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Die Schuld der schwarzen Schafe

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Geschrieben von: Der Barde
Kapitel 1 - ( Teil 1 )

Es war schon spät, als Salvador sich aus seinem Bett nach unten in die Küche quälte.
Er bemerkte erst nicht, dass niemand dort war und rief wie immer: „Guten Morgen, Mum und Dad!“ Niemand antwortete und plötzlich war Salvador hell wach.
Während er überlegte, welcher Tag wohl heute war, klingelte das Telefon.
Er nahm den Hörer in die Hand, hielt ihn sich ans Ohr und ehe ihm sein Name über die Lippen huschen konnte, vernahm er eine vertraute Stimme - Ach was, sie schrie ihn förmlich an, oder besser, er schrie ihn förmlich an - es war Professor Lind.
„Hi, Salvador“, hetzte er, „ist dein Vater zu Hause?“ „äh, nein Professor“, sagte Salvador. „Kannst du ihm bitte ausrichten, dass er so schnell wie möglich in mein Labor kommen soll, wenn er wieder zu Hause ist?“, fuhr Professor Lind fort, „und schreib es dir am besten auf!“
„Klar, Professor, bis dann“, sprach Salvador und legte auf.

Der silber-graue Kugelschreiber, der sonst neben dem Telefon lag, war nicht da. Stattdessen fand Salvador einen Zettel.
Er murmelte den Text, der auf dem Papier geschrieben stand: „Guten Morgen Salvador, ich bin in die Stadt gefahren um einzukaufen ...“
Plötzlich ging neben ihm die Haustür auf und vor Schreck zuckte er zusammen und warf den Zettel hoch in die Luft.
„Ist alles in Ordnung, Salvador?“ Es war sein Vater.
„Ja, Dad, aber erschreck mich nie wieder so!“, sagte Salvador mit zittriger, aber auch erleichterter und etwas wütender Stimme.
Salvadors Vater hob den zu Boden gefallenen Zettel auf, las ihn sich durch und versuchte dann zu fragen, ob ... Doch bevor er überhaupt richtig anfangen konnte, rief Salvador:
„Nein, Mum ist noch nicht da!“ Verdutzt sah sein Vater ihn an, bis Nicholas - auch Salvadors Vater hat einen Namen - sprach:
„Das wäre meine Zweite Frage gewesen. Viel wichtiger ist, ob du Sandamer schon gefüttert hast?“
Salvador lief ein kalter Schauer den Rücken hinunter und er eilte zu dem Zimmer, in dem Sandamer die Nacht verbrachte.
Als er hinein ging stand das sonst so fröhliche Boden-Pokémon ziemlich beleidigt und wütend vor ihm, drehte sich um, schleuderte Salvador eine Ladung Dreck ins Gesicht und ging mit einem stolzen und schadenfreudigen Lächeln durch die Tür in die Küche.

„Das kommt davon, wenn man nicht mal an so alltägliche Dinge denkt“, lachte Nicholas, als er seinen Sohn sah. „Ha, ha“, entgegnete ihm Salvador und wischte sich den Dreck von der Stirn.
„Ich war nur etwas verwirrt, weil keiner zu Hause war.“ „Heute ist doch Samstag, da habe ich immer Nachtdienst und wie ich sehe hat dir deine Mutter extra einen Zettel hinterlassen.“
„Den wollte ich ja gerade lesen, als du reinkamst.“ „Ich kann nichts dafür, dass du so ein Langschläfer bist“, sagte Salvadors Vater schließlich und machte Sandamer sein Frühstück.
Auf einen Schlag erinnerte Salvador sich an etwas sehr wichtiges und er spürte den nächsten kalten Schauer auf seinem Rücken. Es war schon eine Weile her, dass sein Vater nach Hause gekommen war und Professor Lind hatte ihn doch gebeten, Nicholas so schnell wie möglich ins Labor zu schicken.
Also fasste Salvador Mut und sagte es seinem Vater. Er war überzeugt, er würde ärger bekommen. Doch Nicholas murmelte nur: „Dann aber schnell“, und rannte durch die Tür ins Freie.
Nun, da Salvador wieder alleine war musste er wohl auch alleine essen. Zwar aß Sandamer mit ihm, aber als Gesprächspartner war es sichtlich ungeeignet. Jedoch gab es Jemanden, mit dem er sich um einiges besser verstand, vielleicht nicht durch Worte, aber wenn man sich so lange kennt versteht man sich auch ohne zu sprechen.
„Ich hole Wiesenior“, dachte sich Salvador, als hätte er das nicht sowieso getan, nahm den Pokéball und holte Wiesenior heraus.
Es war der übliche Freudensprung von Wisenior auf Salvadors Schoß. Der Junge spürte, wie er langsam wieder müde wurde, obwohl er eben noch hellwach gewesen war.
Der heutige Morgen war so aufregend, wie die gesamte letzte Woche, in der er seine Pokémon-Arbeiten für die Schule erledigen musste, nachdem er sie Tag für Tag aufgeschoben hatte. Dieser Stress machte Salvador so müde.
Er schluckte den letzten Bissen runter. Dann ging er wieder in sein Zimmer, legte sich zusammen mit Wiesenior ins Bett und schlief ein, ohne zu wissen, was ihn deswegen erwarten würde. Auch Wiesenior schloss die Augen, nachdem es bemerkte, dass Salvador noch keine Lust hatte mit ihm zu spielen.

Kapitel 1 - ( Teil 2 )

Als Salvador wieder aufwachte war es stockdunkel. Sein Herz raste vor Schreck und er riss die Augen auf. Ihm stockte der Atem.
Es war nur ein Traum, doch er war real, wie der Schmerz in seinem Kopf, von dem er nicht wusste, wo er her kam.
Vor vier Minuten war er eingeschlafen und vor einer Minute aufgewacht, drei Minuten hatte er geschlafen und geträumt hatte er eine Sekunde lang, eine Schrecksekunde lang. Auf jeden Fall kam es ihm so vor. Der Wecker zeigte 12:21 Uhr.
Salvador wollte aufstehen, fiel aber in sein Kissen zurück und dachte: „Ich hasse Samstage, zumindest diesen.“
Er machte die Augen zu, denn er war jetzt noch müder als zuvor, dann schlief er ein.

„Schön geträumt?“, weckte ihn eine überaus wütende Person voller Ironie, deren Stimme ihm vertraut war, aber streng und abweisend wirkte.
Nun reichte es Salvador, er richtete seinen Oberkörper ruckartig auf, schrie, öffnete die Augen und sah seine Mutter, wen sonst.
„Gibt es ein Problem?“, lautete die Antwort auf den Schrei. Salvador heulte nur. „Das ist der schlimmste Morgen meines Lebens.“ „Tja, wenn das so ist , ist das wahrscheinlich nicht meine Schuld“, sagte Salvadors Mutter.
Aus irgendeinem Grund erinnerte sich Salvador jetzt wieder genau an seinen Traum.
Er überlegte, warum. Doch er wurde aus seinen Gedanken gerissen.
Ein Geräusch störte ihn, es war die Stimme der Arbeit und sie klang nicht, wie die eines berühmten Sängers, sondern wie ein alter Staubsauger.
„Mum, ich kann mich nicht konzentrieren!“ „Wobei Salvador?“ „Ist egal.“ „Wenn es egal ist kannst du ja weiter saugen. Ich muss nicht immer alles für dich machen.“ „Ja, ja“, murmelte Salvador. „Vielleicht kannst du dich besser konzentrieren, wenn ich weg bin“, fügte seine Mutter hinzu.
„Dann geh bitte auch!“ „Schon gut, ich geh ja“,und Veronika - das war der Name von Salvadors Mutter- verschwand ins Nachbarzimmer.

Salvador dachte lange nach, dann ging er nach unten.
Seine Mutter stand in der Küche und machte sich einen Kaffee; sie liebte Kaffee.
„Salvador, kommst du bitte mal“, fragte Veronika. „Was ist denn?“, antwortete ihr Sohn während er zu ihr ging. „Ich wollte gerne wissen, warum du so lange geschlafen hast und warum das der schlimmste Morgen deines Lebens ist. „Ich hab gar nicht so lange geschlafen, ich war schon wach als Dad nach Hause kam!“, rechtfertigte sich Salvador. „Und das mit dem schlimmsten Morgen deines Lebens, wie ist das zu verstehen?“
„Also, ich bin kurz nach 11 Uhr aufgestanden ...“ „Was, so spät erst?!“; rief Veronika schockiert dazwischen. „Mum, es ist Wochenende!“, antwortete Salvador. Ein wütender Blick folgte von seiner Mutter. Salvador fuhr fort: „Ich war erschrocken, dass keiner zu Hause war: Dann habe ich deinen Zettel gefunden und währenddessen ist Dad gekommen. Ach ja, Professor Lind hatte zuvor angerufen, er wollte, dass Dad so schnell wie möglich in sein Labor kommt.
Nachdem er gegangen war bin ich wieder ins Bett gegangen, weil ich irgendwie immer müder wurde. Dann bist du rein geplatzt und hast mich aus dem Schlaf gerissen.“ „Das war ja auch nötig!“, entgegnete ihm seine Mutter, wieder mit wütender Mine. Das war typisch für Veronika, denn Salvador kannte diesen Blick schon seit er klein war und meistens war er auch daran Schuld.

Seinen Traum hatte Salvador nicht erwähnt. Der Grund war, dass ihn irgendetwas daran hinderte, darüber zu erzählen.
Bilder schwirrten durch seinen Kopf. Er sah seinen Wecker, der 12:20 Uhr zeigte, den Mond und im Schein eine Gestalt, dann seinen Schrank, auf dem ein Pokéball lag und einen Lichtblitz, mehr nicht.
Er erinnerte sich, dass er Gesternnacht -vielleicht war es auch schon nach Mitternacht- aufgeweckt wurde, durch einen Lichtblitz über dem Bergwerk, hinterm See, ähnlich, wie in seinem Traum. Aus diesem Traum bestanden nun seine Gedanken, bis zu dem Moment, als ihm einfiel, wo sein Vater gerade war.
Salvador schwang sich in seine Jacke und rannte nach draußen, kam dann aber wieder zurück, denn er hatte Wiesenior vergessen, wollte wieder los laufen, machte jedoch kehrt, ging lächelnd auf seine Mutter zu, gab ihr einen Abschiedskuss, der gleichzeitig der Versöhnung diente, überlegte, ob er noch etwas vergessen hatte, ihm fiel nichts mehr ein und er verschwand Richtung Neuborkia.

Kapitel 2 - ( Teil 1 )

„Aber Professor, schauen sie mal genau hin, was sehen sie?“
„Etwas, das ich zuvor noch nie gesehen habe.“
„Nein, eben nicht! Ich bin mir sicher, dass das nur ein ganz normales Nebulak ist.“
„Und warum trägt es einen Hut?“
„Ach, das kann doch alles sein. Womöglich ist es ein Ast.“
„Ein Ast mit der Form eines Partyhütchens. Ein wenig seltsam, oder!?“
„Lassen sie uns jetzt erst einmal auf das Ergebnis von Dr. Wiquer warten, Professor.“
„Wir warten doch schon über eine Stunde und seit zwei Stunden versuchen sie mich davon zu überzeugen, dass dieses Ding auf dem Foto bloß ein Nebulak ist.
Eine halbe Stunde werde ich noch warten. Wenn Wiquer das Bild erfolgreich analysieren kann, sind wir schon einen Schritt weiter. Wenn nicht, dann muss ich wohl meinen eigenen Fotospezialisten aus dem Urlaub holen. Er ist sicher besser als ihr Wiquer.“
„Das wird schon funktionieren, Professor, haben sie noch etwas Geduld.“

~Fortsetzung folgt~