken. Zum Glück war es nur Arkani, das
einen ganzen Braten alleine schaffte und auch den anderen Pokémon, die
dann doch eher auf Klöße mit Rotkohl umgestiegen waren, half die Reste
zu vertilgen. Nachdem wir uns noch einmal in der im Sonnenlicht
funkelnden Schneepracht ausgetobt hatten, wurde es langsam
besinnlicher. Als es langsam dunkler wurde, versammelten sich alle
Pokémon im Wohnzimmer. Das Funkeln des Weihnachtsbaums spiegelte sich
in den glänzenden Augen der kleinen Tierchen wieder. Während wir
Plätzchen knabberten, stimmten Klingplim und Wablu einen himmlischen
Gesang an, der von Zirpeises eigenartigem Zirpen unterstützt wurde,
letztendlich als alle eingestimmt hatten, direkt in unsere Herzen
drang und ein wundervolles Gefühl der Besinnlichkeit verbreitete. So
gut es ging kuschelten sich alle zusammen und genossen diesen Moment
innigster Zufriedenheit. Das war wirklich das weihnachtlichste Fest,
das ich je erlebt hatte. Nach der feierlichen Gesangsstunde war dann
Bescherungszeit. Als ich als Weihnachtsmann verkleidet in das Zimmer
trat, erntete ich zwar zunächst misstrauische Blicke, doch als sie den
prallgefüllten Sack sahen, war das Interesse der Pokémon geweckt. Ich
hatte für jeden meiner neuen Freunde ein kleines Päckchen gepackt und
amüsierte mich königlich über ihr aufgeregtes Gehopse bis jedes sein
Geschenk in den Pfoten hielt. Ich musste einigen beim Auspacken
helfen. Als alle die Süßigkeiten und speziellen Kleinigkeiten wie z.B.
ein Glöckchenhalsband für Charmian, inspiziert hatten, wurde ich zum
Dank von allen gleichzeitig bestürmt. Auch für mich lagen einige
Päckchen unter dem Weihnachtsbaum, doch die schönste Geschenke, waren
dieses Jahr eindeutig diese sonderbaren Wesen. Unser Haus war noch nie
so voll Fröhlichkeit erfüllt gewesen. Wir spielten, lachten, sangen
und richteten Chaos an bis in die späten Abendstunden.
Doch so schön es auch war, irgendwann war es Zeit ins Bett zu
gehen. Ziemlich von der ganzen Rasselbande geschafft, schlief ich auch
gleich mit Pikachu und allen kleineren Pokémon zusammen gekuschelt
ein. Aber aus irgendeinem Grund war mein Schlaf nicht von langer
Dauer. Ich wachte mitten in der Nacht plötzlich auf und verspürte den
Drang ans Fenster zu gehen. Ich sah nach draußen auf den zauberhaft
verschneiten Garten. Dann wanderte mein Blick zurück auf mein von
Pokémon gefülltes Zimmer und ich musste lächeln. Der Weihnachtsabend
war dieses Jahr wirklich etwas Besonderes und noch nie so schön
gewesen. Es schien mir gar so, als hätte ich in den letzten 24 Tagen
mehr gelacht als jemals zuvor. Sie waren zwar schwerer zu hüten als
ein Sack Flöhe, aber sie hatten auch jede Menge Freude gebracht. Auch
wenn ich langsam nicht mehr wusste, wohin mit ihnen, so war es fast
schade, dass die Vorweihnachtszeit nicht 493 Tage hatte und ich in den
Geschmack einer kompletten Pokémonsammlung gekommen war. Doch beim
Gedanken an ein Relaxo in meinem Zimmer, ließ ich diesen Wunsch lieber
wieder fallen. Mit meinen 23 Lieblingen hatte ich schon genug zu tun.
23... da fiel mir wieder die seltsame Begebenheit der letzten
fehlenden Karte ein. Ich ging an den Schreibtisch um mir den Kalender
noch einmal genau anzusehen. Bei dem Gedanken, welche schönen
Erlebnisse ich in den letzten Tagen durch ihn erlebt hatte, konnte ich
nicht anders als liebvoll über seine Kanten zu fahren. Plötzlich
erstrahlte in dem mittigen Türchen ein Licht. Eine kleine
regenbogenfarben schimmernde Kugel schwebte heraus, wurde größer und
verwandelte sich letztendlich in ein Pokémon.
„Hallo Jirachi.“,
begrüßte ich das Legendäre erstaunt, denn dem angeblich Wünsche
erfüllenden Pokémon zu begegnen, war wirklich etwas Besonderes. Das
sternförmige Pokémon schwebte um mich herum. Langsam kam mir eine
Ahnung, was hier eigentlich passiert war. „Sag mal, bist du für diese
Pokémonversammlung verantwortlich?“ Der kleine gelbe Stern nickte und
gab einen zustimmenden Laut von sich. „Vielen Dank Jirachi, das war
eine tolle überraschung.“, bedankte ich mich. Fröhlich tanzte es um
mich herum, doch dann blieb es schlagartig in der Luft stehen und sah
mich traurig an. Auch wenn es nicht reden konnte, so verstand ich
doch, was es mir sagen wollte und die Traurigkeit, die es ausdrückte
nahm auch mein Herz gefangen.
„Ihr müsst gehen, stimmt’s?“, murmelte ich bedrückt. Jirachi
nickte langsam. Ich musste schlucken. Während ich mir meine
liebgewonnenen neuen Freunde der letzten Tage besah, stiegen mir
Tränen in die Augen. Wir hatten so viel Spaß zusammen gehabt und jetzt
sollte ich sie wieder verlieren? Obwohl es mir so unendlich schwer
fiel, mir vorzustellen wieder ohne sie zu leben, verstand ich doch
auch, dass sie nun mal in ihre eigene Welt gehörten. Ich nickte
Jirachi zu. Schweren Herzens ging ich zum Bett und streichelte ein
letztes Mal über das seidig weiche Fell meiner kleinen Spielgefährten.
Pikachu wachte auf, sah Jirachi und wurde ebenfalls traurig. Es schien
zu wissen, was nun geschehen würde. Betrübt schleckte es mir noch
einmal über die Wange. So gern wir wohl zusammen geblieben wären, so
wussten wir doch, dass ein Abschied unvermeidlich war. Inzwischen
waren auch alle anderen Pokémon wach geworden und schienen Bescheid zu
wissen. Um mir gar keine Gelegenheit zu großen Tränenausbrüchen zu
lassen, wurde ich einfach von allen zu Boden geknuddelt. Als sich das
Pokémonknäul aufgelöst hatte, gab Jirachi das Zeichen zum Aufbruch.
Alle kamen zusammen und selbst Glumanda erschien wieder in meinem
Zimmer. Jirachi schwebte über ihnen. Während aus seinem Schweif
glitzernder Sternenstaub über die Pokémon fiel, erstrahlten sie und
keinen Herzschlag später war die ganze verrückte Schar verschwunden.
Zwar blieb etwas Wehmut, doch als ich aus dem Fenster sah, erleuchtete
eine funkelnde Sternschnuppe den Himmel, die mir die schönen
Erlebnisse dieser besonderen Weihnachtszeit in Erinnerung rief und mir
ein glückliches Lächeln auf die Lippen zauberte.