Born This Way
Geschrieben von: Emerald-Dude
Nass.
Unangenehme Kälte.
Obwohl meine Augen geschlossen sind ist mir klar, dass ich mich in einer Art Behälter aufhalte.
Ich spüre sie.
Die Präsenz vieler Menschen außerhalb meines nassen Gefängnisses.
Undeutliche Worte und Satzfetzen dringen zu mir herein:
„... auch eine Totgeburt?“
„… lebt noch...“
„... nicht entsorgen...“
Auch wenn sich mir die Bedeutung der Worte nicht erschließt, so kann ich doch spüren, in welche Richtung die Gedanken der beiden Männer gehen.
„...routinemäßige Körperstabilitätsanalyse...“
Plötzlich ändert sich etwas.
Mehrere lange Röhren fangen an mich zu betasten.
Ich fühle mich schlecht.
Der Druck auf meiner Brust ist zu hoch!
Sie sollen aufhören!!!
Knall!!!
Die Röhren sind verschwunden, doch auch das Wasser in dem ich bisher immer herumgeschwommen bin, zieht sich zurück.
Nun höre ich auch die Stimmen der Leute besser:
„Unmöglich!!
Der Wachstumstank war absolut stabil!!!“
„In dieser Phase war ein Erwachen nicht vorgesehen!
Wir sollten es sofort töten!!“
„Nie im Leben töten wir es!
Das ist das erste Mal, dass einer der Embryonen zu dieser Größe herangewachsen ist und immer noch kaum Organversagen vorweist.
Wir mussten ihm bloß einen zweiten Rückenmarkskanal am Schädelansatz dazuoperieren.
Es ist absolut überlebensfähig!!“
„Aber wir haben ihm noch keine bewusstseinskontrollierenden Drogen injiziert!!
Willst du etwa, das die mächtigste Biowaffe der Welt mit einem freien Willen durch die Welt zieht??!!“
Also bin ich eine Waffe?
Diese Leute sind sehr verängstigt wegen mir und einer scheint auch aggressiv zu sein.
Es wird Zeit, dass ich mir die Welt mit eigenen Augen ansehe.
Als ich meine langen Beine zum ersten Mal entfalte, verstummen alle Anwesenden im Raum.
Mein Tank ist wohl zerbrochen.
Ich kann die schwüle Luft durch meine Nase riechen.
Diese Menschen sollen keine Angst vor mir haben.
Ich versuche aufzustehen, doch meine Gliedmaßen sind zu schwach.
Plötzlich schwebe ich mehrere Zentimeter über dem Tankboden.
Alle starren mich angsterfüllt und auch angeekelt an.
Dann brüllt jemand:
„Haltet es fest!!
Ich muss ihm unbedingt die Drogen injizieren!!“
Sofort kommt jemand in einem klobigen Anzug und mit langen Handschuhen auf mich zu.
Er packt mich und bindet mich auf einem Bett fest.
Ich will mich wehren, doch mein Körper zuckt nur träge.
Nun kommt der Mann mit der Spritze auf mich zu.
Er packt mich grob am Hals und rammt mir die Spritze direkt in den Augapfel.
„So geht alles direkt in deinen präfrontalen Cortex, du Mutant!!
Danach wirst du nur noch uns gehorchen!“
Es tut unglaublich weh und ich möchte schreien, doch aus meinem Mund dringt kein einziger Laut.
Er soll mir nichts in den Körper spritzen!!!
BAMM!!
Der Mann fliegt mit der Spritze nach hinten und prallt an den Computern im hinteren Teil des Labors ab.
Nach ein Paar Zuckungen rührt er sich nicht mehr.
Der Rest der Wissenschaftler bricht in Panik aus.
Gut so!!
Diese grausamen Wesen sollen Angst vor mir haben und mir aus dem Weg gehen!!!
Da brüllt einer in ein Mikrofon:
„Sofort den ganzen Trakt räumen!!
Höchste Lebensgefahr!!
Mewtu ist entkommen!!!“
~Ende~