Die alternative Pokémon-Geschichte
Geschrieben von: Rocket Kai
Kapitel 1 - Auf die Plätze, fertig, los!
Die aufgehende Sonne tauchte die ersten Häuser Alabastias in ein hellgoldenes Licht, der Rest des kleinen Dorfes lag noch in der Dunkelheit verborgen. Langsam tasteten sich die Sonnenstrahlen vor und fielen in ein Zimmer, in dem Maurice Taylor am Schreibtisch saß und aus dem Fenster blickte. Er war sehr aufgeregt, denn er gehörte zu den vier zehnjährigen Jungen, die an diesem Tag ihr erstes Pokémon bekommen sollten.
Professor Eich, der sich mit der Erforschung der Pokémon beschäftigte, hatte ihnen mitgeteilt, dass sie um 8 Uhr bei ihm erscheinen sollten, um sich eines abzuholen. Außer Maurice würden noch Ash Ketchum, Gary Eich, der Enkel des Professors, sowie Leo Smith ihr erstes Pokémon erhalten. Mit allen drei war Maurice im Kindergarten gewesen, doch zu Leo hatte er ein besonderes Verhältnis.
Schon immer versuchten sie, sich gegenseitig zu übertrumpfen, wobei Leo meist als Sieger aus den Wettkämpfen hervorging. Deshalb wollte Maurice, sobald er ein Pokémon besitzen sollte, Leo herausfordern, um ihn zu besiegen.
Maurice schaute auf die Uhr. Es war 7, also blieb noch eine Stunde, bis es so weit war. Er ging ins Bad und sah in den Spiegel. Von dort blickte ihn ein für sein Alter etwas kleiner Junge mit blaugrünen Augen an, von dessen blondem Haar sich eine weiß gefärbte Strähne abhob.
Maurice wusch sich sein Gesicht und zog sich anschließend an. Als er in die Küche kam, war sein Großvater, bei dem er lebte, seit seine Eltern bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, bereits anwesend und machte das Frühstück für Maurice. Still nahm Maurice es zu sich, er war einfach zu nervös, um viel zu sagen.
Um Viertel vor Acht machte er sich auf den Weg. „Bis nachher“, sagte sein Opa. Maurice nickte nur und trat aus der Haustür. Inzwischen war das ganze Dorf von der weiterhin schräg stehenden Sonne erhellt. Das Labor von Prof. Eich lag am anderen Ende Alabastias. 10 Minuten später kam er dort an.
Leo und Gary standen schon im Hof, doch von Ash fehlte jede Spur. Da trat der Professor aus dem Labor und fragte: „Sind alle da?“ „Nein“, antwortete Maurice, „Ash Ketchum ist noch nicht eingetroffen, Professor.“ „Opa“, entgegnete Gary, „Wir können doch nichts dafür, wenn diese Schnarchnase nicht rechtzeitig erscheint, also lass uns rein!“
Prof. Eich runzelte die Stirn. „Wir warten noch fünf Minuten, wenn er dann noch nicht da ist, fangen wir an.“ Gary wollte widersprechen, überlegte es sich jedoch anders und lehnte sich gegen den Zaun. Währenddessen wandte sich Leo Maurice zu: „Na, du scheinst ja ausnahmsweise mal rechtzeitig zu einer Treffen zu erscheinen. Zu schade, ich hatte gehofft, dass du verschläfst und nicht dieser Knirps.
Naja, dann sehe ich zumindest, wie du bei der Aufzucht deines Pokémon total versagst, während ich schon bei der Pokémon-Liga antrete.“ Maurice wollte gerade etwas erwidern, als Professor Eich sagte: „Okay, er scheint nicht zu kommen. Dann last und hinein gehen.“ Sie betraten das Labor und Maurice fiel sofort der runde Tisch mit den drei Pokébällen ins Auge, in denen die Pokémon Bisasam, Glumanda und Schiggy steckten.
Er hatte lange überlegt, welches Pokémon er wählen sollte. Schließlich hatte er sich für Schiggy entschieden. Doch Prof. Eich meinte: „Da Gary mein Enkel ist, darf er zuerst wählen.“ Maurice empfand es als ungerecht, dass der Professor die Rangfolge festlegte, sagte allerdings nichts. „ Ich nehme Schiggy“, rief Gary und Maurice wurde es schwer ums Herz, als aus Garys Pokéball tatsächlich ein Schiggy kam.
Nun hielt Prof. Eich ein Stück Papier hoch. „Das hier halte ich hinter meinen Rücken. Derjenige, der errät, in welcher Hand das Papier ist, darf als Zweiter sein Pokémon aussuchen.“ Wenn er drankäme, nähme er sich Bisasam, dachte sich Maurice. „Sie halten es in Ihrer rechten Hand“, sagte er. „Falsch“, antwortete der Professor.
Leo schritt selbstbewusst zu den Pokébällen und nahm einen davon in die Hand. Sofort sprang ein Bisasam heraus. „Dann ist das hier deins“, sagte der Professor und gab Maurice den Ball mit Glumanda. Er fühlte sich merkwürdig warm an. Plötzlich öffnete er sich und ein Glumanda erschien. Es rieb sich die Augen und sah sich misstrauisch um.
Sofort verlor Maurice jedes Gefühl der Enttäuschung und spürte, dass dieses Pokémon das richtige war. Es hatte eine prall orange Farbe, die Flamme an der Schwanzspitze leuchtete hell und strahlte eine angenehme Wärme aus. Der Professor räusperte sich.
„Hier habe ich noch etwas für euch: ein paar Pokébälle, um wilde Pokémon zu fangen und den Pokédex, ein elektronisches Lexikon mit Daten über alle Pokémon, die ihr in naher Zukunft sehen werdet.“ Er gab jedem von ihnen diese Sachen.
Maurice bedankte sich bei Prof. Eich und wollte nun Leo zu einem Pokémonkampf herausfordern, doch er war bereits verschwunden. Das ärgerte Maurice, doch er sagte sich, dass er schon noch eine Möglichkeit dazu erhalten würde. Also machte sich Maurice zum Haus seines Opas auf, der ihm eine Überraschung versprochen hatte, sobald er sein erstes Pokémon erhalten hatte.
Auf dem Weg zurück lief ihm plötzlich Ash im Schlafanzug über den Weg, doch dieser sah ihn nicht, sondern rannte geradewegs zum Labor. Maurice überlegte, welches Pokémon Ash wohl bekommen sollte, schließlich waren die drei Starter, die man normalerweise bekam, schon vergeben.
Währenddessen ging das Glumanda neben Maurice her, er hatte beschlossen, dass er sein erstes Pokémon für einige Zeit nicht in den Pokéball zurückrief, um Vertrauen zu schaffen.
Sein Opa erwartete ihn bereits am Eingang. „Aha, du hast also Glumanda bekommen, sehr schön. Es scheint ja recht zutraulich zu sein“, sagte er und streichelte dessen Kopf. Glumanda schloss die Augen und genoss es offensichtlich. Nun richtete sich sein Opa an Maurice: „Ich hatte dir eine Überraschung versprochen, wenn du dein erstes Pokémon abgeholt hast. Hier ist sie: Du darfst dir eines meiner Taubsi fangen.“
Maurice’ Großvater besaß eine Taubsi-Poststelle. Von dort konnten die Bewohner Alabastias Briefe oder kleine Pakete in die Nachbarstädte verschicken. Maurice hatte seinem Opa schon oft bei der Fütterung und der Pflege der Taubsi geholfen. „Ist das dein Ernst?“, fragte Maurice ungläubig, denn die Taubsi waren der ganze Stolz seines Großvaters. „Mein voller“, erwiderte dieser.
Sie gingen um das Haus zur Poststelle, die direkt daneben lag. Dort hüpften gut zwanzig der kleinen Flugpokémon auf dem Boden herum. Maurice hatte schon ein spezielles Exemplar ausgesucht, mit dem er früher oft gespielt hatte. „Hey du!“, rief Maurice ihm zu. Es blickte auf und die anderen Taubsi wichen zurück. „Bist du bereit für einen Pokémonkampf?“
Als Antwort flatterte es auf einen Ast und spreizte die Flügel. „Du bist dran, Glumanda!“ Glumanda ging zögernd etwas nach vorne und schaute Maurice unsicher an. „Du schaffst das schon.“ Das bestärkte es anscheinend, denn es nahm nun das Taubsi ins Visier. „Weißt du denn, welche Attacken Glumanda beherrscht?“, fragte sein Opa.
„Äh, ich glaube, es kann die Kratzer-Attacke einsetzen. Also los, Kratzer!“ Glumanda sprang schwungvoll in die Luft, um seinen Gegner zu erreichen, doch das Taubsi flog einfach zur Seite und wirbelte mit seinen Flügeln Sand auf, der Glumanda die Sicht nahm. Bevor Maurice etwas sagen konnte, zischte Taubsi heran und traf Glumanda mit einem Ruckzuckhieb, sodass dieses umkippte.
„Glumanda!“, schrie es und sprang wieder auf. „Versuch mal, ob es schon die Glut-Attacke kann“, riet der Opa seinem Enkel. „Na gut, los, Glut!“ Glumanda öffnete das Maul und einige Feuer-Körner flogen in Richtung Taubsi. Es konnte nicht richtig ausweichen und stürzte zu Boden. „Jetzt noch einmal Kratzer!“, befahl Maurice. Die Attacke traf voll und das Taubsi verlor das Bewusstsein.
„Jetzt musst du einen Pokéball werfen.“ „Pokéball, los!“, rief Maurice und warf einen der Bälle, die Prof. Eich ihm gegeben hatte. Er traf das Taubsi, öffnete sich und saugte das Pokémon in sich hinein. Nun wackelte er und leuchtete rot auf. Maurice drückte die Daumen, dass das Taubsi sich nicht befreite. Der Pokéball bewegte sich noch einmal und – blieb liegen. Maurice hob ihn sofort auf.
„Juhu, ich habe ein Taubsi gefangen!“, rief er und hielt den Ball hoch in die Luft. „Das hast du klasse gemacht, Glumanda.“ Dann befestigte er den Pokéball an seinem Gürtel. „Herzlichen Glückwunsch, Maurice“, gratulierte ihm sein Opa. „Du willst dich jetzt bestimmt auf den Weg machen. Ich schlage vor, dass du als erstes nach Vertania City gehst und von dort aus deine weitere Reiseroute planst.
Ich habe dir bereits einen Rucksack mit allem, was du brauchst, gepackt.“ „Vielen Dank, ja das möchte ich. Wir sehen uns wieder, wenn ich alle acht Orden bekommen habe.“ Maurice holte seinen Rucksack und machte sich dann zusammen mit seinem Glumanda, das neben ihm herlief, Richtung Vertania City auf.
Kapitel 2 - Lug und Trug in Vertania City
Gegen Mittag kam Maurice in Vertania City an. Schon von weitem sah er das Pokémon-Center mit seinem roten Dach und machte sich auf den Weg dorthin, denn er fand, dass sich seine Pokémon Glumanda und Taubsi von ihrem Kampf erholen und sich ein wenig kennen lernen sollten. Außerdem konnte man als Trainer in einem Pokémon-Center kostenlos zu Mittag essen und Maurice knurrte schon einige Zeit der Magen.
Hungrig traten er und Glumanda durch die Eingangstür und gingen an den Tresen. Kurz darauf erschien eine rothaarige Frau im Krankenschwester-Outfit. „Guten Tag, ich bin Schwester Joy. Wie kann ich dir helfen?“
„Hallo, ich bin Maurice Taylor aus Alabastia. Könnten Sie meine Pokémon und mich mit Essen und Trinken versorgen?“ Maurice holte den Pokéball mit Taubsi heraus. „Mein Taubsi bräuchte eine kurze Behandlung, ich habe es erst heute Vormittag gefangen und es ist wahrscheinlich noch geschwächt.“
„Kein Problem, gib mir einfach den Pokéball und setz dich doch dort hinten an einen Tisch. Ich werde mich um dein Taubsi kümmern“, sagte Schwester Joy und ging mit dem Pokéball, in dem das erste Pokémon steckte, das Maurice selbst gefangen hatte.
Lange musste er nicht warten, dann kam auch schon das Essen, das Schwester Joy versprochen hatte und der Trainer und sein Feuerpokémon aßen sich satt. Anschließend wandte sich Maurice an Glumanda. „Für dich ist es jetzt auch Zeit, in den Pokéball zu gehen.“
Doch als er Glumandas Ball herausholte, schüttelte das Pokémon den Kopf und biss Maurice in den Finger. „Aua!“, rief er überrascht. „Was soll das denn?“ Aber der bettelnde Blick in den Augen Glumandas ließ seinen Willen dahinschmelzen. „Na gut, dann bleib eben draußen, wenn dir das lieber ist“, gab Maurice nach.
Nachdem er Taubsi von Schwester Joy abgeholt hatte, ging er zu einem der Bild-Telefone, die es im Pokémon-Center zuhauf gab. Seinen Opa erreichte er jedoch nicht. „Wahrscheinlich füttert er gerade seine Pokémon“, sagte Maurice sich selbst und wählte die Nummer von Professor Eich. Nach ein paar Sekunden erschien er auf dem Bildschirm.
„Ah, Maurice, schön, dich zu sehen. Wie ist deine Reise bisher verlaufen?“
„Ich bin jetzt in Vertania City, Professor, und ich habe mir eines der Taubsi meines Opas gefangen“, strahlte Maurice.
„Sehr gut, man kann nicht früh genug damit anfangen, sich weitere Pokémon zu fangen“, entgegnete Prof. Eich.
„Aber eine Frage habe ich noch, Professor: Wieso will mein Glumanda nicht in seinen Pokéball zurück, nachdem ich es, damit wir uns besser kennen lernen, bis jetzt draußen gelassen habe?“
„Das ist einfach zu erklären, Maurice“, erklärte er. „Es hat sich nun daran gewöhnt und würde es als Vertrauensverlust werten, wenn du es ab jetzt im Pokéball behältst. Du musst einem Pokémon gleich zu Beginn seine Position mitteilen, sonst versteht es deine Entscheidungen nicht.“
Maurice bedankte sich bei Professor Eich und legte auf. Es gibt noch viel zu lernen, dachte er und ging mit Glumanda, welches von nun an immer neben ihm herlief, zur Ausgangstür. Da fielen ihm zwei kleine Zettel an einem Anzeigenbrett auf.
Er näherte sich dem Brett, um sich die Zettel besser anzuschauen. Das eine hatte die große Überschrift „WANTED“ und es waren zwei Mitglieder des Team Rockets zu sehen. Eine Frau mit langen roten Haaren und ein Mann, dessen Haar eine blaue Farbe hatte. Dann wanderte Maurice’ Blick zu dem anderen Blatt, worauf stand:
„Engagierte Pokémon-Trainer gesucht! Bist Du ein Pokémon-Trainer und würdest alles tun, um das Team Rocket an seinen geheimen Machenschaften zu hindern? Dann bist Du der perfekte Kandidat für eine Mitgliedschaft im Team Villain! Das Team Villain tritt für die Verbesserung der Welt ein und bekämpft die kriminellen Taten des Team Rocket. Wenn Du bereit bist, melde dich bei uns!“
Maurice kannte und verabscheute das Team Rocket. Bei dem Flugzeugabsturz, bei dem seine Eltern starben, wurde das Flugzeug von Mitgliedern von Team Rocket entführt, um Lösegeld zu erpressen. Als man versuchte, das Flugzeug aus ihrer Gewalt zu bekommen, stürzte es ab und alle Insassen starben. Nur zu gerne würde er sich engagieren. Er notierte sich die Adresse und beschloss, sich dorthin auf den Weg zu machen.
Vertania war eine viel größere Stadt als Alabastia und deshalb brauchten Maurice und Glumanda einige Zeit, bis sie das Gebäude fanden. Nun standen sie vor einem Prachtbau, der mit zu den größten Häusern in Vertania City zählte. Auf der Eingangstür war ein blaues „V“ zu sehen. Maurice klingelte und wartete einige Sekunden, dann fragte eine Stimme durch die Gegensprechanlage: „Wer ist da?“
„Ich möchte Mitglied bei Ihnen werden“, wiederholte Maurice. „Du?“, meinte sie mit einem spöttischen Blick auf seine Größe. „Dann füll erst mal dieses Anmeldeformular aus.“ Maurice nahm sich einen Stift und setzte sich auf einen der Stühle an der Wand. Es wurde nach Name, Alter, Pokémon und den Grund des Beitritts gefragt. Er füllte alle Angaben aus und gab das Formular zurück.
„Der Boss möchte dich nun sehen“, sagte die Empfangsdame. Sie brachte ihn zu einer Tür, die zu einer Art Flur führte, in dem es Fahrstühle gab. „Der Boss wartet auf Etage zehn.“ Maurice und Glumanda ging in einen Fahrstuhl hinein und drückte den Knopf für das zehnte Stockwerk. Er spürte, wie er nach oben gehoben wurde und war ein bisschen nervös.
Als der Fahrstuhl angekommen war, öffnete er sich und Maurice erblickte eine riesige eichene Tür, auf der auf einem kleinen Messingschild „Vorstand“ eingraviert war. Er klopfte und ging hindurch.
„Ah, du musst Maurice sein“, sagte eine Stimme vom anderen Ende des Raums. Die Person, der diese Stimme gehörte, kam nun näher und Maurice konnte sie erkennen. Zu seinem großen Erstaunen war „der Boss“ eine Frau! „Mein Name ist Jeanette“, stellte sie sich vor.
„Nimm Platz.“ Maurice setzte sich auf einen Stuhl, der vor einem Schreibtisch stand, hinter dem es sich Jeanette in einem Ledersessel bequem gemacht hatte. „Du möchtest also bei uns Mitglied werden?“ „Ich würde auch gerne wissen, was man alles macht, wenn man im Team Villain ist und was die Bedingungen sind“, antwortete Maurice.
„Nun, du würdest auf Missionen geschickt werden, auf denen du bestimmte Aufgaben erfüllen müsstest. In deinem Fall wäre es, wie ich aus deinem Formular entnehmen kann, am günstigsten, wenn du im Kampf gegen Team Rocket eingesetzt werden würdest“, sagte Jeanette. „Das wäre möglich?“ „Sicher. Allerdings arbeiten wir hier nie alleine, sondern immer im Duo.
Aber keine Sorge, erst gestern haben wir ein neues Mitglied bekommen, mit welchem du dich gut verstehen wirst.“ Sie wandte sich via Freisprechanlage an ihre Sekretärin. „Bring bitte unser neuestes Mitglied zu mir“, befahl Jeanette ihr. „Ihr zwei müsst allerdings noch eine Prüfung bestehen, um als Team-Villain-Agenten akzeptiert zu werden.“
In dem Moment ging die Tür auf und ein Mädchen mit schwarzen, mittellangen Haaren, die zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden waren, trat ein. Sie war ungefähr so alt wie Maurice. „Das ist Lisa. Sie braucht noch einen Partner und da ihr zwei vom Alter her zusammenpasst, habe ich an dich gedacht, Maurice. Was hältst du davon, Lisa?“ „Man kann es ja mal versuchen“, antwortete diese.
„Okay, dann bekommt ihr morgen von meiner Sekretärin im Erdgeschoss eure Teamkleidung und die Anweisungen für eure Prüfung, die dann stattfindet“, sagte Jeanette. „Eine Frage hätte ich noch. Ich würde gerne noch meine Reise fortsetzen können und gegen Arenaleiter kämpfen. Geht das?“, fragte Maurice „Natürlich, wenn es eure Missionen nicht gefährdet.“
Auf dem Weg zu den Schlafräumen schaute Maurice zu Glumanda. „Na, freust du dich, dass wir bald für das Team Villain an den Start gehen?“ Doch Glumanda blickte nur fragend zurück. „Wir werden dem Team Rocket heimzahlen, was sie meinen Eltern angetan haben.“ Mit dem Gefühl, das Beste erreichen zu wollen, fiel Maurice in einen ruhigen Schlaf. Wenn er sich da mal nicht täuschen sollte…
Kapitel 3 - Abenteuer im Vertania-Wald
Als am nächsten Morgen der Wecker klingelte, war Maurice schon wach. Er hatte noch auf dem Rücken gelegen und über den gestrigen Tag nachgedacht, doch nun stand er auf und weckte Glumanda. „Hey, aufstehen, wir müssen heute eine Prüfung absolvieren.“ Gähnend wachte das kleine Feuerpokémon auf und streckte sich.
Unterdessen zog sich Maurice um, indem er seinen Schlafanzug gegen die Tageskleidung tauschte, anschließend ging er ins Bad. Für eine Zentrale mit so vielen Zimmern für zeitweilig hier lebende Team-Villain-Agenten war es schon etwas besonderes, dass statt eines Waschraums jede Unterkunft ein Nebenzimmer mit Dusche und WC besaß.
Glumanda sah ihm nach und folgte seinem Trainer. Dieser stand vor einem Spiegel und kämmte sein Haar, doch dann drehte er sich um und sagte: „Komm Glumanda, lass uns nach unten gehen. Lisa wird bestimmt schon auf uns warten.“ Die Mitglieder mussten wohl gerade auf einer Mission sein, denn auf dem Weg nach unten begegnete ihnen keine Menschenseele und auch sonst war alles sehr still und verlassen.
Im Erdgeschoss angekommen, saß sie auch bereits auf einem der Stühle, auf denen Maurice am Tag zuvor gesessen hatte. „Guten Morgen“, sagte das Mädchen, als sie den Jungen und sein Pokémon erblickte. „Hallo!“, erwiderte Maurice. Beide schauten sich prüfend an. „Wo kommst du eigentlich her?“, wollte Lisa wissen. „Ich komme aus Alabastia, und du?“
„Ich stamme aus einem kleinen Dorf westlich von hier, Okkidentia. Hast du noch andere Pokémon als dein Glumanda?“ „Ja, ich habe mir vor kurzem ein Taubsi gefangen.“ Maurice wollte Lisa gerade fragen, welche Pokémon sie besaß, aber in diesem Moment kam die Sekretärin und führte beide in einen anderen Raum.
Der Raum war klein und dunkel. Als Maurice sich umsah, bemerkte er einen Beamer an der Decke, welchen die Sekretärin kurz darauf anschaltete. Es erschien eine Landkarte der Umgebung, auf der Vertania City und der Vertania-Wald abgebildet waren. Schließlich räusperte sich die Sekretärin.
„Eure Aufgabe wird es sein, ein hölzernes Abbild eines Rattfratz am anderen Ende des Waldes zu finden und vor Einbruch der Dunkelheit einen speziellen Knopf zu drücken, der uns signalisiert, dass ihr es geschafft habt. Damit werden eure Teamfähigkeit und Orientierung im Gelände überprüft.
Außerdem gibt es noch ein paar Prüfungen, denen ihr euch stellen müsst, während ihr unterwegs seid. Was das genau sein wird, verrate ich euch natürlich nicht.“
Kurz darauf machten sich Maurice und Lisa mit großen Rucksäcken beladen auf den Weg, Glumanda trottete glücklich, wieder an der frischen Luft zu sein, nebenher.
Es war ein schöner Tag, die Sonne schien und nur selten schob sich eine Wolke davor. Noch liefen sie auf einem ebenen Feldweg, der nur vereinzelt von Sträuchern gesäumt war.
Doch in der Ferne sah man schon die Wipfel der Bäume des Vertania-Walds und nach kurzer Zeit kamen sie auch schon dort an. Der Marsch wurde beschwerlicher, weil die Straße immer mehr zum Pfad wurde sowie Äste und Wurzeln oft im Weg waren.
Deshalb beschlossen beide, eine Pause einzulegen und etwas zu essen. Es war schließlich schon die Mittagszeit angebrochen, Maurice plagte seit einiger Zeit das Knurren seines Magens, da er kein Frühstück zu sich genommen hatte.
Zuerst gab Maurice Glumanda etwas Pokémon-Futter, das es hungrig zu sich nahm, dann aß er selbst etwas, was ihm die Zentrale mitgegeben hatte.
„Möchtest du nichts essen?“, fragte er Lisa, die etwas weiter entfernt stand und in Gedanken vertieft war. Den ganzen Weg bis hierhin hatten sie nur selten miteinander gesprochen, Lisa schien auch nicht in der Stimmung dazu. “Ich habe keinen Hunger“, kam die Antwort trocken zurück. Maurice seufzte. Wie sollten sie so nur ein gutes Team werden und die Prüfung bestehen? Er wandte sich wieder seinem Lunchpaket zu, sah dort zu seinem Erstaunen ein kleines Pokémon, das sich an den Butterbroten labte. Es sah raupenähnlich aus und hatte einen spitzen Stachel auf seinem Kopf. Maurice nahm den Pokédex aus seiner Tasche und hielt ihn vor das Pokémon. Er piepte laut und sagte dann:
„Hornliu, ein Käferpokémon. Dieses Pokémon lebt in Wäldern und ernährt sich von Blättern. Es trägt einen giftigen Stachel.“
Aha, ein Hornliu also! Maurice schaute es sich genauer an, es schien nicht sehr stark und damit fangbar zu sein.
„Also los, Glumanda!“, sagte er zu seiner Feuerechse. Langsam erhob sich Glumanda von seinem Ruheplatz. „Glutattacke!“, befahl sein Trainer und kurz darauf flogen mehrere kleine Glutkörnchen in Richtung Hornliu, welches jedoch davon kroch. Maurice hatte nun das Jagdfieber gepackt und lief dem Käferpokémon hinterher, Glumanda folgte ihm. Lisa sah das aus den Augenwinkeln und rief: „Hey, wo willst du hin? Wir müssen zusammenbleiben!“ Es nützte nichts, also sammelte sie schnell das Gepäck ein, was Maurice in seiner Eile vergessen hatte, dann machte sie sich auf die Suche und rannte in die Richtung, in die ihr Partner verschwunden war.
Kurze Zeit später blieb sie an einem riesigen Baum stehen, um nach Luft zu schnappen. Von Maurice war nichts zu sehen, er musste in eine andere Richtung abgebogen sein, sodass Lisa seine Spur verloren hatte. Nun wandte sie ihre Aufmerksamkeit dem Baum zu und was sie sah, ließ sie ein paar Meter zurückweichen. An dem Baumstamm hingen dutzende Kokuna! Wo dieses Pokémon lebte, waren Bibor nie weit weg, also ging Lisa so leise, wie sie konnte, zu dem Baum auf Abstand. Dabei übersah sie jedoch einen Ast, der auf dem Boden lag, und trat darauf.
Das knacksende Geräusch hatte zur Folge, dass plötzlich ein lautes Summen begann und sich ein ganzer Bibor-Schwarm aus der Baumkrone erhob. Lisa drehte sich um und rannte so schnell sie konnte davon, die Bibor ihr auf den Fersen.
Inzwischen hatte Maurice das Hornliu in die Enge getrieben. Bereit zum Wurf des Pokéballs stand er da, als er einen spitzen Schrei hörte, der nur von Lisa kommen konnte. Sie musste wohl in Schwierigkeiten sein! Hin- und hergerissen zwischen dem möglichen Fang eines neuen Pokémon und dem Drang, Lisa zu Hilfe zu kommen, stand er wie versteinert da, was das Hornliu für eine gelungene Flucht nutzte. Jetzt hatte es keinen Zweck mehr, es zu suchen, also wandte Maurice sich ab und rief Taubsi aus seinem Pokéball. „Du bist dran, Taubsi! Such Lisa, sie scheint in Gefahr zu sein!“ Taubsi gurrte einmal und erhob sich über die dichten Baumkronen, bis es nicht mehr zu sehen war. Währenddessen machte auch Maurice sich auf, Lisa zu finden.
Er war noch nicht weit gekommen, da flog auch schon Taubsi heran und flatterte wild mit den Flügeln in die Richtung, in die Maurice unterwegs war. Er holte das Vogelpokémon zurück und lief nun schneller werdend weiter, bis er eine kleine Lichtung erreichte.
Am anderen Ende lag Lisa, die ihre Arme schützend über sich hielt, wo ein riesiger Schwarm Bibor umherschwirrte und sich zum Angriff bereitmachte. „Lisa!“, rief Maurice, doch rannte er nicht sofort zu ihr, sondern kramte in seiner Tasche. Er zog den Pokédex hervor und hielt ihn in Richtung der Bedrohung. Das elektronische Lexikon piepte und eine Stimme sagte: „Bibor, ein Käferpokémon. Dieses Pokémon ist sehr schnell. Es verfügt an den Vorderbeinen und am Schwanz über Giftstacheln.“
Lisa war darüber nicht besonders erfreut. „Willst du mir denn jetzt helfen oder nicht?“, meinte sie erbost. „Ach ja! Los, Glumanda, Glut-Attacke! Vertreib die Bibor und schick sie dahin zurück, woher sie kamen!“ Das Feuerpokémon öffnete sein Maul und viele kleine Glutkörnchen schossen den Bibor entgegen. Maurice bemerkte, dass die Attacke im Vergleich zum letzten Einsatz schon kräftiger geworden war. Doch die schwarz-gelben Wesen flogen nur ein paar Meter weit weg und kamen danach wieder.
„So wird das nichts, du musst mir helfen“, sagte Maurice zu Lisa. Sie fasste jetzt anscheinend wieder Mut und sprang auf. „Du bist dran, Nidoran!“, rief sie und ein Nidoran (w) kam aus ihrem Pokéball. Trotz der drohenden Gefahr von oben konnte Maurice nicht widerstehen und benutzte den Pokédex. „Nidoran (w), ein Giftpokémon. Dieses Pokémon ist sehr klein, verfügt aber über starke Gifte. Das Weibchen hat kleinere Hörner.“
„Setz deinen Giftstachel ein, Nidoran!“, befahl Lisa und mehrere spitze Giftpfeile kamen aus dem Horn des Pokémon. „Du auch, Glumanda, mach weiter!“, rief Maurice. Gemeinsam gelang es ihnen, die Bibor zu vertreiben. Doch Maurice spürte, dass das noch nicht alles gewesen war. „Lass uns besser von hier verschwinden, bevor sie wiederkommen.“ Lisa nickte und rief ihr Nidoran (w) zurück. Sie waren noch nicht weit gekommen, als ein lautes Summen genau das ankündigte.
Entsetzt sahen beide, dass die Bibor sich Verstärkung geholt haben mussten, denn sie waren viel mehr als vorher. Lisa und Maurice nahmen ihre Beine in die Hand und rannten los. Etwas weiter entfernt sah Maurice eine kleine Holzhütte stehen. „Schnell, da müssen wir hin“, keuchte er und die Trainer legten noch einen Zahn zu. Die Bibor kamen immer näher, aber ihre Opfer waren schon an der Tür, Lisa riss sie auf und sie rannten hinein. Maurice schlug die Tür zu.
Eine Sekunde später hörten sie, wie mehrere Bibor gegen das Holz krachten, aber die Hütte hielt stand. „Es ist wohl besser, wenn wir hier warten, bis die Luft rein ist“, meinte Maurice zu Lisa, welche nur nickte.
Beide sahen sich um. Sie waren in einem Raum, der wohl immer noch bewohnt wurde, wenngleich derjenige momentan nicht anwesend war. Erschöpft ließen sie sich auf Stühlen nieder, die an einem Holztisch standen. Lisa sah Maurice in die Augen und sagte schließlich nur: „Danke.“ Die aufregende Rettungsaktion hatte wohl das Eis gebrochen. Schon bald waren sie im Gespräch vertieft und Maurice erfuhr einige weitere Dinge über seine Weggefährtin.
Das Nidoran (w) war bis jetzt ihr einziges Pokémon, sie hatte es völlig entkräftet vor einiger Zeit am Wegesrand gefunden und gesund gepflegt. Ihre Eltern wollten dann jedoch nicht, dass sie es behielt, woraufhin Lisa von zu Hause weglief. Anschließend dachten sie über ihre Zukunft im Team Villain nach und beschlossen, für den Fall der Zulassung zu einer Mitgliedschaft sich ein Motto zu überlegen, welches sie dann vor Kämpfen oder dergleichen aufsagen wollten, was auch gelang.
In der Zwischenzeit hatten sich die Bibor wieder verzogen und es war still geworden um die Hütte. Plötzlich hörten sie Schritte und ehe einer von ihnen reagieren konnte, öffnete sich die Tür und ein junger Mann mit Fangnetz und Machete stand im Eingang. „Was habt ihr hier zu suchen? Seid ihr Einbrecher? Ich warne euch!“, sagte der Junge und hielt bedrohlich seine Machete in ihre Richtung. Maurice und Lisa beschlossen, indem sie sich kurze Blicke zuwarfen, ihr neues Motto zu testen.
„Nun gibt’s Unannehmlichkeiten!“, begann Lisa, worauf Maurice mit den Worten antwortete:
„Und die werden wir bereiten!“ Jeder sagte einen Satz und der andere den nächsten.
„Die Welt zu erobern ist unser Ziel!“
„Und dafür fehlt uns nicht mehr viel!“
„Sanftmut und Ordnung verdammen wir!“
„So gewinnt man an Einfluss – und zwar jetzt und hier!“
„Lisa!“
„Maurice!“
„Team Villain ist so mächtig wie nie!“
„Also wehr dich nicht und geh auf die Knie!“
Anschließend sprang Glumanda vor sie und rief: „Glu, Glumanda!“
„Was sollte das denn?“, fragte der Junge irritiert. „Keine Angst, wir haben uns hier bloß vor den Bibor versteckt“, antwortete Maurice. „Ach, ihr habt hier den halben Wald verrückt gemacht, ich habe mir schon so etwas gedacht. Ihr müsst hier vorsichtiger sein, sonst passiert das noch öfter.“ „Es tut uns leid, dass wir so unvorsichtig waren und deine Hütte als Versteck benutzt haben“, beschwichtigte Lisa ihn. „Ist schon okay, solange ihr keine Einbrecher oder so seid, obwohl eure Ansage schon etwas merkwürdig war.
Was soll’s, ich heiße Samurai und fange für mein Leben gern Käferpokémon. Sag mal“, wandte er sich an Maurice und schaute dabei Glumanda an, „Kommst du aus Alabastia? Ich bin bereits zwei anderen Trainern aus diesem Ort begegnet, einer mit einem Schiggy und der andere mit einem Bisasam. Gegen beide habe ich im Kampf verloren, deshalb würde ich dich herausfordern.“ „Ja, ich komme aus Alabastia und nehme deine Herausforderung an“, erwiderte Maurice.
Kurze Zeit später standen sich Samurai und Maurice auf einer Lichtung gegenüber. „Ich wähle dich, Safcon!“, rief der Käfersammler und warf einen Pokéball, aus dem ein Safcon hervorkam. Wieder benutzte Maurice den Pokédex. „Safcon, ein Käferpokémon. Da der Panzer dieses Pokémon sehr weich ist, bietet er keinen großen Schutz vor Attacken.“ Das hörte sich ja leicht an. „Dann nehme ich Glumanda“, sagte Maurice und sein Startpokémon sprang aufs Kampffeld.
„Setz die Kratzer-Attacke ein und mach es fertig!“ „So einfach mache ich es dir nicht! Safcon, benutz deinen Härtner!“ Safcon leuchtete kurz auf und glänzte anschließend metallisch. Von ebensolcher Härte muss die Außenhaut des Käferpokémon auch gewesen sein, denn der Kratzer prallte einfach ab, ohne eine große Wirkung zu zeigen. Maurice überlegte, wie es weitergehen sollte. „Versuch es mal mit Glut, Glumanda!“ Auch diese Attacke schien wenig zu bewirken, doch Safcon kniff vor Anstrengung die Augen zusammen.
„Mach weiter, Glumanda, gleich hast du’s geschafft!“ Einem weiteren Glutangriff war Safcon nicht gewachsen und kippte um. „Komm zurück!“, rief Samurai und hielt den Pokéball vor sein Pokémon. „Ich wusste, dass Safcon Feuerattacken trotz Härtner nicht lange aushalten kann“, sagte Maurice und grinste. Es zahlte sich aus, dass er vor dem Beginn seiner Reise viel über Pokémontypen mit ihren Stärken und Schwächen gelesen hatte. „Dann schau mal, wie du mit dem hier fertig wirst! Los, Pinsir!“
„Glumanda, komm zurück, ich will Taubsi auch mal eine Chance geben.“ Auch wenn das Feuerpokémon nicht ganz glücklich über diese Entscheidung zu sein schien, trottete es zu seinem Trainer zurück. Bevor Maurice sein Taubsi in dem Kampf schickte, schaute er zuerst in den Pokédex, heute schon zum fünften Mal. „Pinsir, ein Käferpokémon. Dieses Pokémon vermag mit seinen mächtigen Kneifzangen Gegner zu zermalmen.“ „Taubsi, ich wähle dich! Windstoß, los!“ Kaum war Taubsi aus seinem Pokéball befreit, schlug es kraftvoll mit den Flügeln und der Windstoß ging auf Pinsir nieder.
Pinsir blieb davon unbeeindruckt und konterte mit einer Klammerattacke, die voll traf. Taubsi stürzte getroffen zu Boden. „Komm schon, du schaffst es, Taubsi!“ Tatsächlich rappelte es sich wieder auf und erhob sich in die Lüfte. „Spring zu Taubsi und probier den Geowurf!“, sagte Samurai. Pinsir nahm Anlauf und sprang hoch, Taubsi konnte den Klauen seines Gegenübers jedoch ausweichen, worauf Pinsir wieder nach unten fiel und auf dem Gesicht landete, was es viel Kraft gekostet haben musste, da es sich nur langsam erhob. „Gib ihm mit einem Ruckzuckhieb den Rest, Taubsi!“
Maurice spürte, dass der Sieg ganz nah war. Sein Pokémon zischte heran wie der Blitz, Pinsir konnte nicht ausweichen und ging K.O. „Nein! Das darf nicht wahr sein, die dritte Niederlage in Folge!“, kreischte Samurai. Doch schon kurz darauf fing er sich wieder. „Egal, ich werde einfach noch härter trainieren und eines Tages tragen wir ein Rematch aus, was hältst du davon?“ „Gerne, ich freue mich schon drauf“, erwiderte Maurice, dem erst jetzt bewusst wurde, was er geschafft hatte: Er hatte seinen allerersten Kampf gegen einen Trainer gewonnen! „Herzlichen Glückwunsch“, sagte Lisa und die beiden lächelten sich an.
Während in der Ferne die Sonne rot hinter den Baumwipfeln unterging, verabschiedeten sie sich von Samurai, der noch etwas im Vertania-Wald bleiben wollte, um noch mehr Käferpokémon zu fangen. Doch kurz darauf fiel ihnen ihre Mission wieder ein! Es blieben Lisa und Maurice nur noch ein paar Minuten, um die Aufgabe zu erfüllen und das hölzerne Rattfratz zu finden, weshalb sie kaum noch Hoffnung hatten. Doch plötzlich sah Maurice es! Es stand hinter einem Gebüsch und er holte es schnell hervor. „Da ist der Knopf!“, rief Lisa und deutete auf die Unterseite des Modells.
Sofort drückten beide gleichzeitig den runden, kleinen Schalter. Das Rattfratz blinkte in dem Moment auf, in dem die letzten Sonnenstrahlen verschwanden. „Gut gemacht“, sagte eine Stimme, die sie als Jeanettes erkannten. „Ihr habt die Prüfung bestanden und könnt euch nun als vollwertige Mitglieder im Team Villain bezeichnen.“ „Aber was waren denn die Prüfungen, die wir bestehen sollten? Wir dachten, dass hinter jedem zweiten Baum eine Falle liegt oder so“, meinte Maurice. „Die Prüfungen stellt der Wald selbst, da brauchen wir uns nicht um besondere Fallen kümmern.
Ihr erhaltet jeden Moment passende Teamkleidung, die ihr tragen müsst, wenn ihr auf einer Mission seid, wir werden euch dann aber kontaktieren. Ach, übrigens zerstört sich dieses Rattfratz von selbst, sobald das Gespräch beendet ist. Auf Wiedersehen.“ Maurice hatte gerade noch genug Zeit, das hölzerne Pokémon fallen zu lassen, als es auch schon in die Luft flog, was ihn, Lisa und Glumanda einige Meter weit wegschleuderte, wobei ihnen aber nichts passierte. Einen Moment später fielen zwei Pakete vom Himmel, in denen ihre Uniformen steckten. Lisa sah nur noch ein Ibitak über den Vertania-Wald wegfliegen.
Nachdem beide ihre neuen Klamotten in den Rucksäcken verstaut hatten, schlugen sie dort ihr Nachtlager auf, um am nächsten Morgen nach Marmoria City weiterzugehen, wo Maurice seinen ersten Orden gewinnen will…
Kapitel 4 - Kampf um den Felsorden
Nach einer Woche kamen Maurice und Lisa endlich in Marmoria City an. Manchmal erschien es ihnen, als ob der Vertania-Wald nie enden würde und nach einem Baum immer der nächste stand. Nun aber sahen sie von einem Hügel aus die Dächer jener Stadt, die sie erreichen wollten und trotz Morgensonne steingrau vor ihnen lag. Als Maurice und Lisa von dem Hügel herunterstiegen und weitergingen, kamen sie an einem Shop für Steine vorbei, worüber sie sich noch den ganzen Weg amüsierten, denn sie fanden es schon merkwürdig, dass jemand Steine verkaufte, wo man doch am ganzen Straßenrand welche finden konnte.
Zuerst gingen sie ins Pokémon-Center und ließen ihre Pokémon, die von der langen Reise erschöpft waren, behandeln, während sie selbst etwas aßen. Bei der Übergabe der Pokémon stutzte Maurice, weil ihn plötzlich eine Schwester Joy begrüßte, die genauso aussah wie die aus Vertania City, doch Lisa erklärte ihm, dass es in jeder Stadt eine Schwester Joy gab, die alle gleich aussahen und miteinander verwandt waren. So war diese Joy die Schwester jener aus Vertania City.
An der Wand gegenüber dem Esstisch sah Maurice ein Plakat der Pokémon-Liga. Man musste acht Orden in verschiedenen Arenen gewinnen, um daran teilnehmen zu können, was Maurice sich fest vorgenommen hatte. Zum Glück gab es in Marmoria eine Arena, in der allerdings Steinpokémon eingesetzt wurden, sodass es für den jungen Trainer schwer werden würde, sich hier den ersten Orden zu verdienen. Maurice hatte schon lange überlegt, ob er es wagen sollte, es trotzdem zu versuchen und ließ sich schließlich von Lisa überzeugen, die meinte:
„Wenn du schon hier bist, kannst du es ruhig versuchen, du hast nichts zu verlieren.“ Wo sie Recht hatte, hatte sie Recht und Maurice überlegte sich eine Taktik für den Kampf.
Nachdem sie aufgegessen und ihre Pokémon bei Schwester Joy abgeholt hatten, gingen sie zuerst in den Pokémon-Supermarkt, um sich neue Pokébälle und andere Items zu kaufen und anschließend in ein Museum, das im Norden der Stadt lag und Fossilien von ausgestorbenen Pokémon ausstellte. Maurice hatte sich schon immer für so etwas interessiert, sodass einer seiner Träume war, mal ein lebendes Exemplar zu sehen, er wusste jedoch, dass das wohl ein Traum bleiben würde.
Als es langsam Nachmittag wurde, gingen Lisa, Maurice und Glumanda zur Arena, welche aus einem einzigen riesigen Stein zu bestehen schien. Ein wenig unsicher öffnete Maurice die Tür und sie gingen hindurch. Es war stockdunkel, sodass niemand etwas sehen konnte, bis plötzlich helles Licht aus großen Flutlichtern von der Decke kam. „Wer ist da?“, fragte ein junger Mann, der den Raum betrat. Er hatte abstehende schwarze Haare und seine Augen schienen geschlossen zu sein, doch er schaute den jungen Trainer scharf an.
„Ich bin Maurice Taylor aus Alabastia und fordere den Arenaleiter zu einem Kampf heraus.“ „So soll es sein“, antwortete sein Gegenüber. „Ich bin Rocko, der Arenaleiter von Marmoria City und ich muss jede Herausforderung annehmen.“ Rocko betätigte einen Knopf und ein Kampffeld, das aus vielen Felsen bestand, kam von beiden Seiten und fügte sich in der Mitte des Raumes zusammen. „Wir kämpfen zwei gegen zwei. Du darfst dein Pokémon bei Bedarf austauschen. Wenn beide Pokémon eines Trainers kampfunfähig geworden sind, hat der andere gewonnen.“
Maurice nahm seinen Platz auf der einen Seite ein, während Rocko auf die gegenüberliegende Seite ging. Lisa setzte sich auf einen Platz auf der Tribüne. „Los, Kleinstein!“, rief der Arenaleiter und warf einen Pokéball auf das Feld, aus dem tatsächlich ein kleiner Stein hervorkam. Jedenfalls sah es so aus, bis sich der Stein bewegte. Neugierig benutzte Maurice den Pokédex. „Kleinstein, ein Gesteinspokémon. Wanderer stolpern in den Bergen häufig über dieses Pokémon, da es wie ein Stein aussieht.“ So etwas in der Art hatte Maurice erwartet.
„Du bist dran, Taubsi!“ Das Flugpokémon kam aus seinem Pokéball und flatterte auf einen der Felsen. Rocko fing an zu grinsen. „Das war ein Fehler. Weißt du nicht, dass du mich so nie besiegen wirst? Kleinstein, mach es fertig, Tackle!“ Kleinstein sprang auf seinen Gegner zu, doch Taubsi flog rechtzeitig davon und wurde nicht getroffen. „Sehr gut, weiter so, setz nun den Sandwirbel ein!“, sagte Maurice, worauf Taubsi mit den Flügeln schlug und Sand von Boden in die Augen von Kleinstein wehte, wodurch dieses sich diese rieb und kurz abgelenkt war.
„Windstoß, jetzt!“ Anstatt zum Boden gingen die Flügelschläge nun in die Richtung des Gesteinspokémon und der Wind schleuderte es gegen einen Felsen. „Kinderkram“, entgegnete Rocko. „Greif Taubsi weiter an, Kleinstein!“ „Weich ihm immer aus, Taubsi“, rief Maurice. Das Bild der nächsten Minuten war folgendermaßen: Das Gesteinspokémon versuchte verzweifelt, seinen Gegner zu erwischen, welcher jedoch immer wieder davonflog, wodurch bei Kleinstein langsam aber sicher die Kräfte nachließen. Schließlich sank es erschöpft zu Boden. „Setz jetzt deinen Ruckzuckhieb ein, Taubsi!“
Das Flugpokémon tat wie geheißen und zischte auf Kleinstein zu, traf es voll und ließ sich auf einem Felsbrocken nieder, sein Kontrahent wurde bewusstlos. „Juhu!“, freute sich Maurice und Lisa rief: „Gut gemacht, weiter so!“
Rocko blickte ziemlich erstaunt. „Jetzt habe ich den Fehler gemacht und die Situation nicht richtig eingeschätzt, mein Kompliment. Aber hiermit wirst du nicht fertig, los, Onix!“ Aus dem zweiten Pokéball des Arenaleiters erschien eine riesige Felsschlange, die gefühlt 10 Meter lang war und sich nun zu ihrer ganzen Größe aufrichtete.
Maurice zog wieder den Pokédex zu Rate: „Onix, ein Gesteinspokémon. Die Steinglieder dieses Pokémon werden mit der Zeit hart wie Diamanten und färben sich schwarz.“ Maurice blickte zu Taubsi, welches erschöpft vom Herumfliegen nach Luft schnappte. Sollte er es weiter kämpfen lassen? Er entschied sich, es zu fragen. „Willst du weitermachen, Taubsi?“ Es blickte entschlossen zurück und nickte mit dem Kopf.
„Also gut, los geht’s!“ „Onix, Tackle-Attacke!“ Das Flugpokémon konnte dem Angriff gerade noch ausweichen, doch der nächste Angriff traf und es wurde gegen einen Felsen geschleudert, woraufhin es K.O. ging. „Nein, Taubsi, gib nicht auf!“, rief Maurice, doch es nützte nichts, er musste sein Pokémon zurückrufen.
„Du hast klasse gekämpft, vielen Dank.“ Er schaute zu Glumanda hinunter, das die ganze Zeit neben ihm gestanden hatte. „Dann hängt es jetzt von dir ab, Glumanda. Ich will vollen Einsatz sehen, egal, was dabei am Ende herauskommt.“ Die Feuerechse sah entschlossen hoch, als ob es sagen wollte: „Du kannst dich auf mich verlassen“, was vielleicht auch der Fall war.
„Dann wähle ich dich, Glumanda!“ „Onix, Klammergriff!“, sagte Rocko, sobald Maurice dies gesagt hatte. „Versuch’s mit der Kratzerattacke!“, entgegnete sein Gegenüber, sodass Glumanda dem Klammergriff geschickt auswich und mit seinen Krallen angriff, was jedoch nicht viel brachte, denn es blieben nicht die geringsten Spuren davon zurück. „Setz noch einmal den Klammergriff ein!“
Diesmal gelang es Onix, seinen Körper um das Feuerpokémon zu schlingen und zog sich immer mehr zusammen. Auf Glumandas Gesicht konnte deutlich sehen, welche Schmerzen es erlitt. Verzweifelt überlegte Maurice, wie er aus dieser verzwickten Lage herauskommen sollte. Dann kam ihm ein Einfall. „Glumanda, benutze deine Glut und ziele zwischen Onix’ Steinglieder!“
Langsam öffnete das Pokémon sein Maul und spuckte einige Feuerkügelchen heraus, welche sich sofort in den Zwischenräumen festsetzten, was Onix bei jeder Bewegung spürte und sich schüttelte, um die Glutkörnchen loszuwerden, was aber zur Folge hatte, dass diese sich noch tiefer hineindrückten. Die riesige Felsschlange schrie auf und ließ ihren Gefangenen aus dem festen Griff entweichen.
Plötzlich loderte Glumandas Flamme an der Schwanzspitze auf und wuchs zu fünffacher Größe an. „Das ist Raserei, Maurice, damit kann Glumanda viel stärkere Attacken einsetzen, wenn es in Gefahr ist!“, erläuterte Lisa von der Tribüne aus das Spektakel. Nun witterte Maurice seine Chance. „Los, setz die Raserei ein!“ Glumanda sprang hoch und verpasst seinem Gegner einen gewaltigen Kinnhaken, worauf Onix nach hinten kippte.
Anschließend öffnete die kleine Echse ihr Maul und ein gigantischer Feuerstrahl kam heraus. „Wow, das muss ein Flammenwurf gewesen sein“, meinte Lisa. Für Onix war das zuviel, es fiel zu Boden und blieb geschlagen liegen.
Rocko fehlten für ein paar Sekunden die Worte, doch dann sagte er: „Meinen Glückwunsch, du hast es tatsächlich geschafft, mich zu besiegen. Deine Taktik und auch ein wenig Glück waren mir überlegen.“ „Wir haben es geschafft, Glumanda!“, rief Maurice und schloss sein Pokémon in die Arme, wobei er sich fast an der noch immer riesigen Flamme verbrannte.
Kurz darauf erschien Lisa an seiner Seite. „Ich freue mich so für dich, wirklich eine klasse Leistung für deinen ersten Arenakampf!“ Daraufhin umarmte sie ihn, worauf er überhaupt nicht gefasst war und ein wenig rot anlief. „Danke, das war aber vor allem der Verdienst meiner Pokémon.“
Ein paar Minuten später standen sie an der Eingangstür und verabschiedeten sich von Rocko, welcher sagte: „Du hast mir imponiert. Vor dir habe ich auch schon gegen zwei andere Trainer aus Alabastia gekämpft, aber dein Auftritt hat mich nachhaltig beeindruckt. Wenn ich nicht den Verpflichtungen eines Arenaleiters nachkommen müsste, hätte ich große Lust, dich zu begleiten. Aber nimm als Beweis deines Sieges das hier, den Felsorden.“
Er überreichte Maurice einen kleinen metallenen Gegenstand, der wie ein Stein aussah. Freudig nahm Maurice ihn entgegen, streckte ihn in die Höhe und rief: „Juhu, ich habe einen Felsorden gewonnen!“ „Glumanda!“ Auch sein kleiner Begleiter freute sich sichtlich über den Erfolg. „Auf Wiedersehen!“, riefen Maurice und Lisa und machten sich Rocko zuwinkend auf den Weg.
„Wohin sollen wir jetzt gehen?“, fragte Lisa und sah ihren Mitstreiter an. In diesem Moment piepte es plötzlich aus dessen Rucksack. Maurice öffnete ihn und bemerkte, dass an seiner Team-Villain-Kleidung ein Sender angebracht war, den er leicht ablösen konnte und drückte darauf. Der Sender piepte und ein Bildschirm erschien, auf dem Jeanette zu sehen war. „Seid gegrüßt.
Ich hätte einen ersten Auftrag für euch. Es gibt Gerüchte, dass das Team Rocket auf dem Mondberg hinter seltenen Pokémon her ist. Wenn das der Fall sein sollte, müssen wir sie unbedingt aufhalten. Kann ich mich auf euch verlassen?“ „Das passt gut, wir sind gerade in der Nähe des Mondbergs“, antwortete Lisa. „Das werden wir nachprüfen.“ „Gut. Ich erwarte anschließend einen ausführlichen Bericht, um was es sich dort handelt. Auf Wiedersehen.“
Das Bild verschwand und der Sender verwandelte sich in seine Normalform zurück. „Dann lass uns heute Nacht noch im Pokémon-Center übernachten, dann machen wir uns morgen früh ausgeruht auf den Weg“, meinte Maurice, denn die Dämmerung brach schon herein. „Hier in diesem Heft steht außerdem, dass in Azuria City eine Pokémon-Arena ist und Azuria liegt direkt hinter dem Mondberg.“
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Pokémon-Center, wo Maurice noch einmal mit seinem Großvater und Prof. Eich telefonierte. Beide waren sehr stolz darauf, dass er seinen ersten Orden gewonnen hatte. Von seiner Mitgliedschaft im Team Villain verriet er aber erst einmal nichts, weil er nicht wusste, wie der Professor und sein Opa darauf reagieren würden. Anschließend aßen sie noch Abendessen und gingen recht früh ins Bett, um am nächsten Morgen zeitig losgehen zu können.
Kapitel 5 - Ärger im Mondberg
Ein paar Tage später erreichten Maurice und Lisa den Mondberg, welcher sich majestätisch vor ihnen auftürmte. Hier irgendwo sollte das Team Rocket sein Unwesen treiben. Lisa zog eine Karte aus ihrem Rucksack, auf der ganz Kanto abgebildet war, und sah sich den Mondberg genauer an. „Ich würde vorschlagen, dass wir zuerst Richtung Norden gehen und von dort aus eindringen, denn der Eingang auf dieser Seite hier wird bestimmt überwacht.“
Also bogen sie nach links ab und verließen den Weg, sodass der Marsch beschwerlicher wurde. Wegen vieler Hindernisse mussten Maurice und Lisa oft von ihrer eigentlichen Route abweichen, weshalb sie sich immer mehr vom Mondberg entfernten. Maurice zweifelte daran, ob diese Idee wirklich gut durchdacht war. Er schaute zu Glumanda, das sich neben ihm hermühte und streichelte dessen Kopf. Doch dann eröffnete sich vor ihnen eine weite Ebene, an dessen anderem Ende eine hohe Bergkette zu erkennen war, die Maurice nicht kannte. Allerdings konnten sie nun wieder Richtung Mondberg laufen, weil der Weg nun frei war.
Gegen Mittag kamen sie wieder am Fuß des Berges an, der einen großen Schatten auf sie warf, woran Maurice und Lisa erkannten, dass sie an der Nordseite waren. Plötzlich schrak Lisa zusammen, als direkt neben ihr etwas knurrte, doch es war nur der Magen von Maurice. „Was hast du?“, fragte dieser, „ich hab halt Hunger. Können wir nicht erst eine Pause machen und etwas essen?“ Dagegen hatte Lisa nichts einzuwenden.
Nachdem sie sich an Lisas selbstgekochtem Eintopf gestärkt und ihre Team-Villain-Kleidung angezogen hatten, fingen sie an, nach einer Öffnung ins Innere des Mondbergs zu suchen. Kurze Zeit später fand Maurice einen runden Höhleneingang, der zweifellos tief unter die Erde führen würde. Er rief Lisa herbei und gemeinsam machten sie sich auf den Weg. Dank Glumandas Flamme an seiner Schwanzspitze war die Dunkelheit kein Problem, aber dennoch gingen sie sehr vorsichtig und leise, um nicht entdeckt zu werden.
Schließlich kamen sie in einen größeren Raum, an dessen Decke viele fledermausartige Pokémon hingen, woraufhin Maurice sofort seinen Pokédex zu Rate nahm, was er besser gelassen hätte, denn die Stimme des elektronischen Lexikons schallte von den Wänden wider. „Zubat, ein Giftpokémon. Dieses Pokémon lebt in Kolonien an dunklen Orten. Es identifiziert und ortet Ziele mit Ultraschall.“ Dieser Krach hatte zur Folge, dass die Zubat plötzlich aus ihrem Schlaf erwachten und umherflatterten. „Was machen die bloß?“, fragte Maurice erstaunt.
„Hast du nicht gehört, was der Pokédex gesagt hat? Sie setzen Schallwellen ein, um herauszufinden, woher die Geräusche kamen!“ Maurice wurde mulmig zumute. „Lass uns lieber von hier verschwinden, bevor die Zubat uns entdecken.“ Doch es war schon zu spät, die Giftpokémon schossen geradewegs auf die Eindringlinge zu. „Glumanda, Glutattacke, jetzt!“ Die kleine Echse öffnete ihr Maul und viele kleine Glutkörnchen flogen in die Richtung der Zubat, was diese jedoch nur kurz zurückschrecken ließ. Doch Maurice erinnerte sich an den Arenakampf gegen Rocko und rief:
„Flammenwurf!“ Wieder holte Glumanda Luft und setzte zum Angriff an, doch nichts passierte. „Was ist mit Glumanda los?“ „Ich vermute, dass es noch nicht stark genug ist, um diese Attacke einsetzen zu können, ohne in Not zu sein“, meinte Lisa. „Komm jetzt, schnell!“ Sie nahmen die Beine in die Hand und liefen zum anderen Ende des Raumes, wo ein weiterer Tunnel war. Als sie dort angekommen waren, erstarb das Geflatter. Anscheinend reichte es den Zubat, Störenfriede nur aus ihrem Wahrnehmungsfeld zu vertreiben. Nun gingen Maurice und Lisa wieder durch die Stille des Mondbergs.
Doch dann hörten sie Stimmen, die von weiter vorne kamen. Leise schlichen sie sich näher, bis sie in einen zweiten Raum traten, der diesmal jedoch kleiner war als der vorige. Schnell versteckten sie sich hinter einem großen Felsen, denn hier waren die Leute, die sie gesucht hatten. Ganz in schwarz, mit einem großen roten „R“ auf der Brust, standen dort mehrere Team-Rocket-Mitglieder. Sie bauten einen Bildschirm auf, ganz ähnlich denen, wie Maurice und Lisa welche hatten. Momentan unterhielten sich die Rüpel noch, doch schon kurz darauf traten ein Mann und eine Frau durch einen anderen Eingang ein, die anscheinend einen höheren Rang belegen mussten, da die Rüpel sofort verstummten.
„Ist alles bereit?“, fragte der Mann, der kurze, weiß gefärbte Haare hatte. „Ja, wir sind soweit“, antwortete einer. „Dann lasst uns anfangen!“, befahl die Frau, dessen Frisur aus langen, schwarzen Haaren bestand. Ein Rüpel wählte an der Tastatur, die zu dem Bildschirm gehörte, eine Nummer, woraufhin es einige Male tutete und schließlich ein Bild erschien. Es war ein großer Mann zu sehen, der auf einem Stuhl in einem Zimmer saß, das wie ein Büro aussah. Die Gesichtszüge des Mannes waren nicht zu erkennen, weil er sich im Halbdunkel aufhielt. „Was gibt es?“, fragte dieser gebieterisch, während er ein katzenartiges Pokémon streichelte, das neben seinem Stuhl lag. „Giovanni, wir haben Sie kontaktiert, um Sie darüber zu informieren, dass wir die Piepi gefunden haben“, sagte die Frau.
„Sehr gut. Und wie steht es mit den Fossilien?“ Der weißhaarige Mann blickte nervös zu Giovanni und räusperte sich verlegen. „Bisher gibt es keine Spur von ihnen, aber wir suchen weiter mit Hochdruck!“ „Na gut, aber ich erwarte, dass ihr Erfolg habt. Ihr gehört zu den besten Team-Rocket-Agenten, die wir haben, und von diesen komischen Vögeln Jessie und James habe ich schon länger nichts mehr gehört, obwohl sie doch als Verstärkung dazukommen sollten.“ „Keine Sorge, auf uns können Sie sich verlassen.“
Daraufhin verschwand das Bild und die beiden wandten sich von ihm ab. Maurice drehte sich zu Lisa um. „War das eben der berüchtigte Boss vom Team Rocket?“ Lisa nickte. „Aber was meinen die mit den Piepi? Und über welche Fossilien wurde geredet?“ Darauf wusste Maurice auch keine Antwort. „Am besten, wir finden es heraus“, schlug er vor. Als er sich wieder nach vorn drehte, waren die Mitglieder des Team Rocket verschwunden. Leise schlichen Maurice und Lisa sich um den Felsen, der ihnen als Versteck gedient hatte, und untersuchten den Raum auf Hinweise, aber es gab nichts, was ihnen weitergeholfen hätte.
Also gingen sie in den Tunnel, aus dem die beiden Agenten eben gekommen waren. Diesmal kamen sie an eine Weggabelung und nach einer kurzen Beratung entschieden sie sich, zusammenzubleiben und zuerst den linken Weg zu nehmen.
Nachdem sie um eine Kurve gegangen waren, wussten sie, was es mit den Piepi auf sich hatte. Die Agenten standen um ein Netz, in dem gut fünfzig der kleinen Feenpokémon gefangen waren. Doch bei diesem Anblick hatten sie vergessen, sich zu verstecken, und plötzlich rief jemand: „Eindringlinge! Dort oben am Tunnelausgang!“ Maurice drehte sich schnell um, doch hinter ihnen erschienen schon mehrere Rüpel und drängten sie in den Raum mit den Piepi. „Wen haben wir denn da?“, fragte die Team-Rocket-Agentin. Darauf hatten Maurice und Lisa nur gewartet.
„Nun gibt’s Unannehmlichkeiten!“, rief Lisa.
„Und die werden wir bereiten!“, stimmte Maurice ein.
„Die Welt erobern ist unser Ziel!“
„Und dafür fehlt uns nicht mehr viel!“
„Sanftmut und Ordnung verdammen wir!“
„So gewinnt man an Einfluss - und zwar jetzt und hier!“
„Lisa!“
„Maurice!“
„Team Villain ist so mächtig wie nie!“
„Also wehrt euch nicht und geht auf die Knie!“
„Glu, Glumanda!“
„So, ihr seid also vom Team Villain? Die scheinen ja wirklich Probleme in der Rekrutierung neuer Mitglieder zu haben, wenn die schon zwei Kinder engagieren müssen“, spottete der Mann. „Dann werden wir uns mal vorstellen“, meinte die Frau, woraufhin sie damit begann, ebenfalls ein Motto aufzusagen, wobei der Mann sie unterstützte:
„Jetzt gibt’s Ärger!“
„Und es kommt noch härter!“
„Wir wollen von der Erde Besitz ergreifen!“
„Und allen unseren eigenen Staat überstreifen!“
„Liebe und Wahrheit gibt es nur zur Zier!“
„Nichts außer Macht, das wollen wir!“
„Kelly!“
„Und Ned!“
„Team Rocket zermalmt seine Gegner ohne Gnade!“
„Gebt lieber auf und bekämpft uns nicht, das wär sonst schade!“
Inzwischen hatten Maurice und Lisa die gesamte Aufmerksamkeit der Team-Rocket-Mitglieder erregt, sodass eine schnelle Flucht ausgeschlossen war. Deshalb beschloss Maurice, Zeit zu gewinnen, indem er zu Ned und Kelly sprach. „Ihr werdet damit nicht durchkommen! Die Piepi gehören hierhin und niemand hat das Recht, sie einfach einzusperren!“ Ned lachte kalt. „Du einfältiger kleiner Knirps. Deine Worte sind leeres Gerede, wir werden mit den Pokémon eine Menge Geld verdienen und kommen so auch leichter an den wertvollen Mondstein heran, der von den Piepi beschützt wird.
Da ich wohl richtig liege, wenn ich sage, dass ihr auch den zweiten Teil unseres Plans wisst, kann ich euch auch sagen, dass wir die Fossilien bisher leider nicht gefunden haben und daher hier noch lange nicht fertig sind. Nun steht ihr uns im Weg, aber das dürfte eine Sache von zwei Minuten sein. Schnappt sie euch!“ „Na gut. Bist du bereit, Glumanda?“ „Ich wähle dich, Nidoran!“, stand ihm Lisa zur Seite, während zig Rüpel auf sie zuliefen und zwei von ihnen jeweils ein Rattfratz einsetzten.
Kampfbereit standen Maurice und Lisa ihnen gegenüber. Doch zuerst benutzte Maurice seinen Pokédex für Rattfratz. „Rattfratz, ein Normalpokémon. Ein kleines, sehr wendiges und bissiges Pokémon, welches in vielen Gegenden heimisch ist.“ „Tackle, Rattfratz!“ „Weicht aus!“, rief Maurice und die beiden Pokémon taten wie geheißen. „Jetzt Giftstachel, Nidoran!“, befahl Lisa und die Attacke traf ein Rattfratz, sodass es auf den Boden geschleudert wurde. „Setz deine Glutattacke ein, Glumanda!“ Dem Angriff wich das andere geschickt aus. „Der Sieg ist unser!“, schrien die Rüpel und wiesen ihre Pokémon an, den Ruckzuckhieb einzusetzen, was mit einer solchen Geschwindigkeit passierte, dass Nidoran (w) nicht ausweichen konnte und davon bewusstlos wurde, als es von beiden getroffen wurde.
Es sah nicht gut aus, denn diese Rattfratz schienen noch sehr viel abzukönnen und waren auch noch schneller als Glumanda. Da kam Maurice ein Gedanke. Über ihnen hingen wieder Zubat von der Decke, wobei es ein Rätsel war, wie sie bei dem Lärm, der hier veranstaltet wurde, noch nicht aufgewacht waren. „Glumanda, Heuler, los!“ Das Feuerpokémon begann, einen lauten Schrei zu verbreiten, der von den Wänden noch verstärkt wurde und dazu führte, dass sich alle die Ohren zuhalten mussten. Plötzlich regten sich die Zubat und griffen wütend alles an, was sich in Reichweite befand. Diese Zeit des Durcheinanders nutzten Maurice und Lisa, um zu fliehen. „Halt!“, rief Kelly und rannte hinter ihnen her. „Setz noch einmal deinen Ruckzuckhieb ein, Rattfratz!“
Der kleine Nager setzte zum Spurt an, wurde jedoch von einem wilden Zubat aus der Bahn geworfen und sprang geradewegs gegen einen Pfahl, der die Decke der Höhle stützte, woraufhin dieser umkippte und mit ihm die anderen Pfähle auch, die die Last nicht alleine tragen konnten. Es gab einen ohrenbetäubenden Krach und der Raum stürzte ein. „Schnell raus hier!“, meinte Ned und die Team-Rocket-Mitglieder flüchteten in einen Tunnel auf der gegenüberliegenden Seite. Maurice und Lisa schafften es noch, sich in die Sicherheit des Gangs zu retten, aus dem sie gekommen waren, dann polterten direkt hinter ihnen die Steine zu Boden.
Nach kurzer Zeit hatte sich die Situation wieder beruhigt und die beiden wagten sich in die Höhle zurück. Der Anblick war atemberaubend. Diese Stelle hier musste sich genau unter er Oberfläche befinden, denn statt einer Decke konnte man nun den Himmel erkennen und die Sonne schien in die Höhle hinein. Außerdem war nur eine Seite eingestürzt, die andere Seite hatte dem Druck standhalten können. Dort befand sich auch das Netz mit den Piepi, welches Glumanda mit einer Kratzerattacke durchtrennen konnte. Die Piepi waren überglücklich und hüpften singend davon. Maurice nutzte die Gelegenheit und rief den Pokédex zu Rate. „Piepi, ein Normalpokémon. Dieses seltene Pokémon hat durch sein niedliches und zauberhaftes Erscheinungsbild viele Bewunderer.“
Von Team Rocket fehlte jede Spur. Was aus den Fossilien geworden war, wussten sie nicht, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie nun zerstört waren, war groß. Maurice fand es sehr schade, dass sie diese Relikte aus vergangenen Zeiten nicht mitnehmen konnten und auch den berühmten Mondstein nicht gesehen hatten.
Plötzlich erschienen wieder ein paar Piepi, die aufgeregt hin und her hüpften. Neugierig folgten Maurice und Lisa ihnen, bis sie schließlich in einen weiteren Raum gelangten, in dem ein riesiger Felsen lag. „Das muss der Mondstein sein“, staunte Lisa. Sie und Maurice blieben noch eine Weile dort, bis sie sich von den Piepi verabschiedeten und auf den Weg nach draußen machten. Die zwei kamen auf der Ostseite des Mondbergs an die Oberfläche und suchten sich eine Stelle zum Übernachten, denn es wurde schon dunkel.
Lisa rief noch bei Jeanette an, um ihr von den Ereignissen zu berichten. Sie schien höchst zufrieden zu sein und lobte die beiden für ihren Mut. Bei weiteren Aufgaben würden sie erneut kontaktiert werden. Schließlich schliefen alle nach kurzer Zeit erschöpft und müde ein.
Kapitel 6 - Pokémon-Poolparty
Zwei Tage vergingen, dann erreichten Maurice und Lisa endlich Azuria City. Maurice konnte es kaum erwarten, in der Arena um den Quellorden zu kämpfen, doch am Stadteingang begegnete er jemandem, den er nicht erwartet hatte. Am Straßenrand lag ein Café, das einige Tische und Stühle vor seiner Tür stehen hatte, da es ein sonniger Tag zu werden schien. An einem der Tische saß Leo, Maurice’ Rivale, und aß ein Eis. Er schaute auf und erblickte seinen Kontrahenten und dessen Begleitung. „Sieh an, wen haben wir denn da?“, fragte er spöttisch und find an, zu grinsen. „Ich dachte schon, dass du deine Reise aufgegeben hast. Man hat in letzter Zeit sehr wenig von dir gehört.“ Lisa runzelte die Stirn.
„Wer ist das?“ „Das ist Leo Smith, er hat zusammen mit mir und einem weiteren Jungen aus Alabastia sein erstes Pokémon erhalten.“ „Das stimmt nicht ganz“, verbesserte Leo Maurice. „Komisch, dass du es noch nicht weißt, aber Ash hat auch noch ein Pokémon bekommen, als wir bereits auf unserem Weg waren.“
„Und welches war es? Wir drei haben doch alle Starter unter uns aufgeteilt“, wunderte sich Maurice. „Danach habe ich nicht gefragt. Aber das ist auch egal, stärker als mein Bisasam kann es nicht sein, schließlich habe ich mit seiner Hilfe schon zwei Orden gewonnen.“ „Soll das heißen, dass du…“, begann Maurice, doch Leo unterbrach ihn. „Ja, ich habe auch den Quellorden in meiner Sammlung, im Gegensatz zu dir. Der Kampf war gestern. Wie ich sehe, scheinst du keine Kontrolle über dein Pokémon zu haben, sonst würde es nicht einfach neben dir herlaufen.“ „Das ist nicht wahr!“, knurrte Maurice. „Naja, ich würde mir liebend gern deine Niederlage ansehen, aber ich muss leider weiter. Wir sehen uns noch, verlass dich drauf!“
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, stand Leo auf und verschwand Richtung Süden. Lisa versuchte, den immer noch vor Wut schäumenden Maurice zu beruhigen, indem sie seine Gedanken auf den Kampf in der Arena brachte. „Mit welcher Strategie wirst du versuchen, zu gewinnen?“, fragte sie. „Lass uns erstmal ins Pokémon-Center gehen, dann können wir uns gleichzeitig stärken“, schlug Maurice vor.
Dort angekommen ließen die beiden Trainer ihre Pokémon routinemäßig bei Schwester Joy untersuchen und dachten über den bevorstehenden Kampf nach. „Die Arenaleiter von Azuria City besitzen Wasserpokémon, da wäre es schlecht, dein Glumanda einzusetzen“, meinte Lisa. „Damit hast du Recht, aber was ist, wenn der Kampf mit mehr als einem Pokémon pro Trainer absolviert werden soll?“ „Tja, selber schuld, wenn du dir keine anderen Typen gefangen hast.“ „Wenn sich die Gelegenheit ergeben hätte, hätte ich das auch getan. Aber warum hast du eben von mehreren Arenaleitern gesprochen? Es gibt doch in jeder Arena immer nur einen, oder?“ Lisa schüttelte den Kopf.
„In Azuria sind sie zu dritt. Sie werden ‚die bezaubernden Schwestern’ genannt, weil sie angeblich wunderschöne Frauen sein sollen.“ Lisas blick wurde glasig. „Wäre ich doch auch so schön wie die drei.“ „Naja, nicht jeder kann so hübsch sein, oder?“
Maurice merkte, dass er wohl etwas Falsches gesagt haben musste, da Lisa sich vor ihm auftürmte, sodass er in sich zusammenschrumpfte. „Was willst du damit sagen?!“ „Nichts, nichts, ehrlich! Ich habe es nicht so gemeint!“ „Für einen Zehnjährigen bist du ganz schön dreist! Gut für dich, dass ich eine friedliebende Natur bin.“ Maurice empfand es als klug, das Thema zu wechseln. „Wenn der Kampf wirklich ein zwei gegen zwei sein sollte, muss ich es halt mit Glumanda versuchen, etwas anderes bleibt mir kaum übrig.“ „Ja, das stimmt.“ In dem Moment kam Schwester Joy an ihren Tisch und übergab den Trainern ihre Pokébälle sowie Glumanda, das zufrieden neben ihr hergelaufen war.
Schließlich standen sie vor dem Eingansportal der Arena. Man konnte ein riesiges Plakat mit einem robbenartigen Pokémon darauf sehen. „Was ist das?“, fragte Maurice und zog natürlich seinen Pokédex zu Rate. „Jugong, ein Wasserpokémon. Der Körper dieses Pokémon speichert Wärme. Selbst in eiskaltem Wasser schwimmt es acht Knoten schnell.“ „Die Pokémon-Arena fungiert zusätzlich als Unterwasserzirkus und die Arenaleiter sind auch dort die Showmaster“, erklärte Lisa. An diesem Tag schien eine Vorführung geplant zu sein, denn das gesamte Gebäude war mit blinkenden Lichtern ausgeschmückt.
Die Tür nach innen stand offen, sodass Maurice und Lisa hineingingen. Sie sahen riesige Aquarien mit Pokémon, die darin schwammen und die Maurice nicht kannte. Ein Schild mit dem Aufdruck „Arenabecken“ wies ihnen die richtige Richtung. Auf dem Weg kamen sie an einem Pool vorbei, in dem Ringe und Plattformen schwammen. Am Rand standen drei hübsche Mädchen, eigentlich schon Frauen, und unterhielten sich. „Das müssen sie sein! Los, geh hin!“, forderte Lisa und die beiden bogen von ihrem ursprünglichen Weg ab. Alle drei Arenaleiter hatten verschiedene Haarfarben. Die Blonde blickte in die Richtung, aus der Maurice und Lisa kamen, und sagte etwas zu den anderen. Diese drehten sich um und sahen ebenfalls ihre Gäste an.
„Was wollt ihr von uns?“, fragte die Rothaarige. „Ich bin Maurice Taylor aus Alabastia und möchte mit einer von euch um den Quellorden kämpfen.“ „Dann bist du genau richtig, denn wir sind die bezaubernden Schwestern. Ich bin Lilly, das ist Daisy und das ist Violett.“ Lilly, die Rothaarige, deutete zuletzt auf das Mädchen mit den blauen Haaren, das noch nichts gesagt hatte, aber jetzt ihre Stimme erhob. „Wir nehmen deine Herausforderung natürlich an, aber da wir gestern und vorgestern erst gegen zwei andere Trainer aus Alabastia gekämpft und verloren haben, ist nur noch ein Pokémon übrig, das wir im Kampf einsetzen. Wenn es dir also nichts ausmacht, kämpfst du gegen mich und mein Starmie.“ „Alles klar“, antwortete Maurice.
Die Schwestern führten sie einen Raum, in dem ein einziges, riesiges Becken eingelassen war, auf dessen Wasseroberfläche mehrere Plattformen schwammen. Maurice und Violett nahmen ihre Positionen an den Enden des Pools ein, während sich Lisa mit Glumanda und Lilly auf eine Zuschauerbank setzten und Daisy als Schiedsrichterin fungierte. Kurz darauf begann der Kampf bereits.
„Los, Starmie!“, rief Violett und ihr Pokémon tauchte aus dem Wasser auf. „Was ist das?“, fragte Maurice und setzte den Pokédex ein. „Starmie, ein Wasserpokémon. Der Kern dieses Pokémon leuchtet in den Farben des Regenbogens. Sein Kern gilt als Edelstein.“ „Du bist dran, Taubsi!“, sagte Maurice und warf dessen Pokéball, woraufhin es herauskam und sich auf die Schulter seines Trainers setzte. „Okay, der Kampf zwischen der Arenaleiterin Violett und dem Herausforderer Maurice um den Quellorden kann beginnen!“, rief Daisy und hob die Hand als Zeichen zum Beginn.
„Also, Starmie, setz deine Tackle-Attacke ein!“ Das sternförmige Pokémon sprang aus dem Wasser und drehte sich, als es auf Taubsi zuschoss. „Weich aus und benutze den Windstoß!“, war Maurice’ Antwort. Sein Kampfpartner tat wie geheißen und in Folge des Windstoßes knallte Starmie auf eine Plattform, die sich im Wasser befand. Aber es stand sofort wieder auf und schien nicht sonderlich beeindruckt, ebenso wie seine Trainerin. „Probier es mit einem Ruckzuckhieb, Taubsi!“, befahl Maurice. „Schnell ins Wasser, Starmie!“ Taubsi verfehlte sein Ziel um Zentimeter, als es über die Plattform zischte. Wasser spritze auf und Starmie war verschwunden! Suchend flog Taubsi über die Wasseroberfläche, doch Maurice war dabei nicht wohl.
„Versteck dich lieber auf einer Plattform!“ Das Flugpokémon war gerade dort angekommen, als das Starmie wieder erschien. „Sternschauer, jetzt!“, schrie Violett. „Setz noch mal deinen Ruckzuckhieb ein, Taubsi!“ Letzteres schlug einmal mit seinen Flügeln und nahm damit Geschwindigkeit auf, sodass es dem Sternschauer geschickt ausweichen konnte und Starmie direkt am Edelstein traf. Das Wasserpokémon fiel um und blieb reglos liegen. „Das war’s!“, rief Maurice, doch Violett schüttelte den Kopf. „Starmie, Genesung!“ „Gene- was?“ „Genesung“, erklärte Lisa. „Mit dieser Attacke kann das jeweilige Pokémon seine Energie zum Teil wieder aufladen. „In Ordnung, dann müssen wir uns eben noch mehr anstrengen. Bist du bereit, Taubsi?“ Die Antwort war ein kräftiges Flügelschlagen.
„Dann versuch es mit Windstoß!“ Doch Starmie ließ sich dieses Mal nicht so leicht überraschen. „Tackle-Attacke, los!“ Trotz des erheblichen Gegenwinds schaffte Starmie es, Taubsi mit seinen Zacken zu verletzen, weshalb Taubsi ins Wasser stürzte. „Nein!“, schrie Maurice, denn nun war sein Pokémon in allen Belangen unterlegen. „Aquaknarre!“, ordnete Violett an und weil Taubsi nicht ausweichen konnte, wurde es voll getroffen. Allerdings kam es so in die Nähe einer Plattform, sodass Maurice ihm bedeutete, sich darauf zu retten, doch der Rand war zu hoch. „Starmie, noch mal Aquaknarre!“ Starmie zielte nicht genau und traf Taubsi nicht, sondern nur das Wasser dahinter. Dies löste eine Welle aus, welche das Flugpokémon auf die Plattform hievte. „Dankeschön, Violett“, grinste Maurice und wandte sich an Taubsi.
„Flieg hoch in die Luft, dann kannst du nicht mehr so gut von Aquaknarren getroffen werden.“ Mit jedem Flügelschlag trocknete Taubsi, sodass es, als es an der Decke angekommen war, keinerlei Feuchtigkeit mehr aufwies. Tatsächlich war die Entfernung nun zu groß, als dass die Wasserattacken von Starmie eine Gefahr darstellten, weil Taubsi genug Zeit hatte, den Angriffen auszuweichen. „Du musst auch dorthin!“, rief Violett und ihr Pokémon sprang elegant nach oben. Genau darauf hatte Maurice gewartet. „Windstoß, jetzt!“ Da Starmie sich in der Luft befand, konnte es schlecht ausweichen und wurden voll getroffen. Die Folge war, dass es wieder gen Wasser stürzte.
„Flieg ihm hinterher und dann Ruckzuckhieb, Taubsi!“ Das kleine Vogelpokémon setzte zum Sturzflug an und gewann mit jedem Meter an Geschwindigkeit. „Wehr es mit Sternschauer ab!“, verzweifelte Violett am Beckenrand, doch im freien Fall waren Starmies Aktionen zu unkoordiniert.
Es krachte, als Taubsi seinen Kontrahenten erreichte und mit ihm zusammenstieß. Scheppernd knallte das Wasserpokémon auf eine Plattform und sein Edelstein leuchtete, während ein sirenenartiger Ton ihm ausging. Erneut hob Daisy die Hand. „Starmie ist kampfunfähig. Taubsi hat gewonnen. Damit ist Maurice Taylor der Sieger dieses Arenakampfes.“
Maurice konnte es am Anfang gar nicht fassen. Er hatte es geschafft, in seinem zweiten Kampf in einer Arena zum zweiten Mal zu gewinnen, obwohl er noch kaum Erfahrung besaß. Taubsi landete sanft auf seiner Schulter und gurrte zufrieden, als sein Trainer es zur Belohnung streichelte. „Klasse, wirklich klasse!“, sagte Lisa, die zu ihnen geeilt war, um Maurice zu gratulieren. Auch Glumanda freute sich riesig und strahle über das ganze Gesicht. Schließlich traten die drei Schwestern vor sie. „Mein Kompliment“, meinte Violett, „dein Kampfstil ist sehr gut. Als Zeichen deines Sieges darf ich dir nun das hier überreichen.“ Aus dem Wasser tauchte ein Jurob auf, welches etwas Glänzendes im Maul hatte.
Maurice war so voller Vorfreude, dass er sogar seine Angewohnheit vergaß, seinen Pokédex einzusetzen. Violett nahm den Orden von der Zunge des Jurob und sie übergab ihn dem siegreichen Trainer, welcher diesen in die Hand nahm und weit von sich streckte. „Juhu, ich habe den Quellorden gewonnen!“ „Glumanda!“ „Tau-taubsi!“
Anschließend verabschiedeten sich Maurice und Lisa von den bezaubernden Schwestern und beratschlagten, wohin es nun gehen sollte. „Aus dem Hauptquartier haben wir keine Meldungen erhalten, dass wir irgendwo benötigt werden“, meinte Lisa. „Dann würde ich gerne zur nächstgelegenen Arena gehen, wenn es dir nichts ausmacht“, antwortete Maurice. „Wer hätte das gedacht?“, witzelte Lisa und beide lachten. Dann nahm das Mädchen ihre Karte zur Hand. „Mal sehen… Orania City liegt nicht sehr weit von hier, dort lebt Major Bob, der ein berühmter Arenaleiter ist.“ „Dann nichts wie los!“
Maurice ging mit großen Schritten voran, doch Lisa blieb einfach stehen. „Was ist?“, wunderte sich ihr Teampartner. „Bis nach Orania sind es einige Tagesmärsche, von daher würde ich vorschlagen, dass wir heute noch hier bleiben und im Pokémon-Center übernachten, sodass wir wenigstens einmal nicht unter freiem Himmel schlafen müssen.“
Widerwillig gab der Junge seine Zustimmung und die beiden brachten ihre Sachen ins Pokémon-Center, von wo Maurice Prof. Eich anrief. Nach einigen Sekunden war der Professor auf dem Bildschirm des Videofons zu sehen und begrüßte seinen Gesprächspartner. „Ah, hallo Maurice, ich freue mich, dich zu sehen. Wo treibst du dich denn inzwischen herum?“ „Ich bin in Azuria City und habe eben meinen zweiten Orden gewonnen.“ „Das ist ja fantastisch! Aber sag mal, wie läuft es denn mit dem Pokémonfangen? Bis jetzt habe ich keinerlei weitere Daten von dir bekommen. Du hast doch schon mehr Pokémon als Glumanda und Taubsi, oder?“ Maurice fühlte, wie er rot anlief.
„Ähm, na ja… ich hatte bisher nicht so wirklich die Gelegenheit dazu…“ Prof. Eich schaute ihn ernst an. „Maurice, es ist wichtig, dass du deine Sammlung vergrößerst, weil du damit unberechenbarer wirst. Wenn wir das nächste Mal telefonieren, möchte ich, dass du dir mehr Mühe gegeben hast. Ach, eins noch: Da du gerade in der Nähe bist, könntest du nicht meinem alten Freund Bill einen Besuch abstatten? Er ist immer so schwer zu erreichen, wenn er etwas erforscht, weshalb ich dich bitte, ihm zu sagen, dass er mich anrufen soll. Außerdem kann er dir bestimmt nützliche Tipps zum Fangen von Pokémon geben. Auf Wiedersehen.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, legte der Professor auf. Maurice ärgerte sich, dass er zu Recht wegen seiner geringen Fangquote kritisiert worden war. Kurz bevor er einschlief, nahm er sich vor, die nächste sich bietende Chance zu nutzen und einen neuen Freund hinzuzugewinnen.
Fortsetzung folgt…