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Als Doppel zum Meister

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Geschrieben von: Elly & Bags
Diese Story wurde von Pokefan09 vertont und kann über das Menü unterhalb angehört oder auf unserer MP3-Downloadseite heruntergeladen werden.
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Bevor ihr diese Geschichte lest, müsst ihr eine Kleinigkeit wissen: An dieser Story schrieben zwei Autorinnen - Bags und Elly – die auch die beiden Hauptfiguren erfunden haben. Ihr könnt zum Spaß ja raten, wer welches Kapitel geschrieben hat. Viel Spaß beim lesen.

1.

Trotz der frühen Stunde hing schon eine gewaltige Demse über dem friedlichen Dörfchen Bad Lavastadt. Das war aber eigentlich immer so, denn die Berge hielten die Wolken fest, so dass die Sonne den ganzen Tag ungehindert scheinen konnte, selbst im Winter krochen ihre Strahlen beim Untergehen noch lange über das Land. Aber im Moment war es Hochsommer. Eine Brise wehte über dem Schlotberg, es war alles still. Fast alles. Denn aus dem Haus der Arenaleiterin gellte plötzlich ein Schrei. „Nicht möglich!“ rief sie. Ihre kleine Schwester Molly warf sich in die Brust. „Weshalb nicht? Nur weil er dich nicht angerufen hat, heißt das noch lange nicht, das ich dich anlüge!“ „Professor Birk hat noch nie hier angerufen! Ich möchte wetten, er weiß nicht mal, das du existierst!“ brüllte Flavia, die Arenaleiterin von Bad Lavastadt, ihr ins Gesicht.

„Frag ihn!“ sagte Molly und drückte ihr den Hörer des Bild-Übertragungs-Telefons in die Hand. Für einen Moment zögerte Flavia und starrte Molly misstrauisch an. Dann wählte sie schnell die Nummer der Telefonauskunft, fragte nach der des Professors und wartete. Endlich nahm er ab. „Guten Tag, Professor Birk! Ich bin`s, Flavia aus Bad Lavastadt.“ „Oh, hallo Flavia! Wie geht es dir?“ „Es geht nicht, es kriecht! Stimmt es, das Sie Molly angerufen haben und ihr ein Starterpokemon geben wollen?“ fragte sie unwirsch. „Ja, das stimmt.“ Lächelte Professor Birk.

„Nein!“ japste Flavia. „Mir haben sie doch auch nie eins gegeben!“ Professor Birk legte die Stirn in Falten. „Ja, weil ich wusste, das dein Kampfstil zu aggressiv ist!“ antwortete er. Flavia schnaubte. „Und wie bitte schön soll sie an das Pokemon ran kommen?“ fragte sie. „Ganz einfach. Du setzt sie in den Zug, der nach Wurzelheim fährt und dann tritt sie ihre Reise an.“ „Das geht nicht! Sie ist doch erst...“ „Ich bin doch SCHON 14!“ unterbrach Molly. Der Professor lächelte wieder. „Dann ist ja alles geklärt. Bis Morgen dann. Wiedersehen ihr beiden!“ Und er hatte aufgelegt. „Dumme Ziege!“ zischte Flavia. Molly grinste. Sie wusste, das ihre große Schwester nicht neidisch war, sondern nicht wusste, ob sie sich besorgt oder stolz zeigen sollte. In dieser Nacht konnte Molly kaum schlafen. Sie rollte sich von der einen Seite auf die andere, bis sie endlich eindöste.

Am nächsten Morgen wurde sie von ihrem Pichu-Wecker geweckt. Flavia stand vor ihrem Bett, mit einem eiskalten Waschlappen in der Hand. Ohne Vorwarnung klatschte sie ihn Molly aufs Gesicht. „Blubbl...spotz... Was zum... Hör auf!“ nuschelte diese durch einen Mund voll Waschlappen und stieß ihn weg. Sie richtete sich auf und starrte Flavia finster an. „Dein Zug fährt in einer halben Stunde!“ sagte sie. „Waaas? Shitt!“ Sofort war Molly aus den Federn, zog sich an, griff nach dem Rucksack, den sie glücklicherweise am Abend schon gepackt hatte, stopfte sich eine Schüssel Müsli hinter und rannte mit Flavia zum Bahnhof. Der Zug war schon kurz vor dem Abfahren.

Molly bekam von Flavia die Fahrkarte in die Hand gedrückt und hüpfte in einen Wagon. Sie winkte Flavia noch einmal zu, dann fuhr der Zug an und ratterte davon. „Und nimm möglichst das Feuer-Pokemon!“ rief Flavia ihr noch nach. „Mach ich!“ rief Molly zurück und lehnte sich in ihren Sitz. „So ein Stress!“ dachte sie, während sie den Bäumen zusah, die an ihr vorbei zogen. Kurz vor Wurzelheim kam der Fahrkartenkontrolleur und bat sie, ihr Ticket vorzuzeigen. Sie kramte es hervor und gab es ihm. Der Kontrolleur hob eine Augenbraue beim Anblick des zerknitterten Papierchens. „Tut mir leid, junge Dame, aber dies ist eine Fahrkarte für Bad Lavastadt nach Wiesenflur. Diesen Bahnhof haben wir bereits seit einer halben Stunde hinter uns gelassen!“ Molly zog ihm die Karte aus der Hand. Dort stand tatsächlich:

6.34 Uhr: Bad Lavastadt ---> Wiesenflur
Langsam wanderte ihr Blick über die Karte nach oben zu dem Kontrolleur, der sie ziemlich finster anstarrte. „Schwarzfahrer haben wir gar nicht gern!“ brummte er. „Das weiß ich... äh... meine Schwester hat wohl aus Versehen eine falsche Karte gekauft...“ „Und wenn, das ist mir egal. DU hast keinen gültigen Fahrschein also musst DU auch zahlen!“ Molly überlegte und ihr viel ein, das sie ihr Portemonnaie zuhause hatte liegen lassen, weil sie am Abend zuvor noch das Band zusammengeknotet hatte, das bei einer ihrer Stolperaktionen gerissen war. „Ähm, ich hab im Moment kein Geld bei mir...“ sagte sie. „Die nächste Station ist Wurzelheim, da ist auch das Polizeirevier. Und wir werden sehen, was Officer Rocky mit dir anstellt!“ sagte der Kontrolleur und ließ eine sehr geknickte Molly im Abteil zurück.

Eine Viertelstunde später wurde der Zug langsamer und sie kamen im Bahnhof von Wurzelheim an. Der Kontrolleur bugsierte sie aus dem Zug und zum Revier. Dort wurde sie in einen ziemlich dunklen Raum mit nur einer kleinen Schreibtischlampe gebracht. „Meine Güte, was hab ich denn verbrochen? Hab ich jemanden umgebracht oder bin ich zwei Bahnhaltestellen zu weit gefahren?“ dachte Molly. „Wie ist dein Name?“ fragte Officer Rocky sehr ungehalten. „Molly Fire...“ antwortete selbige. „Wo wohnst du?“ „Bad Lavastadt.“ „Wie heißen deine Eltern?“ „Hab keine. Aber wenn sie den Namen meiner großen Schwester wissen wollen, schauen sie einfach in einem Trainerführer nach. Da steht ihr Name unter `Arenaleiter´!“ „Werd nicht frech!“ knurrte Officer Rocky und hörte sich dabei sehr nach einem ihrer Fukano an. „Das ist die reine Wahrheit!“ sagte Molly. „Ich habe dich nach deinen Eltern gefragt!“ rief Rocky. „Und ich habe Ihnen gesagt, das ich keine habe!“ rief Molly zurück.

„Und dein Erziehungsberechtigter?“ „Arenaleiterin von Bad Lavastadt!“ „Flavia? Sie ist nicht mal 20, wie soll sie da deine Tante, geschweige denn Oma sein?“ „WIE OFT SOLL ICH ES NOCH SAGEN??? SIE IST MEINE GROSSE SCHWESTER!!!!!“ schrie Molly. Es war hier so dunkel... Von klein auf hatte sie jeden Tag die Sonne gesehen, die Dunkelheit kannte sie nur von der Nacht, aber am Tag machte sie sie nervös. Officer Rocky ging zu einem Telefon. „Sollen wir mal in der Arena anrufen?“ fragte sie mit einem Lächeln. Anscheinend dachte sie immer noch, Molly würde lügen und erwartete jetzt, das sie kniff. Molly zuckte nur mit den Schultern. Rocky schien ziemlich verblüfft. Dann wählte sie die Nummer. Ein paar Sekunden später erschien Flavia auf dem Bildschirm.

„Guten Tag, hier ist das Polizeirevier Wurzelheim. Wir haben ein Mädchen namens Molly bei uns. Kennen sie es?“ Flavias Augen wurden mit jedem Wort Rockys größer. „WAS HAT SIE GEMACHT? SITZE AUS DER BAHN GERISSEN? WÄNDE BESPRÜHT? LOKOMOTIVFÜHRER VERPRÜGELT? ZUG ENTGLEISEN LASSEN?“ schrie sie. Rocky hielt den Hörer eine hand breit vom Ohr entfernt. „Lassen sie mich mal!“ sagte Molly zu Rocky, schnappte ihn ihr aus der Hand und begann nun ihrerseits in den Hörer zu schreien. „DAS IST NICHT MEINE, SONDERN DEINE SCHULD! DU HAST GESTERN EINE FAHRKARTE FÜR LAVASTADT NACH WIESENFLUR, STATT NACH WURZELHEIM GEHOLT!“

Für ein paar Sekunden herrschte vollkommene Stille in dem abgedunkelten Raum. „Oh...“ machte Flavia erstaunt. „Wenn ich bitten darf, junge Dame?“ Rocky nahm den Hörer zurück. „Es tut mir sehr leid, anscheinend bin ich da einem Enton aufgesessen...“ entschuldigte sich Rocky. „Warum sollten Sie so etwas tun? Ich meine, Sie sind Arenaleiterin.“ „Aber...“ versuchte Flavia wieder anzufangen, aber Rocky würgte sie blitzschnell ab. „Einen schönen Tag noch und auf Wiedersehen!“ sagte sie und legte auf. Molly wartete auf den Knall, aber er blieb aus. Statt dessen drehte sich Rocky langsam zu ihr um. „Dann ist doch alles klar! Du bist die Schwester der Arenaleiterin, hast also nicht gelogen und alles ist in Ordnung!“

„Aber woher wollen Sie denn auf einmal wissen, das ich die Schwester bin, wenn ich genauso gut Gehilfin oder so sein könnte?“ fragte Molly verdutzt, denn besonders ähnlich sahen sie und Flavia sich wirklich nicht. Flavia mit ihren roten struppigen Haaren und den temperamentvoll braunen Augen bildete einen starken Unterschied zu Molly mit ihrer blauen Mähne und den frech-gewitzten grünen Augen.
„Eure Verhaltensmuster sind vollkommen gleich!“ murrte Rocky, sie meinte wohl das Schreien. Molly wurde rot. Rocky schien nicht besonders einverstanden damit, sie gehen zu lassen, aber anscheinend hatte sie keine andere Wahl.

Fünf Minuten später stand Molly vor dem Labor von Professor Birk. Als sie die Tür öffnen wollte, wurde sie erst mal umgerannt. „Tschuldige!“ sagte das Mädchen, das in sie hineingelaufen war. „Nich so schlimm...“ murmelte Molly, stand wieder auf und rieb sich den Kopf. „Abbygale Din.“ Stellte diese sich vor. Sie war etwas größer als Molly, schien aber nicht viel älter. Wie Flavia hatte sie rote Haare. „Molly Fire.“ Sagte Molly und lächelte erst mal. „Gut, willst du auch Trainer werden?“ fragte Abbygale. Molly nickte. „Dann viel Glück!“ sagte Abbygale und lief davon. „Willst du da ewig in der Tür herum stehen?“ fragte Professor Birk von weiter hinten. „Warum bist du denn so spät dran?“ „Ich bin aufgehalten worden...“ „Das ist dein erstes Pokemon.“ Sagte Birk und drückte Molly einen Pokeball in die Hand.

„Was? Nicht auswählen? Wasser, Pflanze, Feuer?“ fragte Molly. Der Professor schüttelte den Kopf. „Du bist zu spät. Das ist das letzte.“ Molly warf den Pokeball. „Geckiiiii?“ machte das Pokemon. „Oh nein! Wieso denn ausgerechnet Geckarbor?“ fragte Molly. „Hydropi wurde schon von einer Trainerin namens Emily gewählt.“ Sagte Birk. „Und Flemmli?“ fragte Molly. „Gerade eben von Abbygale genommen.“ Antwortete er. Molly seufzte. Von allen neun Starter-Pokemon war Geckarbor ihrer Meinung nach das hässlichste. Es schaute zu ihr hoch. „Oh mann. So was passiert auch immer nur mir...“ Geckarbor schaute sie traurig an. „Na, egal. Immerhin bist du mein erstes Pokemon. Und schwach bist du sicher auch nicht.“ Sagte sie und hob Geckarbor hoch. Sein Schwanz war so flauschig und seine Augen waren nicht einfach nur gelb, sondern hatten auch orangefarbene Spritzer darin. Langsam fing sie an, es schön zu finden.

Sie verließ das Labor. Draußen saß noch Abbygale und streichelte grade Flemmli. Molly beäugte sie neidisch. „Da bist du ja!“ freute sich Abbygale. „Ich dachte, ich warte auf dich, damit wir zusammen reisen können.“ Molly nickte nur. Die Sache mit Flemmli hatte sie Abbygale noch nicht verziehen. „Klasse!“ freute sich diese, schaute sie auf einmal aber fragend an. „Stimmt etwas nicht?“ fragte sie. „Nö, alles in Butter.“ Murmelte Molly. Abbygale rief Flemmli zurück und ging schon voran. In Mollys Magen machte sich auf einmal ein merkwürdiges Gefühl breit. Sie schämte sich ein bisschen, das sie eben so unfreundlich zu Abbygale gewesen war, wo sie doch gar nichts dafür konnte, das sie, Molly, zu spät gekommen war. Sie würde sich sofort entschuldigen!

2.

„Was? Bröselstadt?“ „`ei`! Roalchach!“ mampfte Molly durch ihr Frühstück hindurch. „Entweder du kaust aus und sprichst dann oder du sagst gar nichts!“ sagte Abbygale, die Molly gebeten hatte, sie doch bittebittebitte Abby zu nennen, da sie ihren wirklichen Namen einfach furchtbar fände. Molly schluckte das Stück Brot hinunter. Und verschluckte sich prompt. „Ro-sal-stadt!“ hustete sie. Abby schlug ihr ein paar mal kräftig auf den Rücken. Aber der Krümel wollte einfach nicht aus der Luftröhre raus. Zum sicher 4.500.000. Mal in ihrem Leben stolperte Molly. Sie knallte auf die Erde, und endlich war das Krümelchen verduftet. Dummerweise spürte Molly jetzt einen stechenden Schmerz im Fuß. „Alles in Ordnung?“ fragte Abby.

„Nein, ich glaub, ich hab mir den Fuß verknackst.“ „Kannst du mal sehen, was alles passieren kann, wenn man zu schnell isst!“ sagte Abby. „Das lag nicht am Essen, sondern an meiner Leidenschaft zum auf-die-Schnauze-Fliegen!“ moserte Molly. Abby lachte. „Wurzelheim ist ja nicht weit weg. Ich schau mal, ob der Professor mir was für dich mitgeben kann. Warte hier und rühr dich nicht von der Stelle!“ „Als ob ich eine Wahl hätte!“ grummelte Molly. Und schon war Abby Richtung Wurzelheim zurück gelaufen. Da hörte Molly auch schon ein Krächzen. Ganz genau vor ihr landete ein Wingull.

Es pickte ein bisschen im Boden herum ohne auch nur die geringste Notiz von Molly zu nehmen. Langsam zog diese den Pokeball mit Geckarbor hervor und ließ es hinter sich frei. Es sagte keinen Mucks, sondern blieb nur still hinter Mollys Rücken hocken. Sie deutete auf das Wingull. Geckarbor nickte und pirschte sich bemerkenswert leise an das Möwen-Pokemon heran. Dann sprang es auf und warf sich auf es. Es begann zu kreischen, irgendwie tat es Molly leid. Es schrie und versuchte mit aller Macht, sich Geckarbors Griff zu entwinden. „Nein, Gecki. Las es los.“ Sagte sie.

Geckarbor sah sie verständnislos an. „Ist schon okay, du warst klasse, aber ich glaube, Wingull sind mehr für das Leben in Freiheit geboren.“ Geckarbor nickte und ließ los. Wingull flatterte mit einem Freudenkrächz auf und verschwand. „Was war denn das für ein Lärm?“ fragte Abby und kam hinter einem Baum hervor, im Arm einen ganzen Verbandskasten. „Ich hätte mir fast ein Wingull gefangen.“ „Wieso fast? Ich habe mir ein Schwalbini geschnappt.“ „Oh, klasse! Wirklich toll!“ ärgerte sich Molly. Vielleicht hätte sie das Wingull doch nicht so einfach fliegen lassen sollen...

Abby hatte das Bein ziemlich fix verbunden und geschient. „Und jetzt?“ fragte Molly. Abby musterte sie. „Jetzt musst du wohl nach Rosalstadt kraxeln. Komm, ich helf ´ dir.“ Sie griff Molly unter die Arme und so kamen sie nicht schlecht voran. Bald konnte Molly wieder auf eigenen Beinen gehen und sie erreichten ziemlich schnell Rosalstadt. „Eine Frage hätt ich.“ Keuchte Molly. „Warum sind wir nich nach Wurzelheim zurück? Da hätte mich der Professor heilen können!“ „Weil es zurück nach Wurzelheim genauso weit war, wie nach Rosalstadt, und hier können sie dich auch im Pokemoncenter wieder hinbekommen.“ Da war was Wahres dran und so humpelte sie bis zum Center und warf sich dort auf das Sofa.

„Kann ich dir helfen?“ fragte Joy vorsichtig. „Ach so, ja. Ich hab mir den Fuß verknackst. Könnten Sie mir helfen?“ antwortete Molly. „Wer hat dir denn den Verband gemacht? Du selbst?“ „Nein, das war sie.“ Molly deutete auf Abby, die sich ein bisschen entfernt mit Chaneira „unterhielt“. Joy machte ihr einen professionellen Verband und brachte sie und Abby in ein Zimmer.

Als Molly aufwachte, waren die Schmerzen im Fuß fast verschwunden. „Morgen Milly!“ grüßte Abby von ihrem Bett her. „Molly! Nicht Milly!“ gähnte Molly und reckte sich. „Weiß ich doch. Aber ich finde, Milly hört sich irgendwie niedlicher an.“ „Wie wär` s dann, wenn ich dich demnächst immer Ibby nenne?“ „Nein, nein. Is schon gut.“ Molly ging zum Fenster und zog die Vorhänge auf. Die Sonne schien schon und leuchtete ihr ins Gesicht. Sie kniff die Augen zusammen und drehte sich wieder zu Abby um. Diese hatte Flemmli freigelassen, welches nun auf dem Bett herum hopste. Molly zog sich an und ging nach unten zu den Telefonen.

„Hallo?“
„Hi Flavia. Ich bin in Rosalstadt.“
„Schon? Na, das ging ja fix. Und, welchen Typ hast du dir ausgesucht?
Hoffentlich das Feuer-Pokemon!“
„Wollt ich ja, aber mir ist jemand zuvor gekommen.“
„Du hast es nicht?“ Flavia schien aufrichtig bestürzt.
„Nein. Wegen der Geschichte mit der Fahrkarte bin ich zu spät gekommen.“
„Und welches hast du stattdessen?“
Molly ließ Geckarbor aus dem Pokeball. Flavia seufzte.
„Pflanze... Wieso hast du nicht wenigstens Wasser nehmen können?“
„Ich sagte es bereits: Der Rest war schon weg! Ach so, ich hab mein Portemonnaie bei dir vergessen.“
„Das habe ich bereits bemerkt. Da wirst du dir dein Geld wohl alleine durch Kämpfen verdienen müssen.“ Molly nickte.
„Werd schon irgendwie durchkommen.“
„Geckar?“ Machte Geckarbor und sah fragend den Bildschirm an.
„Tschüss, Flavi!“
„Na dann, viel Glück mit dem Unkraut. Ciao.“ Und sie hatte aufgelegt.
„Nein, du bist kein Unkraut.“ Sagte Molly und streichelte Geckarbor über den Kopf.

Sie hörte hinter sich das Geräusch der Schiebetüren und ein Mädchen betrat das Pokemoncenter. Sie war vielleicht 10, auf jeden Fall sehr viel kleiner als Molly. „Ist Schwester Joy hier irgendwo?“ fragte sie. „Ich glaube, sie kümmert sich hinten um die Pokemon.“ Sagte Molly und deutete hinter die Theke. Das Mädchen lief gleich hin und haute wie wild auf die Klingel. „Schwester Joy? Schwester Joy! Ich brauche Ihre Hilfe!“ Joy kam aus der Tür herausgewuselt. „Mach doch nicht gleich so einen Lärm!“ sagte sie. „Ich helfe dir gerne. Was ist denn?“

„Mein Hydropi ist im Kampf ganz schlimm vergiftet worden. Sie müssen es gesund machen!“ schnatterte das Mädchen und knallte den Pokeball auf die Theke. Joy nickte, nahm den Ball und verließ die Empfangshalle. Das Mädchen drehte sich zu Molly um. „Hallo, ich heiße Emily und wer bist du? Bist du auch ein Trainer? Ich hab gerade erst angefangen. Hydropi war mein erstes Pokemon. Und deins? Hast du Flemmli? Oder Geckarbor?“ Geckarbor hüpfte von Mollys Schoß. „Ah, verstehe. Und wie heißt du?“ „Ich bin Molly.“ Sagte sie. „Cool! Das heißt, du hast zur selben Zeit wie ich angefangen! Da bist du ja auch noch nicht viel stärker als ich. Wollen wir kämpfen?“ „Erst mal brauchst du ja wohl dein Hydropi zurück und dann würde ich gerne wissen, wer es denn vergiftet haben soll.“ „So ein Trainer mit einem Panekon. Ziemlich stark! Hab leider verloren, aber das macht nichts.“ Molly hörte ein leises „Tschack“ am Fenster.

„Was war das denn?“ fragte sie, stand auf und öffnete es. Da lag Wingull. Sicher nicht irgendein Wingull, sondern das, welches sie am Tag zuvor wieder freigelassen hatte. Sie nahm es vom Sims und nahm es näher in Augenschein. „Oh, man. Du hast aber auch gar kein Glück...“ sagte sie und hob seinen einen Flügel. Der schien irgendwie verrenkt. Er war angespannt und ließ sich nicht bewegen. Molly klingelte wieder. Joy kam wieder hinter die Theke. „Was ist denn nun schon wieder?“ fragte sie ziemlich genervt. Molly legte ihr Wingull auf den Tisch. „Noch ein Patient! Meine Güte, das wird mir bald zu viel!“ Sie nahm den kleinen Vogel und trug ihn in das Behandlungszimmer. Und schon kam Abby zu ihnen mit Flemmli im Arm. „Du hast also Flemmli bekommen!“ freute sich Emily. Abby starrte sie verwirrt an. „Wer bist du den?“ fragte sie. „Emily! Ich habe auch gerade erst angefangen. Ich habe Hydropi, aber es ist gerade bei Schwester Joy in Behandlung. Kennst du schon Molly? Sie hat Geckarbor.“ „Oh, ja. Molly kenne ich schon.“ Antwortete Abby. Flemmli hüpfte ihr aus dem Arm und spielte mit Geckarbor. „Habt ihr noch andere Pokemon? Ich habe Loturzel. Wollt ihr es mal sehen?“ Sie ließ ihr Loturzel aus dem Ball.

„Turzel...“ machte es. Anscheinend hatte es gerade geschlafen. „Oh, hab ich dich geweckt? Tut mir leid. Dann komm zurück!“ sie rief es wieder in den Pokeball und setzte sich an einen der Tische. Molly und Abby sahen sich gegenseitig an.

3.

Emily war sehr nett, keine Frage, aber sie sprach dermaßen schnell und viel und wechselte so schnell das Gesprächsthema, das Molly nicht selten den Faden verlor. Sie unterhielten sich eine ganze Weile, bis schließlich Joy in die Empfangshalle kam. In der einen Hand trug sie den Pokeball von Hydropi und auf der anderen hatte sie Wingull zu sitzen. Emily nahm begeistert ihr Pokemon in die Arme und knuddelte es. Eigentlich hatte Molly gehört, Hydropi würden es nicht mögen, wenn sie ständig gedrückt würden, aber dieses Hydropi war da wohl anders. Es liebte die Streicheleinheiten seiner Trainerin. „Ein Glück!“ dachte Molly. „Sonst wäre Emily inzwischen sicher ziemlich durchnässt!“

Auf einmal landete ihr Wingull auf dem Kopf. „Ah, äh, hallo Wingull!“ Wingull krächzte und kratzte ganz vorsichtig mit dem Schnabel an Mollys Ohr. „Soll das heißen, du willst bei mir bleiben?“ Wingull hüpfte von ihrem Kopf auf den Tisch und krähte. „Das war doch nichts besonderes! Ich hab dich doch nur vom Fensterbrett aufgesammelt.“ Das Pokemon hüpfte auf sie zu und schaute sie aus schwarzen Augen an. „Okay.“ Lachte Molly, holte einen Pokeball hervor und stupste Wingull damit an. Der Ball wackelte kurz und blieb dann ruhig in ihrer Hand. „Na, ein Glück ist der Tag doch noch gerettet!“ grinste Abby. „Okay, Leute. Ich würd ja gern bleiben, aber ich muss ganz fix nach Blütenburg City. Tschüssi!“ sagte Emily und damit hatte sie ihr Hydropi zurück gerufen und war davon.

„Den Weg sollten wir wohl auch einschlagen.“ Schlug Abby vor. Sie verabschiedeten sich von Joy und verließen das Center. „Die ist aber fix weg!“ staunte Molly, denn den ganzen, langen, schnurgeraden Weg war nicht mal ganz weit entfernt etwas von Emily zu sehen. Statt dessen kam ihnen nur drei Jungen entgegen. Alle drei hatten Pokemon auf der Schulter sitzen. Der eine mit den blonden Haaren und der Brille ein Feurigel, der große mit dem Pudding-Haarschnitt ein Karnimani und der letzte kleine mit den kurzen schwarzen Haaren ein Endivie. Der Karnimani-Junge deutete auf Molly und Abby und die drei liefen ihnen entgegen. „Hi, ihr. Ich bin Christian Meggo!“ brummte der Junge mit Karnimani.

„Ich bin Fabi Eintoff.“ Sagte der mit Feurigel. „Und ich Flo Carre.“ Sagte der letzte. „Wo habt ihr denn diese Pokemon her?“ fragte Molly erstaunt. Christian war wohl der Anführer, den er stellte sich vor die beiden anderen und sagte: „Professor Birk hat sie uns gegeben. Und dann sind wir nach Hoenn um unsere Kariere als Pokemonmeister anzufangen. Ihr könntet uns dabei helfen!“ Molly musterte ihn geringschätzig. „Was guckst du so dämlich? Ich fordere dich zum Pokemon-Kampf, 1gegen1 heraus!“ motzte Christian. „Denkst du, das ist eine gute Idee?“ reizte Molly ihn weiter. Sie wusste genau, das sie mit Geckarbor gegenüber Karnimani im Vorteil war. Das wäre doch der perfekte Trainingskampf!

„Natürlich ist das ne gute Idee! Was denkst du denn!“ schnauzte Christian. „Los, Karnimani! Zeig dieser Zicke, wo der Hammer hängt!“ „Geckarbor, los!“ rief Molly. Jetzt schien Christian geschnallt zu haben, was los war. „Ich besiege dich trotzdem!“ keifte er. „Wenn du meinst. Geckarbor, Pfund!“ Karnimani wurde getroffen, , konterte allerdings schnell mit Kratzer. Es war stark und Geckarbor nun ziemlich geschwächt. Noch so eine Attacke würde es nicht durchstehen, außer... „Geckarbor, Absorber!“ Geckarbor packte Karnimanis Schwanz und biss hinein. Karnimani begann, zu krächzen wie blöde, während die Wunden von Geckarbor langsam heilten, da es Karnimani Energie absaugte.

„Und jetzt, noch mal Pfund!“ rief Molly. Karnimani war besiegt. „Dämliche Kuh!“ schnauzte Christian. „Kommt Jungs. Hier haben wir nicht mehr verloren!“ Flo und Fabi verabschiedeten sich noch und liefen dann Christian hinterher. „Klasse gemacht!“ sagte Abby. Dann wurden ihre Augen groß. „Guck mal, da!“ sagte sie und deutete hinter Molly. Sie drehte sich um. Da, auf der Wiese stand ein Trasla. Da Molly ihr Pokemon schon draußen hatte, kam sie Abby zuvor. „Geckarbor, Pfund!“ Trasla richtete sich wieder auf. Es schien vor Wut zu kochen! „Absorber!“ rief Molly schnell. Und während Geckarbor Trasla die Energie absaugte, warf Molly einen Pokeball. Er zitterte ziemlich lange, aber dann, nach ein paar spannenden Sekunden, die Molly wie eine grausame Ewigkeit vorkamen, blieb der Ball liegen.

„Ja! Ich habe ein Trasla gefangen!“ jubelte Molly. „Kunststück! Es kann ja auch nur Heuler!“ murrte Abby. „Woher weißt du das denn?“ fragte Molly. „Weil ich hier wohne. Meine Eltern und mein kleiner Bruder leben in Blütenburg City.“

Sie erreichten die Stadt ziemlich schnell. Dort ließ Molly erst mal Geckarbor und Trasla heilen und ließ letzteres dann gleich noch im Center aus dem Pokeball, um sich mit ihm bekannt zu machen. „Hallo Trasla. Willkommen bei mir!“ Traslas Kappe ließ nicht ahnen, wo es gerade hinsah, aber es schien nicht besonders viel von Molly zu halten. „Aber Trasla! Ach komm doch her!“ sie versuchte, es zu locken, aber es mochte Molly einfach nicht. „Komm schon! Hei, du kleine Veela!“ dieses Wort bewirkte Wunder auf das kleine Pokemon. Soweit man es sehen konnte, wurde es rot. Dann ging es Schrittchen für Schrittchen auf Molly zu und ließ sich von ihr streicheln.

„Na also. Geht doch!“ lächelte sie. „Du scheinst ein ziemlich glückliches Händchen zu haben, was Spitznamen angeht.“ Sagte Abby. „Meinst du?“ fragte Molly geschmeichelt. „Ja, gib doch Geckarbor und Wingull auch Spitznamen!“ „Na gut.“ Sagte Molly und setzte die beiden aus den Pokebällen. „Gut. Geckarbor und Wingull, ich denke mir jetzt Spitznamen für euch aus. Ähm, Geckarbor, du heißt... ähhhm... T-Rex! Genau! Und Wingull heißt... Öhh Avi.“ Die beiden Pokemon freuten sich über ihre Spitznamen. „Ach so, und das ist unsere neue Freundin Veela.“ Sie stellte den beiden Trasla vor.

„Aber bevor wir zur Arena gehen, will ich noch mal kurz zuhause vorbei schauen.“ Sagte Abby, als sie aus dem Center ins Freie traten. „Okay. Kann ich mit?“ fragte Molly. „Klar, Mum wird froh sein, wenn ich ihr eine Freundin vorstelle.“ Das Haus, in dem Abby wohnte, war nicht größer als andere Häuser auch. Aber schön war es trotzdem. Sie gingen hinein. „Hallo? Mum? Dad? Ich bin’s, Abby!“ rief sie. Hinter einer Tür, die offensichtlich zur Küche führte, hörten sie einen Schrei. „Abbyschatz! Da bist du ja!“ Eine Frau, die offensichtlich Abbys Mutter war, kam hervorgewuselt und knuddelte und küsste ihre Tochter. „Und? Wie gefällt es dir?“ „`ön. `enn du mi` jetzt lo`la`en könnte`t?“ mümmelte Abby, die von ihrer Mutter wie mit einer Schraubzwinge an sie gedrückt wurde.

„Oh, tut mir leid, Liebling. Ich sehe, du hast Besuch mitgebracht!“ Sie ließ Abby los und schaute nun Molly an. „Oh, hab mich noch gar nicht vorgestellt. Molly Fire.“ „Hallo Molly. Ach so, Abby, dein Bruder ist beim Arenaleiter. Er will sicher wissen, wie es dir ergangen ist.“ „Und Dad?“ „Arbeitet. Aber er ist bald wieder da. Und dein erstes Pokemon? Was ist es denn?“ Abby ließ Flemmli frei. „Oh, ist das nieeedlich!“ rief ihre Mutter. „Mum, ich würde jetzt doch lieber Heiko suchen.“ Sagte Abby, rief Flemmli zurück, nahm Molly beim Handgelenk und zerrte sie wieder nach draußen. „Das war aber ein kurzer Besuch.“ Stellte Molly fest. „Meine Mutter ist eine furchtbare Wundertüte. Ich hatte sowieso nur gehofft, hier irgendwo Heiko oder Dad zu finden. Dann gehen wir jetzt wohl besser zur Arena. Ich muss dringend mit Heiko reden.“

In der Arena stand ein Mann, der sich mit einem kleinen Jungen unterhielt. „Heiko!“ rief Abby und lief auf den Jungen zu. „Hallo Abby.“ Sagte der Junge. Er wirkte ziemlich niedergeschlagen. „Was ist denn?“ fragte Abby den Mann. „Er würde gerne ein Pokemon haben, aber ich kann ihm keines geben. Abby, du als seine Schwester hilfst ihm doch dabei, ein Pokemon zu fangen, oder?“ „Klar, mach ich! Ist doch Ehrensache, Norman!“ sagte Abby, nahm Heiko an der Schulter und zerrte ihn aus der Arena. „Ist es schlimm, das ich ein Pokemon haben will?“ fragte Heiko vorsichtig. „Es ist nicht schlimm, das du ein Pokemon habe willst, aber es ist schlimm, das du deswegen gleich zum Arenaleiter rennst!“ knurrte Abby. „Das war der Arenaleiter?“ fragte Molly perplex. „Oh ja. Norman der Normal-Pokemon-Trainer.“ Antwortete Abby. „Komm, jetzt müssen wir meinem kleinen Windelbruder erst mal ein Pokemon besorgen!“ Heiko sah sie groß an. „Das heißt, du fängst mir eins?“

„Klar doch! Bist doch mein Bruder!“ grinste Abby. Vor der Stadt schlugen sich die drei erst mal ins Gras. „Da raschelt was!“ flüsterte Molly. Abby nickte und ließ Schwalbini frei, das auch gleich hochflatterte, um zu sehen, was es war. „Greif es an! Ruckzuckhieb!“ flüsterte Abby. Schwalbini zischte ins Gras. Ein Geräusch war zu hören. „Hei, das klingt wie ein Trasla!“ stellte Molly fest. Sie liefen zu der Stelle, an der sie Schwalbini im Gras hatten verschwinden sehen und tatsächlich lag da ein Trasla. „Pokeball, los!“ rief Abby. Der Ball zuckelte nicht mal. Heiko nahm ihn glücklich in die Hände. „Wow! Mein erstes Pokemon! Los, Trasla!“ er ließ es wieder aus dem Ball. Es schien Heiko ganz gern zu haben. „Oh Gott! Schon sieben! Mama wird mich meucheln!“ rief er auf einmal, als er auf die Uhr sah.

Meucheln war gar kein Ausdruck. Heikos und Abbys Mutter schrie fast die Bude zusammen, wie sie sich Sorgen gemacht habe und wer weiß was hätte passieren können, bis sich endlich die Tür öffnete und Abbys Vater hereinkam. „Was ist denn hier los, man hört euch ja noch drei Blöcke weiter!“ bemerkte er. „Was heißt hier euch!“ murrte Abby. Ihre Mutter plusterte sich erneut auf. „Die Kinder sind über eine Stunde zu spät gekommen! Was wäre passiert, wenn...“ „Aber es ist doch nichts passiert, Häschen. Komm, ruh dich aus. Außerdem habe ich den Eindruck, Heiko will uns gerne etwas erzählen.“ Unterbrach sie ihr Mann. Heiko war die ganze Zeit von einem Fuß auf den anderen gehüpft, hatte aber offensichtlich nicht den Mut gehabt, seine Mutter zu unterbrechen.

4.

„Ich hab ein Pokèmon! Ich hab ein Pokèmon!“, rief Heiko und ließ gleich sein Trasla frei. „Mein Junge, ich bin stolz auf dich.“, sagte Mr. Din und klopfte seinem Sohn anerkennend auf die Schulter. „Aber Schätzele, warum hast du das denn nicht gleich gesagt?“, wunderte Abbys Mum und knuddelte Heiko heftig. „Weil du ihn nicht gelassen hast.“, dachte Abby mürrisch. Während der allgemeinen Unruhe, machte sich das Trasla erst mal über das Abendbrot her.

„Ihhhgitt! Was ist den das?!“, kreischte Heikos Mutter und schwenkte dabei ein angebissenes Brot über aller Köpfe. „Tja, klarer Fall von Traslasabber auf delikatem Schwarzbrot. Unter manchen Kreisen eine Köstlichkeit.“, bemerkte Abby sarkastisch und schaute böse zum Trasla herüber. „Also Heiko, wenn du dein Pokèmon nicht vollständig unter Kontrolle hast, musst du es wieder frei lassen.“, sagte Mr. Din grinsend, der das eh nur bemerkte, damit Mrs. Din nicht wieder an seinen Fähigkeiten als Vater zweifelte. Trasla verzog sich in eine stille Ecke und Heiko schossen die Tränen in die Augen „BUUUÄÄÄÄ!!! NEIN!!! ICH WILL NICHT!“, schrie er und das letzte, das man von ihm mitbekam, war der laute Knall seiner Zimmertür. Trasla schaute sich vorsichtig um, tippelte dann zu Heikos Tür, öffnete sie vorsichtig und weg war es. „Das Abendbrot scheint heute auszufallen“, flüsterte Abby Molly zu, „Schnapp dir ein paar Kekse und dann gehen wir hoch.“

„Hast du’s gut! Deine Familie ist echt toll.“, seufzte Molly und ließ sich auf das Bett, das neben ihr stand, fallen. Abby musterte sie skeptisch. „GUT??? Hast du nen Vollknall? Diese Familie ist echt das aller Schlimmste, das dir auf dieser Welt passieren kann. Ehrlich.“ „Na wenigstens hast du eine Familie.“ Abby verschluckte ihren angebissenen Keks. „Wie bitte?“, hüstelte sie. Molly wurde sauer. „Ist das denn so schwer zu verstehen? Ich wünsche mir halt eine richtige Familie und nicht nur eine große Schwester, die wegen ihrer vielen Trainerkämpfe nie Zeit für einen hat.“ „Das wusste ich nicht.“ Abby blickte betreten zu Boden. Molly stopfte sich den letzten Keks in den Mund und legte sich in ihr Bett. „Gute Nacht“, murmelte Abby. Zur Antwort drehte sich Molly auf die andere Seite.

Am nächsten Morgen wachten beide Mädchen ausgeschlafen auf, zogen sich hastig an und gingen rasch nach unten. „Wenn ihr heute noch rechtzeitig weg wollt, müsst ihr euch beeilen. Es ist schon um elf.“ Molly und Abby schlangen ihr Frühstück hinter und schulterten ihre Rucksäcke. „Na dann, auf zur See.“, bemerkte Molly gähnend. „So meine Süßen. Ich wünsche euch viel Spaß auf eurer Reise. Habt ihr auch genug Proviant mitgenommen?“ „Ja Mama“, antwortete Abby genervt und flüsterte dann zu Molly: „Lass uns bloß von hier verschwinden!“ „Auf Wiedersehen!“, riefen die beiden Mrs. Din noch zu. „Passt auf euch auf und meldet euch mal!“ Abby und Molly grinsten sich an.

Als sie gerade ihr Marschtempo einlegen wollte hörten sie hinter sich Geschrei. „HALT! IHR KÖNNT DOCH NICHT OHNE MICH WEGGEHEN!“ Es war Heiko. Er kam von der Haustür aus auf sie zugespurtet. „Wo wollt ihr denn hin?“, keuchte er. Abby nahm ihren Bruder auf den Arm. „Weit weg mein Großer, aber keine Sorge, wir kommen wieder.“ „Könnt ihr mich nicht mitnehmen?“, Heikos Augen wanderten fragend von einer zur anderen. „Nein Heiko, können wir nicht. Mama würde sich doch ganz große Sorgen um dich machen.“, und als Abby merkte, dass sich ihr kleiner Bruder mit dieser Erklärung nicht zufrieden gab, schob sie noch schnell hinterher, „Außerdem musst du doch dein Trasla trainieren.“ Heiko sprang von Abbys Arm, ließ sein Pokèmon frei und drückte seine Schwester. „Bringst du mir ein Pokèmon mit?“ fragte er. „Aber klar Großer. Jetzt müssen wir uns aber beeilen.“ Sie streichelten Trasla zum Abschied, legten dann die kurze Strecke bis ans Meer im Eiltempo zurück und erreichten rechtzeitig den Hafen.

Dort trafen sie auch eine „alte“ Bekannte wieder: Emily. „ Ach hi, seid ihr auch schon da?“, sprudelten die Worte aus ihr hervor, „ Naja ich auch. Ich wollte eigentlich nach Faustauhaven, aber dieser komische alte Opa, der hier die Fähre fahren soll, ist nicht da. Braucht nicht nach ihm zu suchen. Hat wohl ins Gras gebissen. Tja, dann muss ich wohl erst mal durch diesen eigenartigen Wald. Ach wisst ihr schon das neueste? Heute ist Strandmarkttag. Wir sehen uns ja bestimmt mal wieder.“ Sie rannte los und ließ zwei völlig verwirrte Mädchen zurück.
„Na das war ja eine eigenartige Begegnung. Bist du da mitgekommen?“, fragte Molly verdutzt. Abby schüttelte den Kopf. „Sie hat etwas von einem Markt gesagt. Da sollten wir mal hingehen. Wer weiß, vielleicht finden wir was Nützliches.“ „Vielleicht.“, echote Abby skeptisch.

Schon von weitem waren die bunten Stände zu sehen, die, dicht an dicht, am Strand ein farbenfrohes Schauspiel darboten. An den meisten Ständen standen Leute, die Pokèmon zum Tausch anboten. Andere wiederum verkauften Blumen, Eis und kalte Getränke, die bei dieser Hitze nicht schaden konnten. Die Leute drängelten sich vor den verschiedenen Buden zusammen und beobachteten neugierig, wie die Pokèmon miteinander balgten. „Abby, schau mal hier.“, rief Molly und winkte sie zu sich herüber. „Schau mal hier, sind die nicht süß?“

In einer kleinen Box spielten zwei niedliche Pokèmon miteinander. Das Eine sah fast aus wie das Andere. Die beiden waren beige mit langen Öhrchen und, je nachdem, einem roten Plus, oder blauen Minus an der Schwanzspitze und gleichfarbigen Ohren. „Oh die sind ja echt putzig!“, ereiferte sich Abby und nahm sich das Blaue aus dem Käfig. Prompt bekam sie einen Stromschlag. „Au!“, quietschte Abby, „Wir sind wohl nicht füreinander geschaffen.“ Vorsichtig setze sie das Pokèmon wieder zurück.

Diesmal etwas umsichtiger nahm sie das rote Pokèmon aus dem Korb. Es kuschelte sich gleich in ihre Arme und seine Wangen fingen an zu glühen. „Das ist Plusle. Dieses ist ziemlich ruhig, wenn es dich nicht stört, kannst du es tauschen.“, sagte der Junge, der anscheinend das Pokèmon zum Tausch anbot. „Es scheint dich zu mögen.“

„Mal im Gegensatz zu dem anderen Pokèmon.“, stichelte Molly. „Wisch dir endlich dein dummes grinsen aus dem Gesicht. Das steht dir nicht!“, sagte Abby lachend und gab ihr einen Rippenstoß. Molly hob das blaue Pokemon aus dem Korb. Es hüpfte auf ihren Kopf, hinunter auf ihre Schulter und zurück in ihre Hände. „Und dies ist ein Minun. Ein bisschen forsch für meinen Geschmack, aber es kann ganz gut austeilen.“ Sagte der Junge. „Wollt ihr nun die Pokèmon oder nicht?“, fragte der er mürrisch. „Also erstens, wenn du weiterhin so mit deiner Kundschaft umgehst, wirst du deine Pokèmon eh nicht los und zweitens, ich tausche nur, wenn sich Molly das andere nimmt.“ Sagte Abby.

„Komm mal kurz mit.“ Molly zog Abby hinter den nächstbesten Stand, „Wogegen willst du denn das Pokèmon tauschen? Also ich will Veela, Avi und T-Rex behalten und du dein Flemmli doch sicher auch.“ Abby winkte ab. „Ach ich hab doch noch das Schwalbini. Ich weiß eh nicht wohin damit und du kannst außerdem ja noch ein Pokèmon fangen. Du willst doch das Minun, oder?“ Der Junge hatte ihnen schon so einiges über die beiden Elektro- Pokèmon erklärt. „Na klar, das wäre doch das Zeichen überhaupt für unsere Freundschaft. Ich hab nur keine Bälle mehr.“, Molly machte eine besorgte Miene. „OK, ich halt den Jungen hin und du läufst zurück nach Blütenburg City, kaufst dir Pokèbälle und fängst dir das erstbeste Pokèmon, das du im hohen Gras findest. Aber beeil dich, sonst heißt es nachher noch Minun ade, scheiden tut weh...“ „Wird gemacht!“ und Molly rannte los. „Na dann wollen wir mal.“, sagte Abby und schlenderte zu Plusle und Minun zurück.

Als Molly schon kurz vor Blütenburg City war, blieb sie abrupt stehen. „Mein Gott, bin ich blöd!“, sagte sie zu sich und fing an in ihrem Rucksack zu kramen. Auf einmal zog sie ein Paar nagelneuer Turbotreter heraus. Schnell schlüpfte sie hinein und war in null Komma nichts in der Stadt. Selbst Mrs. Din, die neugierig und sorgenvoll durch das Fenster die Straßen nach Heiko – er trainierte fleißig sein Trasla – absuchte, sah nur einen Staubstreifen vorbeizischen. „Theodor, mach die Fenster zu, es ist starker Wind draußen.“, Sagte sie hektisch und wuselte sogleich im ganzen Haus umher. Ihr Mann schüttelte nur belustigt den Kopf.

„Guten Tag, kann ich dir behilflich sein?“, fragte die freundliche Frau hinter der Theke im Supermarkt. „Ja, ich hätte gerne einen Pokèball.“ Molly kramte in ihrer Geldbörse. „Lass das Geld ruhig stecken. Du bist doch neu hier. Das ist ein Willkommensgeschenk.“ Verdutzt nahm Molly den Ball entgegen, bedankte sich und lief hinaus. Sie sah auf die Uhr. Es wurde Zeit, dass sie sich auf das Fangen eines Pokèmon konzentrierte.

Vorsichtig schlug sie sich ins hohe Gras. Sie zückte den Pokèball mit Wingull. Leise schlich sie sich weiter, bis der Boden unter ihr ein leises „Uuuiii!“ vernehmen ließ. Erschrocken sprang Molly zur Seite und da lag es ein ziemlich breitgemantschtes Loturzel. „Avi, Aquaknarre!“ Das leise trommeln von Regen auf nassem Blatt war zu vernehmen. Doch anstatt, dass sich das Pokèmon geschlagen gab, fing es an im Regen herum zu hüpfen. „Egal.“, dachte Molly und warf den Ball. Scheinbar hatte das Loturzel zu diesem Zeitpunkt nicht damit gerechnet und ließ sich sehr leicht einfangen. Molly steckte sich den Ball an den Gürtel und rannte zurück zum Strand. „Hoffentlich komme ich nicht zu spät!“, dachte Molly und gab Gas.

5.

Sie traute ihren Augen kaum, als Molly den Markt erreichte und sich bis zum Stand durchschlug. Da schlenderten doch tatsächlich der Junge und Abby Arm in Arm über den Platz. Molly rieb sich die Augen. „Was ist den hier los?“, fragte sie die beiden schockiert. „Ähhh..!“, machte Abby, der das Ganze offenbar sehr peinlich war und wurde rot. „Bist du ihr Bodyguard, oder hast du sonstige Einwände, dass ich mit deiner Begleiterin den Markt genauer unter die Lupe nehme?“, sagte der er arrogant. „Du scheinst etwas ganz anderes unter die Lupe zu nehmen!“, bemerkte Molly trocken. „Was hat denn deine kleine Aufpasserin nur? Heute mal ganz autoritär.“ „Das ist nicht meine Aufpasserin, meine Begleiterin oder sonst was. Das ist meine beste Freundin! Und du bist ein dummer Schnösel!“ Abby löste sich aus seinem Griff. „Kommen wir doch besser wieder dahin, wo wir eigentlich hin wollten. Zum Tauschen.“, feixte Molly. „Schwalbini gegen Plusle...“ „...und Loturzel gegen Minum.“ Beide ließen sie die Pokemon frei.

„Gott sei Dank bin ich diesen Typ los.“, stöhnte Abby und kraulte ihr Plusle. „Das sah mir aber vorhin ganz anders aus. Was war denn da los?“, fragte Molly neugierig, während sie Minun auffing, das ihr gerade vom Kopf gerutscht war, da es einfach nicht still sitzen konnte. „Er hat gesagt, wenn ich nicht da bleiben und mich mit ihm unterhalten würde, müsse er ja die beiden nicht mit uns tauschen. Also hab ich mir mit ihm den Markt angeguckt.“, berichtete Abby. „Puh, und ich dachte das wäre was ernstes.“ „Traust du mir das etwa zu?“, hakte Abby nach. Beide fingen an zu lachen.

Es war schon 20 Uhr und Mollys und Abbys Mägen hingen in deren Kniekehlen. „Hunger!“, stöhnte Abby und schleppte sich voran. „Wo wollen wir heute eigentlich übernachten?“, fragte Molly müde und unterdrückte einen Gähner. „Auf keinen Fall in Blütenburg City. Da schaff ich’s heute Nacht nicht mehr hin.“, maulte Abby. Und während sie so ins Nirgendwo weiterstolperten fiel beiden ein großer Baum am Wegrand auf. „Ahhh. Baumhotel alla drei Sterne.“, bemerkte Abby und zückte ihren Rucksack. „Was machst du da?“, fragte Molly neugierig. „Mum hat mir eine TM mit auf den Weg gegeben. „Geheimpower“ Damit kann man sich so ne Art Wohnung freilegen. Und jetzt werde ich diese TM einem meiner geschätzten Pokemon beibringen. Hhmmm.... OK Plusle, du erlernst diese Attacke.“

Abby nahm ihr Plule von der Schulter, auf der sie- Plusle war weiblich- es scheinbar sehr bequem fand und hielt ihr die TM unter das Näschen. Plusle schnupperte, legte die Ohren nach hinten und nickte dann mit dem Kopf. 1,2,3...schwupp! Hatte sie die Attacke erlernt. „Und jetzt mein Schatz, leg uns bitte diesen Baum frei.“ Plusle kletterte flink den Baum hinauf und zehn Sekunden später fiel ein dicker Ast von der Krone. Er war stark genug, um sich daran hinauf ziehen zu können. Molly und Abby nahmen ihre letzten Kräfte zusammen und hangelten sich auf den Baum.

„Nicht besonders schön, nicht besonders gemütlich, aber für die Nacht wird’s reichen“, bemerkte Molly. Und Abby fügte hinzu: „Willkommen bei Waldläufers Rast. Darf ich ihnen den Mantel abnehmen?“ Sie betraten den kleinen, quadratischen Raum und beäugten ihn misstrauisch. Da sich scheinbar kein wildes Pokèmon in einer Ecke der Laubkrone versteckt hatte, streckten sie sich auf dem nackten Boden aus. „Mein Magen will was essbares!“, übersetzte Molly das Knurren, das soeben den Baum hatte zittern lassen. „Keine Sorge, dafür hat Mum auch gesorgt.“ Abby zauberte einen Gaskocher, Töpfe und Pfannen und einen großen Beutel Lebensmitte hervor. In einer Viertelstunde standen vor ihnen ein Teller mit Spiegeleiern und einer mit duftendem Speck. Sie aßen ihr kleines Abendbrot und legten sich endgültig zum Schlafen hin.

Am nächsten Morgen erwachten beide Mädchen mit dicken Augenringen. „Eeeehh, hab ich schlecht geschlafen.“, knurrte Abby müde. Molly konnte nur leicht mit dem Kopf nicken. Sie aßen ein paar Beeren zum Frühstück und kletterten wieder den Baum hinab. Molly zog eine Karte aus ihrem Rucksack und breitete sie auf dem Rasen aus. „Also, wir müssen heute in nördlicher Richtung zum Blütenburgwald und danach über Route 104 nach Metarost City. Wenn wir das schaffen wollen müssen wir jetzt los.“ „Darf ich mal?“ fragte Abby, griff ohne Antwort nach der Karte und drehte sie um. Molly wurde rot. „Naja, gut. Aber die Strecke bleibt dieselbe!“ druckste sie. Sie und Abby zogen sich wieder ihre Turbotreter an und liefen in Richtung Wald.

Als sie hinter die erste Baumgruppe traten, wurde es dunkel um sie. Es dauerte einen Moment, bis sich die Augen an das neue Lichtverhältnis gewöhnt hatten. Plötzlich hörten sie Stimmen. Zwei Käfersammler traten hinter einem Busch hervor. „Lust auf nen 2-zu- 2- Kampf?“ Und schon ging es los. „Pappinella, Pudox, los!“, riefen die beiden Käferfans aus einem Munde. „Los, Avi!“ „Los, Flemmli!“

Nach zirka drei Minuten lagen ein verkohltes Papinella und ein ziemlich verfleddertes Pudox am Boden, die sich sehnlichst in ihre Pokebälle zurück wünschten. Abby und Molly gingen nur cool an den heulenden Sammlern vorbei und waren bald nicht mehr zu sehen. „Dein Avi hat super gekämpft. Ich überlege, ob ich mir nicht auch eins fange.“, verkündete Abby.

Hinter der nächsten Biegung erwartete sie eine Überraschung. Dort stand ein Mann, der leise vor sich hin wimmerte. Als sie den Mann ansprachen sahen er sie mit seinen rotverquollenen Augen an. „Was ist denn passiert? Können wir ihnen helfen?“, fragte Molly bestürzt. Der Mann schüttelte den Kopf. „Zwei kleine Mädchen werden mir meine Akten auch nicht wiederbringen können. Einer vom Team Flower hat sie mir gestohlen.“ „Das ist ja schrecklich!“, log Abby, die seine Aufgelöstheit wegen ein paar lausiger Akten nicht verstehen konnte. Außerdem nahm sie ihm das „kleine Mädchen“ übel. Schließlich waren beide 14. „In welche Richtung ist er denn geflohen?“, fragte Molly, die die ganze Angelegenheit mächtig zu interessieren schien. Abby allerdings hatte überhaupt keine Lust für so einen Jammerlappen einem Team Flower zu nahe zu kommen. „Die tauchen schon wieder auf. Wir müssen jetzt eh weiter.“ Abby zupfte an Mollys Ärmel. Diese wehrte ab. Doch der Mann schaute Abby wutentbrannt in die Augen. „Was fällt dir eigentlich ein so etwas zu behaupten?“, seine Stimme überschlug sich, „Meinst du ernsthaft, dass ein wertvolles Devon-Packet von solchen Schuften wieder heraus gerückt wird?“ Abby zuckte mit den Schultern „Mir egal. Ich für meinen Teil muss jetzt aber gehen und habe auch keine allzu große Lust, die mir wertvolle Zeit mit einem Mann wie ihnen zu verschwenden.“ Sie ging raschen Schrittes den Weg weiter.

Als sie die anderen schon nicht mehr sehen konnte, kreuzte ein Junge ihren weg. Er mochte vielleicht 16 oder 17 sein. Der Junge war ganz in grün gekleidet und hatte Ähnlichkeit mit Robin Hood. Als die beiden zusammenstießen, fiel ihm ein Päckchen aus den Händen. „Das wird doch nicht etwa der Dieb sein?“, arbeitete es in Abbys Gehirnkasten. Er musste es sein. „Was hältst du von einem kleinen Kampf?“, fragte sie von oben herab. „Tut mir leid, ich hab kein Geld dabei.“, wich der Junge aus. „Macht doch nichts. Kämpfen wir halt um das Packet da.“ Abby zeigte auf den Karton. „Mit einem Flower wirst du eh nicht fertig!“, rief der Junge und zückte einen Pokeball. Als er ihn warf, erschien Tuska. „Los, Flemmli!“, rief Abby. „Flemmli, Glut!“ „Tuska, Nadelrakete!“ Flemmli duckte sich unter den Nadeln hinweg und ließ sein Feuer glühen. Es drückte sich eng an Tuska, das verzweifelt versuchte der Attacke zu entgehen. Doch das Feuer- Pokèmon besiegte es.

Plötzlich fing Flemmli an zu glühen und zu leuchten und ein paar endlose Sekunden später stand vor Abby ein Jungglut. Der Flower wollte diesen Überraschungsmoment ausnutzen und verschwinden, doch Jungglut stellte sich ihm in den Weg. „Äh, äh, äh, äh! Wo wollen wir denn hin, du kleine Ratte? Du kannst gerne verschwinden, aber das Paket bleibt hier.“ Der Team Flower ergriff schnell die Flucht. Abby schnappte sich das Päkchen, aus Angst, es könnten mehr von diesen Typen im Wald herumstreunen und rannte damit zu Molly und dem Mann. Als dieser das Paket erblickte, strahlten seine Augen. „Wo hast du denn das her?“, er klang erleichtert, „Das ist das Devon- Paket! Gib es mir!“ Er streckte seine Arme dem Paket entgegen.

„Sie bekommen es ja gleich wieder. Aber erst nehmen sie das „kleine Mädchen“ zurück. Sie sehen ja, was angeblich kleine Kinder so alles schaffen.“ „Ja, ja, ich nehme alles zurück. Ihr seid meine Retter.“ „Mehr wollten wir scheinbar nicht hören.“, zwinkerte Molly. Der Mann bedankte sich noch umständlich und verschwand im Waldesinneren. „Da waren’s nur noch zwei.“, bemerkte Abby und Molly fragte: „Was da wohl so alles drin war?“ Abby zuckte mit den Schultern „Mir egal. Ich für meinen Teil jedenfalls, hatte keine allzu große Lust, die mir wertvolle Zeit, mit einem Mann wie dem zu verschwenden“, wiederholte Abby. Hinter dem nächsten, großen Baum sahen sie Licht schimmern…

6.

Es war Mittag, als sie den Wald hinter sich gelassen hatten. Nun standen sie vor einem Haus mit der Aufschrift „Blumenladen von Metarost City“. „Ich sehe hier zwar einen Blumenladen, aber kein Metarost City“, witzelte Molly. „Lass uns doch einfach mal fragen.“ Sie gingen an einem Beet mit wunderschönen Bäumen vorbei. Jeder hatte eine andere Laubform und -farbe und trug andere Früchte. „Das ist eine Nirbebeerenbaum. Die Früchte sind richtig lecker.“, erklärte Abby. „Woher weißt du das?“ „Och, wir hatten auch mal so einen Baum vor unserer Haustür. Mum war richtig stolz auf ihn. Bis Dad ihn „aus versehen“ gefällt hat. Ich glaub, er hat ihm zu viel Schatten geworfen.

Als sie den Laden betraten, kam ihnen eine Duftwolke entgegen. Er war sehr hübsch eingerichtet und beinhaltete eine Vielzahl an Blumen. „Entschuldigen sie?“, fragte Molly in den Raum hinein. „Könnten sie uns vielleicht sagen, wie weit es noch nach Metarost City ist?“ Eine junge Frau mit blauen Haaren hob den Kopf. „Noch eine gute halbe Stunde zu Fuß“ Dann blickte sie auf Mollys Füße. „Mit Turbotretern die Hälfte der Zeit.“ Molly bedankte sich und wollte den Laden mit Abby verlassen, doch wo war sie? „Abby? Haaalloo?“ Keine Antwort. „Ibby! Wo bist du?!“ Ihr Kopf erschien hinter einer riesigen Pflanze. „Was ist denn? Guck mal, ist die nicht hübsch? Und die da drüben auch und die erst mal. Meine Güte, das ist das Paradies.“ „Was willst du denn mit solchen Staubfängern?“ Als Molly bemerkte, wie die Verkäuferin zusammen zuckte, fügte sie rasch hinzu: „Wo willst du denn damit hin, meine ich.“ „Wir könnten uns eine Geheimbasis damit einrichten. Zum Beispiel.“

Als sie den Laden wieder verließen hatte Abby eine ganze Menge Geld dort gelassen. „Auf Wiedersehen!“, rief ihnen die Frau noch extra freundlich hinterher, „Kommt bald wieder!“ „Oh nein, wir werden demnächst einen sehr weiten Bogen um dieses Geschäft machen müssen, wenn Abby nicht bankrott gehen will. Oder ich kaufe in Metarost City eine Leine für sie.“, dachte Molly. „Hach, der Laden war einfach klasse. Ich finde es richtig nett von ihnen, dass sie mir die Blumen auf den PC geschickt haben. Und dann auch noch die vielen Gratisbeerensamen!“, schwärmte Abby. „Bei dem vielen Geld, dass du da gelassen hast, ist das kein Wunder.“, nuschelte Molly. „Hast du was gesagt?“ „Ach nein, nichts wichtiges.“

Nach zwanzig Minuten erreichten sie Metarost City. Die Stadt war ziemlich grau und trostlos. „Die könnten hier auch mal ein paar Blümchen vertragen!“, stellte Abby fest. „Bloß nicht das auch noch!“, dachte Molly im Stillen und war sich bewusst, dass sie dafür einen heftigen Rippenstoß einkassiert hätte. „Was ist in Metarost City eigentlich alles so los?“, fragte Abby. „Schon vergessen? Wir gehen dahin um Felizia, die Arenaleiterin heraus zu fordern.“ „Aha. Stimmt. Was hat sie eigentlich für Pokemon?“, Abby stellte sich dumm. „Gestein, aber Mensch Abby, dass weißt du doch alles. Wieso fragst du? Oder hast du etwa ein Gedächtnis wie ein Sieb?“

In Mitten der Stadt lag die Arena. Sie sah aus wie jede Arena, soweit Molly und Abby das beurteilen konnten. Sie traten ein und wurden gleich umgerannt. Emily war überglücklich. „Yea! Ich hab die Arenaleiterin besiegt! Huhu!“, rief sie. Als sie bemerkte, wen sie da soeben umgerannt hatte entschuldigte sie sich schnell. „Tut mir leid ihr zwei. Ihr seid mir gar nicht aufgefallen und außerdem bin ich ja soo froh, dass ich diese doofe Arenaleiterin besiegt hab. Ich hab endlich meinen ersten Orden. Wollt ihr ihn mal sehen?“ „Nein, danke. Wir…“ „Also mein Hydropi war einfach super und mein Loturzel auch und…“ „Emily!!!“, unterbrach Molly sie schnell. „Kannst du nicht mal langsam reden? Wir müssen doch auch noch hinterher kommen. Wir wollen auch die Arenaleiterin herausfordern. Und wir werden gewinnen.“, redete Molly weiter, bevor ihr die kleine wieder ins Wort fiel. „Tut mir leid, dass ich euch immer ins Wort falle, aber ich kann halt nicht anders. Habt ihr schon den Blumenladen besucht?“, fragte Emily scheinheilig. „Klar! Sind die Blumen da nicht wunderschön? Ich hab mir ganz viele gekauft und die Verkäuferin hatte immer noch mehr.“, schwärmte Abby. „Findest du den Laden auch so klasse? Ich hab mir auch ein paar gekauft. Die riesige Zierpflanze ist doch wunderbar.“ „Ja genau und die Topflanze auch!“ „Hmm, aber…!“ „Werdet ihr beiden Blumenheinis bald mal fertig mit der Diskussion?“, unterbrach Molly das eifrige Gespräch. „Wir haben jetzt noch eine Arenaleiterin zu besiegen. Wenn es dir bei uns so gut gefällt Emily, dass du uns immer umrennen musst, kannst du ja ein Stück mit uns mitkommen.“ „ECHT? Ist das dein Ernst?“, Emily war überrascht. „Klar ist es das, sie scherzt nicht so gerne.“, sagte Abby. Die kleine umarmte Molly und Abby dankbar und fing gleich wieder zu quasseln an. „Danke! Also ich finde das ja schon langweilig immer allein zu reisen. Zu dritt macht es doch immer noch am meisten Spaß. Vor allem bin ich froh, dass Mum mich hat alleine reisen lassen. Aber sie wusste eh, dass ich bald losgezogen wäre. Hat sie mir also eines Tages gesagt…“ „EMILY!!!“, riefen Molly und Abby.

Alle drei betraten die Arena. Emily führte sie vorbei an den bereits besiegten Vorkämpfern, die sich alle um ihre verletzten Pokèmon kümmerten. Im hintersten Teil der Arena wartete Felizia bereits auf die nächsten Herausforderer. Als sie Emily jedoch erblickte stutzte sie. „Du warst doch schon mal hier und hast mich besiegt! Noch mal bekommst du den Orden aber nicht.“ „Nein, nein. Ich bringe nur meine beiden Freundinnen zu dir. Wie geht es deinem Nasgnet? Hat es wieder Energie?“ Felizia lachte. „Ja meine Kleine. Es geht ihm wieder gut. So und ihr beide wollt also gegen mich antreten?“

Abby gab Molly den Vortritt. Diese hatte leichtes Spiel mit Felizia. Ihr Avi besiegte das Kleinstein spielend und auch wenn es dann vom Nasgnet besiegt worden war, hatte sie immer noch ihr T-Rex. Nach dem Kampf fing auch T-Rex an zu leuchten und entwickelte sich zu Reptain. Dann war Abby an der Reihe. Doch es war weit und breit keine Abby zu sehen. Als sie die halbe Arena bereits abgesucht hatten, stürmte sie durch die Tür. „Entschuldigt die Verspätung!“, rief sie und der Kampf begann. Als Abby ihr Jungglut freiließ, fing Felizia an zu lachen. Doch Jungglut schaffte es trotzdem, mehr schlecht als recht, ihr Kleinstein in die Pfanne zu hauen. Doch auch wie bei Avi scheiterte es an Nasgnet. Molly blieb der Atem stehen. Abby hatte nur noch Plusle und das hatte gar keine Wirkung auf Gestein. Doch widererwartend zog Abby ein Ass aus dem Ärmel. Sie hatte sich schnell noch ein Wingull gefangen und dieses triumphierte schließlich über Nasgnet.

„Das waren tolle Kämpfe. Ich danke euch dreien.“, sagte Felizia nach dem Gefecht. Sie überreichte Molly und Abby ihre wohlverdienten Orden und drei überglückliche Mädchen verließen die Arena von Metarost City. „Du hast dir also doch ein Wingull gefangen.“, sagte Molly etwas komisch, als ob sie nicht wirklich damit zufrieden wäre. „Ja.“, sagte Abby knapp, sie hatte keine Lust zu diskutieren. Die drei kehrten in die nächste Gastwirtschaft ein, aßen und nahmen sich ein Zimmer für die Nacht. Am nächsten Morgen weckte Abby ihr Plusle, dass sich zu ihr ins Bett gekuschelt hatte und ihr nun die ganze Decke wegzog. Da Abby mächtig fror, zog sie sich etwas an und weckte die anderen.

Am Frühstückstisch saßen Molly, Emily, Abby und ihre Pokèmon vereint. Nur Jungglut hatte Abby vorsichtshalber im Pokeball gelassen. Es sah nun wirklich nicht besonders freundlich aus. Da Abby jedoch wusste, dass mit der Entwicklung zu Lohgock entgültig jegliche Schönheit von ihm wich, hatte sie beschlossen, es nicht zu entwickeln. „Ihr habt super gekämpft gestern. Oh man bin ich stolz auf euch.“, mampfte Emily mit vollem Mund. „Emily, tu mir bitte einen Gefallen und halt mal für drei Minuten den Mund.“, sagte Molly entnervt, „Ich würde gerne in Ruhe mein Frühstück essen.“

Als sie endlich alle fertig waren zahlten sie ihre Zeche und verließen die Gaststube. „Metarost City gefällt mir nicht. Lasst uns schnell hier verschwinden.“, sagte Emily leise. Sie wandten sich Richtung Norden und Molly kramte wieder in ihrer Tasche herum. Abermals zog sie die Karte hervor und suchte nach einer geeigneten Strecke. Wieder war die Karte falschrum, aber Molly bemerkte es nach dam ersten Blick auf die Beschriftung und drehte sie schnell um, bevor es Abby tun konnte. Sie fing an, über den vor ihnen liegenden Weg zu mutmaßen:

„Solange die Fähre nicht offen ist, werden wir nie gegen Kamillo kämpfen können. Außer wir können übers Meer fliegen. Hat jemand von euch zufälliger Weise diese Superkräfte? Nein? Also müssen wir uns erst mal mit Wiesenflur abgeben. Dazu brauchen wir nur durch diesen Tunnel gehen und schon sind wir da.“ Abby, die mit auf die Karte gesehen hatte, warf ein: „Aber schau mal, da, der Tunnel ist noch nicht fertig.“ „Ach die Karte kann ja auch nicht mehr stimmen. Wahrscheinlich haben sie den Weg schon längst fertig gegraben.“, Molly blieb optimistisch. „Oder die Höhle ist eingestürzt!“, rief Emily. Molly verstaute die Karte wieder in ihrem Rucksack und sie machten sich auf den Weg zur Verbindungshöhle nach Wiesenflur.