18. Dezember 2009
Fanstory von: Moonrise
Das allerschönste Weihnachtsgeschenk
Verträumt sah Maike aus dem Fenster. Dicke Flocken stoben zur Erde und
landeten sanft auf der weißen Schneedecke. Es war bereits der 15.
Dezember - in neun Tagen war Weihnachten. Nun war es schon ein halbes
Jahr her, dass sie sich von ihren Freunden Ash und Rocko verabschiedet
hatte, um durch Johto zu reisen. Sie hatte hier schon viele
Wettbewerbsbänder gewonnen, aber morgen Abend würde sie vielleicht
noch eines mehr besitzen. In Mahagonia City fand, verteilt über heute
und morgen, ein Pokemon Wettbewerb anlässlich der Adventszeit statt.
Ihr Blick fiel auf die Uhr und sie stockte: Es war bereits fünf
Minuten vor Wettbewerbsbeginn! Schnell schlüpfte sie in ihre Jacke und
lief hinaus ins Schneegestöber.
Atemlos kam Maike in der Empfangshalle an. Sie achtete nicht
auf die protestierende Empfangsdame, sondern rannte geradewegs hinter
die Bühne und lies sich dort auf einen Stuhl fallen.
„Und unser
nächster Teilnehmer ist... Drew!!“, ertönte die Stimme der
Stadionsprecherin. Maike richtete ihre Augen auf die Leinwand, die
hinter der Bühne aufgehängt worden war. Sie zeigte das Geschehen auf
der Bühne. Im Moment stolzierte dort ein junger grünhaariger
Koordinator, den sie als ihren alten Rivalen Drew erkannte. Es lag
etwas in seinen Schritten, dass sie mochte.
„Roserade!! Zeig was
du kannst!“, rief er sein Pokemon. „Setz Zauberblatt ein und dann
Schutzschild!“
Roserade schloss für einen kurzen Augenblick die
Augen und feuerte dann Unmengen duftende Rosenblüten gen Decke ab,
doch als sie eine bestimmte Höhe erreicht hatten änderte die Attacke
die Richtung und kam wieder zu ihrem Anwender zurück. Noch ehe die
scharfkantigen Blütenblätter das blumenartige Pokemon verletzen
konnten errichtete dieses ein gläsernes Schutzschild, an dem die
Pflanzenteile kläglich abprallen musste. Das Publikum applaudierte und
der junge Koordinator strich sich sichtlich zufrieden eine Haarsträhne
aus dem Gesicht. Unter lauten Zurufen der Zuschauer verließ er die
Bühne.
Maike nahm sich einen Keks von einem Teller und begrüßte Drew,
der soeben hereingekommen war. Es enttäuschte sie ein wenig, dass er
nicht zu ihr ging sondern sich scheinbar desinteressiert in eine Ecke
verzog.
„Deine Show war echt toll“, erklärte sie ihm. Der
Grünhaarige nickte arrogant: „Ja, ist mir gut gelungen. Ach übrigens,
den Koordinator, der jetzt draußen ist, solltest du dir ansehen. Er
ist grottenschlecht, aber du könntest viel von ihm lernen.“ Wütend
funkelte sie ihn an und widmete sich wieder ganz der Leinwand. Ein
rothaariger Junge überschwemmte mit einem Tyracroc die Bühne, welches
nicht sehr elegant, doch stark aussah. Die Sprecherin nannte ihn
Robert. Sie konnte ihm nur eine Weile zusehen, denn dann musste sie
sich für ihren Auftritt fertig machen.
„Hier kommt Maike aus
Wurzelheim!“ Hier draußen klang die weibliche Kommentatorstimme viel
lauter, aber Maike riss sich zusammen und entlies ihr Papinella.
„Auf die Bühne mit dir!“, wies sie es. „Bodyguard Attacke!!“
„Nella“, zirpte der Schmetterling. Um seinen Körper bildete sich eine
nebelartige Schicht und hüllte es komplett ein.
„Jetzt
Silberhauch!“ Papinella gehorchte und erzeugte einen wirbelnden Wind,
ohne dabei den Bodyguard zu lösen. Der letzte Befehl des brünetten
Mädchens war ein Stachelspore, die den Saal mit feinem Staub bedeckte.
Verkrampft lächelnd verließ sie die Bühne: Man hatte ihr nicht einmal
eine annähernd so hohe Punktezahl gegeben wie Drew. Sie blieb noch
eine Weile hinten und lief anschließend ins Pokemoncenter. Sie hatte
dort für den Dezember ein Zimmer gemietet und die nächste Runde würde
erst morgen Nachmittag stattfinden.
Maike öffnete die Augen, von einem flatternden Geräusch
geweckt. Papinella flog laut zirpend unter der Zimmerdecke herum und
gebärdete sich seltsam.
„Komm her, Papinella!“, rief ihre
Trainerin alarmiert. Das Schmetterlingsgeschöpf glitt sacht herunter
und landete auf dem Tisch. Oft bewunderte Maike die Eleganz ihres
Pokemon. Papinellas Saugrüssel, den es sonst aufgerollt trug, hing
schlaff von seinem Kopf herunter.
„Schnell den Pokemonarzt
anrufen“, meinte sie bestürzt zu sich selbst. Das Mädchen kleidete
sich rasch an und lief ins Untergeschoss des Pokemoncenters. Sie
benutzte eines der Telefone, die allen Besuchern zur Verfügung
standen, und wählte die Nummer des Arztes. Zum Glück bekam sie sofort
einen Termin, sodass sie sich ohne Umschweife auf den Weg machte.
Der Weg zu der kleinen Pokemonklinik war nicht sehr weit. Schon nach
wenigen Minuten hatte sie das weiße Gebäude erreicht und trat ein. Der
Arzt behandelte im Moment keine Patienten und konnte sich Papinella
auf der Stelle ansehen.
„Das sieht mir nach einer gewöhnlichen
Entzündung aus“, meinte er, als er den Rüssel des Insektenpokemons
besah. „Du wirst dein Papinella eine Weile hier lassen müssen, wenn du
möchtest, dass es vollständig genest.“ Maike nickte. Es würde eine
harte Zeit werden, für sie und ihren Flatterich. Zum Glück waren es ja
nur ein paar Tage.
Maike verließ die Arztpraxis mit knurrendem
Magen. Sie beschloss, der nahe gelegenen Pizzeria einen Besuch
abzustatten und groß zu frühstücken. Die Pizzeria war gerammelt voll
und Maike war froh, einen Sitzplatz zu ergattern. überraschenderweise
hatte es sich Drew dort bequem gemacht und neben ihm saß der
rothaarige Koordinator vom Wettbewerb.
„Einmal Pizza Margarita
und ein Glas Sprudel, bitte“, erklärte sie und nahm dann gegenüber von
Drew platz.
„Guten Morgen, euer Gnaden“, grinste der
Grünhaarige.
„Lass gut sein“, fauchte Maike ihm zu, „Isst du
immer hier?“ Drew nickte, dann schüttelte er den Kopf:
“Mir
schmeckt das Essen im Pokecenter nicht, deshalb esse ich lieber hier.
Manchmal auch in der Mensa um die Ecke, dort ist es billiger.“
„Aha.“ Maikes Blick fiel auf den anderen Jungen. „Und wer bist du?“
“Robert“, meinte er trocken. „Ich habe was mit Drew zu besprechen.“
Ein Mann brachte dem Mädchen die Pizza, und so hörte sie den Jungs zu
und mampfte den belegten Teig. Sie tüftelten an irgendeinem Plan, der
etwas mit dem Eispfad zu tun hatte.
„’schuldigung, aber was
wollt ihr denn im Eispfad?“, mischte sie sich ein. „Führt der nicht
nach Ebenholz City?“
„Ja, das tut er“, nickte Robert. „Aber die
meisten nehmen ein Vogelpokemon oder den Bergpfad, wenn sie dorthin
wollen.“ Er machte eine wegwerfende Bewegung. „Das will sowieso fast
keiner. Deshalb ist der Eispfad wie geschaffen, um ihn als Lagerplatz
für Diebesgut zu verwenden.“
Maikes Augen weiteten sich. „Ihr
wollt Diebesgut lagern?“
“Nein, du kleiner Naivling. Das würden
wir dir ja nicht erzählen“, ergriff Drew das Wort. „Du kennst ja
Jessie und James von Team Rocket. Die beiden treiben jetzt in Sinnoh
ihr Unwesen, aber Team Rocket hat ja noch zigtausend fähigere
Mitglieder. Die haben irgendwas überfallen und wir wollen sie heute
Vormittag im Eispfad fassen.“
“Dann komm ich aber mit!!“,
protestierte die junge Koordinatorin.
Eine halbe Stunde später marschierten die drei winterfest
verpackt los. Maike hatte Drew und seinen Partner überreden können,
sie teilhaben zu lassen. Der Eingang zum Eispfad lag etwas außerhalb
der Stadt. Die Höhle im Berg war von den Menschen zu einem Tunnel
erweitert worden, der voll von Kälte und wilden Pokemon war. Als das
unerschrockene Trio den Pfad betrat wurde es schlagartig mit den
Minusgraden bekannt gemacht.
„Seid ihr sicher, dass wir nicht
umkehren sollten?“, fragte Maike bibbernd. Links und rechts von ihr
nickte je ein entschlossener Kopf. Sie gingen tiefer in die Höhle
hinein und Drew und Robert schalteten ihre Taschenlampen ein. Maike
hätte sich ohrfeigen können, dass sie ihre Lampe nicht mitgenommen
hatte. Bestimmt grinsten die Jungs schon über sie, vor allem Drew. Ach
dieser Drew! Wenn er nur nicht so süß aussähe hätte sie ihn bestimmt
schon umgebracht. Plötzlich drang ein leises Geräusch an ihr Ohr.
“Pscht!“, raunte sie den beiden zu und spitzte ihre Lauscher. Eine
männliche und eine weibliche Stimme unterhielten sich lautstark
miteinander. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass auch Drew und Robert
horchten.
„Wo ihr Männer euren Kopf habt! Zwei Tonnen TNT müsst
ihr reinschleppen!!“, schimpfte die Frau.
„Ist doch gut für
unsere Sicherheit, oder-“, setzte die tiefe, männliche Stimme an.
„Eben nicht! Wie ich dich kenne sprengst du uns versehentlich selbst
in die Luft!“
Nun mischte sich noch eine zweite maskuline Stimme
ein: „Lasst doch mal gut sein, mit euch hält es ja kein Mensch aus.“
“Team Rocket hat Sprengstoff...“, murmelte Maike entsetzt. Sie
sah Drew an, doch der stand stocksteif da und lauschte. Nur Robert
neben ihr nickte zustimmend. Dann geschah etwas Unerwartetes: Drew
machte einen Satz nach vorne und sprang wie eine Katze zwischen seinen
Verbündeten durch.
‚Warum tut er das?? Was tut er da?’, schoss
es Maike durch den Kopf. Die Frauenstimme von vorhin keifte los und es
ertönte ein Geräusch, welches beim Rufen eines Pokemons aus seinem
Ball entstand. Robert lugte hinter der Kiste hervor, in deren Schutz
sie standen. Das Mädchen zögerte nicht sondern machte es ihm nach: Nun
blickte sie direkt auf die Ganoven. Ein Schauer lief ihr über den
Rücken, die Männer sahen rüpelhaft, aber gefährlich, und die Frau
clever aus.
„Na wen haben wir den da!!“, stieß einer der beiden
Männer aus.
„Sei still“, fluchte Drew. Maikes Augenbrauen zogen
sich verwundert zusammen: Er sprach den Verbrecher einfach so an!
Zur Front des Grünhaarigen stand sein Pokemon Absol. Es fletschte
wütend die Zähne und sah aus, als würde es jeden Augenblick die
Beherrschung verlieren.
„Ach so, du willst einen Kampf?“,
spottete die Frau, „Nicht mit Nora Purple! Los, Snibunna!“
‚Snibunna sind stark! Hoffentlich schafft Drew den Kampf!’, war Maikes
erster Gedanke. Sie dachte fest an ihn.
„Snibunna, Finte!“, rief
die Frau dem Pokemon zu.
Drew blieb ruhig stehen und gab Absol
erst im letzten Moment den Befehl zum Ausweichen. Die Attacke des
Gegners ging ins Leere. Der junge Trainer und Koordinator befahl mit
fester Stimme das Doppelteam, eine gute Wahl: Snibunna war verwirrt
von den Trugbildern und tänzelte konfus umher. Es sah gerade so aus,
als hole Absol zum alles vernichtenden Schlag aus, doch nun mischte
Mike ein:
„Wir beenden es, Draschel! Zen-Kopfstoss!“ Das
drachenartige Pokemon schoss nach vorne, über seinem Kopf bildete sich
eine blaue Druckwelle, die verschwand, als der Kopf des Draschel gegen
Absols Körper knallte. Es war zweifelsohne ein Volltreffer, nicht
zuletzt, da Absol beinahe kampfunfähig geworden war. Nun war es eine
leichte Beute für seine beiden Feinde, schutzlos, wie es dalag. Zwei
gegen eines, dass war unfair!
„Nicht mit mir!!“, kam es aus
Maikes Mund. Ohne nachzudenken stürzte sie hinter der Kiste hervor.
Sie ließ Evoli aus seinem Pokeball und ließ es einen Spukball auf
Draschel schleudern, ehe die Schurken begreifen konnten. Er ging voll
ins Schwarze, doch wurde das Evolutionskätzchen sogleich von Snibunna
attackiert. Mit sichelförmigen Krallen schlitzte es Evoli am Hals auf,
aber zum Glück bewahrte das dicke Fell seinen Träger vor großem
Schaden. Die Balgerei zwischen Draschel und Absol nahm währenddessen
einen dramatischen Verlauf für das Desasterpokemon. Maike wagte das
Ungewagte:
“Setz die Rechte Hand-Attacke ein“, rief sie mit
heller Stimme. Mit einem Ruck setzte Evoli sich auf. Aus seinen Pfoten
drangen blassgrüne Energieschwaden und flößten Absol neues Leben ein.
Aber es hatte Snibunna vergessen, die fiese Stichklauenkatze lies
unerwartet einen Eissturm auf Evoli herabrieseln. Die dichten Flocken
fielen minutenlang herab und bildeten so eine Art Tarnmantel. Niemand
sah, was hinter dem Schneesturm vorging. Zu Maikes Verzweiflung, denn
sie wusste, wie schädlich diese Eismassen sein konnten.
Als
Evoli aus der Attacke hervorging schien es keinen Schaden genommen zu
haben. Nicht nur: Es schien auf einmal keine Evoli mehr zu sein. Sein
Körper hatte sich eisblau verfärbt und es war größer und graziler
geworden.
„Glaziola!“, maunzte es und baute elegant eine
Barriere auf.
„Mein- mein Glaziola!!“, hauchte Maike und wischte
sich über die Augen. Ihr Hals war auf einmal wie zugeschnürt. Von da
an ging es im Kampf aufwärts, Glaziola war Snibunna eindeutig
gewachsen, was es auch durch zahlreiche Eisattacken bewies. Was hatte
der eine Mann zu grinsen? Der Rocket Rüpel zog eine Fernbedienung
hervor und betätigte einen Knopf. Gleich darauf explodierte eine Kiste
neben dem Mädchen. Die Umgebung verschwamm vor ihren Augen, sie spürte
nur mehr einen stechenden Schmerz, dann den Aufprall auf dem
Höhlenboden.
‚Wachbleiben, Maike! Bleib wach! Drew und Glaziola
und...’, tönte eine verzweifelte Stimme in ihrem Kopf. Dann wurde ihr
schwarz vor den Augen.
Sie erlangte ihr Bewusstsein wieder, als etwas Warmes über ihre
Stirn strich.
„Ein Glück! Kein Fieber mehr“, ertönte die
erleichterte Stimme von Drew. Verwundert öffnete Maike die Augen und
stellte fest, dass sich der Grünhaarige über sie gebeugt hatte. Sie
selbst lag auf einem Sofa.
„Was ist passiert?“, murmelte sie.
Drew lächelte warmherzig, streichelte ihre Hand. Endlich schenkte er
ihr ein wenig Aufmerksamkeit.
„Maike, kurz bevor du in Ohnmacht
gefallen bist verpasste Absol Draschel den finalen Schlag, dann auch
Snibunna. Ich konnte dich packen und gemeinsam mit Robert dorthin
flüchten, wo keine TNT Behälter standen. Dann schafften wir es nach
draußen und ich rief meine Mutter an, sie solle mich sofort nach Hause
nach Hoenn holen, während Robert zur Polizei ging. Das hätten wir von
Anfang an tun sollen!“
“Ich bin in Hoenn?“, brachte sie heraus.
Plötzlich fühlte sie sich zu dem Koordinator hingezogen, er grinste
aber auch gar so charmant! Sie registrierte, wie er sie mit beiden
Armen umfing und auf seinen Sessel zog.
‚Dieser Schlingel’,
dachte Maike und gab den Schmetterlingen in ihrem Bauch nach. ‚Hat die
ganze Zeit so getan, als würde er sich nicht für mich interessieren.’
Sie schloss die Augen und legte ihren Kopf auf Drews Brust. Ein
tröstliches Gefühl durchströmte sie, gleichzeitig war sie halb betäubt
von seiner Nähe.
„Ich liebe dich“, flüsterte Drew. Ein Paar
Hände nahmen ihren Kopf und hoben ihn an. Er legte seine Lippen auf
ihre und küsste sie innig, voller Leidenschaft küsste Maike zurück.
Sie wünschte sich, dieser Kuss würde nie enden. Es war das
allerschönste Weihnachtsgeschenk für sie!