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Kurzgeschichten-Abenteuer

Hinweis
Passend zum Erscheinen von Lernen mit Pokémon: Tasten-Abenteuer für Nintendo DS wurde ein Kurzgeschichten-Wettbewerb abgehalten, bei dem Fans aufgerufen wurden eine Kurzgeschichte zu schreiben, die die Wörter (1) Schreibmaschine, (2) Abenteuer, (3) Taste, (4) Schwarz und (5) Weiß enthält. Die Jury bildete das Fanfiction-Komitee des BisaBoard in Form von Lauriel, Amatsu, Kräme, Snake, Justice, Rio, Majiata, Noel und Akatsuki. Alle drei Gewinner-Geschichten sind im Tasten-Abenteuer-Bereich sowie im Kurzgeschichten-Bereich verlinkt.


Kurzgeschichten-Abenteuer (1. Platz, von Nuffie)

Es war ein verregneter, kalter Sommertag und Viola saß mit dicken Wollsocken und einer dampfenden Tasse Kakao in dem alten Arbeitszimmer ihres Vaters. Gelangweilt schaute sie aus dem Fenster hinaus auf die Wolkenkratzer von Stratos City, welche die Wohngebiete der Stadt auch tagsüber in den Schatten stellten und verdunkelten. Hier war es ganz anders als in Ondula, einem Ort am Meer, in dem sie mit ihren Eltern bis vor einigen Jahren gelebt hatte.

Viola hatte mit ihren Eltern umziehen müssen, als ihr Vater eine höhere Stelle in einem der vielen Glaskästen - so nannte Viola die riesigen Wolkenkratzer - bekommen hatte. Eine Entscheidung, die sie ihren Eltern wohl für immer nachtragen würde, schließlich vermisste sie den salzigen Geruch des Meeres und den Sand zwischen ihren Zehen Tag für Tag mehr. Sie seufzte und strich geistesabwesend über die eingestaubte Schreibmaschine ihres Vaters. "Würden sie mir doch bloß erlauben, Pokémontrainerin zu werden, so wie alle anderen... Aber nein, statt dessen sitze ich hier fest und darf mich zu Tode langweilen..." Ihr Blick streifte über den unordentlichen Arbeitsplatz ihres Vaters. Hier häuften sich alte Fotos und aber dutzend alter Postkarten von ihrem Onkel. Anders als ihr eigener Vater hatte er als Pilot zumindest etwas von der Welt gesehen, seine Tochter reiste derzeit durch die Region und lebte Violas Traum, Pokémontrainerin zu sein. Sie hatten sich niemals wirklich kennengelernt und kannten einander nur vom Telefon, da Violas Eltern ungern reisten und wenn überhaupt besuchte nur ihr Onkel sie, wenn er zufällig in der Stadt war.

Viola wollte sich gerade ausmalen, was ihre Cousine wohl gerade in diesem Moment erlebte, als es an der Tür schellte. "Viola, kannst du bitte die Tür aufmachen? Ich bin gerade beschäftigt!" Selbst durch die geschlossene Tür konnte sie ihre Mutter noch aus der Küche rufen hören. Mürrisch erhob sie sich von dem Drehstuhl und schlurfte in den Flur. Es schellte wieder und wieder. "Viola, machst du bitte endlich die Tür auf?!" - "Ja ja, ich bin ja schon dabei...", knirschte Viola zwischen den Zähnen hervor und drückte auf einen Knopf, um den Türspion einzuschalten. Schließlich wollte sie gerne wissen, wen sie wohl im nächsten Moment böse Worte durch das Mikrofon gegen den Kopf schmettern würde. Der Lautsprecher knisterte bereits bevor ein Bild übertragen wurde. "Und du bist dir sicher, dass deine Tante hier wohnt?" - "Ja, natürlich! Schließlich ist das ihr Name auf dem Türschild." Für einen Moment stand Viola wie versteinert da und rührte sich nicht - sie kannte diese Stimme. Endlich übertrug die Kamera ein Bild, doch da hatte Viola schon den Knopf zum Öffnen der Tür gedrückt. Sie riss die Tür auf und wartete ungeduldig. "Wer ist denn an der Tür gewesen?" Ihre Mutter trat zu ihr, doch Viola brachte kein Wort heraus. Die Fahrstuhltüren am anderen Ende des Flurs sprangen auf und zwei Personen traten hervor, ein Mädchen und ein Junge - beide vollkommen vom Regen durchnässt. "Ashe, du hier?" Violas Mutter schaute das durchnässte Mädchen irritiert an. "Ich wusste gar nicht, dass du in der Stadt bist. Du hättest ruhig Bescheid sagen können, dann hätte ich für... euch mitgekocht?" Scharf musterte Violas Mutter die männliche Begleitung ihrer Nichte, welcher schwieg und nur ein nettes Lächeln fertig brachte während er ein Vogelpokémon im Arm hielt. "Tut mir leid, das alles war nicht ganz so geplant.", Ashe grinste breit und stieß den Jungen neben sich mit ihrem Ellenbogen in die Seite. "Aber Xeno und ich wurden vom Regen überrascht und das Pokémoncenter ist nun mehr als nur überfüllt." - "Kommt doch erst einmal herein und wärmt euch auf, ihr tropft hier sonst ja noch alles voll." Violas Mutter trat zur Seite und ließ die beiden hinein.

Wenig später saßen sie zu viert im Wohnzimmer, zwei große, dampfende Tassen Kakao standen vor den beiden Gästen. "Vielen Dank..." Xeno, der Junge mit dem Vogelpokémon, griff nach der Tasse und nahm vorsichtig den ersten Schluck, dann hielt er dem Pokémon die Tasse hin. "Erzähl doch mal, wer der junge Mann hier ist und was ihr hier in Stratos City wollt." - "Xeno hier kommt gerade von einem Turnier und versucht jetzt sein Glück hier in der Einall-Region. Ich bin mehr oder weniger über ihn gestolpert und dachte mir, dass ich ihn begleite. Ich kenn mich hier ja schließlich aus." Noch ein Pokémontrainer also. Viola beobachtete ihn und sein Pokémon neugierig. Ein Schwalboss, das wusste sie, es war nur irgendwie merkwürdig, dass er sein Pokémon nicht wie jeder andere Pokémontrainer in einem Pokéball mit sich führte. Der junge Trainer bemerkte Violas Blick und lächelte beschämt. "Ein... Kampf ist für uns beide nicht so ausgegangen, wie wir es erwartet hatten... Aru wurde stark verletzt und muss sich noch erholen..." - "A-ah..." Schnell warf Viola ihrer Mutter und Ashe einen Blick zu, die beiden waren vollkommen in ihr eigenes Gespräch vertieft. "Ich... würde auch gerne reisen und Pokémon fangen...", flüsterte Viola und seufzte leise. "Was hält dich davon ab?" Xeno schaute sie verwundert an, ein Nicken in die Richtung ihrer Mutter war die einzige Antwort, die er von Viola bekam. "Ich verstehe..." Das Schwalboss trank etwas aus der Tasse und schüttelte sich, sodass Xeno belustigt den Kopf schüttelte.

"Wir sind wegen dem Turnier in der Stadt, für Xeno ist das ein super Training und ich habe so die Möglichkeit, ein paar seltene Pokémon zu sehen." Ashe grinste breit und stieß Xeno erneut in die Rippen, welcher sich verschluckte und hustete. "Ah... ich wünsch dir viel Glück. Jahr für Jahr kommen mehr Trainer, mittlerweile ist das Pokémonturnier von Stratos City eine Attraktion von Weltklasse geworden." - "Danke. Mein Team und ich werden unser Bestes geben." Viola erinnerte sich. Am folgenden Tag würde das Pokémonturnier von Stratos City beginnen, den Tag hatte sie dick mit einem roten Marker in ihrem Kalender markiert. Seitdem sie klein war und hier mit ihren Eltern lebte hatte sie mit ihren Eltern das Turnier besucht und den Trainern beim kämpfen zugesehen während sie sich im Kopf ihr eigenes Abenteuer ausgemalt hatte. "Mama, wir gehen doch dieses Jahr wieder hin, oder?" - "Schatz, ich weiß nicht, ob dein Vater es dieses Jahr schafft." Violas Mutter runzelte besorgt die Stirn. "Wir können sie auch mitnehmen!" Ashe meldete sich wieder zu Wort und lächelte ihre Cousine freundlich an. "Da Xeno teilnimmt haben wir für seinen Kampf sogar Freikarten in den Rängen bekommen." Violas Mutter lachte und sah abwechselnd Ashe und ihre Tochter an, deren Augen vor Begeisterung leuchteten. "Wie kann ich denn da noch Nein sagen?" Violas Herz machte einen Sprung. Sie hätte niemals für möglich gehalten, dass ihre Mutter - die sonst immer die Entscheidungen ihres Mannes abwartete und diesen stumm beipflichtete - ihr erlauben würde, mit Ashe und Xeno auf das Turnier zu gehen. "Seid morgen einfach alle zum Abendessen wieder zurück, ich koche für euch mit." Die vier unterhielten sich noch etwas im Wohnzimmer bis langsam die Dämmerung eintrat und Stratos City in ein Meer aus bunten Lichtern verwandelte. Viola brachte den Besuch noch mit dem Aufzug herunter und verabschiedete sich. "Wir sehen uns dann morgen, Viola. Warte einfach hier unten auf uns, wir holen dich vor der Eröffnungsfeier ab." - "Mach ich!" - "Und... zieh dir bequeme Sachen an, ich hab danach noch etwas vor!" Wieder grinste Ashe sie breit an. "W-Wie...?" - "Das wirst du morgen schon sehen, nur wie gesagt: Zieh dir bequeme Sachen an, ich hab nach dem Turnier noch etwas mit dir vor." Ashe klopfte Xeno auf die Schulter, welcher mit seinem zweifelnden Blick ziemlich gut zum Ausdruck brachte, wie Viola sich fühlte. Sie wollte Ashe gerade fragen, was sie damit meinte, aber die beiden Trainer hatten bereits die Straße überquert und folgten den Massen in Richtung Stadtmitte.

»Noch etwas vor, mit mir? Irgendwie ist meine Cousine noch viel komischer, als ich sie in Erinnerung habe.«

Ashes Worte verfolgten Viola noch den Rest des Tages in ihren Gedanken und ließen ihr auch in der Nacht keine Ruhe. Selbst am nächsten Morgen als sie vor ihrem Spiegel stand und sich in ihren Outdoor-Klamotten ansah wusste sie immer noch nicht, was sie mit dieser mysteriösen Ankündigung anfangen sollten. "Bequeme Sachen... was meinte sie damit nur...?" Mit einem Seufzer öffnete zog sie ihre Schuhe an und ging dann ins Wohnzimmer. Ihr Vater war anscheinend schon wieder auf der Arbeit - oder noch immer, sie hatte ihn schließlich nicht heim kommen gehört - jedenfalls war außer ihrer Mutter niemand da. "Ich hab dir eine Lunchbox fertig gemacht, Viola." - "Danke... ich bin dann auch sofort Weg, Mama." Sie griff nach der Box und ließ sie in ihre Tasche gleiten, dann machte Viola sich auch schon auf den Weg zu Tür. "Viel Spaß auf dem Turnier heute, und pass gut auf dich auf!" - "Ja, mach ich! Bis heute abend, Mama!", rief Viola ihrer Mutter leicht genervt zu und verließ die Wohnung. Vor lauter Aufregung und Vorfreude zitterte sie, als sie die Taste für den Aufzug drückte - und auch im Aufzug selber zählte sie schon die Sekunden, die sie damit verbrachte, ins Erdgeschoss zu gelangen. Unten angekommen schoben sich die Türen mit einem Quietschen auf, das grelle Tageslicht blendete sie ein wenig - doch sie erkannte genug, um zu sehen, dass Xeno mit dem Schwalboss auf dem Arm und Ashe bereits vor der Tür auf sie warteten. Sie winkte den beiden zu und rannte so schnell sie konnte zu ihnen und wurde bereits von einem aufgedrehten "Guten Morgen" ihrer Cousine begrüßt, bevor sie überhaupt die Tür vollkommen geöffnet hatte. "Da bist du ja endlich, wir dachten schon, du hättest verschlafen. Dann lass uns mal losgehen!" Mit diesen Worten packte Ashe Xeno und Viola an den Händen und schleifte sie hinter sich her, immer in Richtung Innenstadt, geradewegs zu dem Turnier.

Eine bunt gemischte Menschenmasse sowie farbenfrohe, prächtige Banner und Luftballons begrüßten die drei staunenden Jugendliche auf den Straßen. Im Stadtpark befand sich die Hauptattraktion: eine zentral liegende Wiese war kurzerhand zu einem Kampffeld umfunktioniert worden. Die Tribünen waren schon jetzt gut gefüllt, die ersten Kämpfe wurden bereits an der Anzeigetafel und den über das ganze Gelände verstreuten Bildschirmen angezeigt. Xeno war unter den ersten Teilnehmern, er schaute auf die Anzeigetafel und lächelte. "Ich geh dann mal und bereite mich vor. Könnt ihr solange auf Aru aufpassen?" Er wandte sich an Ashe, die Aru ohne Widerworte gerne an sich nahm. Unbeholfen kletterte Aru auf Ashes Schulter und plusterte sich auf. Ein leises Gurren verstand Xeno anscheinend als eine wohlwollende Geste seines Partners. Vorsichtig kraulte er Arus Kopf und grinste. "Wünscht mir Glück!" - "Glück brauchst du nicht, ich wünsch dir lieber Erfolg!" Ashe lachte und klopfte ihm auf die Schulter. "Wir jubeln dir von dort oben zu, also blamier uns nicht!" - "Ich tu, was ich kann." Xeno grinste verlegen, dann ging er zu einem abgesperrten Seiteneingang, welcher wahrscheinlich für die Teilnehmer reserviert war. Ein Mann lies ihn passieren und Xeno verschwand hinter einer Tür. Für einen kurzen Moment standen Viola und Ashe noch zwischen all den Leuten bis Ashe plötzlich die Hände zusammenschlug und sich streckte. "Dann wollen wir mal die besten Plätze ergattern, die diese Tribünen hergeben!" Zu zweit steuerten die beiden Cousinen auf die Zuschauerränge zu. Ashe schlängelte sich gekonnt durch die Menschen auf den Rängen, sodass es Viola nur schwer viel, ihr zu folgen oder sie auch nur in den Augen zu behalten. Endlich hatte Viola sie eingeholt als auch schon ein Knistern der Lautsprecher ihr zu verstehen gab, dass das Turnier gerade in diesem Moment begann. Mit einem lauten Knall schoss buntes Konfetti zusammen mit ein paar wenigen Leuchtraketen in die Lüfte und entlockten vor allem den jüngeren Besuchern dieses Festes einen Schrei der Begeisterung. Die Menge applaudierte, als der Veranstalter zusammen mit einer jungen Moderatorin ein Podest betrat. Die Kameras schwenkten sofort auf die beiden und im Bruchteil einer Sekunde zierten ihre Gesichter der über das ganze Gelände verteilten Bildschirme.

"Hallo, und herzlich willkommen zum jährlichen Pokémontunier in Stratos City. Mein Name ist Mara, ich bin eure diesjährige Moderatorin und werde euch durch diesen Tag begleiten. Wir wollen an dieser Stelle keine weiteren Worte verlieren, statt dessen starten wir direkt durch mit dem ersten Match..."

"Das gefällt mir, hier verschwenden die Menschen zumindest keine Zeit mit ewiglangen Eröffnungsreden, sondern kommen sofort zur Sache...", Ashe streckte sich und machte es sich bequem indem sie sich im Schneidersitz auf ihrem Stuhl plazierte. Aru - Xenos Schwalboss - putze währenddessen in aller Seelenruhe sein Gefieder. "Es ist jedes Jahr so, da immer mehr Trainer herkommen, um am Turnier teilzunehmen und es schon so zeitlich nicht ganz aufgeht, fangen sie immer direkt mit den Kämpfen an... Meistens endet das Turnier erst spät abends, wenn es bereits dunkel ist..." Geistesabwesend beobachteten die beiden, wie die ersten beiden Trainer das Feld betraten. Die Moderatorin stellte die beiden kurz vor, dann wurden die Regeln kurz erläutert. Ein Zwei-gegen-Zwei-Match sollte es werden, vermutlich, um überhaupt mit dem Andrang der Trainer fertig zu werden. Die beiden Trainer wählten ihre Pokémon, ein Schiedsrichter blickte die Kontrahenten kurz prüfend an und schwang dann seine Schwarz-Weiß gemusterten Fahnen - der Kampf begann.

"Sag, Viola... hast du eigentlich schon dein erstes Pokémon?" - "Huh...? Wie kommst du jetzt auf sowas?" - "Ich frage mich das schon seit gestern abend, weißt du. Du wirktest die ganze Zeit so begeistert wegen dem Turnier, nimmst aber selber nicht teil. Zudem bist du immer noch hier und nicht auf Reisen, also war das für mich die logischste Schlussfolgerung." Für einen kurzen Moment schwiegen die beiden Mädchen einander an und starrten wie gebannt auf den Kampf, welcher sich gerade zu Gunsten des linken Trainers entschieden hatte. Die Menge tobte und klatschte für den glücklichen Gewinner, welcher breit grinsend seine Pokémon zurückrief und vor Freude nahezu hüpfend den Platz verließ. Das nächste Trainerpaar wurde aufgerufen und bahnte sich seinen Weg zum Feld, und der nächste Kampf begann nach einer kurz ausfallenden Vorstellung der beiden Trainer. "Es... es ist nicht so, dass ich mir nicht wünschen würde, ein Pokémon zu haben und Pokémontrainer zu werden, aber -" - "Aber deine Eltern verbieten es dir, weil sie Angst um dich haben?" Ashe beendete Violas Satz mit einem mitfühlenden Lächeln. "Bei mir war das nicht anders." Erstaunt wandte Viola sich Ashe zu und schaute sie mit großen Augen an. "Bis vor einigen Jahren war es auch mein größter Traum, Pokémontrainer zu werden und mich selber um Pokémon zu kümmern. Vielleicht hatte ich es in dieser Situation sogar noch ein wenig besser als du, ich meine... meine Eltern haben mir ihr Zorua gegeben, damit ich draußen spielen konnte. Im Endeffekt hatte ich ein Pokémon, aber es war nicht dasselbe. Verstehst du, was ich meine?" Viola nickte stumm. "Wie... wie hast du es geschafft, deine Eltern zu überzeugen?" Ashe lachte. "Soll ich es dir verraten? Gar nicht. Eigentlich habe ich es gar nicht geschafft. Ich bin einfach losgezogen, habe mir von meinem mühsam ersparten Geld einen Pokéball gekauft und bin dann losgezogen, um ein Pokémon zu fangen. Sie zog einen Pokéball hervor und drückte auf den silbrig glänzenden Knopf. Ein rotes Licht flackerte auf und entließ das kleine Wesen aus dem Inneren des Balles. Etwas kleines, gelbes huschte über Ashes Arm und kuschelte sich auf ihrer Schulter an sie. "Das ist Aranea, mein Wattzapf und mein erstes Pokémon." Das kleine, gelbe Ding schaute Viola mit dunkelblauen, im Verhältnis zu seinem Körper unproportional großen Augen an und schüttelte sich. "Hast... hast du dafür nicht Ärger bekommen?" - "Drei Monate Hausarrest, sechs Monate kein Taschengeld und absolutes Fernsehverbot. Aber das war es allemal wert." Erneut schwiegen sie sich für einen kurzen Moment an, denn vor wenigen Sekunden war der zweite Kampf beendet worden. Wieder verließ einer der Trainer vor Freude strahlend den Platz und die Anzeige änderte sich. Nun war Xeno an der Reihe. Wie auch zuvor applaudierte die Menge den Trainern, die langsam das Feld betraten. "Was ich damit sagen will ist, dass es sich lohnt, für seine Träume zu kämpfen. Halt die Füße still, und nichts wird sich ändern - tu etwas, und nimm deine Zukunft selber in die Hand. Aber genug geredet, wir sollten dem da unten mal die Daumen drücken." Sie lächelte Viola an und wank Xeno zu, welcher seinen Blick über die Tribünen schweifen lief und gut gelaunt zurückwinkte. Dann knisterten die Lautsprecher und Mara stellte die beiden Trainer vor.

"Zu meiner linken, Xeno Theranim, ein junger Trainer aus Viola City, welcher davon träumt, ein großartiger Pokémontrainer zu werden. Und zu meiner rechten Cleo aus Rayono City, sie träumt davon eine Top-Koordinatorin zu werden. Nun denn, Ring frei!" Vier Pokébälle wirbelten durch die Luft und die Menge pfiff den Trainern ermutigend zu. Cleo, ein vergleichsweise junges Mädchen mit kupferfarbenen Haaren hatte sich für Chillabell und Kleoparda entschieden, aus Xenos Seite standen ihr Tornupto und Frosdedje gegenüber. "Hm... das könnte interessant werden.", stellte Ashe fest und streckte sich, um einen besseren Blick auf den Kampf zu haben. Viola hörte ihr kaum zu, und auch den Kampf nahm sie kaum wahr - statt dessen geisterten Ashes Worte wieder durch ihren Kopf und ließen ihr keine Ruhe. "Meinen Traum leben? Meine Zukunft selber gestalten? Nur wie?", dachte sie und schaute Xenos Pokémon zu, welche perfekt aufeinander abgestimmt den feindlichen Angriffen auswichen und zum Konter mit Flammenwurf und Eisstrahl ansetzten. Für einen kurzen Moment hüllten die kollidieren Attacken den Ort des Geschehens in Nebel, welcher durch einen Hyperstrahl von Cleos Chillabell durchbrochen wurde. Kleoparda lag besiegt am Boden und wurde von seiner Trainerin zurückgerufen, die verbliebenen drei Pokémon kämpften verbittert weiter um den Sieg. "Rhys, setz schnell Ruckzuckhieb ein - Kokoro, halte das Chillabell mit Psychokinese auf!!" - "Oh nein, Chillabell!! S-Setz Donnerblitz ein, bevor- !" Doch Cleos Anweisung kam zu spät. Noch bevor Chillabell sich von seinem vorangegangenem Angriff erholt hatte oder auch nur die Möglichkeit hatte, auszuweichen oder anderweitig zu reagieren, trafen es beide Attacken mit voller Kraft und es sank besiegt zu Boden. Der Kampf war vorbei - und das Publikum applaudierte beiden Trainern.

Gut eine halbe Stunde später stand Xeno mit einem breiten Grinsen neben Viola und Ashe und genoss es, zur Abwechslung nicht von Ashe geneckt, sondern gelobt zu werden. Er war - laut Ashe - verdient als Sieger aus dem Kampf hervorgegangen und hatte sich so für die nächste Runde am Folgetag qualifizieren können. Ashe setzte Aru wieder auf seine Schulter und wandte sich dann wieder ihrer Cousine zu. "Ich hatte dir doch gesagt, dass ich noch etwas mit dir vor habe. Und ich habe dir erzählt, wie ich Trainerin geworden bin." Viola nickte nur - und ob sie sich daran erinnerte. "Nun denn... Dann will ich dich auch nicht länger warten lassen und dir endlich das hier geben." Ashe zog etwas aus ihrer Tasche heraus und drückte es Viola in die Hand, welche ihre Hand langsam wieder öffnete und sprachlos den kleinen, glänzenden Ball betrachtete. Ein Pokéball, Violas erster Pokéball. Sie hob den Kopf und schaute abwechselnd Xeno und auch Ashe aus, unsicher, ob sie vor Freude schreien oder weinen sollte. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, hielt sie gerade das Ticket zu ihrem Traum in den Händen, das Ticket, zu ihrem Leben als Pokémontrainer. "Zum krönenden Abschluss dieses Tages gehen wir in den Ewigenwald, und dann wirst auch du dein erstes Pokémon fangen und deine Zukunft selbst in die Hand nehmen. Zeig' deinen Eltern, dass du bereit dafür bist - und noch viel wichtiger: Zeig' dir selbst, dass du etwas verändern kannst und deine Träume zur Realität machen kannst, wenn du es nur willst."