Bisafans.de Hole dir tolle C-Gear Hintergrundbilder!
News | TV-Guide | Kinofilme | Pokedex | Spiele | TCG | Files | Fanwork | Forum | Sonstiges | Spiel + Spaß

Agu 4: Time is not enough

Menü Fanstorys ||| Kurzgeschichten ||| MP3-Geschichten ||| Eigene Fanstory einschicken ||| Fanstory-FAQ ||| Fanwork Übersicht

Geschrieben von: Stephan
„Was glaubst du, was ich vor habe?!“ rief der Trainer in den Hörer. Dann zuckte er plötzlich zurück. Er hatte gar nicht gemerkt, dass sich das lang gesuchte Celebi während dem Telefonat mit Agu Cloud angeschlichen hatte und interessiert den PokéCom betrachtete. „Das fang ich,“ dachte der Trainer und zückte einen PokéBall. Doch blöd ist so ein Celebi ja auch nicht. Es erkannte den PokéBall als einen solchen und wusste genau, was Trainer damit anzufangen pflegen. Erschrocken rief es „Cele! Celebi!“ und ließ irgendein seltsames Puder auf den Trainer rieseln, woraufhin dieser sich auflöste.

1. Time is running out

Guten Tag. Mein Name ist Florian Treinat und ich komme aus dem Jahr 2222. Ja, ihr lacht, das wusste ich! Dann gebe ich euch eben den Beweis: Im Jahr 2222 wird der Arenaleiter von Azalea City Cyanzel heißen und mit seinem himmelblauen Girm antreten! Ich lebe in Azalea City und war Angestellter von eben diesem Cyanzel, von dem ich auch damals mein Raupy, mein Start-Pokémon, bekommen habe. Für euch ist das Vieh ja fast eine Landplage, aber wartet mal 220 Jahre ab, dann sind die Städte so groß und die Wälder so klein, dass solche Pokémon kaum mehr eine Überlebenschance haben und unter Naturschutz stehen! Aber kommen wir zur Sache. Wie jeder Junge, der in Azalea lebt, hatte auch ich den Wunsch, einmal das legendäre Celebi zu sehen. Eines Tages war es durch Zufall so weit, ich konnte das Pokémon von weitem an einem See sehen. Ich kam auf die Idee, es nicht sofort anzugreifen, sondern zu warten, bis es sich schlafen legte, was bald der Fall war. Dann schlich ich mich an und versuchte, es zu fangen. Natürlich wachte es auf und teleportierte mich vor Schreck ins Jahr 1994. Dort begann ich als Aushilfe bei Arenaleiter Kai, wobei sich auch mein Raupy erst zu Safcon und dann zu Smettbo entwickelte. Zwei Jahre später, 1996, schickte Kai mich dann zum Käferturnier nach Dukatia City, weil es dort ein Sichlor zu gewinnen gab, das er brauchte. Ich fing das Sichlor, lernte jedoch auch zwei neue Freunde kennen: Den ehrgeizigen Trainer Agu, der inzwischen Champion der Indigo-Liga ist, und Jens, den derzeitige Arenaleiter von Teak City. Nachdem Sichlor dann gegen Agu verloren hatte, wurde ich gefeuert, durfte das Sichlor aber behalten. Von nun an zog ich ein halbes Jahr lang mit Agu durch die Welt, sammelte Orden und kam in der Liga sogar weiter als er. Erst vor kurzem habe ich mich von ihm verabschiedet und habe wieder nach dem Celebi gesucht, das mich zurück bringen kann. Und das habe ich ja jetzt wohl gefunden. Nur ... wohin hat es mich gebracht?

Ich sah mich um. „Na toll,“ stellte ich fest, „scheint das tiefste Mittelalter zu sein. Da wird man ja glatt für verrückt erklärt, wenn man was vom Jahr 2222 erzählt!“ In dem Moment klingelte mein Time Talker. Das sind Geräte wie Handys, nur dass man sich mit ihnen auch durch die Zeit unterhalten kann. Ich erkannte auf dem Display die Nummer von Professor Llynt und ging dran. „Bist du es, Florian?“ fragte der Professor. „Ja,“ antwortete ich, ohne zu erwarten, dass er mir gleich eine Hiobsmeldung sagen würde: „Deine Zeit wird knapp! Vor fast drei Jahren bist du verschwunden und drei Jahre sind das Maximum! Wenn du nicht innerhalb von zwei Monaten den Weg zurück findest, wirst du in der Zeit, in der du dann bist, fest sitzen!“ – „Wieso das?“ fragte ich etwas verwirrt, „sterben in zwei Monaten die Celebis aus oder was?“ – „Das nicht,“ erklärte Professor Llynt, „aber dann härtet sich die Zeitreise-Attacke, soll heißen, dann bleibt sie unveränderlich. Kein anderes Celebi kommt dann mehr gegen seinen Celebi an, es wird dich nicht mehr zurück teleportieren können. Ich weiß, hört sich kompliziert an, ist aber auch schwer zu erklären. Nur ein Rat: Beeil dich, um Himmels Willen!“

Dann legte er auf. Ich sah ratlos auf den Time Talker, dessen Batterieanzeige auch nur noch auf 1 % stand. Hier im Mittelalter dürfte es ja an jeder Straßenecke Steckdosen zum Aufladen geben! Ich beschloss, den Steineichenwald erst einmal zu verlassen, ein Celebi würde mir ja jetzt sowieso nicht einfach so durch Zufall um die Ohren schweben.

Nach zwei Stunden kam ich endlich wieder unter freiem Himmel an und durfte feststellen, dass ich mich für die falsche Richtung entschieden hatte. Azalea City lag auf der anderen Seite des Steineichenwaldes. Jetzt wollte ich diesen labyrinthartigen Forst aber nicht noch einmal durchqueren, deshalb beschloss ich, in Richtung Dukatia City zu laufen. Schon von weitem war auf der Stelle des heutigen Radioturms ein großes Schloss zu erkennen. Die vielen Hochhäuser hingegen ließen auf sich warten, stattdessen tauchten nur lauter kleine Bauernhäuser auf. Offenbar war Dukatia City noch ein wenig klein, allerdings doch schon die Hauptstadt und somit der Sitz des Königs. Dann hatte ich plötzlich eine Idee: Vielleicht kann der mir ja helfen! Ich lief auf das Schloss zu.

2. Turnier um vier

Ich kam in Dukatia City an und bestaunte die vielen alten (oder neuen) Häuser. Da es auch ein Pokémon Center gab, ließ ich auch gleich mal Sichlor und Smettbo heilen. Dann ging ich weiter auf das Schloss zu, vor dem ich einige bunte Zelte entdecken konnte. „Da scheint irgendeine Veranstaltung zu sein,“ dachte ich mir. Ich ging näher. Plötzlich erhob sich Zapdos hinter den Zelten. Wie angewurzelt blieb ich stehen und starrte auf das legendäre Pokémon. Es krähte „Zaaaaapdos!!“, schickte seine Blitze in alle Richtungen und schoss dann an den Horizont, wo es nach nur wenigen Sekunden verschwunden war. „Wenn man so Vorstellungen hier öfter geboten kriegt,“ stöhnte ich, während ich mich an einen Baum klammerte, „dann ist diese Zeit aber nichts für meine Nerven!“

Wenige Minuten später kam ich vor dem Schloss an. Nun wusste ich, wozu die Zelte gut waren: Es handelte sich um Turnierzelte, in Dukatia City fand nämlich an diesem Tage zum 95. Mal das berühmte Johto-Turnier statt. Eine Gruppe von Leuten starrte zu mir hinüber. Sie standen vor einem Zelt, auf dem das alte Wappen von Azalea City prangte. „He, Junge,“ rief schließlich einer von ihnen, „woher kommst du?“ – „Ich?“ staunte ich, „äh, meinen Sie die Zeit oder den Ort? Also, eigentlich aus Azalea City!“ – „Gut,“ freute sich der Mann, „dann bist du gleich mit deinem Kampf dran!“ – „Hä, wie, was?“ staunte ich völlig ratlos und kam mal näher. „Unser Vertreter, Sir Erstmals,“ erklärte der Mann, „war so stolz, Zapdos gefangen zu haben, der Sieg wäre ihm damit sicher gewesen. Doch leider hat Zapdos ihm nicht gehorcht und ist davon geflogen. Doch noch viel schlimmer: Der Donner von Zapdos hat Sir Erstmals außer Gefecht gesetzt und nun haben wir keinen Teilnehmer!“ – „Hmmm,“ überlegte ich, „na gut! Ein kleiner Kampf nebenbei kann ja nichts schaden!“

Der nächste Kampf wurde aufgerufen: „Die Ritter aus Lavandia und Azalea City bitte das Turnierfeld betreten!“ Mutig schritt ich auf die freie Fläche. Das Publikum lachte. „Was für einen Spaßmacher hat sich denn Azalea City da ausgesucht?“ war deutlich aus verschiedenen Ecken zu hören. Ich beschloss, nicht darauf zu achten, was jedoch schwer war, zumal mein Gegner eine Kapuze über dem Kopf und eine Sense in der Hand hatte und damit fast wie der Tod aussah. „Zwei gegen zwei Pokémon,“ rief der Ausrufer, „Zeitlimit: 15 Minuten! Der Kampf beginnt!“

Mein Gegner wartete offenbar, bis ich mein Pokémon ausgewählt hatte. Sicher, so konnte die Kampfzeit auch vorüber gehen! Ich wusste nicht, welches ich nehmen sollte, aber auf gut Glück entschied ich mich für Smettbo. Der Schmetterling kam also aus meinem PokéBall zum Vorschein und flatterte über das Turnierfeld, wobei er beeindruckt das Schloss betrachtete. Mein Gegner schien zu grinsen, auch wenn ich sein Gesicht nicht erkennen konnte. Er zückte einen PokéBall und warf ihn. Ein Hundemon kam zum Vorschein. „Ach du Scheibenkleister,“ erschrak ich, „na gut! Smettbo, Flügelschlag!“ Mein Gegner sagte nichts, doch das Hundemon schien trotzdem zu verstehen, was er wollte. Es sprang mit einer Agilität geschickt beiseite und entkam so dem Flügelschlag, dann ging es in Angriffsstellung und schoss einen Feuersturm ab. Smettbo wurde voll erwischt und fiel zu Boden. Ich holte es in den PokéBall zurück.

„Das ging schnell,“ seufzte ich, „vor allem ist mir dieses Hundemon etwas zu schnell! Na ja, vielleicht ist Sichlor schnell genug!“ Ich warf meinen zweiten PokéBall, aus dem die überdimensionale Heuschrecke zum Vorschein kam. „Erst Doppelteam und dann sofort Schlitzer,“ orderte ich an. „Sichlor!“ rief Sichlor und verdreifachte sich. Hundemon guckte ziemlich doof aus der Wäsche. Das echte Sichlor schoss nach vorne und schnitt Hundemon eine ziemlich heftige Wunde in den Rücken. Der Köter jaulte auf und schoss dann erneut einen Feuersturm ab, doch Sichlor dachte mit. Es wartete gar nicht auf meinen Befehl, wich mit Agilität aus und gab Hundemon mit einem anschließenden Ruckzuckhieb den Rest.

Ich atmete zunächst auf, doch als ich merke, dass mein Gegner sich nicht an dieser Niederlage zu stören schien, wurde mir doch wieder etwas mulmig zu Mute. Langsam zückte er seinen zweiten PokéBall. Heraus kam ein Pupitar. „Au, verdammter Mist,“ fluchte ich, „Sichlor, du... du... ach, du hast eh keine Chance, also mach irgendwas!“ Sichlor sah sich verwirrt zu mir um und setzte dann noch einmal den Ruckzuckhieb ein, doch Pupitar buddelte sich schnell per Schaufler unter die Erde. Nur wenige Augenblicke später kam es direkt hinter Sichlor wieder zum Vorschein und setzte es mit einem überraschenden Steinhagel außer Gefecht.

„Das war’s wohl,“ seufzte ich. Die Menge hielt gebannt den Atem an. „Was haben die alle?“ staunte ich und sah mich ratlos um, „ich hab doch verloren, oder?“ – „Junge,“ riefen die Leute vor dem Azalea-Zelt, „dein Smettbo!“ – „Hä?“ Ich verstand kein Wort. „Dein Smettbo,“ riefen die Leute, „du hast es nur zurück gerufen! Es ist noch nicht besiegt!“ – „Ach so,“ meinte ich schulterzuckend, „als ob das einen Unterschied machen würde! Es hat als Käfer sowieso keine Chance gegen Pupitar!“ Ich ließ gleichgültig Smettbos PokéBall ins Gras plumpsen. Der Schmetterling richtete sie mühsam auf, kam aber nicht mehr in die Luft. Zum ersten Mal sah ich, wie mein Gegner seinem Pokémon die Befehle erteilte, nämlich indem seine Augen unter dem Kapuze im Morse-Code blinkten. Pupitar verstand den Befehl und buddelte sich wieder ein. „Halt mal,“ kam mir plötzlich der Geistesblitz, „Smettbo, kriech ein paar Schritte zurück, damit es knapp vor dir aus der Erde kommt! Und dann ...“

Smettbo tat, wie ihm geheißen. Mit Mühe legte es zehn Zentimeter nach hinten zurück. Nur wenige Sekunden später schoss Pupitar vor ihm aus dem Boden. „GIGASAUGER!!!“ brüllte ich. Smettbo schoss sofort die Attacke ab und überrasche Pupitar damit. Es war auf einen Schlag besiegt, und nicht nur das, auch Smettbo war fast komplett geheilt. Die Menge jubelte. Offenbar kam es nicht oft vor, dass ein Neuling mal eben kurz gewann. Ich wurde zum König gerufen, der mir offenbar gratulieren wollte, und das war mir auch nicht unrecht. Er würde zwar im Moment keine Zeit für mein Celebi-Problem haben, aber ich könnte immerhin einen Termin mit ihm ausmachen. Also schritt ich auf den Thron zu.

3. Der Drachentöter

„Glückwunsch,“ gratulierte mir der König, „du hast die erste Runde des Turniers mit Bravour gemeistert, dein Smettbo ist sehr gut trainiert! Wahrscheinlich ist deine Punktzahl gut genug, so dass du heute Abend im Finale um die Hand meiner Tochter kämpfen kannst!“ – „Danke,“ meinte ich, „sehr freundlich, aber ich kann nichts mit einer rund 1000 Jahre alte Frau anfangen, ich brauche nur ...“ Ich stockte. Erst in diesem Moment war mir aufgefallen, was ich da gesagt hatte. Im Jahr 2222 mag sie ja vielleicht 1000 Jahre alt sein, die gute Thronfolgerin, doch jetzt? Ojemine! Dem König stand das Entsetzen über meine Worte ins Gesicht geschrieben. „Werft dieses Arkani in den Kerker!“ befahl er rot vor Zorn, „auf dass er nie wieder das Tageslicht erblicke!“

Es sah schlecht aus für mich. Ein paar gut gebaute und mit vielen PokéBällen bestückte Wachen traten auf mich zu und wollten gerade beginnen, mir die Hände auf dem Rücken zusammen zu binden, um mich anschließend ab zu führen. Doch in diesem Moment begann die Alarmglocke zu läuten und eine aufgeregte Stimme rief vom Turm herunter: „Drachenangriff!! Drachenangriff!!“ – „Meine Chance,“ dachte ich, „wenn ich den Drachen besiege, bevor diese Konservendosen überhaupt ihre PokéBälle zücken können, dann ...“

Ich riss mich los und lief aus Dukatia City heraus auf die freien Felder. Dort, wo sich ein paar Jahre später der Nationalpark erstrecken würde, befand sich im Moment nichts weiter als eine schöne blühende Wiese. Aus dem Wald trat ein Pokémon, das tatsächlich wie ein Drache aussah. Es war fast zwei Meter groß und dunkelblau. Seine Augen leuchteten rot und gaben seinem Gesicht einen recht grimmigen Ausdruck. Wo das Pokémon entlang gelaufen war, war alles vereist. Aus sicherer Entfernung zückte ich erst einmal meinen Pokédex. „Sankranice,“ erklärte dieser, „ein Eis-Drachen-Pokémon. Es soll im Mittelalter als eine Evolution des damals verbreiteten Kleindrachen Dravolu bekannt gewesen sein. Ob es heute noch Exemplare gibt, ist nicht bekannt.“

„Mhm,“ murmelte ich, „Eis und Drache, also zwei Elementklassen, die sich eigentlich gegenseitig beißen. Aber ich hab natürlich weder für das eine noch für das andere ein gutes Pokémon entgegen zu setzen! Verflixt!“ Ich ging ein paar Schritte zurück. Offenbar war es doch keine so gute Idee gewesen, mich allein dem Drachen gegenüber zu stellen. Er entdeckte mich und sah mich böse an. Ich blickte mich um. Die Ritter aus Dukatia City standen am Stadtrand und der König sprach zu ihnen: „Ihr könnt das Scheusal besiegen! Doch greift erst ein, wenn es den Frevler gefressen hat! Er soll seine gerechte Strafe erhalten!“ Na toll, von denen war also keine Hilfe zu erwarten! Ich musste also irgendwie selber durch. Da Sichlor besiegt war, griff ich also nach Smettbos PokéBall. Als ich ihn jedoch gerade werfen wollte, stolperte ich über eine Wurzel. Der Ball fiel mir aus der Hand und rollte in eine Dornenhecke.

„So ein Pech kann auch nur ich haben,“ murmelte ich und bückte mich, um nach dem Ball zu suchen. „Ah, da hinten liegt er,“ stellte ich fest, „und er ist auf gegangen, aber wo ist Smettbo?“ Irgend etwas flog über mich hinweg. „Ah, da bist du ja,“ freute ich mich, „okay, lang nicht mehr deine Psychokinese eingesetzt!“ Ich wollte mich wieder aufrichten und stieß mir dabei den Kopf an einem tief hängenden Ast, wodurch ich wieder zu Boden ging. Mühsam richtete ich mich erneut auf. Ich konnte alles nur etwas verschwommen wahrnehmen, aber der Kampf sah nicht schlecht aus. Mein Pokémon flog auf den Drachen zu und pfefferte ihm eine volle Ladung Psychokinese mitten ins Gesicht. „Ah, gut gemacht,“ sagte ich schwach, „und jetzt ...“ Doch das Pokémon war mit seiner Attacke schon schneller. Es schien... hmmm, ja, das Pokémon schoss eindeutig eine lila Kugel auf den Drachen, also konnte es nur ein Spukball sein. Wann hatte Smettbo DAS denn gelernt? Verwundert sah ich zu den beiden kämpfenden Pokémon und rieb mir noch einmal die Beule an meinem Kopf.

„Ghos, Ghos!“ rief das kämpfende Pokémon. Hinter mir war ein Kichern zu vernehmen, so ähnlich wie das von Smettbo. „Hihihi?“ („Meinst du mich?“) – „Ghos, Ghos-Ghos!“ („Nein, das Sankranice, natürlich dich!“) schimpfte das Pokémon etwas ungelegen. Daraufhin flog mein Smettbo aus dem Wald und zu dem Pokémon, das es mit dem Drachen aufgenommen hatte. „Ghos!“ bestimmte es. „Hihihi!“ stimmte Smettbo zu. Gemeinsam starteten sie die Psychokinese und verpassten Sankranice eine doppelte Ladung. „Sankra,“ brummte dieses darauf hin, fror per Eisstrahl einen Baum in der Nähe ein und drehte dann ab, um nach wenigen Augenblicken wieder im Wald verschwunden zu sein.

Ich sah fassungslos dem Sankranice nach, dann wanderten meine Blick natürlich auf das andere Pokémon. Da meine Augen inzwischen wieder etwas besser sehen konnten, erkannte ich es nun als eine Art schwebenden grauen Furby mit Smily auf dem Bauch. Es sah zwar etwas leicht reizbar, aber doch irgendwie niedlich aus. Nun ja, wie dem auch sei, jetzt rief ich erst einmal Smettbo in seinen PokéBall zurück. „Junge,“ hörte ich anschließend den König rufen, „komm mal her!“ Ich sah mich nach seiner Majestät um. Er sah gar nicht mehr sauer aus, im Gegenteil. Offenbar hatte er mir verziehen, weil ich Dukatia City gerettet hatte. Glücklich lief ich auf den Monarchen zu.

4. Der Weg ins Nordland

Nachdem wir uns noch einige spannende Turnierkämpfe angesehen hatten, bekam ich am Abend endlich die Gelegenheit, mit dem König zu sprechen. Ich stand mit ihm auf einem Turm des Schlosses und betrachtete den Sonnenuntergang über den Strudelinseln. „Also,“ fragte der König, „über was wolltest du mit mir sprechen?“ – „Nun ja,“ begann ich, „viele Leute haben mich ja schon gefragt, wo ich her komme.“ – „Mhm,“ stimmte der König zu, „das wüsste ich auch gerne, du siehst zugegeben seltsam gekleidet aus.“ – „Das ist in der Zukunft ganz normal,“ meinte ich, „ich komme nämlich aus dem Jahr 2222. Ein Celebi hat mich hierher teleportiert und nun suche ich so ein Pokémon, damit es mich wieder zurück bringt.“ – „Das dürfte schwierig sein,“ bemerkte der König, „Celebis sind sehr seltene Pokémon.“ Als ob ich das nicht selber wüsste... „Im Norden,“ fuhr der König fort, „soll irgendwo ein Weiser leben, der nahezu alles über Pokémon weiß. Vielleicht kannst du ihn fragen.“ – „Ah, prima,“ freute ich mich, „wie heißt dieser Weise und wie sieht er aus?“ – „Tja,“ seufzte der König, „wenn man das wüsste, wären schon viel mehr Menschen bei ihm gewesen.“ – „Na klasse,“ seufzte ich, „okay, trotzdem danke für den Rat!“

Am nächsten Morgen setzte ich, noch bevor das Dodri krähte, meine Reise fort. Der Weg führte mich erneut über die Lichtung, an der ich noch am Vortag gegen den Drachen gekämpft hatte. Das Eis war inzwischen fast gänzlich geschmolzen. „Ghos?“ fiepte eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um. Das kleine Pokémon von gestern schwebte mir hinterher und guckte fast wie ein herrenloser Hund. „Ghos, Ghos!“ rief es. „Ach, hallo,“ lächelte ich, „und? Erholt von dem Kampf gestern?“ – „Ghos!“ rief das Pokémon und flatterte mir fröhlich um den Kopf. Ich beschloss, erst einmal meinen Pokédex zu befragen:

„Ghos, ein Psycho / Geist-Pokémon. Es hängt sehr an seinem Smily, sie sind sehr gute Freunde, und der Smily verhilft Ghos zu Nahrung, da Ghos keinen Mund besitzt. Jedoch wird es im Laufe der Evolution immer böser zum Smily.“

„Aha,“ stellte ich fest, „du siehst also niedlich aus, aber verstellst dich nur, tztztz!“ – „Ghos!“ grinste das Ghos, setzte sich auf meine Schulter und begann, an meinem Ohr zu knabbern. „Und offenbar willst du mitkommen,“ lächelte ich und zückte sofort einen PokéBall. „GHOOOOOS!!!“ schrie Ghos sofort erschrocken, als es das runde Fang-Werkzeug sah. Es verließ fluchtartig meine Schulter und flatterte davon, als ob der Teufel hinter ihm her wäre. „Dann halt nicht,“ seufzte ich, sah mich noch einmal nach dem Pokémon um und ging dann weiter.

Einige Minuten später, ich bewunderte die unberührte Natur und sah einem Damhirplex beim Trinken an einem kleinen Bach zu, hörte ich plötzlich ein hilfloses „GHOOOOOOOOOOS!!!!!“ hinter mir. Erschrocken fuhr ich herum. Als erstes fiel mir ein Mann mit weißen, hoch stehenden Haaren auf. Er war komplett in schwarz gekleidet und hatte einen feuerroten Umhang, um seinen Hals baumelte außerdem ein goldenes Medaillon in Form eines Auges. Dann fielen meine Blicke auf ein Simsala, das offenbar dem Mann gehörte und Ghos ordentlich mit Psychokinese bearbeitete. Ghos hatte keine Chance, seine kleinen Psychokinesen kamen nicht gegen die gewaltigen Attacken des Simsala an.

Ich wusste, es war ein Wagnis, aber ich musste eingreifen. „He, Sie,“ rief ich also, „lassen Sie mir mal brav dieses Pokémon in Ruhe!“ Der Mann sah sich zu mir um. „Halt’s Maul!“ brummte er und warf mir einen PokéBall entgegen, aus dem ein Gengar zum Vorschein kam, das mich sofort mit der Hypnose angriff. „Nur... nicht... einschlafen...“ gähnte ich, während ich schon langsam zu Boden sank. Mühsam griff ich nach meinem PokéBall und setzte Smettbo ein. „Psycho-GÄÄÄHN-kinese...“ orderte ich an. Smettbo sah sich zunächst etwas ratlos zu seinem übermüdeten Trainer um, dann flog es vor das Gengar und schoss die Psychokinese ab. Gengar wich ein paar Schritte zurück. Ich selbst hingegen hatte mich ein paar mal gekniffen und geohrfeigt, um nun wieder einigermaßen wach zu sein. „Okay,“ rief ich, „noch mal Psychokinese!“ – „Hihihi,“ stimmte Smettbo zu und legte Gengar mit einem zweiten Angriff flach.

„Versager,“ brummte der merkwürdige Mann, während er sein Geist-Pokémon zurück rief, „na, meinetwegen, er kann mir sowieso nichts anhaben, lassen wir ihn eben bei meinem neuen Triumph zusehen!“ Simsala sorgte mit einem finalen Psystrahl dafür, dass Ghos zu Boden ging und der Mann zückte einen PokéBall. „Ach herrje,“ erschrak ich, „er will Ghos fangen! Das müssen wir verhindern! Smettbo, Tackle auf den PokéBall!“ – „Hihi,“ rief Smettbo und schoss los, um den PokéBall aus der Bahn zu werfen. Er landete knapp neben Ghos im Gras. „Oh, duuuuu ...“ fluchte der Mann, „na warte! Simsala, Psystrahl, aber nicht zu knapp!“ – „Sim!“ – „Smettbo,“ rief ich, „weich aus, schnell! Und dann von oben Schlafpuder!“ Doch Smettbo war nicht schnell genug. Der Hyperstrahl streifte es an den Flügeln, so dass es nun nicht mehr so gut fliegen konnte. Mühsam flatterte er über Simsala und ließ das Schlafpuder nach unten rieseln. Für Simsala war das kein Problem. Es setzte einfach mal eben kurz Teleport ein, um sich so in Sicherheit zu bringen. Nun stand es seelenruhig da, betrachtete das herab rieselnde Schlafpuder und lud sich nebenbei (wegen dem Hyperstrahl) wieder auf.

„Simsala, zurück!“ befahl der Mann plötzlich. „Was hat er jetzt vor?“ staunte ich. „Ich könnte dein kränkelndes Smettbo locker mit meinem Simsala besiegen,“ lachte der Mann böse, „aber ich möchte ihm unbedingt ein noch viel besseres Pokémon vorstellen! Muahahaha!!“ Er zückte einen pechschwarzen PokéBall, um den violette und grüne Blitze zuckten. Ich wollte mir lieber nicht vorstellen, was da für ein Pokémon drin sein könnte.

5. Der Magier Morpheus

Ich wich einige Schritte zurück und klammerte mich ängstlich an einen Baum. Der Mann holte aus, er war fest entschlossen, den PokéBall zu werfen. Doch plötzlich schoss eine Flamme aus dem Gebüsch und traf seine Hand. Der Mann schrie auf und ließ den PokéBall fallen. Kurz darauf sprang über mich ein Gallopa hinweg und landete graziös auf der Lichtung. Auf ihm saß eine bildhübsche junge Reiterin. „Du schon wieder,“ brüllte der Mann sauer. „Ja, ich schon wieder,“ lächelte das Mädchen, „du hast schon genug Psycho-Pokémon unter deine Kontrolle gebracht, da brauchst du das nicht auch noch, lass es in Ruhe! Und denke daran, eines Tages werde ich dich vernichten!“ – „Das glaubst du doch selber nicht!“ schimpfte der Mann. „Feuersturm,“ meinte das Mädchen darauf hin zu Gallopa. Das Pferd wieherte und schoss eine gewaltige Flamme auf den Mann, der im Moment völlig hilflos war, da sich alle seine Pokémon in ihren PokéBällen befanden. Schnell duckte er sich, hob seinen schwarzen PokéBall auf und rief dann: „Ich komme wieder!“ Mit diesen Worten hob er seinen Umhang, drehte sich einmal um die eigene Achse und war verschwunden.

Ich starrte eine Weile lang ungläubig auf die letzten hinterbliebenen Rauchwölkchen, die sich langsam in Wohlgefallen auflösten. „Kennst du den Typ?“ fragte ich nach einiger Zeit. „Leider ja,“ seufzte das Mädchen, „aber erst mal: Ich bin Kitty! Komm am besten mit nach Teak Village, unterwegs erklär ich dir alles!“ – „Gut,“ stimmte ich zu, „ich bin übrigens Florian!“ Meine Blicke fielen wieder auf das besiegte Ghos. „Was machen wir eigentlich mit dem?“ fügte ich hinzu. „Nimm es am besten mit, Flo,“ meinte Kitty, „wir geben es dann im Pokémon Center ab.“

Wir gingen los. „Siehst du den Turm da hinten?“ fragte Kitty. „Ja,“ antwortete ich und bewunderte das Bauwerk, das im Schein der Mittagssonne glänzte. „Das ist der Zinnturm,“ erzählte Kitty, „auf ihm soll Ho-Oh wohnen. Und er gehört zu Teak Village, einem kleinen Dorf in Nord-Johto. Wir werden heute Abend da sein!“ – „Gut,“ lächelte ich, „also, wer war der Typ vorhin?“ – „Das war der Magier Morpheus,“ begann Kitty zu erklären, „er plant, mit seinen Psycho-Pokémon Johto in seine Gewalt zu bringen, deshalb fängt er auch jedes Psycho-Pokémon, das er kriegen kann. Und ich bin die einzige, die sich ihm gegenüber stellt, die ganzen starken Ritter haben Angst vor ihm. Schwaches Bild vom heutigen Rechtssystem, oder?“ – „Würde ich sagen,“ meinte ich, „ist bei uns in der Gegenwart, äh, Zukunft auch nicht anders!“ – „Zukunft?“ staunte Kitty, „du kommst aus der Zukunft?“ – „Äh, ja,“ erklärte ich, „und ich suche ein Celebi, das mich zurück bringen kann. Im Norden soll ein Weiser leben, der soll wissen, wo ein Celebi lebt. Kennst du den zufällig?“ – „Oh,“ meinte Kitty, „den Weg kannst du dir eigentlich sparen! Denn dieses Celebi... obwohl... ich hab’s nicht richtig mit gekriegt, keine Ahnung, ob es wirklich... na, dann geh halt mal zu diesem Weisen!“ – „Hä?“ wunderte ich mich, „was hast du nicht richtig mitgekriegt? Stimmt irgendwas nicht?“ – „Nein, schon alles gut,“ wechselte Kitty das Thema, „schau wir sind gleich da!“

Wir betraten Teak Village. Ich bestaunte das Dorf, das erst halb so groß war wie in eurer Zeit und nicht einmal ein Drittel so groß wie bei mir in der Zukunft. Kitty führte mich ins Pokémon Center, das ich in diesem kleinen Dörfchen allerdings auch selbst gefunden hätte. „Bitte einmal heilen,“ meinte sie und überreichte Schwester Joy das Ghos. „Gern,“ lächelte Schwester Joy, die sich nicht sehr viel von der heutigen Schwester Joy unterschied. Gleichzeitig trat ein junger Ritter an die Theke und drückte Chaneira einen PokéBall in die Hand. „Bitte das Alpollo heilen,“ sagte er. „Chaneira!“ quietschte Chaneira quietschfidel und hoppelte ins Behandlungszimmer. „Ach, hallo Kitty,“ lächelte der Ritter kurz darauf, „na? Hat Morpheus dich immer noch nicht platt gemacht?“ – „Mich haut keiner so schnell um, Jin,“ lachte ich, „oh, darf ich vorstellen? Florian, das ist Arenaleiter Jin! Jin, das ist der kleine Florian aus der Zukunft!“ – „Angenehm,“ meinte Jin, „und? Schon eine Idee, wie du zurück kommst?“ – „Na ja,“ meinte ich, „wenn ich irgendwie ein Celebi auftreiben kann, dann schon!“

In diesem Moment kam Schwester Joy zurück. Sie überreichte Jin seinen PokéBall und Kitty das Ghos. „Oh,“ rief Jin entzückt, „ein Ghos! So eins suche ich schon lange! Kann ich es haben?“ – „Klar,“ lächelte Kitty, „ich hätte es sonst frei gelassen, aber bei dir geht es ihm sicher auch gut!“ – „He, Moment mal,“ protestierte ich, „ich wollte auch noch fragen, ob ich es kriegen kann!“ Kitty sah mich ratlos an. „Ich wüsste da was,“ schlug Jin vor, „der Junge sieht wie ein guter Trainer aus, er soll seine Chance kriegen! Und meine Geist-Pokémon brauchen mal wieder etwas Bewegung! Er kann in einem Arenakampf gegen mich antreten und wenn er gewinnt, dann bekommt es Ghos, denn mit dem Orden kann er ja in der Zukunft sowieso nichts mehr anfangen!“ – „Na, meinetwegen,“ seufzte ich, „danke für das Angebot! Ach, da fällt mir ein, hätte ja fast was vergessen!“ Ich drückte Schwester Joy die PokéBälle von Sichlor und Smettbo in die Hand.

Kaum waren meine Pokémon geheilt, führte Jin mich in die Arena. Es war schon das gleiche hölzerne Gebäude, in dem später Jens arbeitete, nur mit dem Unterschied, dass es darin noch hell war. Jens kämpfte in der Dunkelheit. Mir war es mit Licht allerdings weitaus lieber. Man konnte gut erkennen, wie liebevoll die gesamte Arena aus Teak-Holz geschnitzt war. „Wir kämpfen zwei gegen zwei,“ legte Jin fest, „ich beginne mit Alpollo!“

6. Kampf um Ghos

Das Geist-Pokémon kam aus Jins PokéBall zum Vorschein. „Alpollo! Pollo!“ rief es. „Ha, ein Geist,“ freute ich mich, „okay, Smettbo! Los!“ Mein Schmetterling verließ seinen PokéBall. „Psychokinese!“ orderte ich an. „Hihihihi,“ kicherte Smettbo und setzte die Attacke in. Alpollo wurde voll getroffen. „AAAAAL!!“ schrie es. „Alpollo,“ befahl Jin, „schnell, Abgangsbund! Und dann Hypnose!“ Ich wusste nicht so recht, was nun passierte, als Alpollo einfach eine rote Aura um sich und Smettbo legte. Als es dann jedoch in Hypnose-Stellung ging, wusste ich, dass ich kontern musste. „Schnell auch Schlafpuder,“ befahl ich. Smettbo flatterte los und ließ das Pulver herab rieseln. Doch Alpollo schwebte beiseite, visierte Smettbo erneut an und ließ es nun einschlafen. Die rote Aura leuchtete kurz auf. „Smettbo, wach auf!“ rief ich, doch es half nichts. „Traumfresser,“ fuhr Jin seine Befehle fort. Alpollo leckte sich die Lippen, flog auf Smettbo zu und verspeiste seinen Traum. Währenddessen leuchtete die rote Aura erneut auf. Smettbo ging allerdings aufgrund des Traumfressers KO.

Nachdem ich meinen Schmetterling in seinen PokéBall zurück gerufen hatte, blieb mir keine andere Wahl, ich musste Sichlor einsetzen. „Verflixt,“ rief Jin, „der Abgangsbund wäre gar nicht nötig gewesen!“ – „Wieso?“ fragte ich noch. In diesem Moment leuchtete die rote Aura ein drittes Mal auf und besiegte Alpollo. „Deshalb,“ seufzte Jin, „na ja, auch ein Arenaleiter verzettelt sich mal! Alpollo, zurück! Los, Ghos!“ – „Aha,“ grinste ich, „jetzt darf ich also gegen das Pokémon kämpfen, das ich gleich selber besitze!“ – „Nicht so voreilig,“ rief Jin, „Ghos, Spukball!“ – „Ghos!“ Es schoss eine schwarz-violette Kugel los. „Äääääh... Baseball!“ konterte ich. „Wie bitte?“ wunderte sich Jin. Doch Sichlor verstand. Es holte mit einer Sichel zum Schlag aus und donnerte den Spukball zurück an den Absender. Ghos wurde voll getroffen und flog in hohem Bogen an die Arenawand, von wo aus es hinab auf den Boden rutschte. „Ghos,“ rief Jin, „geht es dir gut?“

„Ghos...“ stöhnte das Pokémon und richtete sich langsam auf. Dann begann es zu leuchten. Ich erschrak, da ich wusste, was das zu bedeuten hatte. Und in den Tat, es wuchs und rief kurz darauf: „Ghosty!“ Es sah nun eher wie ein Troll aus, nur dass es statt den Füssen das typische Gespenst-Unterteil hatte. Es hatte nun einen richtigen Mund und größere Arme, der Smily sah allerdings etwas grimmiger aus. „Hui,“ bemerkte ich, „da lohnt sich der Kampf ja erst recht! Sichlor, Schlitzer!“ – „Sich!“ rief Sichlor und schoss auf Ghosty zu. „Begrüß es mit Psystrahl!“ konterte Jin. Ghosty reagierte schnell, zu schnell. Sofort schoss es den Psystrahl ab und beförderte Sichlor damit an die Decke. Ich sah kurz ratlos zu meinem Pokémon, dann befahl ich: „Okay, von da oben Flügelschlag!“ Sichlor flog also wieder nach unten peitschte Ghosty mit seinen Flügeln ordentlich aus. „Hypnose!“ rief Jin. „Agilität!“ entgegnete ich. „Ha!“ fügte ich siegessicher hinzu, als Sichlor nun so schnell durch die Arena flitzte, dass Ghosty unmöglich richtig zur Hypnose ansetzen konnte. „Und jetzt Ruckzuckhieb!“ rief ich schließlich. Sofort schoss Sichlor überraschend auf Ghosty zu und verpasste ihm den finalen Schlag. Es ging zu Boden.

„Schade,“ seufzte Jin, „ich hätte Ghosty zu gern behalten, aber abgemacht ist abgemacht. Du hast gewonnen, also gehört es dir.“ Er rief Ghosty in den PokéBall zurück und überreichte mir anschließend denselben. „Danke,“ freute ich mich, „endlich wieder ein neues Pokémon!“ Glücklich steckte ich den PokéBall ein. So viel Zeit hatte noch nie zwischen meiner ersten Begegnung mit einem Pokémon und dem Zeitpunkt, zu dem ich es endlich besaß, gelegen. Außerdem überreichte Jin mir einen Phantomorden. „Nur so als Andenken,“ meinte er. Ich bedankte mich noch mal und verließ dann die Arena.

Draußen erwartete mich Kitty. „Ich habe mir erlaubt, durch das Fenster zuzusehen,“ lächelte sie, „du hast prima gekämpft! Und jetzt führe ich dich zu deinem Weisen!“ – „Gut,“ freute ich mich, „ist es weit bis zu ihm?“ – „Nicht besonders,“ sagte Kitty, „wir müssen nur durch den Kesselberg, er lebt auf dessen anderer Seite in Mahagonia Village!“ – „Ach ja,“ meinte ich, „das kenn ich! Da wird so ab 1998 Team Rocket eins seiner zu vielen Hauptquartiere haben!“ – „Hä?“ wunderte sich Kitty, „wer oder was ist Team Rocket?“ – „Ach, nur eine Gaunerbande,“ meinte ich, „erklär ich dir irgendwann mal!“

Er wurde langsam Abend und wir machten uns auf den Weg. „Von da oben hat man bestimmt einen wundervollen Ausblick über das nächtliche Johto,“ schwärmte ich und zeigte auf den Gipfel des Kesselberges. „Und?“ fragte Kitty, „was ist bei Nacht denn schon interessant an Johto? Da sieht man sowieso nichts!“ – „Ach so,“ bemerkte ich, „stimmt, ihr habt ja noch gar keinen Strom, also nichts mit kleinen Dörfchen im Schein der Straßenlaternen!“ Lavados flog über uns hinweg. „Aber dafür können diese Pokémon bei euch noch halbwegs in Frieden leben,“ schwärmte ich und sah dem legendären Vogel nach, „bei uns müssen sie sich ständig in der Angst vor Trainern versteckt halten.“ – „Nun ja,“ meinte Kitty und ließ ihr Gallopa aus ihrem PokéBall, „steig auf, dann geht’s schneller!“

7. Team Rocket?

Gallopa galoppierte durch die Nacht. Seine flammende Mähne wehte im Wind. Kitty und mir wehte ein eisiger Wind ins Gesicht. Plötzlich klingelte mein Time Talker. Ich hob ab. „Ja?“ meldete ich mich. „Florian,“ rief Professor Llynt, „ich habe ein neues Feature entwickelt!“ – „Und was?“ fragte ich, „eine Zeitmaschine nicht, oder?“ – „Aber nein,“ holte mich Professor Llynt auf den Boden der Tatsachen zurück, „aber einen Countdown! Er wird dir immer zeigen, wie viel Zeit du noch hast! Ich lade ihn dir schnell rüber!“ – „Äh, danke,“ meinte ich, „dann hab ich immer vor Augen, wie ich mich abhetzen muss! Aber was ist mit den Batterien?“ Ich starrte auf die Anzeige, die noch bestenfalls bei 0.2 % stand. „Mach dir keine Sorgen,“ lächelte Professor Llynt, „die müsstest du an jeden Elektro-Pokémon wieder aufladen können! Und jetzt will ich deine Batterien nicht weiter belasten! Viel Glück!“ Er legte auf. Die Batterien zeigen nun nur noch 0.1 % an, der Countdown meinte was von 7 Wochen, 2 Tagen, 11 Stunden, 4 Minuten und 53 Sekunden.

„Was war das?“ fragte Kitty. „Ein Time Talker,“ erklärte ich, „damit kann man sich durch die Zeit unterhalten. Gibt es hier irgendwo Elektro-Pokémon zum Aufladen?“ – „Nicht dass ich wüsste,“ gab Kitty zu. „Na, macht nichts,“ rief ich, bis Mahagonia Village komm ich auch ohne aus und dann hat im Pokémon Center bestimmt irgendwer ein Elektro-Pokémon!“ – „Mhm,“ meinte irgendwer, der hinter einem Felsen stand und uns beobachtete, „ein Elektro-Pokémon wollen die! Können sie kriegen!“

Gallopa lief weiter durch die Nacht und der Mond schien auf uns hinab. Ein Zubat-Schwarm flatterte durch die Finsternis. „Halt!“ rief ich plötzlich. „Was ist los?“ fragte Kitty erstaunt und gab ihrem Gallopa den Befehl, stehen zu bleiben. „Pssst,“ flüsterte ich, „ich höre was!“ Kitty sah mich ratlos an, dann lauschten wir beide. In der Ferne war ein leises „Pika-Pika“ wahr zu nehmen. „In die Richtung,“ rief ich, „los, Gallopa!“ Nachdem Kitty durch ein Nicken zugestimmt hatte, drehte sich Gallopa nach rechts und lief los. Nach einiger Zeit saß ein Pikachu auf einem Felsen und spielte mit seinen Blitzen. „Ha,“ freute ich mich, „genau das, was wir suchen!“

Wir stiegen von Gallopa herunter und Kitty ließ es in ihren PokéBall verschwinden. Dann gingen wir auf das Pikachu zu. „Tag, mein Kleines,“ lächelte ich und hielt ihm den Time Talker unter die Nase, „willst du nicht mal kurz einen Donnerschock machen?“ Das Pikachu sah mich mit großen Augen an. „Na los,“ rief ich, „angreifen!“ – „Ihr habt es gehört,“ lachte eine Stimme aus der Dunkelheit, „angreifen!“ Augenblicklich kamen zwei Pokémon aus der Nacht geschossen, die irgendwie an Hunde erinnerten. Sie waren hellbraun mit dunkelbraunen Streifen und ungefähr 90 cm groß. Eigentlich sahen sie ganz nett aus, wenn man von ihrem momentanen Gesichtsausdruck einmal absah. Ich befragte schnell meinen Pokédex, der mir verriet, dass es sich um zwei Grazions handelte. Doch diese Info half mir auch nicht weiter, als sich jedes von ihnen auf einen von uns stürzte und fest hielt.

Einige Männer traten aus der Dunkelheit. Sie trugen schwarze Rüstungen, auf die in roten Buchstaben TR geschmiert war. „Team Rocket?“ wunderte ich mich, „Raketen gibt’s doch noch gar nicht!“ – „Die Triumph-Ritter,“ bemerkte Kitty, „ich hätte daran denken sollen, dass sie diese Gegend unsicher machen!“ – „Also war das Pikachu eine Falle?“ überlegte ich. Einer der Triumph-Ritter rief das Elektro-Pokémon kurz darauf in einen PokéBall zurück. „Gold her! Ab ein bisschen zackig!“ befahl er kurz darauf. „Wir haben kein Gold,“ versuchte Kitty zu erklären, „wir sind Durchreisende auf dem Weg nach ...“ – „Ist mir wurscht,“ unterbrach der Triumph-Ritter, „dann fesselt sie!“

Die Grazions gingen darauf hin von uns runter. „Jetzt aber schnell weg hier!“ rief ich und wollte gerade aufstehen und los laufen, als die beiden Viecher uns eine Lehmschelle ins Gesicht schleuderten, so dass wir erst einmal die Orientierung verloren. Diesen Moment nutzen die Triumph-Ritter, um uns zu fesseln und anschließend abzuführen.

Als wir endlich den Lehm aus dem Gesicht gewaschen bekamen, saßen wir, immer noch gefesselt, in irgendeiner Höhle. Die Triumph-Ritter saßen um einen alten Holztisch und schienen irgend etwas zu schreiben. Neben uns stand das Quappo, das uns offenbar den Schlamm weg gewaschen hatte, und bewachte uns. Am Höhlenausgang lauerten die beiden Grazions und würden kaum jemanden durch lassen. In einer Ecke lagen ein paar PokéBälle. Einer davon musste das Pikachu enthalten, was in den anderen sein könnte, wussten wir nicht. „Fertig,“ meinte einer der Triumph-Ritter. „Lies vor,“ grunzte der, der offenbar der Anführer der Band war. Der andere Triumph-Ritter fing also an: „Zwei gut gebaute Trainer, ein Mann, eine Frau, besitzen u.a. ein Gallopa, prima Sklaven, gegen Höchstgebot.“ – „Gut,“ stimmte der Boss zu, „dann morgen Mittag auf dem Markt! Und jetzt wird gesoffen, klar?“ Daraufhin stand ein anderer Triumph-Ritter auf und holte ein Fass Bier.

Ungefähr drei Stunden später waren die Triumph-Ritter endlich eingeschlafen, nachdem sie noch die halbe Nacht besoffen rum gebrüllt hatten. „Die wollen uns morgen als Sklaven versaufen, äh, verkaufen“ überlegte ich, „wer weiß, wo wir dann landen!“ – „Mit Glück erwischen wir einen freundlichen Käufer, dem wir unser Problem erklären und der uns dann frei lässt,“ meinte Kitty, „mit Pech werden wir auch von irgendeinem Fiesling bis in die hintersten Enden den Orange-Inseln verschleppt, alles schon mal vorgekommen! Wir sollten es aber nicht drauf ankommen lassen!“ – „Stimmt,“ stimmte ich zu, „also abhauen! Aber wie?“ Ja, das war hier die Frage ...

8. Jeder gegen jeden

Die Triumph-Ritter schliefen also. Wenn ich doch bloß an meine PokéBälle ran käme, dann würde Sichlor schon kurzen Prozess mit den Fesseln machen. Ich versuchte, meine Arme irgendwie zu bewegen, doch es ging einfach nicht. „Verflixt,“ meinte Kitty, „wenn wir nicht entkommen können, dann passiert Gott weiß was!“ Sie versuchte, ob man vielleicht die Fesseln an der rauen Felswand durch wetzen konnte. Ich sah gebannt zu. Es schien zu klappen, doch es dauerte sehr lange. Würden die Triumph-Ritter lang genug schlafen? Da wäre jetzt mal wieder Agus Knuddeluff nützlich gewesen, doch das befand sich ungefähr 1000 Jährchen von uns entfernt.
„Ato! Ato!“
Ich lauschte. „Was war das eben?“ Ich warf mich mit Mühe auf den Boden und robbte zum Höhlenausgang, um nachzusehen. Nicht weit weg schwebte ein Pokémon durch die Luft, das wie eine Vereinigung aus 26 Igocnito-Augen aussah und sich mit allen 26 in alle Richtung umsah. Es war eindeutig ein Atomat – seit sich in dem Atomkrieg von 2139 zigtausende Icognitos auf einmal weiter entwickelten, ist es quasi unmöglich, dieses Pokémon nicht zu kennen! „Atomat, Mat!“ rief es. „Hast du sie gefunden?“ grunzte eine Stimme, die mir erschreckend bekannt vor kam. Magier Morpheus kam auf die Höhle zu geschritten. „Ach herrje,“ murmelte ich, „bloß nicht der!“ Ich robbte schnell zurück zu Kitty und erzählte ihr, wer im Anmarsch war – sie war auch nicht begeistert von der Neuigkeit!

Wir konnten nicht verhindern, dass Morpheus wenige Sekunden später die Höhle betrat. „Gib mir das Ghos, dann schenke ich dir vielleicht das Leben!“ befahl er. „Wie denn?“ wagte ich zu erwidern, „ich bin gefesselt!“ – „Das ist mir schnurz!“ brüllte Morpheus, „Ghos her, sonst kannst du was erleben!“ Er zückte einen PokéBall. „Wer... brüllt hier so?“ gähnte eine verschlafene Stimme. Sie gehörte dem Anführer der Triumph-Ritter, die nun allesamt nach und nach wach wurden. „He, weiter schlafen,“ schimpfte Morpheus und packte schnell einen anderen PokéBall aus, „Gengar, los, Hypnose!“ – „Das hättest du gern,“ konterte der Anführer und griff seinerseits zu einem PokéBall, „los, Abra, Psychokinese!“

Das kleine Psycho-Pokémon besiegte Gengar mit zwei Psychokinesen. Morpheus’ Laune war nun völlig im Keller. „Los, Simsala,“ rief er und warf den PokéBall, den er von Anfang an gezückte hatte. Kitty und mich ließ er allerdings erst einmal außer acht, da er sich zunächst die Triumph-Ritter vorknöpfen wollte. „Psystrahl auf das Abra!“ befahl er darauf hin. „Hmmm,“ überlegte ich, „Kitty, gib mir bitte einen Tritt in Richtung Simsala!“ – „Spinnst du?“ erschrak Kitty, „dann fliegst du ja mitten in den Psystrahl, das ist glatt Selbstmord!“ – „Möglich,“ entgegnete ich, „aber es kann auch unsere Rettung sein! Also tu es einfach!“ Kitty seufzte und beförderte mich per Fußtritt nach vorne. Ich warf mich schnell auf den Boden, robbte nach vorne und versuchte, mich genau vor Simsala aufzurichten. Es klappte, der Psystrahl streifte mich und brannte die Fesseln durch. Schnell krabbelte ich aus den brennenden Seilresten und lief zu Kitty. „Lass die nur kämpfen,“ flüsterte ich, „wir hauen lieber ab!“ Mit einem Messer durchtrennte ich ihre Fesseln und half ihr hoch. Wir sahen uns noch einmal um, ob Morpheus und die Triumph-Ritter noch immer in den Kampf Simsala gegen Abra vertieft waren, dann liefen wir schnell nach draußen – wo uns die beiden Grazions erwarteten! Sie sahen etwas benommen aus, offenbar hatte Atomat sie vorhin mit irgendeiner Attacke außer Gefecht gesetzt. Und genau dieses Atomat bemerkte uns nun auch wieder und kam auf uns zu geschwebt.

Nun saßen wir in der Falle – vor uns Pokémon, hinter uns Pokémon! Ich griff zu einem meiner PokéBälle, als ich plötzlich ein lautes „Kraaa!!“ hörte. „Nicht auch noch ein Pokémon von rechts,“ seufzte ich. „Ihr beiden,“ rief eine Stimme, „springt und haltet euch an den Kramurx fest!“ Bevor wir überhaupt richtig überlegen konnten, was damit gemein sein konnte, flatterte ein Kramurx-Schwarm über uns hinweg. Ich sah Kitty kurz an, dann sprangen wir beide und erwischten jeder ein Kramurx. Atomat wollte uns hinterher schweben, doch da die Grazions uns in diesem Moment anspringen wollten, trafen sie nun Atomat und warfen es zurück zu Boden. „Was geht da vor?“ ärgerte sich Morpheus und trat aus der Höhle. Grummelnd sah er uns nach, während er Atomat zurück rief. Dann hörte er von drinnen ein lautes „Siiiiiiim!!“ – auch Simsala war besiegt, da die Triumph-Ritter mit einem Messer nachgeholfen hatten. Morpheus rief also auch es zurück. Dann zückte er seinen schwarzen PokéBall und rief: „Ich muss hier weg – aber ich werde wieder kommen!!“ Mit diesen Worten verschwand er hinter einem Felsen. Die Triumph-Ritter traten nun auch aus der Höhle. „Schon wieder Gefangene entkommen,“ ärgerte sich der Anführer. „Verzeihung,“ schlug einer der Triumph-Ritter vor, „vielleicht hätten wir mehr Glück, wenn wir uns auf Pokémon-Diebstahl spezialisieren würden. Dann können die Opfer ruhig abhauen, wir müssen ihnen nur ihre Pokémon abnehmen!“ – „Hmmm,“ überlegte der Anführer, „klingt gut!“

Die Kramurx brachten uns nach Mahagonia Village, wo unten vor einer kleinen Hütte ein alter Mann stand, der uns offenbar erwartete. „Das ist der Weise,“ erkannte Kitty sofort, „zu ihm wollten wir!“ Die Kramurx setzen uns direkt vor seinem Haus ab. „Das war perfektes Timing,“ lächelte der Weise, „ich habe sie dressiert, dass sie die Opfer der Triumph-Ritter befreien, und offenbar habe ich meine Sache gut gemacht!“ – „Danke,“ sagte ich, „ich heiße Florian und das ist Kitty, die kennen Sie wahrscheinlich!“ – „Ach, Kitty,“ freute sich der Weise, „sagt, was wollt ihr beide von mir?“ – „Es geht um das Celebi,“ bekann ich. „Hmmm,“ meinte der Weise, „das wird kompliziert! Nun ja, kommt erst mal mit rein!“ Wir folgten ihm also nach drinnen.

9. Die Wahrheit über Celebi

„Tja, das Celebi vom See des Zorns,“ seufzte der Weise, „da kommt ihr leider ein paar Wochen zu spät. Ich hätte es auch lieber bei dir als bei ihm gesehen!“ – „Bei wem?“ fragte ich. „Willst du es ihm sagen oder soll ich das tun?“ fragte der Weise Kitty. „Tja, dann mach ich das wohl mal,“ meinte Kitty. Verwirrt sah ich die beiden an. Was wusste Kitty über das Celebi? „Es war ein eisiger Wintertag,“ begann Kitty, „wie immer überwachten Gallopa und ich Morpheus, um zu verhindern, dass er Pokémon fing. Diesmal waren wir am See der Zorns – und ich war mindestens genauso überrascht wie Morpheus, als plötzlich am anderen Ufer ein Celebi auftauchte. Morpheus packte sofort sein Simsala aus, das Celebi mit nur zwei Psystrahlen besiegte. Dann warf er seinen schwarzen PokéBall und lachte etwas in der Art, diesen PokéBall hätte er sich seit Jahren für so ein Pokémon aufgehoben. Ich wollte den Ball natürlich abblocken, also brachte mich Gallopa über den See hinüber zu Celebi – oder sagen wir besser, es versuchte es, denn das Eis war so dünn, dass wir einbrachen. Ich saß im Wasser fest, doch Gallopa handelte auf eigene Faust. Es schoss einen Flammenwirbel ab, um den PokéBall aufzuhalten. Leider verfehlte es, stattdessen schmolz es ein bisschen Schnee, der nun von einem Baum herunter plumpste und die Rankenhieb-Attacke unterbrach, mit der Celebi den PokéBall eigentlich hätte abwehren können. So wurde es allerdings von Morpheus gefangen und ich lag erst einmal ein paar Tage mit Erkältung im Bett.“ – „Tja, dumm gelaufen,“ fügte der Weise hinzu.

„Das hättest du mir doch auch gleich sagen können,“ ärgerte ich mich, „den Weg hätten wir uns sparen können!“ – „Nun ja,“ meinte Kitty, „ich hoffte, der Weise kennt ein zweites Celebi!“ – „Leider nicht,“ gab das Weise zu, „ich fürchte, diesen Weg seid ihr umsonst gegangen.“ – „Trotzdem danke,“ seufzte ich und verließ das Haus. Kitty folgte mir. „Tut mir echt leid,“ sagte sie, „ich habe ja noch versucht, ihn am Fangen zu hindern, aber es hat halt nicht geklappt!“ – „Schon gut,“ winkte ich ab und schielte hinüber zur Arena, „vielleicht hole ich mir jetzt einfach hier den Orden! Da ich ja sowieso im Mittelalter fest sitze, will ich dann wenigstens Pokémon-Meister werden!“

Entschlossen stürmte ich in die Arena. „Ich fordere Sie zu einem Kampf um den Was-weiß-ich-Orden heraus!“ rief ich. Ein älterer Herr erhob sich aus einem Sessel, der aus purem Eis bestand. „Ich bin Arenaleiter Fröstling,“ sagte er, „und wenn du den Eisorden gewinnen möchtest, dann musst du mich zuerst in einem Pokémon-Kampf besiegen!“ – „Das weiß ich,“ rief ich und zückte schon meinen ersten PokéBall. „Gut,“ grinste Fröstling, „wir kämpfen eins gegen eins! Ich wähle Rossana!“ – „Jaaa,“ freute ich mich, „Rossanas sind schlecht gegen Käfer! Los, Sichlor!“ Ich warf meinen PokéBall und die Heuschrecke kam zum Vorschein. „Tja,“ meinte Fröstling, „mag sein, aber Sichlors haben auch Probleme mit Eis!“ – „Ach herrje,“ fiel mir wieder ein, „stimmt ja!“ – „Eishieb,“ eröffnete Fröstling den Kampf. „Agili-“ begann ich, als Sichlor auch schon eine Ladung Eis mitten ins Gesicht bekam. „Na gut,“ grummelte ich, „dann jetzt Zornklinge!“ – „Sich!“ rief Sichlor und stürzte auf Rossana zu. „Todeskuss,“ meinte Fröstling bedenkenlos. Rossana spitzte die Lippen und küsste das überraschte Sichlor. Noch bevor es die Zornklinge beenden konnte, schlief es ein. „Und jetzt beende den Kampf mit einem Blizzard,“ befahl Fröstling. „Rossana!“ rief das Eis-Pokémon und schoss die Attacke ab. Damit war Sichlor besiegt.

„Mist,“ grummelte ich, „aus der Traum von der Liga! Jetzt hat auch hier das Leben keinen Sinn mehr!“ Wütend rief ich Sichlor zurück und verließ ohne ein Wort des Abschieds die Arena. „Hmmm,“ meinte Kitty, die die ganze Zeit draußen gewartet hatte, „schau mal da oben!“ Sie zeigte zum Silberberg, um den irgendein Pokémon schwebte. „Wahrscheinlich ein Traunfugil,“ meinte ich gelangweilt, „na und?“ – „Und wie ich ihn kenne Morpheus’ nächstes Opfer,“ lächelte Kitty, „du musst ihn nur da oben abfangen und mit deinem Ghosty hypnotisieren! Dann nimmst du ihm schnell Celebis PokéBall ab und verschwindest in deine Zeit, bevor er merkt, was los ist!“ – „Hey,“ bemerkte ich, „die Idee ist gar nicht mal so schlecht! So könnte das wirklich klappen! Auf zum Silberberg!“

Kitty ließ ihr Gallopa aus ihrem PokéBall und wir stiegen auf. Das Pferd setzte sich in Bewegung und galoppierte dem Eispfad entgegen. Kurz vor demselben sprang es allerdings nach links in die Pampa, ließ Ebenholz City links (bzw. rechts) liegen und raste direkt auf den Silberberg zu. „Das Vieh kennt ja wirklich alle Abkürzungen,“ staunte ich. „Tja,“ meinte Kitty, „wir waren ja auch schon in ganz Johto unterwegs!“ – „Okay,“ freute ich mich und heilt schon mal Ghostys PokéBall bereit, „Traunfugil, wir kommen! Morpheus, mach dich auf was gefasst!“

10. Das Mittelalter-Finale

Nach einem kurzen Ritt kamen wir oben auf dem Berg an. Wir beschlossen, uns hinter einem großen Stein auf die Lauer zu legen und auf Traunfugil bzw. vor allem auf Morpheus zu warten. Doch weder das Pokémon noch der Magier ließen sich blicken, daher begannen wir, uns zu langweilen. „Also, wenn er auf dieses Traunfugil nicht reagiert,“ meinte ich, „dann müssen wir ihm irgendwie klar machen, dass hier oben ein seltenes Pokémon ist! Los, Ghosty!“ – „Ghosty, Ghosty!“ rief das Pokémon, nachdem es seinen PokéBall verlassen hatte. „Psystrahl mitten in die Luft!“ orderte ich an. Ghosty sah mich zwar etwas verwirrt an, schoss aber dann die Attacke ab.

Irgendwo in einem Wald gurkte gerade Morpheus rum, als ihm auffiel, dass ein Psystrahl über ganz Johto flog. „Wow,“ staunte er, „da muss irgendein Pokémon auf dem Silberberg sein, das ich gebrauchen könnte!“ Sogleich machte er sich auf den Weg.

„Lang kann’s nicht mehr dauern, bis er hier ist,“ meinte ich noch, als Morpheus auch schon bei Kitty und mir auftauchte. „He,“ grunzte er, „was macht ihr denn hier?“ – „Wir, äh, wir, Sie, du, ich, ojemine ...“ stotterte ich. Ich hatte keine Ahnung, was ich nun tun sollte. Allerdings wusste Morpheus ganz genau, was er zu tun hatte: „Her mit Ghos!!“ brüllte er mich an. Ich wich ein paar Schritte zurück und stieß an einen großen Stein, den ich mit beiden Armen hinter dem Rücken umklammerte. Dabei bemerkte ich, wie etwas meine Hand anhauchte. „Traunfugil?“ dachte ich und drehte mich vorsichtig um. „Das... das... das gibt’s ja nicht!!“ rief ich und stolperte vor Schreck einige Schritte zurück – dummerweise genau in Morpheus hinein. Dieser hatte inzwischen sein Simsala ausgepackt, das schon Kittys Gallopa erledigt hatte und nun per Psychokinese auf mich los ging. Ich wurde voll getroffen und litt große Schmerzen. „Verflixt,“ dachte ich, „muss ich etwa Ghos abtreten?“

„Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieh!!!!!!!“ schrie Kitty plötzlich. „Was ist los?“ stöhnte ich. Mühsam hob ich den Kopf. Drei mächtige Drachen kamen den Silberberg hoch gestapft. Ich erkannte einen davon, es war das Sankranice. Kitty zückte ihren Pokédex, der mir erzählte, dass es sich bei den anderen beiden um Sankraflor, einen Pflanzen-Drachen, und Sankrampere, einen Elektro-Drachen, handelte. Es waren offenbar gute Kumpels von Sankranice und wollten ihm nun helfen, uns eine Abreibung zu verpassen. „Sankranice!!“ fauchte Sankranice, was eindeutig „Das ist er!!” heißen sollte. Zu meinem Glück ließ Morpheus nun Simsala auf die drei Drachen los gehen, offenbar wollte er keine Störenfriede haben. Ich brauchte etwas Zeit, um wieder auf die Beine zu kommen, dann lief ich schnell zu Kitty. „Lass die mal nur kämpfen,“ meinte diese. „Gut,“ flüsterte ich, „ich hab sowieso etwas viel interessanteres entdeckt! Hoffentlich ist es noch da!“ Ich schlich mir hinter Morpheus’ Rücken vorbei und tatsächlich, hinter dem Stein schwebte es noch und verfolgte die Geschehnisse – ein zweites Celebi!

„Das musst du fangen,“ bemerkte Kitty. „Das weiß ich selber,“ zischte ich, „los Ghosty!“ – „Ghos, Ghosty!“ rief das Pokémon, als es seinen PokéBall verließ. Morpheus drehte sich um. „He,“ grunzte er, „was ist denn hier los? Wollt ihr etwa ...“ Erschrocken griff er nach seinem schwarzen PokéBall und atmete auf. Offenbar hatte er gedacht, es wäre sein Celebi. „Na ja,“ grinste er, „man kann nie genug Celebis haben! Simsala, lass von den Drachen ab und Psystrahl auf Celebi!“ Simsala reagierte, und zwar sehr schnell. Celebi hatte keine Chance, auszuweichen, daher wurde es getroffen und schwebte langsam zu Boden. Offenbar war es noch ein junges und daher schwaches Celebi. Und noch einen Nachteil hatte die Sache: Jetzt, da Simsala sie nicht mehr aufhielt, hatten Sankranice, Sankraflor und Sankrampere freie Bahn. Sie griffen mich gemeinsam mit Blizzard, Solarstrahl und Donner an.

„NEIIIIIIIIIIIIIIIN!!!!!“ schrie ich, „ich will aus diesem Alptraum aufwachen!!“ Mit einem Hechtsprung entging ich den Attacken, sprang hinter den Felsen und beschloss, nicht mehr hervor zu kommen, ehe nicht Morpheus und die Drachen weg wären, das Celebi war mir inzwischen auch egal. Es war inzwischen unter Einfluss Simsalas zu Boden gegangen und versuchte, sich wieder aufzurichten, doch es ging nicht. Ich sah das erschöpfte Pokémon an und bemerkte, dass es auch mich ansah, mit einem hoffnungsvollen Blick. „Hilf mir doch, bitte!“ schien es sagen zu wollen. Ich griff in meine Hosentasche und kramte darin herum. Eher durch Zufall fand ich darin noch eine Beere und ließ sie zu Celebi kullern. Das kleine Pokémon aß sie und tankte damit immerhin ein paar neue Kräfte. Es flatterte in die Luft und auf mich zu, dankbar seinem Retter. Ich freute mich und nahm es in die Arme, es leckte mir glücklich über das Gesicht.

„He, du da!“ rief Morpheus, „gib mir sofort das Celebi, sonst werde ich sauer!“ – „Pass auf,“ rief Kitty in diesem Moment. Die Drachen waren oben angekommen und nun zeigte Sankranice seinen Kumpels, wo es war. „Sankraflor!!“ und „Sankrampere!!” riefen die beiden und setzen Donnerwelle und Rasierblatt ein. Ich muss mich ducken, um den Attacken zu entgehen, einige Rasierblätter verpassten mir jedoch trotzdem eine etwas andere Frisur. „Verdammt, wie soll ich ...“ überlegte ich, als es mir plötzlich einfiel: Ich hielt doch mein Celebi in der Hand! Ja, warum zum Ibitak nutzte ich es dann nicht? Schnell kletterte ich auf den Fels, stellte mich hin wie ein mächtiger Ritter und befahl: „Celebi, Zeitreise!!“ Celebi sah mich mit großen Augen an, dann rief es „Cele, Celebi!!“, schwirrte um mich herum und ließ dabei ein seltsames Puder auf mich hinab rieseln. Ich wurde müde, immer müder, die Augen fielen mir zu und schließlich lösten Celebi und ich uns langsam auf.

Kitty sah mir eine Weile fassungslos nach und rief: „Viel Glück, Florian!“ Dann erschrak sie, als sie sah, was Morpheus tat. Er zückte seinen schwarzen PokéBall und war bereit, ihn zu werfen. „Okay, ich kann ihn nicht abhalten,“ murmelte Kitty, „dann suchen wir uns doch jetzt auch mal eins! Das Abenteuer darf ich um nichts auf der Welt verpassen!“ Sie gab Gallopa also eine Beere zu fressen, schwang sich dann auf es und ritt davon, während Morpheus und sein Celebi im Nachthimmel verschwanden und sich auflösten. Und die drei Drachen sahen ihnen einen Weile lang nach, dann trotteten sie beleidigt von dannen.

11. Die Zukunft beginnt hier

Er betrat die Bank. „Sie wünschen?“ fragte die Dame am Schalter. „Alles!“ grunzte die seltsame Gestalt. Als überzeugendes Argument zückte er zusätzlich eine Pistole. „Oh, verstehe,“ lächelte die Schalterbedienstete, „das haben wir gleich.“ Sie drückte einen Knopf, woraufhin eine Alarmglocke schrillte. Rotes Alarmlicht blinkte, Gitter schoben sich vor Fenster und Türen. „Scheibenkleister!“ fluchte die Gestalt, „los, Capper, Schlitzer!“ Er warf einen PokéBall, aus dem ein sehr groß geratenes silbernes Kabutops zum Vorschein kam und mit ein paar Hieben mit der Sichel die Gitter an der Tür erledigt hatte. Schnell rief er das shiny Kabutops zurück und setzte stattdessen ein schwarzes Tauboss ein, auf dessen Rücken er sich schwang. Schnell flog das Tauboss von dannen. „Oje,“ seufzte die Schaltertante, „kein Wunder, dass den kein Gefängnis hält!“

Der seltsame Kerl fühlte sich sicher. Er zählte seine Beute. „Hübsche Summe,“ grinste er. Doch hinter einer Reklametafel lauerte eine Politesse auf ihre Bike Flyer. „Okay, ein Job für mich,“ meinte sie, zog sich ihr Visier vor das Gesicht und setzte das Ding in Bewegung. Ein Bike Flyer ist eine Art Motorrad, nur dass es fliegen kann. Aber zwischen den vielen Car Gliders (= fliegende Autos) fiel das gar nicht auf. Die Politesse verfolgte den Bankräuber also durch die Straßenschluchten. Da Tauboss genauso gut fliegen konnte wie der Bike Flyer, zog sich die Jagd in die Länge. Niemand holt auf, niemand baute sich einen Vorsprung auf. Bis plötzlich ein buntes Loch am Himmel erschien, aus dem ein Junge und ein kleines Pokémon plumpsen und genau auf dem Bike Flyer landeten. Die Politesse verlor daraufhin die Kontrolle über denselben und krachte an einen Laternenpfahl, der auf dem Parkplatz eines fliegenden Supermarktes stand.

Tja, der Junge war wohl ich. Schnell rief ich mein Celebi zurück und sah mich um. „He,“ staunte ich, „das ist aber auch nicht meine Zeit! Es mag zwar die Zukunft sein, aber eine noch viel zukünftigere Zukunft als meine!“ Ich wollte gerade los gehen, um im Supermarkt auf das Datum einer Zeitung zu schielen, als die Politesse schimpfte: „Hör mal, du Tauros, nur wegen dir ist mir ein Bankräuber entwischt! Was hast du dazu zu sagen?“ Ich blieb stehen. „Eigentlich nichts,“ meinte ich schulterzuckend, „welches Datum haben wir heute?“ – „Den 53. Zyxxoor 3000,“ brüllte die Politesse, „aber das tut nichts zur Sache! Kommen Sie mal mit auf’s Revier!“ Sie legte mir Handschellen an, dann gab sie eine Art Armbanduhr ‚Revier 13 B’ ein. Augenblicklich wurden wir fort teleportiert.

Wenige Sekunden später fanden wir uns in einer Polizeiwache wieder. „Auf Fluchthilfe stehen 11 Milliarden Galaxies,“ keifte die Politesse dort weiter, „ersatzweise fünf Wochen Gefängnis!“ – „Äh,“ meinte ich, „ich habe keine Galaxies! Tun es auch 500 PokéDollar?“ – „Auch noch antikes Geld aus dem Museum stehlen?“ regte sich die Politesse daraufhin auf, „20 Wochen Gefängnis ohne Bewährung, und zwar sofort!!“ In diesem Moment betrat ein Mann das Büro, der ein wenig an Captain Kirk erinnerte und offenbar auch ein Polizist war. „Hi Sabrina,“ meinte er, „wir haben Cruncher geschnappt! Ab sofort gilt übrigens auch das Gesetz, dass die Gefangenen nicht mehr ihre Pokémon behalten dürfen, sonst entkommt er ja dauernd mit seinem blöden Kabutops! Würdest du bitte so freundlich sein und auch den anderen ihre Pokémon abnehmen?“ – „Geht klar, Alex,“ lächelte Sabrina, „du hast es gehört, Neuer! Pokémon her!“ – „Aber ...“ konnte ich nur sagen, da war es auch schon geschehen. Sie hatte mir alle PokéBälle abgenommen, Sichlor, Smettbo, Ghosty und leider auch Celebi. Dann wurde ich, obwohl ich mich heftigst wehrte, in eine Zelle gebracht. Und da saß ich nun und wusste nicht ein noch aus.

Zur gleichen Zeit erschienen Morpheus und sein Celebi punktgenau auf einem fliegenden Hydranten, der gerade mal einen Durchmesser von 30 Zentimetern hatte. „Kreuzteufel,“ brummte Morpheus, nachdem er sich etwas umgesehen hatte, „wie sieht’s denn hier aus? Was sind das für fliegende Teufelsdinger? Und warum sehen die Burgen alle so komisch aus?“ Nun, er mag ja ein mächtiger Hexenmeister sein, aber er kam trotzdem aus dem Mittelalter, daher war es für ihn eine große Umstellung, plötzlich 2000 Jahre weiter zu sein. Darauf pfiff er allerdings, sondern setzte Gengar ein, an dem er sich fest klammerte und das ihn zu Boden schweben ließ.
Kitty war auf ihrem Gallopa inzwischen am Steineichenwald angekommen. „Okay,“ meinte sie, „wenn es hier kein Celebi gibt, dann gibt es wohl in ganz Johto keins mehr!“ Sie betrat den Wald.

Morpheus kam unten an. Zunächst sah er sich um. Da die Häuser alle so hoch waren, fiel kaum Licht bis auf den Grund, obwohl es helllichter Tag war. Kein Wunder, dass sich das Leben für den Großteil der Menschen nun eher in der Luft abspielte. Hier unten gab ein ziemlich herunter gekommenes Pokémon Center, ein zwielichtiges McDonald’s (als ob die das nicht immer wären) und eine komische Blechsäule, die an eine Art Telefonzelle erinnerte. Neugierig trat Morpheus näher. Ein Porygon kam angeschwebt und war einen PokéDollar, pardon, einen Galaxy ein. Die Tür öffnete und das Porygon verschwand drinnen. Morpheus huschte schnell hinterher. Eine angenehme Stimme ertönte: „Bitte wählen Sie! 1: Kurz und schmerzlos, 2: Langsam und qualvoll.“ – „Porygon, Pory!“ rief Porygon. „Verstehe,“ meinte die Stimme, „kurz und schmerzlos! Einen angenehmen Tod!“ Augenblick schossen Klingen aus allen Wänden. Morpheus konnte erst einmal nichts anderes tun, als laut „WAAAAAAAH!!!“ zu brüllen.

12. Großausbruch

Morpheus sah sich zunächst verwirrt um, doch er reagiert schnell. Er packte das Porygon und drückte es nach unten, während er sich auch selbst duckte. Die Messer schossen haarscharf über die beiden hinweg und blieben in der jeweils gegenüberliegenden Wand stecken. Das Schauspiel dauerte ungefähr zwei Minuten. „Ist es vorbei?“ fragte Morpheus vorsichtig, nachdem sich eine Weile lang nichts mehr getan hatte. „Eben nicht,“ fauchte das Porygon, „jetzt darf ich’s noch mal versuchen! Diese Selbstmordzellen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren! Und dafür einen ganzen Galaxy zu verlangen, das ist... das ist...“ – „Selbst... Mord... Zellen...?“ stöhnte Morpheus, „ja, wo bin ich denn hier gelandet? Was bist du überhaupt?“ Im Mittelalter gab es logischerweise noch keine Porygons, da es ja auch noch keine Technik gab. „Ich bin ein Porygon,“ erklärte das Porygon, „Bender der Name. Ich gehörte zum Typ der Normal-Pokémon und wurde in den frühen 60er Jahren des 20. Jahrhunderts von einem gewissen Hiroshi Yamauchi erfunden. Ich entwickle mich durch ein Upgrade zu Porygon2 und durch gute Behandlung sowie einem bisschen Herumschrauben zu Porygon3000. Jedoch können Porygons bis heute nicht sprechen, doch mir wurde ein Sprachchip eingebaut. Erwähnte ich schon, dass ich Bender heiße? Ich gehöre zum Typ der ...“ – „Sachte, sachte,“ griff Morpheus ein, „du quasselst mir ja noch die Ohren ab! Ich bin Morpheus und gehöre zum Typ der mächtigen Magier, kapiert?!“ – „Oh, voll und ganz,“ lachte Bender, während es diesen Satz in seiner Witz-Datenbank abspeicherte.

Ich ging in meiner Zelle auf und ab. „Verflixt,“ überlegte ich, „wie zum Ibitak soll ich hier jemals wieder heraus kommen? Und alles nur, weil das werte Celebi nicht aufpassen kann, wo es mich fallen lässt!“ – „He, du, pssst,“ ertönte eine leise Stimme von nebenan, „heute Nacht Ausbruch, weiter sagen!“ – „Hä?“ horchte ich auf, „Ausbruch?“ – „Weiter sagen,“ orderte die Stimme an, „auch, wenn du’s nicht kapierst!“ Ich seufzte, ging zur gegenüberliegenden Wand und flüsterte: „Heute Nacht will da jemand ausbüxen, sag’s mal weiter!“

Bald hatte sich die Nachricht im ganzen Knast herum gesprochen. Offenbar leitete derjenige den Ausbruch, wegen dem ich hier war, weil ich ihm versehentlich zur Flucht verholfen hatte, Cruncher also. Aber wie stellte er sich das vor? Ich sah aus dem Fenster. Um das Gefängnis herum war, abgesehen von der Tatsache, dass es sowieso in der Luft schwebte, ein Kraftfeld errichtet, das höchstens einige starke Elektro-Pokémon durchbrechen könnte, doch die Pokémon waren ja alle beschlagnahmt.

Das Abendessen wurde geliefert. Die Sache funktionierte einfacher, als ich mir das vorgestellt hatte: Ein Häftling lenkte den zuständigen Wärter ab, indem er ihm erzählte, er könne nachts nicht ohne sein süßes, kleines Kussilla schlafen. Cruncher, der in der gleichen Zelle ansässig war, holte schnell ein Stück Rohr unter der Bettdecke hervor, das er schon vor einigen Tagen vom Waschbecken abmontiert hatte. Dieses knallte er dem Wärter auf den Kopf und nahm ihm anschließend sofort Fernbedienung und Waffe ab. „Danke schön,“ grinste und drückte alle Knöpfe der Fernbedienung, worauf hin alle Zellentüren, darunter natürlich auch meine, auf sprangen. „Mitkommen,“ grunzte Cruncher und riss das Haupttor auf. Die Wachen, die anstürmt kamen, schoss er einfach nieder und durchwühlte dann ihre PokéBälle, offenbar suchte er ein bestimmtes Pokémon. „Der scheint Erfahrung zu haben,“ meinte ich, „macht der das öfter?“ – „Das jetzt zum ersten Mal,“ erklärte ein Häftling neben mir, „aber allgemein ausgebrochen ist er schon gute zehn Mal, seit ich hier bin, und ich sitze erst seit drei Jahren!“ – „Hab es,“ rief Cruncher dazwischen, „he, Joe und Willy, habt ihr den Auftrag ausgeführt?“ – „Klar,“ grinsten die beiden und überreichten Cruncher einen Beutel, dessen Inhalt ziemlich nach Schwarzpulver roch. „Hoppla,“ meinte ich, „das wird eine ernste Sache.“ Vorsichtshalber ging ich ein paar Schritte zurück. „Gleich knallt’s,“ brummte Cruncher unwirsch, warf den Beutel an die Wand und schoss auf ihn. Das Schwarzpulver entzündete sich und eine Explosion riss ein Loch in die Wand. „Johnny?“ fragte Cruncher. „Ja, Boss,” rief Johnny, „bin schon unterwegs!” Er lief davon. Cruncher hingegen zückte den PokéBall, den er zuvor geklaut hatte, und warf ihn. Zum Vorschein kam ein Magneton, das nun das Magnetfeld unterbrechen durfte.

Wir standen nun alle vor dem Loch in der Wand. Das Magnetfeld war unterbrochen, doch immer noch war unter uns nur gähnende Tiefe. Daran hatte Cruncher wohl nicht gedacht. Ich sah mich um. Die Häftlinge schienen zu wissen, was gleich kommen würde. Etwas weiter hinter lagen die schwer verwundeten Wächter am Boden, ein paar von ihnen könnten sogar tot sein. Plötzlich hörte ich einen Motor über unseren Köpfen. Jetzt wusste ich, was geplant war. Johnny hatte einen Car Glider geklaut und zudem einen Beutel, in dem sich all unsere PokéBälle befanden. Cruncher sprang in das fliegende Auto und befahl uns allen, ebenfalls einzusteigen, was wir auch taten. Johnny flog das Gefährt zu Boden, wo wir wieder ausstiegen. Wir waren frei, der Gefängnisausbruch war geglückt! „Jetzt nur noch die Pokémon,“ freute ich mich. „Jaaa,“ grinste Cruncher, „die Pokémon! Hahaha, was seid ihr nur für Dummköpfe!“ Er knallte die Autotüren zu und flog schnell davon, bevor auch nur einer von uns eins seiner Pokémon bekam. „Oh, na toll,“ fluchte ich, „dieser... dieser...“

„Du nimmst mich wohl nicht für voll?“ murmelte Morpheus. „Wozu denn auch, du Clown,“ grinste Bender, „wer läuft schon in so einem albernen Kostüm rum, wo doch der Karneval vor 500 Jahren abgeschafft wurde?“ – „Und wer baut heute, wo es so viel Technik gibt, noch so einen Käse wie dich?“ brüllte Morpheus, „du bist nur für eins gut, nämlich als fahrbarer Untersatz für mich!“ – „Ha,“ lachte Bender, „da musst du mich aber erst mal zu fangen!“ – „Wenn’s weiter nichts ist,“ meinte Morpheus schulterzuckend, „Simsala, los! Psystrahl!“ – „Siiiiiiim-sala!!“ – „Pooooooory!!“ – „PokéBall, looooooos!!!“ *wackel* ... *wackel* ... *wackel* ... PLING!!

13. Ein eiserner Elefant

Ich wusste, dass ich nicht einfach so tatenlos stehen konnte, also lief ich los, um Cruncher zu verfolgen. Dies gestaltete sich allerdings als sehr schwierig, da ich ja am Boden laufen musste, während Cruncher in einem Car Glider saß. Doch ich gab nicht auf und rannte weiter – bis ich plötzlich in ein Porygon lief. Ich fiel zu Boden. „Hat sich jemand die Nummer gemerkt ...“ stöhnte ich und richtete mich langsam wieder auf. „Ich muss darauf hinweisen, dass ich kein Nummernschild habe,“ berichtigte mich das Porygon, „ich bin immerhin ein Porygon und kein LKW! Ich heiße Bender und gehöre zur Gattung der ...“ – „Geht das schon wieder los?“ seufzte eine Stimme und hielt Bender kurzerhand das Maul zu. „Äh, entschuldigen Sie,“ fragte ich, „darf ich mir Ihr Porygon ausleihen? Ich muss da ein Auto verfolgen!“ – „Hey,“ staunte die Person, „das bist ja du!“ – „Äh, wieso?“ wunderte ich mich, „kennen wir uns?“ – „Das kann man wohl sagen! Hahaha!!“ Die Person trat ins Licht – es war Morpheus! „Gib mir mal sofort dein Ghosty her!“ befahl er. „M-M-Morpheus!!“ erschrak ich. „Eben dieser,“ donnerte Morpheus, „und jetzt rück das Vieh schon raus! Was glaubst du, wie lang ich dich deshalb schon verfolge?!“ – „Mal abgesehen davon, dass ich es sowieso nicht bei mir habe,“ rief ich, „würdest du es sowieso nicht kriegen! Gib mir lieber dein Porygon, damit ich erst mal eine Chance haben, Ghosty und die anderen zurück zu kriegen!“ – „Ha,“ lachte Morpheus, „das wird bestimmt irgendein Trick! Aber so was zieht bei mir nicht! Bender, Risikotackle!“

„Pory-Pory!“ rief Bender und raste auf mich zu. „Ach du Schande,“ bemerkte ich, „jetzt wird’s ernst!“ Schnell sprang ich zur Seite und ließ Bender auf diese Weise gegen eine Mülltonne rennen. Es rappelte sich jedoch schnell wieder auf. „Jetzt Psystrahl,“ orderte Morpheus an. „Porygon!“ rief Bender und machte sich bereit, den Strahl abzufeuern. Dann blieb es jedoch stocksteif stehen und starrte in eine Seitengasse. „Was ist los?“ fragten Morpheus und ich fast gleichzeitig. „Das Vieh schon wieder,“ murmelte Bender, „jede Nacht geistert es hier rum!“ – „Ein Geist-Pokémon?“ freute sich Morpheus, „das brauch ich!“ Mit diesen Worten rannten er los, in besagte Seitengasse hinein.

„Hmmm,“ überlegte ich, „ob ich vielleicht ...“ Ich überlegte gar nicht länger, sondern schwang mich einfach auf Bender. „Los,“ befahl ich, „in die Richtung, in die der Bike Flyer geflogen ist!“ – „Das hättest du wohl gern,“ blaffte Bender mich an, schüttelte mich ab und schwirrte dann Morpheus hinterher. „Hrrrrrgnmpft!!“ grummelte ich, „na gut, dann fange ich eben das Geist-Pokémon, aber irgendein Pokémon brauche ich im Kampf um meine Pokémon!“ Ich lief also ebenfalls Morpheus und Bender hinterher.
Nach einiger Zeit kamen wir zu einer weiteren Kreuzung. Links von uns stand ein Lagerhaus, und in diesem schien soeben irgendetwas lila leuchtendes verschwunden zu sein – durch die geschlossene Tür! „Steh nicht tatenlos rum,“ fauchte Morpheus mich an, „wenn du mich schon verfolgst, dann hilf mir jetzt wenigstens, die Tür auf zu kriegen!“ Ich seufzte einmal auf, dann ging ich zu der Tür und half Morpheus, zu drücken. Schließlich wollte ich ja auch wissen, was sich dahinter befand. Mit aller Gewalt pressten Morpheus und ich uns gegen die Tür, bis diese sich endlich auf bewegt.
Wir betraten den dunklen Raum. Ich tastete mich an der Wand entlang und als ich meinte, einen Lichtschalter zu fühlen, betätigte ich ihn. Die Lampen flackerten kurz auf und erleuchteten dann eine große Halle, in der nichts stand außer ein paar alten Kisten – und einem gewaltigen Elefanten aus Eisen!

„Das ist ... Eleferrum,“ sagte Bender ehrfurchtsvoll. „Und wo ist der Geist?!“ fluchte Morpheus, „ich brauch kein Stahl-Pokémon, das kannst von mir aus du haben!“ Nun, er meinte offenbar mich. Daher zückte ich einen PokéBall. „Nein!!“ rief Bender, „lass das! Du darfst Eleferrum nicht fangen?“ – „Und warum nicht?“ fragte ich, während ich den PokéBall schon warf. „Weil es legendär ist,“ rief Bender, „einer der drei legendären Elefanten! Und wenn der PokéBall trifft, dann ...“ In diesem Moment berührte der PokéBall Eleferrum und prallte ab. Die ganze Lagerhalle begann zu beben. Eleferrum schlug die Augen auf, hob den Rüssel und trompetete so laut, dass wir uns die Ohren zu halten mussten. Dann sah es uns böse an. Obwohl es nichts sagte, hörte ich deutlich „WARUM STÖRST DU MEINE RUHE?!“ in meinen Ohren.
Morpheus hatte ganz andere Sorgen. „Wenn es legendär ist,“ überlegte er, „dann könnte ich ja eigentlich mal eine Ausnahme machen! Simsala, los!“ – „Sim!“ – „Los, Simsala, Psychokinese!“ Das Psycho-Pokémon schoss die Attacken auf das Eleferrum ab. Dieses hob einfach nur seinen Rüssel und benutzte ihn wie einen Baseball-Schläger, um die Psychokinese an den Absender zurück zu schicken. Simsala war mit einem Schlag besiegt.
So etwas hatte Morpheus bisher noch nie erlebt. Fassungslos starrte er auf das Eleferrum. Und ich ebenfalls. Ich überlegte.

Fortsetzung folgt ...