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22. Dezember 2009

Fanstory von: Shima

Aufregende Weihnachtszeit
Unaufhörlich prasselte der Regen auf die glänzenden Pflastersteine Herzhofens. Flackernde Lichter beleuchteten nur schwach die Strassen und Gassen der schlummernden Stadt. Eigentlich sollten die Hausdächer von Schnee bedeckt sein, immerhin war in einer Woche das lang ersehnte Fest der Freude: Weihnachten. Aber keine einzige Schneeflocke fand den Weg auf die Erde, nur die Region rund um Blizzach konnte sich vor den gewaltigen Schneemassen kaum noch retten. Dies war auch der Grund, warum viele Leute den Weg dorthin auf sich nahmen und Weihnachten in der Stadt des Schnees verbrachten.

Keuchend rannte Brooke um die Ecke des Hauses, dicht gefolgt von ihrem Nachtara, welches immer wieder unsicher stehen blieb und die Umgebung musterte, bevor es weiterlief. „Da! Da vorne ist endlich das Pokémon-Center! Wir haben es geschafft, Tara!“, rief das sechszehnjährige Mädchen erleichtert und setzte zum Sprint an. Ohne Zögern nahm ihr Pokémon das Tempo auf. Schlitternd kam Brooke vor dem Gebäude zum stehen, Nachtara hingegen vollführte einen eleganten Sprung und landete sicher auf der Fensterbank. Konzentriert starrte es durch das Fenster, bis ihre Besitzerin die Tür öffnete und in die Wärme trat. Sofort fühlte sich das Mädchen geborgen und in Sicherheit. Als sie an sich hinunter schaute, bemerkte sie, dass sie durch und durch nass war.

„Ihr Pokémon-Trainer aber auch immer!“, donnerte die Schwester, die zielstrebig auf sie zueilte, „Immer an Weihnachten! Warum geht ihr denn nicht nach Hause, wisst ihr denn nicht, das es zu dieser Zeit zu Hause am schönsten ist?“ Mit einem ernsten Gesicht blieb sie vor Brooke stehen, die sie verwirrt musterte. „Entschuldigung, ich kann auch wieder gehen“, entgegnete das Mädchen und schüttelte ihren Kopf. Die Schwester brach amüsiert in Gelächter auf. „Natürlich bist du hier Willkommen, Mädchen! Ich bin Schwester Eva“, stellte sie sich mit einem freundlichen Lächeln vor, „Entschuldige mein Benehmen, falls du es nicht für angemessen hieltest. Hier ist nämlich zu dieser Zeit so wenig los, ich fühle mich manchmal richtig einsam. Außer dir sind nur drei weitere Trainer hier. Du wirst sie beim Morgenessen kennen lernen. Wie ist eigentlich dein Name?“

„Mein Name ist Brooke Johnson“, antwortete das Mädchen und erwiderte das Lächeln, „Könnte ich duschen und danach schlafen?“ Die Schwester nickte verständnisvoll und führte die Trainerin aus der Empfangshalle in einen Gang. Sie notierte den Namen auf einem Klemmbrett, das sie mit sich herumschleppte. Nachdenklich musterte sie das Mädchen, welches neben ihr lief. Diese bemerkte ihren Blick und schaute sie fragend an. „Nichts“, antwortete Eva auf die unausgesprochene Frage und beschleunigte ihren Gang. Kurz darauf blieb sie vor einer Tür stehen. „Hier ist dein Zimmer“, erklärte sie lächelnd und öffnete die Tür. „Können Sie meine Pokémon untersuchen?“, fragte Brooke, wobei sie das Zimmer betrat. „Natürlich“, entgegnete die Schwester, nahm die Bälle entgegen und lief gefolgt von Nachtara den Gang wieder zurück. Die Trainerin hingegen schloss die Tür hinter sich. Eigentlich wollte sie sich voller Freude auf das weiche Bett legen, aber danach wäre es sicherlich klitschnass. Neugierig schaute sie sich in ihrem Zimmer um. Es war luxuriöser als in anderen Centern, denn meistens waren in den Zimmern mehrere Betten und man musste sich eines mit anderen Trainern teilen. Hier jedoch hatte sie ihre Ruhe und dazu auch noch ein eigenes Bad. Brooke zog sich aus, ging duschen und legte sich schlafen.

Am nächsten Morgen wurde sie von aufgeregten Stimmen aus dem Gang geweckt. Blinzelnd öffnete sie die Augen und starrte die gegenüberliegende, weiße Wand an. „Dabei wollte ich heute ausschlafen“, murmelte Brooke mürrisch und setzte sich auf. Ein Fauchen erklang, aber sie ignorierte es. Im nächsten Moment wurde die Tür aufgerissen und Eva stand im Türrahmen. „Morgen, Mädchen. Steh auf, zieh dich an und komm dann in den Speiseraum“, befahl sie mit einer eisigen Stimme und verschwand wieder. Verwirrt runzelte die Trainerin die Stirn, folgte danach aber Eva‘s Anweisungen. Schnell war sie angezogen, stellte dabei aber fest, das die Schwester ihr ihre Pokémon nicht zurückgebracht hatte. Verwirrter als sie es ohnehin schon war, machte sie sich auf den Weg in den Speiseraum, den sie erst nach dem dritten Versuch fand. Drinnen befanden sich die drei anderen Trainer und einige Männer, die sich an einem Tisch versammelt hatten. Brooke mied diesen Tisch und ging zu den Trainern, die sie misstrauisch musterten. „Ich bin Brooke Johnson“, stellte sie sich vor und setzte sich dazu. „Charlie Miles“, sagte einer, der aschblondes Haar und saphirblaue Augen hatte. „Owen Black“, entgegnete ein anderen mit braunem Haar und grünen Augen. Fragend schaute Brooke den Jungen an, der neben ihr saß. Dieser wandte sich ihr zu, wischte ein schwarzes Haar aus dem Weg und musterte sie mit seinen durchdringenden, blauen Augen. „Valentin Dearing“, stellte auch er sich vor und wandte sich wieder seinem Frühstück zu. Die Trainerin tat es ihm gleich und fing an zu essen.

„Warum ist Schwester Eva denn so? Vorhin, als sie mich wecken kam, war sie ganz abweisend und kalt“, erklärte Brooke und schaute in die Runde. „Die Männer dort drüben sind heute gegen ein Uhr Nachts gekommen.“ Mit einer Kopfbewegung deutete Valentin zu den Männern, die sich um den Tisch versammelt hatten. „Als Eva heute morgen aufstand, waren alle Pokébälle weg. Jemand von uns muss es gewesen sein, meint Eva. Denn die Männer sind von einer staatlichen Organisation. Wer wird wohl als erstes verdächtigt? Wir. Natürlich, wer denn sonst? Schließlich sind wir die Jugendlichen, die von Zuhause ausgebrochen sind.“ Verwirrt runzelte Brooke die Stirn, als ihr plötzlich ein Licht aufging. „Oh verdammt! Ich dumme Gans! Tara!“, rief sie aus, sprang auf und rannte in ihr Zimmer. Sofort riss sie die Tür auf und erstarrte. „Schwester Eva, was machen Sie da?“ Brooke starrte die Schwester an, die auf dem Boden saß und die Trainerin wütend anfunkelte. „Ich wollte dein verdammtes Biest unter dem Bett hervor bringen!“, zischte Eva und erhob sich. „Woher wissen Sie, dass Tara hier ist?“, hackte Brooke nach. Ein teuflisches Lächeln schlich sich auf Eva‘s Gesicht. „Dummes, dummes Mädchen! Dumme, dumme Trainer!“ Das Mädchen wollte vor der Frau fliehen, aber bevor sie etwas tun konnte, wurde ihr etwas gegen den Hinterkopf geschlagen…

„Brooke! Brooke!“ War das ihre Mutter? Nein, die Stimme passte nicht. Ihr Vater? Auch nicht. Sie biss die Zähne zusammen und öffnete ihre Augen. Ein Junge mit schwarzen Haaren und wunderschöne, blaue Augen. Irgendwoher kam ihr dieser Junge bekannt vor. Genau, aus dem Pokémon-Center. Wie hieß er noch gleich? Valentine Dearing? Genau. „Was ist passiert?“, fragte sie ihn benommen und versuchte herauszufinden, wo sie sich befanden. Das erwies sich jedoch als nicht besonders schwer. In einem Laster, als Gepäck. „Eva und die Männer stecken dahinter. Als du rausgestürmt bist, ist dir einer dieser Männer nachgelaufen, also haben wir Drei den Typen verfolgt. So haben wir gerade noch mitbekommen, dass er dich K.O. geschlagen hat, konnten aber nichts mehr machen, weil uns die anderen Männer verfolgt hatten. Nun ja, wie es ausgegangen ist, siehst du ja. Wir sind in einem Laster auf dem Weg nach irgendwo“, erklärte Valentin und ließ sich seufzend neben Brooke fallen. Als diese sich genauer umschaute, entdeckte sie auch Charlie und Owen, die versuchten, die Plane zu öffnen. „Was ist mit unseren Pokémon?“, fragte sie nach und beobachtete weiterhin die beiden Trainer. „Die sind in dem vorderen Laster. Alle. Sie haben auch dein Nachtara erwischt“, klärte er sie auf und schweig wieder.

Plötzlich kam der Laster mit einem Ruck zum stehen, und die Plane wurde aufgeschoben. Eiskalte Luft strömte herein. „Aussteigen!“, blaffte der vermummte Mann, der die Plane geöffnet hatte. Zähneknirschend erhoben sich die vier Trainer und gehorchten widerstrebend. Draußen schneite es, die Temperatur betrug sicherlich einiges unter null. Eva kam um den Laste herum und musterte ihre Gefangenen. „Ich sagte dir Gestern doch, Brooke, warum geht ihr zu dieser Zeit nicht nach Hause? Dort hättet ihr es jetzt schön gemütlich und warm. Jetzt jedoch wartet auf euch ein mühsamer Aufstieg“, meinte Eva grinsend und wandte sich dann an ihre Männer. „Lasst die Pokémon raus, aber nur mit dem Halsband!“, befahl sie ihnen. Sofort führten ihre Untergebenen den Befehl aus. Brooke‘s Augen weiteten sich, als sie ihre Pokémon an den Ketten erkannte. Diese wollten zu ihr kommen, doch der Mann, der sie alle festhielt, ließ es nicht zu. „Was seid ihr nur für Menschen? Lasst sie in Ruhe!“, rief sie entsetzt und stürzte zu ihren Pokémon. Nachtara war verletzt, das erkannte sie auf den ersten Blick. Auch ihrem Vulpix ging es nicht gut, genauso wenig wie Vibrava und Haspiror. Nur Guardevoir und Luxtra schienen einigermaßen fit zu sein. Aber aus irgendeinem Grund wehrten sie sich nicht gegen die Männer und Eva.

„Was hat es mit diesen Halsbändern auf sich?“, fragte Charlie wütend und wollte schon auf Eva losgehen, aber diese winkte nur ab. „Jemand musste ihnen Manieren beibringen! Sobald sie sich wehren, werden die Halsbänder aktiviert und verletzen sie“, erklärte sie unberührt, „Und nun, lasst uns gehen!“ Mit diesen Worten ging sie voraus, Richtung Kraterberg. Die anderen tauschten ungläubige Blicke aus. Der Kraterberg? Die Männer mit den Pokémon folgten Eva, danach kamen die vier Trainer und zum Schluss die übrig gebliebenen Untergebenen. Brooke würde alles dafür geben um jetzt bei ihrer Familie zu sein und Weihnachten vorzubereiten. Aber stattdessen lief sie einer Irren nach, die in der Winterzeit den Kraterberg besteigen wollte. Seufzend tat sie das, was im Moment am Besten war: Sie folgte Eva.

Brooke hatte keine Ahnung, wie lange sie schon unterwegs waren. Jedenfalls schmerzte jede einzelne Faser ihres Körpers, da sie mehrmals auf dem Eis, das sich unter dem Schnee verbarg, ausrutschte. Jedes Mal war sie von einem der Männer unsanft auf die Beine gerissen worden. Nun konnte sie nur noch gehen, weil Valentin ihre Hand hielt und ihr so den Mut gab weiterzulaufen. Auch die Eiseskälte nagte an der Energie, die sie noch hatten. Aber Eva machte keine Pause. Immer weiter lief sie, ohne auf ihre Untergebenen zu achten. „Macht schneller“, zischte die Anführerin wütend, beschleunigte sogar noch ihr Tempo. Brooke konnte nicht anders, sie klammerte sich weiterhin an Valentin und versuchte, der Frau zu folgen.

Nach endlosen Stunden kam die Gruppe bei den Speersäulen an. Eva schien sichtlich erfreut und rannte nach vorne. Man hatte Brooke eine Geschichte erzählt, als sie klein war. Vor nicht allzu langer Zeit hatte hier ein Mädchen namens Lucia und ein Junge mit dem Namen Barry das Team Galaktik aufgehalten. Der hasserfüllte Anführer Zyrus hatte damals versucht, die legendären Pokémon Dialga, Palkia und Giratina zu fangen. Lucia und Barry konnten ihn jedoch aufhalten, so dass die legendären Pokémon wieder in ihre Welten verschwanden. Somit war auch Sinnoh vor der Bedrohung gerettet gewesen. Was also wollte Eva hier?

„Nun, bringt die Pokémon!“, befahl Eva gutgelaunt, worauf die Untergebenen mit den Pokémon der Trainer nach vorne gingen. „So, dann fangen wir an! Halsbänder an!“ Brooke starrte Eva an, bis der eben gesagte Satz wirklich bei ihr ankam. „Nein!“, schrie sie außer sich vor Angst und rannte auf die Pokémon zu. Aber es war zu spät. Schmerzerfüllte Laute durchbrachen die Stille. Die Trainerin wurde im selben Moment von einem der Männer auf den Boden geworfen. Auch ihr entglitt ein Schrei, als sie auf die Schulter fiel und diese unglaublich schmerzte. Sofort wollte sie sich erheben, aber Eva stand ihr auf die Hand. „Na na, wer will denn hier unartig sein? So kurz vor Weihnachten?“, höhnte sie und vergrößerte den Druck. „Warum tun Sie das? Bitte, lassen Sie die Pokémon in Ruhe!“, flehte Brooke und musste aufpassen, nicht loszuweinen. „Alles hat seinen Sinn“, meinte Eva darauf nur und blieb, wo sie war.

Auf einmal fing die Erde an zu beben. Die Anführerin der Gruppe fing an zu lachen und ließ von Brooke ab, die sich instinktiv zusammenrollte. „Kommt! Kommt nur!“, schrie Eva außer sich vor Euphorie. Das Beben verstärkte sich, alles schien jeden Moment in sich zusammenzubrechen. Es gab zwei dröhnende Knälle. Kurz darauf erschienen urplötzlich Dialga und Palkia. Beide überragten bei weitem die restlichen Pokémon und Menschen. Sofort hörte die Erde auf zu beben. Brooke schaute unsicher auf und starrte die legendären Pokémon an. War Eva den völlig irregeleitet? Niemand konnte diese Giganten unterwerfen. Schon setzte Palkia zu einem gewaltigen Angriff an. Brooke rappelte sich augenblicklich auf, aber sie war zu langsam. Wie aus dem Nichts erschien Guardevoir und fuhr einen Schutzschild um alle Anwesenden hoch. Ein Simsala und ein Traunfugil kamen ihr zu Hilfe. Wahrscheinlich hatte die Gruppe Abertausende Schutzengel, denn Palkia‘s Angriff wurde tatsächlich abgewehrt. Danach brachen aber die Pokémon aber allesamt zusammen. Brooke sprang auf und rannte auf sie zu, wurde aber von einer Druckwelle wieder von den Beinen gerissen. Hart schlug sie auf dem Boden auf. Plötzlich umfasste eine Hand die ihre und zog sie weg von Dialga und Palkia, weg von ihren Pokémon. „Nein! Ich muss zu ihnen! Lass mich los!“, schrie die besorgte Trainerin, aber da umfasste sie schon der zweite Arm um den Bauch. „Es ist zu gefährlich, Brooke“, flüsterte Valentin ihr ins Ohr und zog sie weiter weg, „Sie beschützen die Pokémon. Unsere Pokémon. Aber uns werden sie nicht verschonen. Wir sind ihr Ziel, denn wir sind in ihren Augen für das Leid der Pokémon Schuld.“ Valentin hatte Recht. Dialga und Palkia schützten die Pokémon, nicht die Menschen.

Dann geschah es. Unter der Gruppe brach der Boden weg, alles löste sich ins Nichts auf. „Palkia verändert den Raum“, rief Owen und trat neben Brooke, Valentin und Charlie. „Wir können nicht fliehen! Es ist aus!“, flüsterte er, während er den Blick senkte. „Warum bin ich denn nicht einfach gegangen? Ich hätte nach Hause gehen sollen. Weihnachten verbringt man doch zu Hause, nicht in der Wildnis.“ Brooke starrte Owen an. Dasselbe hatte sie heute auch schon gedacht, nur nicht ausgesprochen. In diesem Moment beschloss sie es. Geschickt befreite sie sich aus Valentin‘s Armen und rannte weg von ihm, direkt auf Dialga und Palkia zu. Einige Meter vor ihnen blieb sie stehen und starrte hoch zu den fünf Meter entfernten Köpfen, die über ihr schwebten. „Lasst mich erklären!“, bat sie so laut sie konnte. „Sei still, Mädchen!“, zischte Eva und schubste sie zur Seite, „Das sind meine Pokémon!“ Brooke musterte die Frau aus den Augenwinkeln. „Hört mich an! Dialga, Palkia! Nicht wir Trainer waren es, die unsere Pokémon gequält haben!“, schrie sie und wurde ein weiteres Mal zur Seite geschubst. „Sei jetzt still!“, fuhr Eva sie wieder an.

„Warum hast du dann nichts unternommen, um ihr Leiden zu lindern?“ Dialga‘s Stimme wurde der Gruppe mit voller Wucht entgegengeschleudert. Brooke fiel auf den Boden und starrte das Pokémon an. Telepathie! Verwundert blinzelte sie und erinnerte sich dann, dass sie antworten musste. „Weil wir es nicht konnten. Eva und ihre Männer hielten uns auf! Ich wollte den Pokémon helfen! Ihr könnt doch spüren, ob ich lüge oder nicht?“ Verzweiflung machte sich in Brooke breit. Würden diese legendären Geschöpfe wirklich auf ein Mädchen hören? „Sie lügt!“, schrie Eva wutentbrannt, „Sie ist eine elende Lügnerin! Sie und die anderen Trainer haben es so gewollt!“ Erneut starrte Brooke die Anführerin an und schüttelte den Kopf. „Glaubt mir…“, wisperte sie, „Wenn nicht mir oder den anderen Trainern, dann unseren Pokémon. Fragt sie.“ Einige Zeit geschah gar nichts, dann regte sich Palkia und sprach mit den Pokémon, die alle geschwächt vor ihm lagen. „Ihr könnt gehen“, erklärte Dialga, „Frohe Weihnachten.“

Der Raum verzerrte sich erneut und dann standen die Trainer und ihre Pokémon wieder bei den Speersäulen. Von Eva und ihren Männern fehlte jede Spur. Atmete erleichtert auf. „Wo gehen wir hin?“, fragte sie und schaute die Jungs an. „Nach Hause?“, schlug Charlie vor. „Gute Idee“, meinte Owen. So gingen die Wege auseinander…

Brooke starrte mit leerem Blick aus dem Fenster. Heute war Weihnachten, aber irgendetwas fehlte ihr. Owen, Charlie und Valentin… Die Drei waren ihr einfach ans Herz gewachsen. Aber sie hatten sich seit dem Vorfall am Kraterberg nicht mehr gemeldet. Auch von Eva und ihren Männern hörte man nichts mehr. Niemand schien die Aufregung mitbekommen zu haben, obwohl es dort oben ein riesiges Chaos gegeben hatte. Man schrieb es den starken Winden und Stürmen dort oben zu. Und zu den verschwundenen Personen meinte man, sie seien wahrscheinlich vom Wetter überrascht worden und sind in einer Hütte untergekommen. Sie würden sich schon melden. Aber Brooke wusste es besser. Dialga und Palkia hatten dafür gesorgt, dass Eva nie wieder einem Pokémon wehtun würde. Nein, sie hatten sie nicht umgebracht, keineswegs. Es gab genügend Bestrafungen. Wie das Leben auf einer einsamen Insel. Nur mit dem notwendigsten zum Leben.

Seufzend erhob sich Brooke. Die Nacht brach herein, was bedeutete, dass es bald das festliche Essen gab. Schnell zog sie sich schön an und lief langsam die Treppe runter. Ihre Pokémon hatten sich wieder erholt und waren rund ums Haus, oder in irgendeinem Zimmer. Die Trainerin vernahm Stimmen aus der Küche und lief in diese Richtung. Als sie eintrat, erstarrte sie und begann zu lächeln. Stürmisch umarmte sie Owen, danach Charlie. „Wie kommt ihr denn hierher?“, wollte Brooke wissen und strahlte übers ganze Gesicht. „Na, wie wohl? Zu Fuß. Zwischendurch aber auch mit der Bahn“, meinte Charlie grinsend und kassierte dafür einen bösen Blick seitens des Mädchens. „Unsere Familien sind nach Blizzach gegangen. Welch überraschung. Und wir wollten ihnen nicht nachreisen, weil es ein weiter und sehr anstrengender Weg ist. Also haben wir uns entschieden, hier vorbeizuschauen“, erklärte Owen, wobei er ebenfalls grinste. Brooke wollte gerade etwas erwidern, als die Türklingel läutete. Strahlend entschuldigte sie sich, ging zur Tür und öffnete diese. Erstaunt weiteten sich ihre Augen. Im Türrahmen lehnte nämlich Valentin, mit schwarzen, verwuschelten Haaren und treuen, tiefblauen Augen. Hinter ihm fiel der erste Schnee dieses Jahres zu Boden. „Keine Umarmung zur Begrüßung?“, fragte Valentin und musterte Brooke. Diese ließ sich das nicht zweimal sagen und fiel ihm um den Hals. „Hallo, Valentin!“ Ja, jetzt konnte Weihnachten kommen. Brooke wusste, dass dieses Weihnachten unvergesslich werden würde. „Ich habe dich vermisst“, flüsterte sie. Sein helles, leises Lachen drang an ihr Ohr. „Ich dich auch. Wetten, dass es schneit, weil Dialga und Palkia dafür gesorgt haben?“ Kurz verstummt er und genoss ihre Nähe. Dann erhob er seine Stimme noch ein weiteres Mal: „Frohe Weihnachten, Brooke.“