Agu 3: Master X Master
Geschrieben von:
Stephan
1. Orange Olé!
"Porygon und Elektek gehen zeitgleich zu Boden! Damit kann auf beiden Seiten nur noch jeweils ein Pokémon eingesetzt werden!"
Dem fremden Trainer floss der Schweiß in Strömen über das Gesicht, während Drake nur siegessicher grinste und vorsichtig den PokéBall von seiner Halskette löste. "Ich wähle Dragoran," sagte er leise, "und du?" - "Ich muß wohl Hülzern nehmen," seufzte der Trainer, "tja, dann hoffen wir mal das beste..." Er ließ seinen letzten PokéBall in den Sand plumpsen, der kurz darauf ein Enton zum Vorschein kommen ließ. "Ach Gott, was ist das denn?" lachte Drake, "Dragoran, geh bitte nicht zu hart mit ihm um! Bodycheck!" Der Drache nickte und flog auf die Ente zu, um ihr einen Stoss mit dem Ellebogen in die Rippen zu verpassen. "Hülzern," rief der Trainer, "ich weiß, es ist unmöglich, aber kannst du eine Konfusion versuchen?" - "Ent?" fragte Enton verwirrt. "Nicht ENT sondern ENDlich," brüllte der Trainer, "Herr Gott!" Enton sah nur fragend seinem Herrn und Gebieter ins Gesicht und schlief dann ein. Der Trainer fasste sich an die Stirn. "Dass ich es trotz dem Vieh bis hierher geschafft habe, grenzt an ein Wunder," dachte er. "Dragoran," sagte Drake schließlich, "wir können nicht mehr länger warten. Mach es fertig!" Dragoran verpasste Enton also einen Schnips mit dem kleinen Finger, worauf hin das Wasser-Pokémon besiegt war. Der unbekannte Trainer rief es zurück. "Sorry, Kilian," sagte Drake, "dein Porenta Elsi vorhin hat sich besser geschlagen!"
Nach diesen kurzen und nicht sonderlich tröstenden Worten wandte sich Drake dem Publikum zu. "An alle Anwesenden und alle Fans draußen vor den Bildschirmen," begann er seine Rede, "wie wir alle wissen, wird in gut zwei Monaten das Jahr 2016 beginnen. Das bedeutet für mich zugleich mein 40-jähriges Dienstjubiläum. Ja, und ich werde langsam alt, Freunde! Es wird Zeit für mich, einen Nachfolger zu finden, doch diese Wahl ist nicht einfach. Ich habe mich entschlossen, denjenigen zu meinem Nachfolger zu machen, der die diesjährige Pichi-Liga gewinnt!"
"Pichi??" war von einem Großteil der Zuschauer zu vernehmen, "was'n das?" - "Das war mir klar, dass Sie das fragen," seufzte Drake. Pichi, die Kurzform für Pichictoria, ist ein kleines Land nördlich von Johto, ungefähr so groß wie Luxemburg (Johto ist mit der Schweiz zu vergleichen) und nicht sonderlich bekannt, da ziemlich schwer zugänglich. Genau genommen gibt es nur zwei offizielle Zugänge: Einmal über das Indigo Plateau, vor dem bekanntlich die gefürchtete Siegesstraße liegt, ein anderes Mal mit einer Fähre von der Pummelo-Insel, Drakes Heimatinsel, aus. Dann kann man sich noch vom See des Zorns aus durch einen dichten Wald schlagen, doch das haben bisher nur zwei Trainer gewagt. Von beiden hat man nie wieder etwas gehört. Drake klärte seine Fans über alles genauestens auf und machte sie darauf aufmerksam, dass die ersten Liga-Kämpfe jedes Jahr am vierten Advent beginnen. Folglich blieben nur noch knapp sieben Wochen, um acht Orden zu sammeln. Damit ließ Drake das verdutzte Publikum stehen und machte sich rasch aus dem Staub.
"Acht Orden innerhalb von sieben Wochen," murmelte Betty, die gemeinsam mit Jan im Publikum gesessen hatte, während sie den PokéBall ihres Bisaflors auf dem Finger kreiseln ließ, "interessante Herausforderung!" - "Für mich nicht," grinste Jan. "Ja, für dich," rief Betty, "du wirst ja auch Arenaleiter von Teak City, Schatz! Aber für mich würde sich das doch lohnen! Stell dir vor, der erste weibliche Leiter der Orange-Liga!" - "Und der erste mit viel Konkurrenz, Liebling," fügte Jan lächelnd hinzu und zeigte zum Hafen, wo sich die ganze Schar drängelte. "Oh nein!" erschrak Betty, "das schaffen wir nie!" Vor dem Schiff nach Pichi, der M.S. Angelika, standen mindestens fünfhundert Menschen Schlange. "Dürfte schwer werden," stimmte Jan zu, "laut dieser Anzeigetafel legt das Schiff in fünf Minuten ab!"
Betty sah an der Reling entlang. "Dann muß es anders gehen," rief sie schließlich, "sonst wird unser Rückstand zu groß! Gut geplant von Drake, aber nicht zu gut! Bisaflor, los! Rankenhieb auf das Schiff!" - "Flor!" grunzte das Pflanzen-Pokémon, fuhr seine Ranken aus und schlang sie um das Geländer. "Komm schon, Schnuckiputzi," rief Betty, die schon längst auf den Ranken balancierte. "Bin ja da, Honigsternchen," sagte Jan mit zitternder Stimme und sah ängstlich nach unten in die Fluten. Die Ranken schwankten ganz schön. "Rasierblatt," deutete Betty per Handzeichen an Jan vorbei an. Bisaflor nickte und schoss Jan ein kleines, aber scharfes Blättchen in den After. Dieser jaulte auf und sprang mit einem gewaltigen Satz an Bord, und das keine Sekunde zu früh, denn in diesem Moment tutete das Schiff und die Taue wurden gelöst.
"Jetzt nur noch Bisaflor," rief Betty und zückte den PokéBall. Just in diesem Moment schwappte eine große Welle an das Schiff, das darauf hin einen ordentlichen Ruck tat. Der PokéBall fiel Betty aus der Hand plumpste ins Meer. "Nein!" schrie Betty, "Bisaflor!" Sie wollte hinterher springen, doch Jan hielt sie fest. "Nicht, dass du mir noch ins Wasser fällst!" - "Aber Bisaflor," versuchte Betty zu erklären, "es war mein stärkstes Pokémon! Und mein erstes noch dazu!" Eine Träne rann ihr über die Wange. "Es wartet brav auf dich," stellte Jan fest, "schau." Er zeigte zum Ufer, wo Bisaflor treu stand und mit einer Ranke winkte. "Bisaflor!" rief es, was deutlich nach "Viel Glück!" klang. Betty und Jan winkten zurück, während die M.S. Angelika dem Horizont entgegen fuhr. 405 Trainer waren an Bord, alle mit dem gleichen Ziel.
Team-Stand:
Betty: Golbat, Vulcator, Girm, Nidoran (m.), Teddiursa (Das Nidoran und das Teddiursa sind neu, während das Ruel, das ihr vielleicht vermisst, freigelassen wurde.)
Jan: Traunfugil, Gengar, Tornupto, Austos, Voltobal (Ihr seht also, dass sich Igelavar und Muschas weiter entwickelt haben, außerdem ist das Voltobal neu.)
2. Eine Seefahrt, die ist stürmisch ...
"Ist es weit bis Pichi?" fragte Betty den Kapitän. "Bist du Betty Apff?" fragte dieser zurück. "Woher wissen Sie ..." stammelte Betty erstaunt. "Na ja," meinte der Kapitän schulterzuckend, "der berühmte Agu Cloud hat viel von dir erzählt. Ich bin Knut, der frühere Verlobte seiner Frau Jasmin. Die ist immer noch sauer auf mich, aber was kann ich dafür, wenn sie nicht da ist, als ich ihr sagen will, dass ich sofort nach Karpa fahren und eine Ladung Knofensas abholen muß?" - "So spielt das Leben," grinste Jan, "erkennen Sie auch in mir jemanden?" - "Hmmm," meinte Knut, nachdem er den Trainer lange gemustert hatte, "wenn du nicht so dämlich aussehen würdest, würde ich meinen, du bist der Sohn von Jens aus Teak City." - "Der bin ich," grummelte Jan, "danke für das Kompliment!"
Dann musste das Gespräch unterbrochen wurde, da Knut eine Funkmeldung bekam. "Ja?" sagte er, "18 Minuten westlich von hier? Gut, wird erledigt, Drake!" Knut schaltete das Funkgerät aus und wandte sich der Mannschaft zu. "Ich habe eine schlechte Mitteilung für euch," erklärte er, "wir werden mitten in einen Sturm geraten! Noch ist genug Zeit, das Schiff zu verlassen! Rettungsboote stehen bereit!"
"Sturm?" ging es durch die Passagiere. Man konnte erkennen, dass einige von ihnen immer bleicher wurden und hart nachdachten, ob sie nun sofort nach Pichi wollten oder doch lieber nach dem Sturm ein anderes Schiff nahmen. Schließlich siegte bei den meisten die Vernunft, so dass nur Betty, Jan und der Junge, der vorhin gegen Drake verloren hatte, an Bord blieben.
"Was für Feiglinge," murmelte Knut. "Also, ihr drei," sagte er dann zu den drei verbleibenden Fahrgästen, "ihr seid noch in der Auswahl. Wie heißt ihr und warum wollt ihr nach Pichi?" - "Also, ich bin Betty Apff," sagte Betty sofort, "ich will Pichi-Meisterin werden, um Drakes Posten zu übernehmen." - "Ich bin Jan Gayh," fuhr Jan fort, "ich bin einfach nur Bettys Gatte, deshalb begleite ich sie." - "Und ich bin Kilian," sagte der dritte Trainer, "ich wollte einfach mal Pichi erkunden. Dass gerade dieses Jahr ein so hoher Preis ausgesetzt ist, ist eigentlich nur Zufall." - "Aha," meinte Knut, "dann wollen wir doch mal sehen, wie ihr hiermit zurecht kommt." Er zeigte nach vorne, wo riesige, schwarze Gewitterwolken den Horizont verdunkelten.
"Hübsches Stürmchen," meinte Kilian, "der einzige, der sich davor fürchtet, dürfte mein Enton Hülzern sein!" - "Es kann natürlich sein, dass das Schiff unter geht," fügte Knut hinzu. "Wäre schade um Ihr schönes Schiff," lächelte Betty, "aber dann schwimmen wir einfach auf Jans Austos nach Pichi." - "Oder auf Elsi," fügte Kilian hinzu, "mein Porenta kann nämlich auch Surfer!" - "Freut mich," rief Jan, "aber mein Austos kann Kaskade, auch wenn es keinen Spitznamen hat!" - "Dann zeig mir dieses ach so tolle Austos doch mal," forderte Kilian auf, "los, ich fordere dich zu einem Kampf heraus! Elsi gegen Austos!" - "Ihr seid wahnsinnig," erschrak Knut, "mitten im Sturm auch noch kämpfen?" - "Einverstanden," stimmte Jan zu, "los, Austos!" Er warf den PokéBall und sein Muschel-Pokémon kam zum Vorschein. "Aha," meinte Kilian, nachdem er Austos eine Weile lang gemustert hatte, "los, Elsi!" Aus seinem PokéBall kam das Porenta zum Vorschein.
"Lauchschlag!" begann Kilian sofort. "Porenta!" rief Elsi und drosch mit seinem Schnittlauch auf Austos ein. "Pah," rief Jan, "Panzerschutz! Und dann Eisstrahl!" - "Austos," stimmte Austos zu und schloss sich wie ein Panzerschrank. Aus dem letzten verbleibenden Spalt schoss es den Eisstrahl ab, der Elsi sofort über Bord beförderte, über die Reling schwupp und hinein in die tosenden Fluten. Der Sturm war inzwischen in vollem Gange. "Elsi!" erschrak Kilian, "Elsi! Du musst surfen!" - "Po-Porenta!" war alles, was die Ente heraus bekam. In diesen tobenden Gewässern konnte kein Pokémon der Welt schwimmen und sei es ein Garados.
"Halte durch," rief Betty sofort, "Golbat, flatter nach unten und hol es hoch!" - "Gol!" rief die Fledermaus und versuchte, sich in der Luft zu halten. "Gengar und Traunfugil," rief Jan, "erschafft ein Schutzschild um Golbat herum!" So weit, so gut, doch der Wind drohte, Traunfugil fort zu blasen und Gengar allein würde es nicht schaffen. Doch hier konnte wieder Kilian helfen. "Los, Geko," befahl er, "halte Traunfugil mit der Klebrigen Zunge fest!" Er pfefferte einen PokéBall auf die Planken, aus dem ein Kecleon zum Vorschein kam. "Kec!" rief es und schlang seine acht Meter lange Zunge um Traunfugil. So festgehalten konnten es und Gengar das Schutzschild um Golbat herum aufrecht erhalten, welches wiederum nach unten flog und Porenta nach oben brachte.
"Mal 'ne ganze doofe Frage," sagte Knut, während er ein Handtuch für Porenta brachte, "warum hast du es nicht einfach mit deinem PokéBall zurück geholt?" - "Weil ich ein Tauros bin!" rief Kilian und klatschte sich die Hand vor die Stirn. "Nichts für ungut," lachte Knut, "ihr habt prima zusammen gearbeitet! Ich sehe gute Chancen, dass einer von euch Drakes Nachfolger wird! Ich denke, wenn wir heute Abend in Victorya anlegen, werde ich euch einen wichtigen Tipp geben!"
3. Die Zeder von El Kokowei
Als die M.S. Angelika im Hafen von Victorya anlegte, war die Sonne schon am Untergehen und tunkte das Land in ein rötliches Licht. "Das ist also Pichi," dachte Betty, "hier irgendwo muss auch Agus Geburtsstadt Zwett City sein." - "Und wo ist der Tipp?" fragte Kilian. "Gemach, gemach," sagte Knut langsam, "ich darf doch erst einmal in Ruhe anlegen, oder?" In diesem Moment erblickte Betty eine große Menschenmasse vor einem Gebäude, über dem eindeutig ‚GYM' stand. "Klarer Fall," rief sie, "komm, Jan!" Sie zupfte ihren Gemahl am Ärmel und sprang mit einem gewaltigen Satz auf die Reling, von wo aus sie ein zweiter Sprung ans Ufer brachte. Sofort rannte Betty in Richtung Arena. Jan kam nur mit Mühe mit. "Halt!" rief Knut hinterher, "das ist eine..." Doch die beiden hörten ihm nicht zu.
Betty und Jan bahnten sich ihren Weg durch die Menge, bis sie endlich eine Kampffläche vor Augen hatten. Dort kämpfte gerade ein Glutexo gegen ein Rossana - siegreich, versteht sich! Die zwei Trainer kamen gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie das Eis-Pokémon zu Boden ging. "Glückwunsch," sagte eine vornehm, fast schon eingebildet gekleidete Frau, bei der es sich offenbar um die Arenaleiterin handelte, "hier hast du eine Eismeer-Plakette! Und du ahnst nicht, was die dir einbrockt! Hahaha!" - "Hä?" murmelte der siegreiche Trainer und kratzte sich verwirrt am Kopf. Dann steckte er die Plakette in seinen Rucksack und verließ die Arena. "Wer möchte als nächster?" fragte die Arenaleiterin. "Ich!!" brüllte Betty sofort. Die anderen Trainer meldeten sich natürlich auch, aber da Betty am lautesten schrie, zusätzlich mit ihrem Vulcator ein Signalfeuer gab und außerdem ein Mädchen war, wurde sie ausgewählt. Sie stellte sich der Arenaleiterin gegenüber in den Ring.
"Ich bin Mary-Anne," stellte sich die Arenaleiterin vor, "wir kämpfen 1 gegen 1." - "Nichts dagegen," lächelte Betty, "ich nehme natürlich Vulcator!" - "Ein Feuer-Pokémon," bemerkte Mary-Anne, "gut, dann nehme ich Icefly!" Aus ihrem PokéBall kam ein kleiner, hellblauer Kolibri zum Vorschein. "Ahahaha," lachte Betty, "was ist das denn? Und überhaupt, Eis gegen Feuer? Vulcator, das haben wir schnell! Vulkanausbruch!"
Jan sah interessiert zu, wie der Vulkan seiner Gattin Feuer spuckte und Icefly offenbar keine Anstalten machte, auszuweichen. Plötzlich bekam er von hinten eine Lauchstange an den Kopf. "Aua!" schimpfte Jan, "wer war das?" Er drehte sich um. Mehrere Reihen hinter ihm erkannte er Elsi, das auf Kilians Kopf stand und "Porenta!" rief. "Die wollen mir wohl was sagen," dachte Jan und bahnte sich seinen Weg zu ihnen hin. "Ja?" fragte er. "Kämpft Betty schon?" fragte Kilian. Jan musste diese Frage bejahen. "Das ist schlecht," seufzte Kilian, "wenn sie gewinnt, bekommt sie zwar eine Eismeer-Plakette, aber deren Besitz berechtigt einen gerade dieses Jahr NICHT zur Teilnahme an der Pichi-Liga! Das ist die große Falle! Man muss die Arena links liegen lassen und direkt nach Süden nach El Kokowei gehen! Die Info kommt direkt von Knut!" - "Oh Gott," erschrak Jan, "das heißt, für Betty ist die Sache gelaufen, wenn sie gewinnt? Himmel, und warnen kann ich sie nicht, sie ist so im Kampf-Eifer, dass sie mir nicht zuhören würde!" - "Warte," fiel Kilian ein, "sie muss doch nur verlieren! Setz dein tolles Austos ein und setz damit von hier hinten ihr Vulcator KO!" - "Hmmm," überlegte Jan, "keine schlechte Idee! Austos, los!"
Icefly strudelte schon in der Luft. "Jetzt nur noch einmal Glut nachsetzen, dann haben wir es!" freute sich Betty. "Cator!" grunze Vulcator. Mary-Anne sah grinsend zu. Vulcator wollte gerade zu der Attacke ansetzen, als plötzlich eine Hydropumpe aus dem Publikum schoss, es traf und mit einem Schlag besiegte. "Waaah!" erschrak Betty, "was war das?" Auch Mary-Anne war sichtlich erschrocken. "Icefly!" schimpfte sie, "du sollst doch nicht... Äh, ich meine: Gut gekämpft, mein kleines! Dafür bekommst du heute Abend ein Stück Schokolade!" - "Ja, aber..." stammelte Betty. "Nichts aber," sagte Mary-Anne, "du hast verloren! Wiedersehen!" Leise fügte sie hinzu: "Leider."
Während der nächste Herausforderer mit einem Magcargo gegen ein Lapras antreten durfte, ging Betty mit gesenktem Haupt dazu. "Und?" fragte Jan unschuldig, "wie war der Kampf?" - "Schlecht," seufzte Betty, "ich habe verloren. "Na prima!" rief Kilian. "Du hast gut Lachen," schimpfte Betty, "kämpf doch erst mal selber!" - "Nicht nötig," grinste Jan, "die Eismeer-Plakette ist dieses Jahr nur eine Falle! Wir dürfen sie nicht gewinnen, wir müssen sofort nach El Kokowei!" - "Ach?" staunte Betty, "Mann, dann war dieser plötzliche Wolkenbruch ja wirklich ein Riesen-Glück!" Jan zwinkerte unbemerkt dem PokéBall von Austos zu, dann machten die drei Trainer sich auf den Weg.
Gegen Mitternacht kamen Betty, Jan und Kilian in El Kokowei an. Der Weg dorthin verlief ohne Zwischenfälle. "Eine Zeder muss hier irgendwo sein," überlegte Jan, "aber wo nur?" - "Nehmen wir doch die da," schlug Betty vor und zeigte auf eine Zeder, die ganz offensichtlich mitten auf dem Dorfplatz stand. "Hier soll der nächste Hinweis sein," wiederholte Kilian. Nun, auffallend waren bisher nur die sechs Kokoweis, die im Kreis um die Zeder herum standen. "Vielleicht müssen wir die besiegen," überlegte Jan und zückte schon einmal den PokéBall seines Tornuptos.
4. Card Killer Sakura
"Bist du bereit, Tornupto?" fragte Jan. "Tor! Tornupto!" rief das Feuer-Pokémon. "Gut," orderte Jan, "dann Flammenwurf auf diese Kokowei-Herde!" - "Tooooornupto!" rief Tornupto und ging zum Angriff über. Die Kokoweis stellten sich in einer Reihe auf und begannen, mit den Blättern zu wedeln. Sie setzten Schlafpuder ein. Tornupto gähnte einmal genüsslich. "Darf ich dir helfen?" fragte Betty vorsichtig. "Das fragst du auch noch?!" rief Jan, "pack schon dein Vulcator aus!" - "Zu Befehl, Sir," sagte Betty, "los, Vulcator, Vulkanausbruch!" Gemeinsam gingen die beiden Feuer-Pokémon erneut auf die Kokoweis los. Diesmal hatten diese keine Chance mehr. Sie waren zwar in der Überzahl, aber dafür eben Pflanze gegen Feuer.
"Wacker geschlagen," lobte ein Stimme aus dem Gipfel der Zeder. "Wer ist da?" fragte Betty. Aus den Blättern schwebte ein Pokémon hernieder, das lila war und dem Geist einer Katze glich. Kilian war im Pokédex-Zücken der schnellste: "Sukop, ein Psycho-Pokémon. Die weiter entwickelte Form eines Suko. Dieses sehr kluge Pokémon findet man oft in dunklen Wäldern, meist als Anführer einer Suko-Herde." - "Das war wohl eher der Anführer einer Kokowei-Herde," bemerkte Kilian. "Hab ich mich eigentlich getäuscht oder hat das Sukop vorhin gesprochen?" überlegte Jan. "Deine Sinne sind vollkommen in Ordnung," erklärte Sukop, "und damit ihr weiter kommt, müsst ihr nun eine Frage beantworten. Seid ihr bereit?" - "Ja," rief Betty. "Gut," sagte Sukop, "dann werde ich euch die Frage nun stellen." - "Ach, ob wir bereit sind, war noch gar nicht die Frage?" grinste Kilian. Sukop achtete nicht auf diesen Kommentar und stellte unbeirrt seine Frage: "Team Rocket hat zwei Pokémon gestohlen: Eins eurer eigenen Pokémon und das Baby-Pokémon eines anderen. Ihr könnt nur eins von beiden retten. Was tut ihr? Zehn Sekunden Bedenkzeit!"
"Ääääähm..." Betty, Jan und Kilian sahen sich ratlos an. "Diese Frage ist doch Blödsinn," flüsterte Jan zu den anderen, "das hängt doch vom persönlichen Geschmack ab!" - "Unsinn," erwiderte Kilian, "es ist doch wohl klar, dass man sich um das eigene Pokémon kümmert!" - "Spinnst du?" schimpfte Betty, "und was wird dann aus dem hilflosen Baby?" - "Wie viel Zeit haben wir eigentlich noch?" wechselte Jan das Thema. "Scheibenkleister!" riefen Betty und Kilian gleichzeitig. "Das war's dann wohl," seufzte Betty. Doch zu ihrer aller Überraschung lobte Sukop: "Ihr habt bestanden!" - "Häääää???" staunten die drei Trainer. "Auf solche Fragen gibt es keine Antwort," erklärte Sukop, "deshalb darf man auch keine geben. Ihr habt keine Antwort gegeben, also habt ihr bestanden." - "Wahnsinn," sagten Betty, Jan und Kilian wie aus einem Mund.
Neben Sukop erschien ein kleines, grünes Eichhörnchen aus der Baumkrone. "Süüüüüß, ein Rewol!" rief Betty. Das Rewol nahm eine Eichel und warf sie in einen nahen Busch. Aus demselben kam unverzüglich ein Vulci hervor getapst. "Vulci!" fiepste es. "Dieses Pokémon wird euch zum Startpunkt bringen," erklärte Sukop.
Es war eine rabenschwarze, pardon, kramurx-schwarze Nacht und nur Vulcis Feuer leuchtete den Trainern den Weg. Dieser führte durch ein unwegsames Waldgelände, jedoch schien es eine 180°-Kurve um El Kokowei herum zu werden, denn das Örtchen war irgendwie immer auf irgendeiner Seite zu sehen. Dann horchten die Trainer jedoch einmal kurz auf. Ein leises "Ping! Ping!" war zu hören. Sie baten Vulci, kurz zu warten, und sahen nach. Hinter einem Busch befand sich ein kleiner Tümpel, in dem drei Pingis vergnügt planschten. "Jeder eins," schlug Betty vor. Jan und Kilian nickten und so zückten sie alle drei ihre PokéBälle und warfen gleichzeitig. Jedoch traf nur Kilian. Ein Pingi verschwand in seinem PokéBall. Die anderen beiden Pinguin-Pokémon waren nun jedoch erschreckt und tauchten schnell unter.
"War wohl nichts," seufzte Betty. "Na ja," meinte Kilian, "wir werden bestimmt noch einigen anderen Pokémon begegnen. Und ich taufe mein Pingi hiermit auf den Namen Tux!" Glücklich steckte er den PokéBall ein, während Betty ihm nur einen neidischen Blick zu warf. "Komm lieber weiter," sagte Jan.
Nach einem langen Fußmarsch kamen sie schließlich an einer Lichtung an, wo schon ungefähr siebzig andere Trainer warteten. Um die Lichtung herum standen Vulcis in einem großen Kreis und auch das Vulci unserer Freunde reihte sich nun brav ein. Ansonsten schien nichts zu passieren.
Auf einem nahen Baum saß ein Noctuh und schuhute. Eine Trainerin, auf deren Gewand verschiedene TCG-Energie-Symbole zu sehen waren, grinste teuflisch und zückte eine Pokémon-Karte. Es war ein Holo-Zapdos aus der Fossil-Edition. Sie warf die Karte dem Noctuh entgegen - und dieses fiel sofort vom Baum und blieb unten regungslos liegen. Betty, Jan und Kilian stand vor Entsetzen der Mund offen. "Die Hexe Sakura," erklärte ein kleiner Wurzelgnom, der plötzlich vor den dreien Stand, "vor der solltet ihr euch besser in Acht nehmen!"
5. Woodys Rückkehr
Die Nacht verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle, wenn man einmal davon absieht, dass Sakura ein Dunkles Igelavar aus Neo Destiny an einen nahen Baum pfefferte und dieser darauf hin tatsächlich in Flammen aufging. Austos, Hülzern, Tux und noch ein paar Wasser-Pokémon anderer Trainer hatten die Sache allerdings recht schnell im Griff.
Gegen sechs Uhr am Morgen wurden plötzlich alle Trainer durch ein plötzliches helles Leuchten geweckt. "Was... ist das?" brummte Betty verschlafen. "So früh wird's um diese Jahreszeit eigentlich nie hell," murmelte Kilian. "Daaa!" rief Jan und zeigte auf die Vulcis. Sie waren es, die so hell leuchteten. Im Uhrzeigersinn entwickelten sie sich alle nacheinander zu Vulcmons weiter. "Wenn das Agus Glumanda mit erleben würde," staunte Betty, "das würde explodieren vor Wut!" Schließlich waren die Trainer also von einer Herde Vulcmons umgeben. Als diese nun noch allesamt den Vulkanausbruch in den Nachthimmel einsetzen, war plötzlich ein Haus zwischen den Bäumen zu sehen, das zuvor bei der Dunkelheit keinem aufgefallen. Vor dem Haus, an dessen Wand ganz eindeutig GYM stand, stand ein kleiner Busch, der plötzlich aufstand, "Mogel-Mogel!" rief, zur Tür lief und anklopfte. Augenblicklich öffnete ein junger Mann.
"Es ist so weit," waren die ersten Worte des Herren, "die Prüfung beginnt! Mein Name ist Woody und eigentlich bin ich der Arenaleiter von der Arena im Wald, dieses Jahr bin ich jedoch dazu eingeteilt, Sie zu Ihrer nächsten Aufgabe zu begleiten." Mit diesen Worten begann er, in den Wald hinein zu gehen. Die Trainer folgten ihm. Doch plötzlich drehte Woody sich noch einmal um und rief: "Unter einer Bedingung allerdings!" Die Trainer blieben augenblicklich stehen. Bedingung? Was denn für eine Bedingung? "Einer von euch muss mich in einem Pokémon-Kampf besiegen," erklärte Woody nach einem kurzem Moment der Spannung, "wer sich freiwillig melden möchte, der sollte das jetzt tun." - "Na, aber sicher doch," rief Betty sofort, "mein Vulcator wird mit Ihrem Pflanzenkram bestimmt leicht fertig!" - "Gut, junges Fräulein," grinste Woody, "mal sehen, was du zu meinem Pflanzenkram sagen wirst! Komm bitte mit auf die Lichtung!" - "Ob das wirklich klug war?" flüsterte Jan, "so wie der reagiert hat, glaube ich nicht, dass ihm dein Vulcator etwas ausmachen wird."
Betty und Woody stellten sich kampfbereit gegenüber. "Zwei gegen zwei," legte Woody fest, "du hast die erste Wahl." - "Ich beginne natürlich mit Vulcator!" rief Betty. "Gut," lächelte Woody, "mein erstes Pokémon wird Mogelbusch sein." Er pfiff und augenblicklich kam der kleine Busch von vorhin auf die Lichtung getapst und rief: "Mogel!" - "Und das soll ein Problem sein?" lachte Betty, "Vulcator, Flammenwurf!" - "Vul!" grunzte Vulcator und schoss Flammen in Richtung Mogelbusch, die diesen allerdings nicht viel auszumachen schienen. "Steinwurf," konterte Woody und das Mogelbusch beschwor allein dadurch, dass es wie wild herum hüpfte, herauf, dass eine ganze Ladung Hinkelsteine auf Vulcator plumpste. Einer landete genau in dem Loch auf seinem Kopf, den Vulkanausbruch konnte man jetzt also vergessen. "Verflixt," schimpfte Betty, "na los, Glut!" - "Vul," stöhnte Vulcator, heb mühsam seinen Kopf und spuckte Mogelbusch einen kleinen Feuerball ins Gesicht. Die Flammen erloschen jedoch, ohne Mogelbusch Schaden zuzufügen. "Erdbeben," war Woodys Antwort auf die Attacke. Sein Mogelbusch stampfte wie ein Sumo-Ringer auf den Boden, bis Vulcator besiegt umfiel.
"Das darf nicht wahr sein!" rief Betty, "ist das überhaupt ein Pflanzen-Pokémon?" - "Das wirst du noch früh genug erfahren," grinste Woody. "Verflixt," murmelte Betty, "keine Ahnung, was das ist, und dann soll ich's auch noch besiegen? Na gut, dann nehmen wir jetzt mal ein Pokémon, das schon lange auf seinen nächsten Auftritt wartet: Kon!" Sie warf einen PokéBall und ein Teddiursa kam zum Vorschein. "Ach, wie goldig," lachte Woody, "soll ich ihm ein Glas Honig bringen?" - "Gleich lachen Sie nicht mehr," schimpfte Betty, "Kon, "Kratzer!" - "Teddi!" rief Kon und ging wie ein wilder Bär auf Mogelbusch los, um Unkraut zu jäten. "Schüttel es ab," befahl Woody, "Steinwurf, los! ... Äh, nein! Halt! Nicht!" Doch es war zu spät. Der Stein war im Anflug auf Kon, doch als dieses dann einfach absprang, krachte der Felsen genau auf Mogelbusch und setzte es damit KO.
"Yeah!" jubelte Betty, "schlag ein, Kon!" Sie reichte ihrem Teddiursa die Pfote - und wunderte sich. "Seit wann hast du denn so eine große Pranke?" staunte sie. "Ursa," grunzte Teddiursa und entwickelte sich zu einem Ursaring. "Wahnsinn, Kon!" rief Betty, "du hast dich weiter entwickelt!" - "Pah," winkte Woody ab, "dann besieg erst einmal das, was jetzt kommt! Los, Blattara!" Er pfiff einmal und aus dem Wald kam ein kleines Pokémon, das wie eine typische Evoli-Entwicklung aussah. "Klarer Fall," murmelte Betty, "wieder ein Stein-Pokémon wie das Mogelbusch eben!" - "Blatt!" rief Blattara. "Fang mit dem Sandwirbel an," befahl Woody. Blattara schoss also eine gewaltige Ladung Sand in Kons Gesicht. "Ursaring," grunzte dieses und rieb sich die Augen. "Na warte," zischte Betty, "Kon, Fuchtler!" - "Ring!" brüllte Kon und raste auf Blattara zu, um kein Blatt an ihm auf dem anderen zu lassen. "Blattara!" zitterte das Pokémon und vergrub sich halb im Sand. Voller Angst setzte es ganz automatisch Rankenhieb ein, bevor Woody überhaupt einen Angriff befehlen konnte. Zufällig sah Betty dies. "Nanu?" wunderte sie sich, "Rankenhieb? Dann ist das ja doch ein Pflanzen-Pokémon! Kon, schnell, benutz den ...
6. Der Gipfel des Mount Dystermoore
... Feuerschlag!" Gesagt, getan! Und damit war das Blattara besiegt!
Die Trainerschar atmete auf. Kein Wunder, war doch ihr aller Weiterkommen von diesem Kampf abhängig gewesen! "Nun gut," meinte Woody, "du hast gewonnen! Dann kommt jetzt mit!" Kaum hatte er den Satz beendet, rannte er flink wie ein Hase in den Wald und war schnell aus der Sichtweite der Trainer verschwunden.
"Der kann doch nicht einfach weg laufen!" protestieren die Trainer, "he, Sie, bleiben Sie stehen!" Es war zwecklos. "Halt mal," fiel Jan plötzlich ein, "Gengar, los! Betty, setz dein Golbat ein! Zu zweit werden die Pokémon es schaffen, uns beide und Kilian zu tragen, von oben finden wir Woody bestimmt wieder!" - "Gut," stimmte Betty zu, "los, Golbat!" Die Fledermaus kam also aus Bettys PokéBall um Vorschein und nahm Gengar in die Krallen. An dieses wiederum klammerten sich Jan, Betty und Kilian. Da nicht nur Golbat fliegen musste, sondern auch Gengar aus eigener Kraft schwebte, konnten sich die drei gerade so in der Luft halten. Der Plan schien zu funktionieren.
Die restlichen Trainer standen immer noch unten und sahen hinterher. Offenbar hatten sie keine Flug-Pokémon oder zumindest keine, die stark genug waren. Sakura sah es natürlich nicht gern, dass sie nicht weiter kam. Sie zückte also ein Rocket's Mewtwo und schnipste es zielsicher den dreien hinterher. Gengar wurde schwach gestreift und das genügte schon, um es zu besiegen. Golbat allein war natürlich etwas zu schwach für drei Trainer und ein Pokémon, und so stürzten sie alle zurück in den Wald, unweit von der Lichtung.
"Dieser Mistkerl," fluchte Betty. In diesem Moment flatterte etwas. Die Truppe konnte sich gerade rechtzeitig ducken, um einen bunt gemischten Schwarm aus Zubats, Hoothoots, Alpollos und auch einem Yamowaru auszuweichen, der kurz darauf über sie hinweg flog. Verfolgt wurde der Schwarm von ungefähr zwanzig Trainern, die zuvor auf der Lichtung waren. Offenbar benutzen sie diese Pokémon, um Woody ausfindig zu machen. "Da schließen wir uns doch glatt mal an," schlug Jan vor, "los, Traunfugil!"
Traunfugil verstand sich blendet mit dem Yomawaru und der ganze Schwarm hatte bald tatsächlich Woody gefunden. Er lief in einem Affentempo am Ufer eines Flusses entlang in Richtung Norden. Einmal drehte er sich aber um und rief: "Oh, oh, ein paar haben es geschafft! Ich mache es ihnen zu leicht!" Kurzerhand warf er einen PokéBall, aus dem ein Sichlor zum Vorschein kam, das auch noch eine Flink-Klaue trug. Woody sprang auf und das Sichlor raste doppelt so schnell wie ein normales Sichlor und mindestens viermal so schnell wie ein normaler Mensch davon. "Das gibt's doch nicht," stöhnte Betty, "wir sollen mitkommen, hat er gesagt! Wie stellt er sich das denn bitte schön vor?" - "Mit Teleport?" überlegte Kilian und hielt grübelnd Hülzerns PokéBall in der Hand. "Lass bloß dieses Enton aus dem Spiel," warnte Jan, "das macht uns nur noch mehr kaputt!" - "Wartet mal," fiel Betty ein, "mit Bungee-Jumping!"
"Mit WAS???" Die Trainer verstanden nicht recht. "Gib mir dein Kecleon," rief Betty. "Aber..." war alles, was Kilian sagen konnte, bevor Betty ihm schon den PokéBall vom Gürtel genommen hatte. "Los, Geko," rief sie und das Kecleon kam heraus. "Hat irgendjemand ein sehr starkes Pokémon?" fragte Betty. "Ja, ein Relaxo," meldete sich ein Trainer. "Gut, aus dem PokéBall lassen," orderte Betty, während sie Geko fest umklammerte, "ihr haltet euch jetzt alle an mir fest! Relaxo wirft Geko hinter Woody her und Geko setzt dabei die Klebrige Zunge ein. Und zwar schnell!" - "Okay, Relaxo," meinte der Trainer, während er sich an seinen Vordermann klammerte, "du hast es gehört! Tu, was das Mädchen sagt!" - "Laxo," grunzte Relaxo, packte Geko und warf es so kräftig es konnte hinter Woody her. Geko fuhr im gleichen Moment seine acht Meter lange Zunge aus und erwischte damit Sichlor gerade noch an der Schwanzspitze. Woody staunte nicht schlecht, als er nun eine ganze Trainerschar hinter sich her zog. Zwar versuchte er einmal, Gekos Zunge zu lösen, doch als er dann sofort eine drohende halbe Portion Stachelsporen ins Gesicht bekam, sah er ein, dass er verloren hatte.
Bald lichtete sich der Wald und es ging einen Berg hinauf, wo Sichlor zehn Minuten später schon das Gipfelkreuz erreichte. "Puuuh," stöhnte Jan, "das war aber mal eine Reise! Du kommst wirklich auf verrückte Ideen, Schnuckiputzi!" - "Muss ich irgendwie von Agu abgeguckt haben," meinte Betty schulterzuckend. Kilian rief sein erschöpftes Kecleon zurück und mit viel Mühe kam eine halbe Stunde später auch Relaxo an. "Wir befinden uns hier auf dem Mount Dystermoore," erklärte Woody, "ich werde euch gleich verlassen. Hier oben befindet sich jedoch irgendwo ein geheimer Höhleneingang. Seht ihr die Stadt da unten?" Die Trainer nickten. "Das ist Molikkita City," fuhr Woody fort, "da wird euch Arenaleiter Morcus in Empfang nehmen, und zwar in genau 72 Stunden. Wer dann nicht da ist, hat eben Pech gehabt! Guten Tag!" Mit diesen Worten schwang er sich wieder auf sein Sichlor und war schneller futsch, als die Truppe gucken konnte. "Da müssen wir jetzt also runter," meinte einer von ihnen, "na, das wird doch wohl wirklich keine Lebensaufgabe sein, von einem Berg hinab zu steigen!"
"Blue!" zischte ein schlecht gelauntes Pokémon, das die zwanzig Trainer von einer dunklen Höhle aus genau musterte.
7. Wie die Zeit vergeht ...
"Wo soll denn hierbei das Problem sein?" meinte ein Trainer, "los, Georok!" Er ließ das Stein-Pokémon aus seinem PokéBall und stieg auf. "Mein treuer Bodo hier wird mich schnell nach unten gebracht haben," rief er. "Rok!" grunzte Bodo und setzte sich in Bewegung. Nach wenigen Schritten bekam es jedoch einen Stromschlag, der so heftig war, dass selbst es als Pokémon des Typus Gestein keine Chance hatte. "Sieht wie in Magnetfeld aus," stellte Betty fest. "Klarer Fall," rief Kilian, "damit gehen die sicher, dass wir wirklich durch diesen blöden Berg durch gehen und nicht einfach außen wieder runter spazieren!" - "Ja, und wo ist hier ein Eingang?" fragte Jan. In diesem Moment kamen sein Traunfugil und das Yomawaru angeschwirrt. "Traun! Traun!" rief Taunfugil ganz aufgeregt. "Yomawaru!" fügte Yomawaru hinzu. "Ihr habt einen Eingang gefunden?" rief der Yomawaru-Trainer begeistert, "das ist ja super! Wo ist er?" - "Yoma," erklärte Yomawaru und flog mit Traunfugil hinter einen großen Felsen. Die Trainer folgten den beiden Pokémon.
"Und wo ist hier jetzt der Eingang?" fragte Jan. "Vielleicht brauchen wir ein Zauberwort," meinte Betty. "Sesam, öffne dich!" fügte sie spaßeshalber hinzu - und staunte nicht schlecht, als der Felsen darauf hin rumorte und sich zur Seite schob. "Super gemacht, Liebling," lobte Jan, "los, Tornupto, bring uns ein bisschen Licht in die Angelegenheit!" - "Tornupto!" rief das Feuer-Pokémon. "Geh voraus und leuchte uns heim," befahl Jan. Tornupto ging los und die Trainerschar folgte ihm. "Blue!" zischte das seltsame Pokémon von vorhin. Nachdem es den Trainern eine Weile nachgesehen hatte, verschwand es in seinem Felsspalt.
Zu der Trainerschar gehörten neben Betty, Jan, Kilian und dem Yomawaru-Trainer auch der Wurzelgnom sowie Sakura, die während dem Laufen ein paar Pokémon-Karten sortierte. Sie blieben alle dicht zusammen, da Tornuptos Flamme nicht sonderlich hell war und keiner in der Dunkelheit verloren gehen wollte. "Das ist mir irgendwie ein bisschen zu einfach," meinte Betty nach einiger Zeit, "okay, der Weg ist ein Labyrinth, aber keine Fallen oder wilde Pokémon?" Ein Sandan versteckte sich unter einem Felsen, aber das konnte es ja wohl noch nicht gewesen sein. Plötzlich zischte jedoch wieder etwas "Blue!" und zum ersten Mal hörten die Trainer das. "Was war das?" erschrak Jan, "bleib stehen, Tornupto!" Doch Tornupto ging rein instinktiv in Angriffsstellung. Hinter der nächsten Ecke kam ein Pokémon hervor, das zwar wie ein Raichu aussah, jedoch blau war. "Ist das ein Faichu?" fragte Betty verunsichert. Kilian zückte seinen Pokédex. "Raiblue," knarzte dieser, "ein Wasser-Pokémon. Wurde angeblich von Wissenschaftlern des Team Rocket aus einem Raichu erschaffen, doch bisher hat es noch niemand mit eigenen Augen gesehen."
"Vorsicht," sagte Kilian, "das ist ein Team Rocket-Pokémon! Da wird es bestimmt keinen freundlichen Charakter haben!" - "Raaaaaaai!!" rief Raiblue und setzte die Hydropumpe auf Tornupto ein, welches sofort besiegt zu Boden fiel. "Au, verdammt," rief Betty, "was machen wir jetzt ohne Licht?" - "Halt," fiel Jan etwas ein, "ich hab da noch etwas! Los, Voltobal!" - "Seit wann hast du das denn?" staunte Betty. "Seit ungefähr einem halben Jahr," erklärte Jan, "aber ich habe es nie wirklich gebraucht, bis jetzt! Voltobal, Blitz!" - "Volto!" rief Voltobal und brachte endlich eine ordentliche Beleuchtung in die Höhle. Raiblue hielt sich die Augen zu. "Wir müssen das Biest überrumpeln," rief Betty, "alle, die Elektro- oder Pflanzen-Pokémon haben, bitte melden!" Es stellte sich hierbei jedoch heraus, dass Voltobal das einzige Elektro-Pokémon war und Pflanzen überhaupt nicht vorhanden waren. "Ach, Bisaflor," seufzte Betty. "Dann muss es eben mit Wasser gegen Wasser gehen," meinte Kilian, "alle Wasser-Pokémon bitte melden!" Er ließ schon den PokéBall von seinem Tux auf dem Finger kreiseln und immerhin gesellten sich noch Jans Austos sowie ein Garados und ein Impergator von zwei anderen Trainern hinzu.
"Okay, Gadados," befahl sein Besitzer, "greif es mit dem Drachenwut an!" - "Und du mit Biss," fügte der Impergator-Trainer hinzu. "Und du, Tux," meinte Kilian, "einfach mal Aquaknarre oder halt eine bessere Attacke, falls du das kannst!" Garados schoss eine blau leuchtende Flamme auf Raiblue ab - traf jedoch ungeschickter Weise Impergator, das gerade zum Biss angesetzt hatte. Das weiter entwickelte Karnimani ging sofort zu Boden. "Entschuldigung," sagte der Garados-Trainer verlegen. "Hey," fiel Kilian plötzlich auf, "Tux, was ist los?" Das Pingi hatte Raiblue mit einer Hydropumpe zum Torkeln gebracht und leuchtete nun. Es wuchs, änderte seine Farbe von grau nach blau, bekam seine noch fehlenden Füße und rief: "Penguin!" - "Ha, super," freute sich Jan, "jetzt ist der Sieg unser! Garados, wenn du es kannst, mach einen Hyperstrahl! Und du, Tux, noch eine Hydropumpe!" Beide Pokémon schossen ihre Attacken ab und ...
8. Verschwörung in Zwett City
... erreichten, dass einige unkontrollierbare Wasserstrahlen einen Teil der Höhle zum Einsturz brachten. "Raiblue!" rief das erschrockene Raiblue und suchte schnell das Weite, wobei es jedoch auch einen Stein auf den Kopf bekam und so außer Gefecht gesetzt wurde. Der Einsturz hatte jedoch auch einen Teil der Trainer in der Höhle eingesperrt. Betty, Jan, Kilian, der Wurzelgnom, Sakura, der Yomawaru-Trainer sowie nur fünf andere Trainer waren noch draußen und würden natürlich Hilfe hin schicken - doch trotzdem war für die Unglücklichen das Abenteuer gelaufen! Doch zunächst fesselte die Truppe Raiblue. Voltobal sorgte dafür, dass sie einen Tag später endlich das Tageslicht wieder sehen konnten. Außer einigen wild gewordenen Stein- und Boden-Pokémon kam unterwegs nicht viel dazwischen.
"Da seid ihr ja," lächelte Morcus, als er die Ankömmlinge erblickte, "oh, nur noch elf! Der Berg hat ganze Arbeit ..." Plötzlich hielt er inne. "Was ist das?" fragte er und zeigte dabei eindeutig auf Raiblue. "Das wüssten wir auch gern etwas genauer," sagte Betty schulterzuckend, "der Pokédex meint was von Raiblue, aber davon hab ich noch nie was gehört." - "Ich auch nicht," seufzte Morcus, "deshalb fragte ich ja. Nun ja, egal! Ihr seid früh dran, wir machen erst morgen weiter. Mittags um zwölf, genau hier!" - "Gut," meinte Kilian, "ach, und wenn Sie einen Hilfetrupp in den Mount Dystermoore schicken könnten, da sitzen nämlich noch einige Trainer fest."
"Und was machen wir jetzt einen Tag lang?" fragte Betty, als sie, Jan und Kilian wenige Schritte von Molikkita City entfernt waren. "Halt, ich weiß," beantwortete sie kurz darauf ihre eigene Frage, "wir sind Pokémon-Trainer, wir fangen natürlich ein paar Pokémon!" - "Nö," lächelte Jan, "Zwett City ist nicht fern von hier! Wir besuchen Agus Eltern!" - "Auch eine gute Idee," stimmte Betty zu, "nichts wie hin!"
Nach einer halben Stunde Fußmarsch kamen die drei an - nämlich an einem Ort, der so aussah, als ob er mal eine Stadt gewesen wäre. "Was ist denn hier passiert?" staunte Jan, "das hat mir Agu ja nie erzählt!" - "Ich glaube, mir fällt es wieder ein," überlegte Kilian, "das Labor! Es gehört einem gewissen Professor Cloud, einem friedlichen Wissenschaftler ..." - "Und Agus Vater!" fügte Betty hinzu. "... wurde jedoch eines Tages von Team Rocket angegriffen und eingenommen," fuhr Kilian fort, "wenige Tage später ging die ganze Stadt in einem mysteriösen Feuer unter und nur wenige Menschen überlebten. Man sagt, Professor Cloud lebt noch, doch seit Jahren hat ihn keiner mehr gesehen." - "Woher weißt du das alles?" fragte Jan. "Na, aus der Fukano Private High School!" rief Kilian. "Da ist ja das Labor," bemerkte Betty, "es sieht noch völlig intakt aus! Ob wir es uns mal ansehen?"
Na klar, was für eine Frage! Fünf Minuten später waren die drei da und klopften an die Tür. Mewtu öffnete. "Danke, Mewtu," lächelte Betty, "äh, Moment mal... MEWTU???" - "Nun ja," erklärte Mewtu, "nicht das echte Mewtu. Team Rocket hat versucht, noch einmal ein Mew zu klonen, nachdem das Original-Mewtu abgehauen war, "aber leider geriet ein Gänseblümchen mit in die Klonmaschine, deshalb bin ich so friedliebend." - "Klonmaschine?" staunte Betty, Jan und Kilian wie aus einem Mund. "He, Mewtu," grunzte eine Stimme aus einer dunklen Ecke, "plauderst du da schon wieder was aus? Du weißt doch, dass du alle Eindringlinge vernichten sollst!" - "Und du weißt, dass ich das einfach nicht kann," verteidigte sich Mewtu. "Dann mach ich es eben selber," grummelte die Stimme. Schwere Schritte waren zu hören und ein Rocket trat ins Licht. "Keine Bewegung," befahl er, "noch habt ihr die Möglichkeit, zu entfliehen!" - "Wir denken nicht dran!" schimpfte Betty. "Euer Pech," meinte der Rocket schulterzuckend, "los, Atomat!" Aus seinem PokéBall kam ein Pokémon zum Vorschein, das wie eine Verbindung aus 26 Icognitos aussah. "Atomexplosion!" befahl der Rocket. Das Atomat begann, seine Attacke vorzubereiten. "Nicht mit uns!" rief Betty, "Vulcator, los! Vulkanausbruch auf Atomat!" - "Cator!" brüllte der Vulkan und duschte Atomat mit kochender Lava. Die Attacke wurde gestoppt und das Pokémon fiel besiegt zu Boden. "Ups," meinte der Rocket und verschwand wieder in seiner Ecke.
Nachdem Voltobal Blitz eingesetzt hatte, war eine Falltür in besagter Ecke zu sehen, durch die der Rocket sich offenbar in Sicherheit gebracht hatte. Klar, dass die drei Trainer sofort ebenfalls hinunter stiegen. Mewtu bevorzugte es, oben zu bleiben, falls es da unten zu einem Kampf kommen würde.
Im Keller sah es aus wie in einem typischen Labor. Ein Porygon2 kam auf die drei zu gedüst und rief: "Pory! Pory!" Augenblicklich trat ein Rocket auf die Trainer zu, der offenbar der Anführer des Labor-Trupps war. "Mein Name ist Richard," sagte er, "doch das ist unwichtig! Werft sie ins Verließ, Männer!" - "Zu Befehl," stimmten einige andere Rockets zu, "los, Voltobals! Donnerwelle!" Sie ließen einige dieser Elektro-Pokémon aus ihren PokéBällen, deren Aufgabe es war, Betty, Jan und Kilian zu paralysieren. "Vorsicht," rief Betty, "Vulcator, noch mal Vulkanausbruch!" - "Das hättest du gern," konterte Richard, "Porygon2, Umwandlung! Mach Vulcator zu einem Wasser-Pokémon!" - "Hey," erschrak Betty, "damit hat es ja Schwäche gegen Elektro!" - "Ich weiß," grinste Richard. Die drei Trainer hatten keine Chance mehr und wurden in ein Gefängnis gesperrt.
"Endlich mal wieder Eindringlinge, die überlebt haben," seufzte eine Stimme neben unseren drei Freunden. "Wer sind sie?" fragte Betty. "Ich bin Professor Cloud," erklärte der Herr, "und Team Rocket hat mein Forschungslabor übernommen und klont hier nun die stärksten Pokémon für seine üblen Zwecke!" - "Volto!" rief plötzlich eine Stimme dazwischen. Jans Voltobal hatte sich aus seinem PokéBall befreit und kullerte nun auf die Voltobals der Rockets zu.
9. Let's play together!
"Voltobal! Volto!" - "Vol-Volto! Voltobal!" - "Voltobal?" - "Vol-Vol! Volto, Vol!" - "Bal!"
"Verstehst du das Gekreische?" fragte Betty ihren Gatten. "Kein Wort," gab Jan zu. Doch das war auch gar nicht nötig, denn was nun kam, war leicht mit den Augen zu erfassen. Jans Voltobal leuchtete und entwickelte sich zu einem Lektrobal weiter. Die übrigen Voltobals bildeten einen Pfeil, an dessen Spitze sich Lektrobal einordnete. Auf das Kommando "Lektro!" hin setzte der Pfeil sich in Bewegung und rollte unter die Elektronik der Gefängnistür. Dort setzten die Voltobals gemeinsam Explosion ein. Die Tür sprang auf. "Lektrobal, du hast es geschafft!" rief Jan. "Lektrobal," sagte Lektrobal stolz.
Natürlich wurden die Rockets aufmerksam. Glücklicherweise waren in diesem Labor nicht sonderlich viele von ihnen eingeteilt, nur fünf Stück inklusive Richard. Als diese herbei eilten, wurden sie erst einmal von den Voltobals überrumpelt. Porygon2 ging in Angriffsstellung. Es wusste jedoch nicht so genau, was es tun sollte. Die Umwandlung würde nicht sonderlich viel bringen und andere Attacken beherrschte es kaum welche. Nach ein paar Malen Donner und Explosion ging es schließlich zu Boden.
Betty, Jan, Kilian und Mr. Cloud fesselten die Rockets, bevor Mr. Cloud die Polizei anrief. "Bald sind die Herren in guter Gewahrsein," sagte er nach dem Beenden des Telefonats, "und jetzt kommt mit nach oben. Habt ihr Lust auf ein Glas Orangensaft?" Die vier stiegen die Leiter hoch und durch die Falltür. Oben bot sich ihnen jedoch ein unerwarteter Anblick. "Raiblue," erschrak Betty, "das haben wir ganz vergessen!" Das blaue Raichu war wieder wach geworden und lieferte sich nun einen Kampf mit Mewtu. Es setzte die Hydropumpe ein, doch Mewtu benutzte rasch den Bodyguard und blockte damit die Attacke ab. Dann benutzte es seinerseits die Psychokinese. Raiblue wich mit der Agilität aus und benutzte hinterrücks einen Blizzard. Mewtu wurde getroffen und flog gegen die nächste Wand. Mühsam richtete es sich wieder auf, hob einen Hand und schoss einen Psystrahl ein. Raiblue rechnete nicht mehr mit einer Attacke, bekam dieselbe ab und ging KO. "Puh," atmete Mewtu auf, "was für ein Kampf!"
"Hey, gut gemacht," lobte Mr. Cloud. "Oh, Zuschauer," bemerkte Mewtu, "danke für das Lob!" - "Und was machen wir mir Raiblue?" überlegte Betty. "Das gleiche wie mit Faichu," schlug Jan vor. "Wir schicken es zu Professor Apff?!" erschrak Betty. "Aber nein," beruhigte sie Jan, "natürlich nur zum Professor von Pichi." - "Also zu Professor Bork," stellte Mr. Cloud richtig, "gut, ich übertrage es ihm gleich vom Pokémon Center von Molikkita City aus." - "Und Mewtu?" überlegte Kilian. "Ich bleibe als Haushaltshilfe hier," schlug das Pokémon spontan vor. "Und Lektrobal auch," fügte Jan hinzu, "ich finde, bei so vielen Voltobals ist es glücklicher als bei mir. Ich setze es ja sowieso kaum ein!"
Am nächsten Tag ging die Prüfung weiter. Morcus war es ehrlich gesagt ziemlich schnurz, dass Betty, Jan und Kilian mal eben kurz einen Teil von Team Rocket besiegt hatten, Sonderpunkte gab es dafür jedenfalls nicht. Die nächste Aufgabe bestand in einer Jagd der besonderen Art. Südlich von Zwett City befand sich eine gigantische Wiese, auf der, abgesehen vom größten Baum der Welt, nur vereinzelt ab und zu mal ein kleines Bäumchen im Weg stand. Jeder Trainer bekam leihweise ein Rattfratz, das ein Trikot mit einer bestimmten Nummer trug. Des Weiteren bekam jeder ein Kärtchen, auf dem eine andere Nummer stand. Die Runde sollte eine ganze Woche lang dauern, während der die Trainer kostenlos Verpflegung und Unterkunft in einem Hotel in Miruscalia City im Süden bekommen sollten. Ziel war es, nach Ablauf dieser Zeit, am 23. Dezember um 12:00 Uhr Mittags, das Rattfratz zu besitzen, dessen Nummer auf der eigenen Karte stand. Der Betreuer des jeweiligen Rattfratz hatte dies natürlich zu verhindern.
Machen wir es kurz: Am Ende dieses recht unterhaltsamen Spiels waren sechs Trainer übrig. Betty, Jan und Kilian zählten noch dazu, jedoch auch der geheimnisvolle Wurzelgnom, dann Sakura, die in jeder freien Sekunde an einem Kartendeck gebastelt hatte, und zu guter Letzt ein Trainer namens Tobias. "Gut," meinte Morcus, "ihr sechs seid im Finale! Alle anderen: Wiedersehen! Morgen geht's weiter!" Mit diesen Worten verschwand er rasch im Hotel. "Unglaublich," staunte Betty, "am Anfang in Victorya waren wir hunderte und jetzt sind nur noch wir sechs übrig!" - "Und dass wir drei noch zusammen sind, grenzt an ein Wunder," fügte Kilian hinzu. "Wir beide auch," lächelte der Wurzelgnom. Kilian erschrak und wich vorsichtshalber ein paar Schritte zurück.
Jan wurde plötzlich von einem anderen Trainer angesprochen. "Ich heiße Phillip," sagte er, "du weißt doch, der mit dem Yomawaru!" - "Ja," meinte Jan, "und? Tut mir leid für dich, aber du bist raus!" - "Ich weiß," sagte Phillip, "mir tut's auch leid, aber meinem Yomawaru noch viel mehr! Es wird dein Traunfugil vermissen, deshalb werde ich es dir schenken!" - "Echt?" staunte Jan, "hey, danke!" - "Keine Ursache," seufzte Phillip, "vielleicht sehen wir uns irgendwann einmal wieder!" Schnell drückte er Jan den PokéBall in die Hand und lief dann davon. "Der Arme," sagte Jan, "offenbar hing er an seinem Yomawaru. Hoffentlich biete ich ihm ein gutes zu Hause!"
10. Das Finale
Die erste Schneeflocke fiel vom Himmel und landete genau auf Bettys Nasenspitze. Sie, Jan, Kilian, Tobias, Sakura und der Wurzelgnom wurden von Morcus die lange Marmortreppe hinauf auf das Indigo-Plateau geführt. "Von dieser Seite aus hab ich das Indigo-Plateau ja noch nie gesehen," bemerkte Tobias. "Die Aussicht von da oben muss traumhaft sein!" rief Betty entzückt, "besonders, wenn es weiter schneit und sich die weiße Pracht ausbreitet!" - "Mir ist Weihnachten im Moment eher egal," sagte Kilian, "das ist jedes Jahr! Aber mich interessiert jetzt, was uns da oben erwartet!"
Als die scheinbar endlose Treppe doch endlich ihre Ende gefunden hatte, folgte noch eine Terrasse, auf der zwei geschmückte Weihnachtsbäume standen, bevor die Trainer endlich vor dem großen Eichenportal standen. "Nicht erschrecken, wenn ihr drinnen ein vollkommen leeres Indigo-Plateau vorfindet," erklärte Morcus, schon mit Klinke in der Hand, "eine reguläre Pichi-Liga findet dieses Jahr nämlich gar nicht statt. Wir werden die ganzen Arenen für uns haben!"
Ein Trainer kam ganz außer Atem die Treppe hoch gehechtet und kam direkt vor Morcus mit hängender Zunge zum Stehen. Trotz der kalten Jahreszeit rann im der Schweiß von der Stirn. "Ich bin Sebastian," stöhnte er, "bin ich noch rechtzeitig zur Pichi-Liga? Hier, meine acht Plaketten! Und dieser Typ von Urugulia City war ja echt schwer zu finden..." - "Tja," sagte Morcus kalt, "deine Plaketten in Ehren, aber heb sie noch ein Jahr auf! Dieses Jahr ist keine Pichi-Liga! Wiedersehen!" Sebastian konnte betteln und jammern, so viel er wollte, der Arenaleiter ließ ihn nicht rein.
"Also," begann Morcus, nachdem sich die sechs Trainer auf dem Eisfeld versammelt hatten, "wir werden jetzt nach dem KO-System einige Pokémon-Kämpfe austragen. Wer verliert, ist raus. Sieger und somit Drakes Nachfolger ist derjenige, der als letzter übrig bleibt! Soweit alles klar?" Die Trainer nickten. "Gut," murmelte Morcus und zückte ein kleines Gerät, das offenbar ein Zufallsgenerator war, "der erste Kampf findet statt zwischen Bettina Apff und Tobias Becker!"
Betty und Tobias stellten sich kampfbereit gegenüber. "Jeder darf zwei Pokémon einsetzen," legte Morcus fest. "Gut," rief Betty, "ich wähle... hmmm..." Sie überlegte. Vulcator hob sie sich als Trumpf für den zweiten Kampf auf. Jetzt folgte nach langem Grübeln Golbat! "Ah, gut," grinste Tobias, "los, Tarania!" - "Hmmm," bemerkte Betty, "dieses Pokémon kenne ich nicht!" Sie zückte ihren Pokédex. "Tarania," knarzte dieser, "die Vorstufe eines Ho-Oh. Es gibt nur sehr wenige Taranias. Noch ist unklar, wann, wo und wie sie entstehen. Ebenso unbekannt ist, ob und wann sie sich zu Ho-Oh entwickeln." - "Ich fasse es nicht," stöhnte Betty, "der hat ein Legendäro-Baby und bei mir flattert nur so eine kleine Fledermaus rum!" - "Pech," meinte Tobias schulterzuckend, "Tarania, Feuersturm!" Das Pokémon, das ein bisschen an eine missratene Ente mit seltsamen Farbmustern erinnerte, nahm genau Maß, riss schließlich seinen Schnabel auf und pfefferte Golbat Flammen entgegen, die sich gewaschen hatten. Sofort ging die Fledermaus zu Boden, ohne auch nur einmal angegriffen zu haben.
"Oh Mann," stöhnte Betty, "was für ein Pokémon! Will wissen, was dann erst ein fertiges Ho-Oh alles kann! Na gut, du wolltest es nicht anders! Los, Vulcator!" Der Vulkan kam aus dem PokéBall zum Vorschein und sah Tarania giftig an. "Cator!" grunzte es. "Tarania!" zischte Tarania zurück. "Vulkanausbruch!" orderte Betty an. "Läuterfeuer!" konterte Tobias. Es wurde ganz schön heiß für weihnachtliche Verhältnisse. Taranias Flammen loderten um Vulcator herum, während überall in der Luft Vulcators Flämmchen hinab schwebten. Beiden Pokémon schien die gegnerische Attacke jedoch nichts aus zu machen. "Hmmm," überlegte Betty, "ob vielleicht Erdbeben ..." Doch sie kam nicht dazu, weiter zu überlegen, denn Tobias hatte ebenfalls mit gedacht. "Vulcator ist also Feuer," sagte er, "gut, hätte ich mir ja sofort denken können! Tarania, Surfer!" - "Das kann das?" stöhnte Betty, "ja, was ist das nur für ein Über-Monster?" Doch alles Jammern half nichts, Vulcator ging in den Fluten unter und war besiegt. "Ich fasse es nicht," seufzte Betty, "verloren!" - "Eipä ollut tuuria sulla*!" meinte Tobias mitleidlos. "Tarania," fügte Tarania grinsend hinzu.
"Oh, das tut mir jetzt aber wirklich leid," meldete sich die Stimme des Kommentators aus dem Lautsprecher, "gerade dir hätte ich den Sieg wirklich gegönnt!" Betty sah auf. "Die Stimme kenne ich doch," dachte sie. Sofort sprang sie auf und lief nach oben in die Kommentatorenkabine.
* Finnisch: "Pech gehabt!"
11. Ein kurzes Wiedersehen
"AGU!!" Betty glaubte es kaum, als tatsächlich Agu am Platz des Kommentators saß. "Was machst du denn hier?" fragte sie fassungslos. "Na, irgendwer muss den Job ja übernehmen," meinte Agu, "die Kommentatoren der Pichi-Liga haben dieses Jahr frei und ich war als amtierender Champion halt gerade da!" - "Wenn wir das gewusst hätten," stöhnte Betty, "dann hätten wir natürlich Lance mitgebracht!" - "Na ja," meinte Agu, "zu Weihnachten rufe ich ihn natürlich mal an! Und jetzt setz dich doch und schau dir mit mir zusammen die nächsten Kämpfe an, ja?" - "Es kämpft Jan Gayh gegen Sakura Silberblick," verkündete Morcus, "jeder hat zwei Pokémon!"
"Oh nein, die Schnepfe! Ausgerechnet!" Jan war nicht so begeistert über seine Gegnerin. "Ich nehme Dodu," sagte Sakura, "und du?" - "Ich probier's mit Traunfugil!" beschloss Jan. So standen sich also der zweiköpfige Vogel und das kleine Gespenst auf der Kampffläche gegenüber. "Bohrschnabel," begann Sakura, während sie ein paar Karten sortierte. "Bodyguard!" konterte Jan schnell. Traunfugil hüllte sich in letzter Sekunde in einen weißen Nebel, an dem Dodus Schnabel einfach abprallte. "Mistvieh," zischte Sakura, "Ruckzuckhieb, Dodu!" - "Und du Hypnose!" rief Jan. Dodu raste auf Traunfugil zu, konnte es jedoch beim besten Willen nicht verhindern, demselben in die Augen zu sehen und schlief so ein, kurz bevor es seinen Gegner besiegen konnte. "Und jetzt Traumfresser!" grinste Jan. "Das hättest du wohl gern!" schimpfte Sakura, "Geister sind im Nachteil gegen Vögel, und das beweise ich dir hiermit!" Bebend vor Zorn schnappte sie sich ein holographisches Tauboss aus dem Dschungel-Set und warf es in Richtung Traunfugil. "Ach herrje," erschrak Jan, "Traunfugil, pass auf die Karte auf!" Doch Traunfugil verstand nicht so recht, was sein Trainer wollte. Das war doch nur eine Pokémon-Karte, die würde es doch locker zu Konfetti machen! Doch Yomawaru, das am Rand schwebte und alles kapiert hatte, handelte. Es sprang dazwischen und riss Traunfugil aus der Flugbahn der Karte. Nun ja, fast jedenfalls. Beiden Pokémon wurden ein paar Haare abrasiert, aber mehr passierte zum Glück nicht. Die Karte geriet außer Kontrolle und fiel zu Boden, wobei sie unterwegs noch Jans Bein streifte und ihm ein Loch in die Hose schnitt.
"Hören Sie," griff Morcus ein, "was Sie hier tun, nennt man unfairen Kampf! Ich muss Sie disqualifizieren!" - "Pfff," winkte Sakura ab, "versuchen Sie's doch!" - "Na, und ob!" rief Morcus, "los, Onix! Klammergriff!" - "Ooooooonix!!" - "Ach, wie süß," grinste Sakura, nahm ein Turtok Reverse-Holo aus der Legendary Collection zur Hand und warf es auf Onix. Steinbrocken flogen durch die Gegend und das Pokémon ging zu Boden. "Ich hätte auch fester werfen können," grinste Sakura und fing die Karte auf, "ich hoffe, dir ist klar, was dann mit dem Regenwürmchen da los wäre!" - "Und ich hoffe," schimpfte Morcus, "Ihnen ist klar, dass Sie disqualifiziert sind und nie mehr die Chance auf Drakes Posten haben, ganz egal, ob Sie Onix töten oder nicht! Und jetzt hauen Sie ab, dann kommen Sie mit etwas Glück noch mit einer milderen Strafe davon!" - "Das macht mir hier eh keinen Spaß mehr," meinte Sakura hochnäsig und verließ das Indigo-Plateau.
"Nun," sagte Morcus zu Jan, "damit hast du diesen Kampf wohl gewonnen!" - "Nein, danke," lehnte Jan ab, "Pokémon-Kämpfe gern, aber das hier - nein, das ist nichts für mich! Außerdem, falls ich der endgültige Sieger wäre, hätte ich ein Problem, denn ich werde bald Arenaleiter von Teak City! Eigentlich bin ich nur hier, weil meine Frau mit macht." - "Ach so," verstand Morcus, "nun, wenn das so ist, dann hat dieser Kampf eben keinen Sieger. Der nächste Kampf findet statt zwischen Kilian Steve und einem Wurzelgnom, der seinen Namen einfach nicht nennen wollte." - "Hey," protestierte der Wurzelgnom, "alle bezeichnen mich hier als Wurzelgnom! Ich bin ein Mensch wie du und ich!" - "Ja, klar," lachte Morcus, "zwei gegen zwei Pokémon! Der Kampf beginnt!"
"Ich wähle Elsi!" rief Kilian. Das Porenta kam aus seinem PokéBall zum Vorschein. "Ich nehme Nockchan!" entgegnete der Wurzelgnom. "Oh," bemerkte Kilian, als er das Kampf-Pokémon sah, "das Vieh kenne ich doch!" - "Porenta?" fragte Elsi unsicher. Es wusste ebenfalls nicht so genau, ob es nun genau dieses oder doch ein anderes Nockchan war. "Ich finde," sagte der Wurzelgnom, "ein Kampf ist gar nicht nötig. Komm doch einfach wieder mit nach Hause!" - "Bitte was?" wunderte sich Kilian, "geht das jetzt auch noch mal auf deutsch?" Der Wurzelgnom nahm sich daraufhin seine Maske ab. "Junge, ich bin es," sagte er, "Hugo! Dein Vater!" - "Ächz!" war alles, was Kilian darauf hin heraus brachte. Einen Moment lang starrte er Hugo nur an, dann lief er plötzlich davon.
12. Echt gegen Karte
"Wieder einer kampflos ausgeschieden," seufzte Morcus, "dann steht ja hiermit schon das Finale an!" - "Kleinen Moment," rief eine Stimme, "zuerst müssen wir Kilian suchen! Er ist immerhin ein Freund von meiner Freundin und wir können nicht zu lassen, dass er sich da draußen in der Schneewüste verirrt!" Die Stimme gehörte Agu, der zusammen mit Betty aus der Kommentatorenkabine kam. "Zumal auch Sakura noch irgendwo da draußen ist," fügte Betty hinzu, "und die will sich bestimmt an irgendwem abreagieren!" - "Stimmt," sagte Jan. "Die Kämpfe müssen leider einen Moment unterbrochen werden," bestimmte Agu, "wir gehen jetzt da raus und suchen Kilian!"
Als Agu das Tor des Indigo-Plateaus öffnete, wehte ihm ein eisiger Wind ins Gesicht. Pichi war schon in einer dicken Schneeschicht eingebettet. Agu, Betty und Jan traten nach draußen. "Kilian!!" riefen sie, "Kilian, bist du hier irgendwo?" Keine Antwort. "Was ist das da unten?" fragte Betty und zeigte auf eine Stadt nicht weit entfernt, aus der es nur so qualmte. "Das ist Foglage," erklärte Agu, "eine der düstersten Städte überhaupt. Sie besteht zu mindestens 90 % aus Fabriken, die alle möglichen Abgase in die Luft schicken! Na ja, man sollte froh sein, dass alle Fabriken an einem Ort versammelt sind, so bleiben wenigstens die anderen Gegenden der Pokémon-Welt sauber." - "Das sieht aus wie der perfekte Ort, wenn man sich wie Kilian verstecken will," bemerkte Jan. "Hoppla, da hast du recht," stellte Agu fest, "dann los!"
Wenig später kamen die drei in Foglage an. "Was für eine grässliche Gegend," stellte Betty fest, "hier ist ja sogar der Schnee schwarz!" - "Und wie sollen wir Kilian finden, wenn er überhaupt hier ist?" fragte Jan. "Das weiß ich noch nicht so genau," gab Agu zu. In diesem Moment rief eine Stimme: "Eeeeentooooon!!" - "Das war doch ein Enton," bemerkte Betty. "Da ist es!" rief Agu und zeigte auf eine Mauer, hinter der das Pokémon hervor glubschte. "Das ist Hülzern," bemerkte Jan, "he, hallo! Kannst du uns zu Kilian bringen?" - "Enton?" fragte Hülzern verwirrt und watschelte auf die drei Trainer zu. "Du solltest uns zu Kilian bringen," wiederholte Betty, "nicht dich zu uns!" - "Enton!" rief Hülzern und sprang wie wild herum, glücklich darüber, dass es verstanden hatte. Schnell rannte es wieder hinter die Mauer und durch die Straßenschluchten. Agu, Betty und Jan liefen hinterher und kamen nach kurzer Zeit an einem alten Lagerhaus an. "Enton!" rief Hülzern und zeigte auf das Lagerhaus. "Da müsste also Kilian drin sein," überlegte Jan, "dann mal los!"
Vorsichtig betraten die drei Trainer das Lagerhaus. "Kilian?" fragte Betty. "Was ist?" antwortete eine Stimme. "Wir wollen dich zurück holen," erklärte Jan, "du kannst gegen dieses Nockchan gewinnen, auch wenn es deinem Vater gehört!" - "Nein," seufzte Kilian, trat zu den anderen und ließ sich niedergeschlagen auf einen Stapel alter Autoreifen fallen, "mein Vater wollte nicht, dass ich an dieser Prüfung teilnehme. Und jetzt hat er doch tatsächlich selbst mitgemacht, nur um zu überprüfen, ob ich dabei bin oder nicht!" - "Ja," stimmte Agu zu, "aber es sah nicht so aus, als sei er sauer auf dich! Komm wenigstens wieder zurück, schau dir den finalen Kampf an, geh dann mit deinem Vater nach Hause und die Welt ist wieder in Ordnung!"
"EEEEEEEEEENTOOOOOOOOOON!!!!!"
Kilian sprang auf. "Das war Hülzern!" erschrak er, "wo ist es?" - "Draußen, glaub ich," sagte Betty vorsichtig. Kilian verließ augenblicklich die Lagerhalle. Agu, Betty und Jan folgten ihm. Sakura war in Foglage angekommen und hatte mit einem Zapdos aus der Basis-Edition die Jagd auf Hülzern eröffnet. Das Enton hatte mehr Glück als Verstand: Es stolperte dauernd beim Wegrennen, so dass die Karte knapp über es hinweg flog. "Lang geht das nicht mehr gut," bemerkte Agu, "los, Turtok! Kühl die Verrückte da mal mit einer Aquaknarre ab!" - "Tok!" grunzte Turtok und setzte zur Attacke an. "Ach, wie nett," lächelte Sakura, "noch ein Pokémon mit Elektro-Schwäche!" Sie zückte noch ein Zapdos, diesmal aus der Legendary Collection, und warf es auf Turtok, das schon durch eine kleine Berührung einen heftigen Sprung im Panzer bekam. "He, Sie," rief Agu, "so geht das aber nicht! Wenn Sie so weiter machen, stirbt irgendwann noch ein Pokémon wegen Ihnen!" - "Du ahnst nicht, wie oft das schon passiert ist," lachte Sakura. "Aber es wird nie mehr passieren!" bestimmte Agu, "Turtok, Hydro-"
Plötzlich stockte er. Hülzern leuchtete und wuchs. "Entoron," rief es. "Wahnsinn," rief Kilian begeistert, "endlich wird aus dir also auch noch was!" - "Entoron," stimmte Hülzern zu und sah Sakura giftig an. Es konzentrierte sich. Der Himmel färbte sich dunkel, als ob es Nacht würde. Ein gigantischer Mond erschien am Himmel und ein besonders greller Lichtstrahl fiel auf Sakura. Diese hielt sich die Augen zu und versuchte, aus dem Lichtstrahl zu entkommen, doch sie saß fest. "Was ist das?" fragte Betty. "Moonlight," erklärte Agu, "von dieser Attacke habe ich schon einmal gehört, aber sie noch nie gesehen. Psycho-Pokémon können sie erlernen, wenn sie sich erst spät entwickeln." - "Klasse," rief Kilian, "weiter so, Hülzern!" - "Vorsicht," warnte Jan die anderen, "da!"
Sakura griff mit viel Mühe in ihre Hosentasche. Offenbar suchte sie weitere Karten. Nach einiger Zeit kamen eine Zapdos-Promo sowie sieben Elektro-Energie-Karten, drei davon holographisch, zum Vorschein. "Oh, oh," bemerkte Betty, "Kilian, ich mache dir ungern Angst, aber wenn sie den Stapel auf Hülzern wirft, ist es aus!" Sakura holte aus.
13. ... und es wartete treu
"Halt!" rief eine Stimme, "keine Bewegung!" Alle Trainer sahen nach oben, wo die Stimme her kam. Auf dem Dach der Lagerhalle stand ein Mann in einem Mäuse-Kostüm. "Imakuni!" kreischte Sakura, "kannst du mich nicht endlich mal in Ruhe lassen?" - "Ich mag vielleicht ein schräger Vogel sein," lachte Imakuni, "aber wenn jemand Quatsch mit dem Kartenspiel macht, dann habe ich da was dagegen! Jetzt pass mal auf, Sakura!" Er zückte ein Mikrofon und begann, den Pokémon Weihnachts-Mix zu singen.
"Hier sind tolle neue Lieder, der Pokémon Weihnachts-Mix für euch! Singt mit uns die Weihnachtslieder, die Melodien sind alt, die Worte neu!
Mit dem Schlitten durch den Schnee, hab'n Seeper auch dabei, Flegmon und auch Lahmus lacht die ganze Zeit! Knofensa singt für euch, und auch Magnetilo, und Golking läutet klingeling die Jingle Bells, wenn's schneit! Oh, PokéBall, PokéBall, wirf ihn richtig weit, dann schnappst du die Pokémon auch in der Weihnachtszeit ..."
"Aufhören! Aufhören!!" schrie Sakura. Doch es half nichts. Die Dröhnung von Imakunis Lied war so stark, dass ihr sämtliche Karten davon flogen - direkt in eine Tonne mit Giftmüll, in der sich die Dinger sofort in Wohlgefallen auflösten! "Meine Karten," jammerte Sakura, "meine wunderschöne Kartensammlung!" - "Ha," rief Imakuni, "auf diesen Moment warte ich schon lange! Ich lasse dich laufen, schließlich bist du ja ohne Karten ungefährlich!" - "Na warte," zischte Sakura, "irgendwann habe ich wieder Karten, und dann gnade dir Gott!" Schnell machte sie sich aus dem Staub. Und auch Imakuni war verschwunden, bevor die Trainer sich bei ihm bedanken konnten.
Spät am Abend kamen Agu, Betty, Jan und Kilian wieder auf dem Indigo-Plateau an. "Also, wie nun?" fragte Morcus ungeduldig. "Ich pfeife auf den Kampf," beschloss Kilian, "ich gehe mit meinem Vater nach Hause!" - "Danke, Junge," sagte Hugo glücklich, "das wollte ich hören." - "Also sind die beiden raus," bemerkte Morcus, "das heißt, wir haben jetzt nur noch ..." - "Betty und mich!" rief Tobias. "Halt mal," überlegte Morcus, "hast du nicht schon gegen Betty gewonnen?" - "Mag sein," lächelte Tobias, "aber so wichtig ist mir der Sieg auch nicht. Und Betty hat eine zweite Chance verdient, da sie hinaus in die Kälte gegangen ist, nur um einen Freund zu suchen!" - "Das war zwar selbstverständlich," lächelte Betty, "aber trotzdem trete ich gern erneut an!"
Diesmal wurde nur eins gegen eins gekämpft. Tobias setzte diesmal ein Pikachu ein, Betty ihr Girm. Pikachu begann mit Donnerwelle und paralysierte den Giftwurm. Dieser schaffte es jedoch trotzdem unter größten Anstrengungen, Pikachu einen Giftstachel zu verpassen. Pikachu verabreichte Girm zwar noch einen Donnerschlag, doch der reichte nicht aus. Girm blieb standhaft, während Pikachu an den Auswirkungen des Giftes KO ging.
Wenige Tage später, an Silvester, gingen Betty und Jan in Victorya wieder an Bord eines Schiffes. "Tut mir leid, dass ich nicht mitkommen kann," sagte Agu, "aber ich muss als Liga-Champion zurück auf's Indigo-Plateau." - "Glückwunsch zum Sieg," rief Tobias, der neben Agu stand, "ich werde dich bestimmt bald heraus fordern!" - "Und ich komme euch auf jeden Fall mal besuchen," versprach Kilian, "mitsamt meinem Vater!" - "Danke, Freunde!" rief Betty. Das Schiff tutete und legte langsam ab. Noch lange winkten sich die Trainer gegenseitig zu.
Wenig später kam das Schiff, ein exklusives Boot der Pokémon-Liga, bei der Pummelo-Insel an. Betty sprang sofort voller Erwartung von Bord, doch nicht, um in ihre Arena zu stürzen. Sie blieb am Strand stehen und rief: "Bisaflor! Bisaflor, bist du hier irgendwo?" - "Bisa," war eine tiefe Stimme zu hören. Die Tür des Pokémon Centers öffnete sich und Bisaflor kam hinaus gestapft. "Wirklich ein treues Pokémon," sagte Jan, "es hat die ganze Zeit brav auf dich gewartet!" - "Danke, Bisaflor," freute sich Betty, während sie das Pokémon umarmte, "ich bin echt froh, dich wieder zu sehen!" - "Flor!" antwortete Bisaflor.
Zwei von Jans PokéBällen begannen, zu wackeln. Neugierig warf Jan sie. Zum Vorschein kamen Traunfugil und Yomawaru, die aufeinander zu schwebten und ihren Trainer mit großen Augen ansahen. "Ich verstehe schon, was ihr wollt," seufzte Jan, "geht nur!" - "Traun?" fragte Traunfugil und schwebte auf Jan zu, wo es ihn fragend ansah. "Geht nur," seufzte Jan, "ihr wollt doch zusammen glücklich werden, richtig? Dann erfüllt euch eure Träume!" - "Traunfugil?" fiepte Traunfugil. "Ja, geh!" rief Jan und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht, "du warst ja nur mein erstes Pokémon! Haut ab und grüßt eure Kinder von mir!" - "Traun," stimmte Traunfugil zu, leckte Jan einmal quer über das Gesicht und verschwand dann mit Yomawaru am Horizont, wobei die beiden Pokémon noch lang zurück sahen.
Jan sank zu Boden. "Ach, Traunfugil," seufzte er. "Ich weiß, wie du dich fühlst," versuchte Betty ihn zu trösten, "mir ging es auch nicht anders, als ich damals Bisaflor hier zurück lassen musste." - "Ach was," rief Jan und sprang auf, "Schwamm drüber! Ich sehe es bestimmt irgendwann wieder! Und jetzt fordere ich dich als offizielle Leiterin der Orange-Liga zu einem Kampf heraus!"
ENDE