2. Dezember 2008
Fangeschichte von: Shady aus Böblingen
Ein unvergessliches Weihnachtsfest
Schon seit
einigen Monaten war der eiskalte Winter über den Pokémonwald
hereingebrochen. Die frühe Dunkelheit am Tag, der frostige Wind und
die meterdichte Schneedecke versetzte schon so manches Pokémon des
Waldes in trübselige Stimmung. Doch da gab es noch die Zeit im Jahr,
die jedes Pokémonherz höher schlagen und jedes Gemüt wieder auftauen
lässt. Weihnachten! Und bald war es endlich wieder so weit.
An einem sonst so ruhigen Sonntagnachmittag herrschte im
verschneiten Pokémonwald bereits reges Treiben. Hier und da tippelte
ein Pokémon durch den Schnee, um die letzten Besorgungen zu machen und
alles für den großen Tag vorzubereiten. Weihnachten war schließlich
schon heute Abend! Auch das kleine Pichu und sein Freund Azurill, die
gerade vom Kindergarten heimkamen, waren schon voller Vorfreude auf
das Fest und konnten sich kaum halten.
„Was wünschst du dir zu Weihnachten?“ fragte das kleine Azurill
mit leuchtenden Augen, während es durch den Schnee stapfte. „Ich
wünsche mir einen springenden Ball in ganz, ganz bunten Farben! Dann
können mein Bruder Pikachu und ich endlich zusammen spielen!“
Aufgeregt hüpfte Pichu durch den Schnee. „Das klingt ja super,“ meinte
Azurill, „und was wirst du heute sonst noch machen?“ „Ich werde heute
mit Pikachu und all unseren Freunden einen geeigneten Weihnachtsbaum
suchen gehen, den wir dann alleine fällen und zur Lichtung bringen.
Dort werden wir ihn gemeinsam schmücken! Das wird sicher ein riesiger
Spaß!“ antwortete Pichu vergnügt. Die beiden waren an die Stelle
gekommen, wo Azurill wohnte. „Ich muss mich beeilen, denn ich werde
jetzt mit meinem Bruder Marill und Mama Azumarill unseren
Weihnachtsbaum schmücken! Viel Spaß, und frohe Weihnachten, Pichu!“
„Dir auch frohe Weihnachten!“ rief Pichu winkend und flitzte nach
Hause.
Dort hatten sich bereits Pikachu und seine Freunde Bisasam,
Glumanda, Plinfa und Evoli versammelt. „Da bist du ja!“ freuten sich
die Pokémon, als Pichu angekommen war. „Dann kann es ja endlich
losgehen!“ So zogen sie los, um im Wald einen geeigneten
Weihnachtsbaum zu suchen. Bisasam als Pflanzenpokémon hatte einen
guten Riecher für Bäume und Pflanzen aller Art, und immer, wenn die
Pokémon einen Baum sahen, fragten sie es, doch bis jetzt entsprach
kein Baum den Anforderungen. „Der Baum ist nicht ganz gesund!“
entgegnete Bisasam öfters mal, als sie einen Baum im Blickwinkel
hatten. Auch die Größe war nicht immer optimal. „Das ist gar nicht so
einfach...“ seufzte Glumanda, doch Plinfa tröstete. „Wir werden sicher
bald einen finden!“ sagte es und Glumanda nickte hoffnungsvoll.
Mittlerweile war es Abend geworden und die Dunkelheit war über
den ganzen Wald hereingebrochen. Damit alle noch etwas sehen konnten,
sprühte Pikachu Funken aus seinen Backen und wies den Pokémon den Weg.
„Mir ist kalt...“ jammerte Pichu, das auf Glumandas Rücken saß und
sich an seiner Flamme wärmte. „Ich möchte, dass wir endlich einen Baum
finden, außerdem beginnt doch schon in wenigen Stunden die große
Bescherung!“ „Wir hätten früher mit der Suche beginnen sollen,“ meinte
Bisasam, „doch da es jetzt schon so spät ist und wir daran nichts
ändern können, sollten wir uns beeilen!“
Alle Pokémon stimmten zu und wollten sich nun noch mal
besonders Mühe geben, damit sich Weihnachten für sie auch nicht
verspätete. Schnellen Schrittes liefen sie durch den Wald und hielten
Ausschau. Doch da rief Evoli plötzlich freudig: „Seht mal!“ Die
Pokémon liefen zu der Stelle, an der Evoli stand, und alle waren
begeistert. „Was für ein wunderschöner Baum!“ staunte sogar das sonst
so Baum-kritische Bisasam und Pichu tanzte fröhlich umher. „Endlich
haben wir ihn gefunden und er hat sogar genau die richtige Größe“,
sagte Pikachu lächelnd, „dann wird es jetzt Zeit, ihn zu fällen, damit
wir ihn auch noch rechtzeitig nach Hause bringen können!“ Das war das
Stichwort für Bisasam. Mit einem gezielten Rasierblatt durchtrennte er
den Stamm und der Baum fiel mit einem plumpen Geräusch in den Schnee.
„Gut gemacht, lasst ihn uns jetzt nach Hause tragen!“ befahl Plinfa
mit fröhlicher Stimme. Jedes der Pokémon bemühte sich, den Baum an
einer Stelle zu halten, und obwohl er nicht gerade leicht war, ließ er
sich gut tragen, denn zusammen hatten sie alle ganz schön Kraft!
Sogar das kleine Pichu trug voller Enthusiasmus mit. So bahnten
sie sich weiter und weiter einen Weg durch die Kälte des dunklen,
verschneiten Waldes. „Bald haben wir es geschafft,“ freute sich
Glumanda, „und das alles doch noch rechtzeitig! Ich hatte ja meine
Zweifel, aber zusammen können wir wirklich alles schaffen!“ Die gute
Stimmung verbreite sich unter den Pokémon immer weiter, dass die
Arbeit noch schneller voran ging und die Pokémon fast an der Lichtung,
wo sie den Baum aufstellen wollten, angekommen waren.
„Da ist unser Ort, der ist wirklich perfekt geeignet! Man sieht
von hier aus sogar den wunderschönen Sternenhimmel!“ staunte Plinfa
und alle strahlten. „Und hier haben wir alles vorbereitet!“ Evoli
rannte weiter auf die Lichtung, doch plötzlich blieb es entsetzt
stehen. „Oh nein, was ist mit unserem Essen passiert?!“ „Was ist denn
los?“ fragte Pikachu verwundert und lief zu Evoli. „Genau hier haben
wir doch unser Essen hingelegt,“ murmelte Evoli besorgt, „ihr wisst
schon, die ganzen Beeren, die wir die letzten Tage so eifrig und mit
viel Mühe gesammelt haben. Sie sind weg!“ Nun traten auch die anderen
Pokémon näher.
„Was ist bloß passiert?“ weinte Pichu und drückte sich an das
runde Plinfa, das es zu trösten versuchte. „Wir können an Weihnachten
doch nicht einfach gar nichts essen!“ sagte Glumanda entsetzt in die
Runde hinein. “Aber jetzt kriegen wir doch auf die Schnelle gar nichts
mehr her!“ Eine hitzige Diskussion brach aus. „Hey, beruhigt euch,“
unterbrach Pikachu die Aufregung, „uns wird schon etwas einfallen!
Aber wir dürfen nicht in Panik verfallen.“ Währenddessen bemerkten die
Pokémon, dass Evoli mit seiner guten Nase bereits im Schnee
schnüffelte und auf der Suche nach weiteren Beeren war, die noch unter
der Schneedecke versteckt liegen könnten. „Das ist eine gute Idee,
vielleicht liegen hier doch noch welche herum! Lasst uns alle suchen!“
Die Sache war sofort beschlossen und jeder begann, im Schnee
herumzuwühlen. Erst mal fand niemand etwas, doch plötzlich glaubte
Pichu, etwas zu sehen. „Hey, da steht etwas rundes, braunes aus dem
Schnee heraus! Vielleicht ist das eine noch übrig gebliebene Beere!“
Sofort rannte Pichu auf das kleine Hügelchen, aus dem die braune Beere
herausstand, und versuchte, sie herauszuziehen, doch irgendwie war es
ganz schön schwer und sie bewegte sich nicht. „Grrr, ist sie
festgefroren?“ knirschte Pichu mit den Zähnen und zog stärker. „Warte,
ich helfe dir, mein Flammenwurf kann den Schnee um die Beere herum
schmelzen!“ rief Glumanda und trat näher, um Pichu zu helfen. Es
feuerte eine riesige Flamme auf den Schnee, der sofort zu Wasser
wurde.
Doch plötzlich hörten die Pokémon ein ohrenbetäubendes Brüllen
und der Hügel, auf dem Pichu gestanden war, kam nun zum Vorschein und
richtete sich auf. Es war kein Hügel, sondern ein brauner Körper, und
zwar der Körper eines riesigen und wütenden Ursarings! „ „Oh nein,“
schrie Pichu voller Angst, „das ist gar keine Beere, das war bloß der
kugelige Schwanz eines Ursarings! Glumandas Flamme muss ihm wohl
mächtig weh getan haben, als es unter dem Schnee geschlafen hat!“
„Wahrscheinlich hat es unsere ganzen Beeren aufgefressen und hat sich
danach einfach hier schlafen gelegt!“ rief Glumanda wütend und hätte
das Ursaring am liebsten weiter eingeheizt, doch Plinfa fiel hektisch
dazwischen: „Das ist jetzt auch egal, wir haben keine Chance gegen so
ein großes, wütendes Pokémon, rennt lieber um euer Leben!!!“
Das Ursaring brüllte und versuchte sofort, bevor die Pokémon
überhaupt losrennen konnten, Pichu mit einem mächtigen Schlitzer
anzugreifen, doch Pichu konnte gerade noch ausweichen. Als es ein paar
Schritte gerannt war, stolperte es plötzlich im Schnee und blieb
liegen. „Pass auf, Pichu!!!“ Schnell zog Bisasam es mit einem
Rankenhieb zur Seite, bevor Ursaring einen weiteren Angriff auf es
starten konnte. Dann rannten die Pokémon los, so schnell wie sie
konnten. Sie hetzten durch den ganzen Wald, doch Ursaring war ihnen
immer noch dicht auf den Fersen und schien nicht locker zu lassen.
„Was sollen wir bloß tun? Es wird uns noch einholen!“ rief Evoli total
außer Atem und auch die anderen entsetzten Pokémon wussten keine
Antwort auf diese Frage.
„Ich kann nicht mehr!“ weinte Pichu verweifelt, das von allen
Pokémon am schwächsten und kleinsten war, und deshalb auch am
wenigsten rennen konnte. Das Brüllen hinter den Pokémon schien immer
näher zu kommen. „Wir werden langsamer, wir müssen uns irgendwo
verstecken, sonst haben wir keine Chance!“ rief Pikachu und da
erblickten die Pokémon plötzlich eine Höhle. „Schnell, rein da!“
keuchte Pikachu und die Pokémon rannten in das Schwarze des Eingangs.
Trotzdem konnten sie das Ursaring näher kommen hören. „Es darf uns
nicht bemerken,“ flüsterte Plinfa zitternd, „ihr müsst ganz still
sein!“ So schienen die Pokémon eine Zeit lang unbeweglich wie Statuen
und das einzige, was man hörte, war ihr verzweifelt schlagendes Herz.
Nach nur einer einzigen Minute in der Dunkelheit, die den
Pokémon wie eine Ewigkeit vorkamen, fragte Pichu vorsichtig: „Ist es
weg?“ „Ich weiß nicht, man hört nichts mehr... Ich schaue mal nach...“
entgegnete Pikachu und schlich ganz leise zum Eingang. Als es seinen
Kopf aus dem Eingang herausstreckte, erschauderte es. Das Ursaring
schien zwar nicht das hellste zu sein und schnüffelte auf dem Boden
nach der Spur der Pokémon, weil es nicht gesehen hatte, wie sie in die
Höhle gerannt waren, doch genau in dem Moment, als Pikachu
rausschaute, erblickte Ursaring es. „Oh nein, es hat uns bemerkt!!!“
schrie Pikachu verzweifelt und rannte zurück in das innere der Höhle.
Ursaring wollte sogleich hinterher rennen, doch da es anscheinend zu
groß und zu dick war, passte es nicht ganz durch den Höhleneingang.
„Hey, es schafft es nicht, hier reinzukommen!“ freute sich
Pichu, doch es hatte sich zu früh gefreut. Ursaring sah ein, dass es
nicht durch den Eingang kommen würde, doch stattdessen stieß es von
außen mit voller Wucht, weil es immer noch so wütend war, gegen die
Höhle und den Eingang, so dass Schnee und Eis vom Höhleneingang
herunter fielen. Die Erschütterungen waren unglaublich stark und es
fielen sogar ein paar Felsbrocken von der Höhlenwand außen herunter.
Einer davon schien das Ursaring am Kopf getroffen zu haben, das vor
Schmerz jaulte und plötzlich das Weite suchte. Die Pokémon merkten,
dass das Gebrüll, und somit auch Ursaring, sich immer weiter
entfernten. Eine Zeit lang traute sich trotzdem niemand, etwas zu
sagen, bis es sicher war, dass das wütende Pokémon auch wirklich weg
war. Irgendwann unterbrach Pichu das Schweigen. „Was ist passiert? Ist
Ursaring noch da?“ wollte es wissen. „Es scheint endlich weggegangen
zu sein,“ antwortete Evoli, „aber oh nein, was ist das denn?“
Die Pokémon, die aus Angst die ganze Zeit die Augen geschlossen
hatten, öffneten diese nun und erschraken. Es war kein Mondlicht von
draußen mehr zu sehen, der Höhleneingang war verschwunden! Pikachu
ließ Funken aus seinen Backen sprühen, damit man in der Dunkelheit der
Höhle etwas erkennen konnte, und dann sahen sie es: Der Eingang war
komplett mit Felsbrocken zugeschüttet. „Wie kommen wir jetzt hier
raus?!“ fragte Bisasam geschockt und die Pokémon versuchten
verzweifelt, mit ihrer gesamten Körperkraft und ihren Attacken die
Felsbrocken wegzuschieben, doch es nützte nichts. Die Brocken waren
einfach zu schwer und die Attacken der kleinen Pokémon nicht stark
genug. Sie gaben es auf.
Betrübt blickten alle auf den Boden und schwiegen voller
Kummer. Plötzlich unterbrach ein leises Weinen und Wimmern die Stille.
Es war Pichu, das seine Traurigkeit nicht mehr unterdrücken konnte.
Dicke Tränen kullerten ihm über die kleinen, rosa Wangen. In seinem
Gesicht waren seine Angst und Enttäuschung nicht mehr zu übersehen.
„Was ist denn los, Pichu?“ fragte Plinfa mit besorgtem Blick, obwohl
es eigentlich genauso wie alle anderen Pokémon wusste, was es so
bedrückt.
„Das... Das... Das ist das schlimmste Weihnachten, das ich je
hatte!“ schrie das kleine Pichu plötzlich weinend aus sich heraus. Der
Satz hallte durch das gesamte Weite der Höhle. Nun weinte es noch
stärker. „Jedes mal ist Weihnachten für mich der schönste Tag des
Jahres und ich freue mich die ganze Zeit wie wild darauf, doch dieses
mal ist einfach nur alles schief gegangen! Erst irren wir eine
Ewigkeit durch die kalte Nacht, um einen Baum zu finden, dann ist
unser ganzes Weihnachtsessen geklaut worden und fast wären wir noch
alle von einem wilden Ursaring gefressen worden! Außerdem sitzen wir
hier in dieser kalten, kargen Höhle fest und müssen unser
Weihnachtsfest nun hier verbringen! Ohne Baum, ohne Gemütlichkeit,
ohne Essen und ohne... Geschenke...“ Dabei schluchzte das kleine
Pokémon, das sich doch so darauf gefreut hatte, noch lauter.
„Schlimmer kann es echt nicht mehr werden!“
Erst wusste kein Pokémon, was es sagen sollte. Pichu hatte ja
Recht damit, dass es wirklich so schlimm war... Alle schienen über die
Sache nachzudenken, doch plötzlich stand Pikachu auf. „Hey, Kopf
hoch,“ sagte es mit ruhiger Stimme, „so schlimm ist das Ganze hier
überhaupt gar nicht!“ Alle blickten es ungläubig an, doch es redete
weiter. „Wisst ihr... An Weihnachten geht es nicht um einen bunten
Weihnachtsbaum, um ein leckeres Essen oder um Geschenke. Es geht auch
nicht um den Ort, an dem man es verbringt.“ „Aber worum geht es dann?“
fragte das kleine Pichu leise und wischte sich eine Träne von der
Wange. „Es geht darum, dass man das Fest mit seiner Familie, seinen
Freunden und allen Pokémon, die einem etwas bedeuten, verbringt. Dabei
spielen sämtliche Umstände überhaupt keine Rolle, Hauptsache man ist
denen nahe, die einem wichtig sind, und kann die Zeit mit ihnen
verbringen!“ Pikachu lächelte. „Und das sind wir doch auch, denn trotz
allem, was schief gegangen ist, haben wir immer noch uns!“ „Hey, das
stimmt!“ rief Glumanda freudig und stand auf. „Ich bin auch froh, dass
ich euch alle habe, denn trotz dieser Kargheit hier drinnen weiß ich,
dass ich nicht allein bin und eine Familie und Freunde habe, die bei
mir sind!“ „Ganz genau so ist es, Glumanda!“ sagte Pikachu fröhlich
und wischte Pichu die restlichen Tränen ab. „Du... Hast wirklich
Recht!“ stimmte der kleine Bruder zu und sah ein, dass alles, was
Pikachu gesagt hatte, tatsächlich stimmte. „Ich will nicht mehr weinen
und traurig sein! An Weihnachten soll man glücklich sein, und ich will
mich darüber freuen, dass ich bei euch sein kann, so wie du gesagt
hast! Das ist doch das schönste und das Wichtigste an Weihnachten!“
„Und ich glaube, dass dieses Weihnachtsfest genauso schön sein
kann, wie jedes andere auch,“ meinte Bisasam, „außerdem könnten wir es
uns sogar noch etwas festlicher machen!“ „Wie denn?“ wollte Plinfa
wissen. „Schaut mal da!“ sagte Bisasam und deutete auf ein paar kleine
Zweige, die am Boden verstreut lagen. Es hob sie mit seinen Ranken auf
und legte sie auf einen kleinen Haufen. „Ah, jetzt weiß ich, was du
willst!“ grinste Glumanda und entzündete mit seiner Glut die Zweige,
so dass die Pokémon ein kleines, aber dennoch helles und warmes
Lagerfeuerchen hatten. „Ihr habt echt gute Ideen,“ staunte Pikachu,
„so haben wir es gleich viel wärmer und gemütlicher!“ Auch Pichu saß
am Boden und staunte. Seine Augen begannen sogar wieder zu funkeln.
Die Pokémon freuten sich für das kleine Pichu, und Evoli setzte sich
hinter es und legte seinen großen, flauschigen Schweif um seinen
Körper. „So hast du es gleich viel wärmer und gemütlicher!“ lächelte
es. „Danke, ihr seid echt die Besten,“ rief Pichu voller Freude, „ich
bin so froh, dass ich eine so liebe Familie und Freunde habe! Und ich
glaube, so lange ich bei euch bin, kann dieses Weihnachtsfest gar nie
schlimm sein oder schlimm werden!“
So war das bedrückte Schweigen ein für allemal Schnee von
gestern. Von nun an hallte lautes Gerede und Gelächter durch die Höhle
und alle Pokémon genossen die Anwesenheit der anderen in vollen Zügen.
Doch nach einiger Zeit sagte Pichu plötzlich: „Es ist schon spät, um
die Zeit würde wahrscheinlich der Weihnachtsmann vorbeikommen und die
Geschenke unter den Weihnachtsbaum legen, aber ich glaube nicht, dass
er uns hier in dieser dunklen Höhle jemals finden wird, außerdem haben
wir nicht ja nicht mal einen Weihnachtsbaum...“ Doch auf Pichus
Gesicht machte sich auf einmal ein unerwartetes Lächeln breit.
„Trotzdem macht mir das Ganze nichts aus! Für mich sind die Geschenke
nur noch nebensächlich, das habe ich heute gelernt. Lasst uns
weiterhin einen schönen Abend zusammen verbringen, das ist mir viel
wichtiger!“ „Wow, wirklich wahre Worte für so ein junges Pokémon wie
dich! Das hätte man dir fast nicht zugetraut, wo du dich doch so auf
deine Geschenke gefreut hast!“ staunte Pikachu anerkennend und klopfte
Pichu auf die Schulter.
Die Pokémon lächelten. „Aber trotzdem,“ fügte Pikachu noch
hinzu, „vielleicht schafft der Weihnachtsmann es ja doch irgendwie,
uns zu finden. Er kann schließlich fast alles, glaube ich!“ Pichus
Augen blitzten auf. „Meinst du echt? Das wäre ja super!“ Ein kleines
bisschen Hoffnung hatten alle Pokémon, dass dies wirklich geschehen
würde. Doch den weiteren Abend dachten sie nicht mehr viel daran,
sondern sangen gemeinsam Weihnachtslieder und erzählten sich die
aufregendsten Weihnachtsgeschichten und sonstige Erlebnisse. Dadurch
machte ihnen nicht mal mehr der Hunger zu schaffen, den sie sogar
völlig vergessen hatten.
Nach einiger Zeit brach endgültig die Müdigkeit über die
Pokémon herein und sie legten sich schlafen. Das Feuer wärmte sie noch
bis in die frühen Morgenstunden, so dass sie einen ruhigen und
angenehmen Schlaf hatten. Der kalte Winter draußen konnte ihnen in
dieser Höhle nichts anhaben.
Am nächsten Morgen wachten die Pokémon fast zeitgleich auf und
fühlten sich ausgeschlafen und glücklich. Pichu, das als erstes die
Augen richtig geöffnet hatte, war geschockt. Aber dieses Mal war es
positiv geschockt! „Hey, seht mal,“ rief es aufgeregt, „der Ausgang
wurde freigemacht, wir sind nicht mehr hier drin gefangen!“ Die
Pokémon, die die Situation sofort begriffen hatten, waren überwältigt
und jubelten. „Aber wie konnte das passieren?“ wunderte sich Bisasam.
„Es weiß doch keiner, dass wir hier in der Höhle gefangen waren! Und
wer hat die Kraft, solche Felsbrocken zu bewegen?“ Evoli entgegnete:
„Also Ursaring hätte uns sicher nicht geholfen, wenn es uns nicht
hätte fressen wollen!“ Alle lachten und waren glücklich. Pichu tippte
plötzlich seinen Bruder an. „Hey, glaubst du, dass der Weihnachtsmann
uns befreit hat?“ fragte es neugierig. „Ansonsten wusste ja niemand,
dass wir hier gefangen waren! Und du meintest doch, er kann fast
alles!“ „Ich glaube, das könnte wirklich gut sein!“ lächelte Pikachu
und war mehr davon überzeugt, als es schien, dass es wirklich der
Weihnachtsmann war.
Auf einmal ertönte von Plinfa ein Freudenschrei: „Wahnsinn,
seht mal!!!“ Die Pokémon, die ihren Blick bis jetzt nur auf den
Höhleneingang gerichtet hatten, drehten sich um, und ihnen ging vor
Staunen der Mund auf. Hinter ihnen war ein riesiger Berg
wunderschöner, eingepackter Geschenke! Sofort rannten sie darauf zu
und betrachteten sie näher. Jedes Päckchen hatte sogar ein
Namensschuld, auf dem stand, an wen es gerichtet war. „Kein Zweifel,
das MUSS der Weihnachtsmann gewesen sein, das geht gar nicht anders!“
piepste Pichu überglücklich und nahm sein Geschenk in die Hände, das
rund und in glitzerndem Papier eingewickelt war. Auch die anderen
Pokémon freuten sich über die große Bescherung, die niemand von ihnen
erwartet hatte.
Das kleine Pichu jedoch hatte plötzlich ein Geräusch gehört,
das wie das Geräusch eines Glöckchens klang. Die anderen Pokémon waren
so beschäftigt mit ihren Geschenken, dass sie es nicht bemerkt zu
haben schienen. Ob das wohl der Weihnachtsmann war? Pichu wollte sich
so gerne bei ihm für dieses wunderschöne Weihnachtsfest bedanken!
Schnell stürmte es zum Ausgang der Höhle. Dort sah es hinter einem
Baum ein hirschartiges Pokémon mit einer seltsamen, roten Nase
hervorgucken… Pichu glaubte sogar, einen großen Schlitten gesehen zu
haben, in dem ein Pokémon mit einer roten Mütze saß. Doch sowohl das
eine als auch das andere Pokémon und der Schlitten verschwanden schon
in der nächsten Sekunde wieder, ohne einen Ton, so dass Pichu nicht
wusste, ob es seinen Augen trauen sollte, oder ob das Ganze nur eine
Einbildung gewesen war. „Hey, wartet!!!“ rief es so laut es konnte,
doch die beiden kamen nicht zurück. Stattdessen hörte es von weit her
eine unbekannte Stimme schallen:
„Fröhliche Weihnachten euch allen!!!“