TITELSONG
(Melodie: Pokémon Johto)
Bist du einmal tief im Süden Kantos,
schau ganz gründlich auf das Meer hinaus,
weit entfernt, da siehst du neu' Eilandos,
neue Abenteuer, eiderdaus!
Das ist - Eden!
Weit entfernt und völlig unb'kannt!
Das Land - ist schen!
Neue Monster, nie geba-hannt!
Sieh doch nur die Kristall-Berge,
sie beleuchten alle Orte,
sie beleuchten Ignia und Cloudenville
und sie leuchten dir den Weg zum Sieg!
Erforsch Eden jetzt sofort!
Sieh doch nur die Kristall-Berge,
erforsch Eden jetzt sofort!
INFO:
Diese Geschichte ist die Fortsetzung von "Agus Abenteuer". Sie passt genau zwischen Kapitel 50 und 51.
Man muss "Agus Abenteuer" nicht komplett gelesen haben, um die Handlung verstehen zu können, aber Kapitel 49 und 50 sollte man kennen.
1. Zu Besuch bei Professor Apff
"Erst mal werd ich diese ganzen überflüssigen Orden-Dinger aus Kanto und Johto nach Hause schicken," beschloss Agu, "danach sehen wir weiter!" Also stiefelte er kurzerhand in das kleine Postamt gegenüber und gab ein Paket nach Kopet Town auf. "Kommt selten vor, dass jemand eine ganze Ladung Orden verschickt," lachte der Postbeamte. "Die passen nicht mehr alle an mein T-Shirt," antwortete Agu, "und ich will ja schließlich weiter sammeln!" - "Nur zu," sagte der Postbeamte, "übrigens, dein Akzent - du bist nicht aus Eden, oder?" - "Nö," gab Agu zu, "ich komme aus Zwett City und lebe jetzt in Kopet Town." - "Besuch aus der nördlichen Welt haben wir hier nicht oft," meinte der Postbeamte. "Ich weiß," sagte Agu, "hat mir Schwester Joy schon erzählt. Die Professor müssen es erst noch erforschen." - "Oh nein, junger Mann," rief der Postbeamte, "das sagen viele, nur stimmt es leider nicht! Die Professoren haben nur Angst um ihre Trainer! Sie fürchten, dass sie IHM begegnen könnten!" - "Ihm?" staunte Agu. "Ein schreckliches Pokémon," erklärte der Postbeamte, "ein grausames Monster, das in Eden herum spukt und schon einige junge Pokémon-Meister auf dem Gewissen hat!" - "Was?" erschrak Agu, "das ist ja schrecklich!" Da er nicht wusste, was er sonst noch dazu sagen sollte, verließ er das Postamt schweigend.
"Hast du das gehört?" fragte der Trainer draußen sein Knuddeluff, "ein schreckliches Monster! Hoffentlich begegnen wir ihm nicht!" - "Knuddel!" stimmte Knuddeluff zu. "Andererseits," grübelte Agu, "wenn ich ihm gegenüber stehen würde, dann könnte ich es einfangen! Dann hätte ich gleichzeitig eine Bereicherung für mein Team und die Gefahr gebannt! Den leeren Meisterball von Lugia hätte ich ja noch!" - "KNUUU-DÄÄÄ-LUUUUUFF!!" rief das rosa Pokémon plötzlich ganz aufgeregt und ängstlich und versteckte sich hinter den Beinen seines Trainers. "Ha!" rief Agu, "na warte, du Pokémon-Monster, jetzt kriegst du für's Gackern!" Er zückte den Meisterball und holte zum Wurf aus - um dann festzustellen, dass es sich nicht um das erwartete Ungeheuer, sondern nur um ein angriffslustiges Bisasam handelte. "Bisasaaam!!" fauchte es. "Knuddel! Knuddeluff!" rief Knuddeluff zurück. "Bisasam, zurück!" rief plötzlich die Stimme eine Mädchens, das kurz darauf Bisasam in seinen PokéBall zurück orderte. "Entschuldigt, falls es euch erschreckt hat," sagte es, "ich habe es noch nicht ganz unter Kontrolle." - "Das sehe ich," stimmte Agu zu, "aber sag mal, wo hast du es her? Bisasam und Feurigel sind nämlich die einzigen beiden Pokémon, die mir noch fehlen, damit ich alle Start-Pokémon komplett habe!" - "Das ist einfach," erklärte das Mädchen, "ich habe das Pokémon vor ein paar Tagen von Professor Apff erhalten. Jetzt trainiere ich mit ihm, damit es gegen Sumafu eine Chance hat." - "Ach, so ist das," freute sich Agu, "und wo lebt dieser Professor Apff? Ein neues Pokémon könnte ich nämlich auch mal wieder gebrauchen! Hab schließlich in den letzten fünfzehn Jahren nur ein einziges gefangen!" - "Dann komm mit," sagte das Mädchen, "ich bringe dich zu Professor Apff! Er ist mein Onkel! Übrigens, mein Name ist Betty! Und wie heißt du?" - "Ich? Agu!"
Agu und Betty betraten Professor Apffs Labor. "Oh, hallo Bettina," sagte dieser, "wen bringst du mir denn da mit?" - "Das ist Agu," erklärte Betty, "er hätte gern ein Pokémon von dir!" - "Hmmm," sagte Professor Apff und musterte Agu von oben bis unten, besonders seinen Gürtel, "du hast doch schon Pokémon! Eigentlich bin ich dafür da, um START-Pokémon zu verteilen, die man, wie der Name schon sagt, am START seine Reise bekommt!" Professor Apff war schon ein sehr alter Mann und führte sich entsprechend auf. "Nun kommen Sie schon," sagte Agu, "ich ..." - "Okay, ich komme," rief Professor Apff, stand auf und kam zu Agu herüber, "aber ein Pokémon kriegst du deshalb trotzdem nicht!" Einen Moment lang guckte Agu nur doof aus der Wäsche, dann versuchte er es erneut: "Aber Herr Professor, verstehen Sie doch! Ich brauche unbedingt ein Bisasam!" - "Da bist du sowieso zu spät," rief Professor Apff, "Bisasam habe ich schon Bettina gegeben! Und Karnimani bin ich auch schon los geworden! Ich hätte nur noch Vulci!" - "Vu-vu-viebitte?" staunte Agu, "was soll das denn sein?" - "Ein Feuer-Pokémon," erklärte Professor Apff, "ein kleiner Vulkan mit zwei Füssen, um genau zu sein!" - "Das brauch ich!" rief Agu. "Nichts zu machen," lehnte Professor Apff kaltherzig ab.
Agu verlor kein Wort mehr. Wütend verließ er das Labor und knallte die Tür zu. "Blöder, alter Kauz," grummelte er und las beiläufig das Türschild, "Waldemar Apff also. Pah! Florian sollte er heißen, dann hätte ich ihn mit einem meiner elf Orden bestechen können! Komm, Knuddeluff, wir gehen!" In diesem Moment flog die Tür auf und Professor Apff rief: "Hast du da eben was von elf Orden gesagt?" - "Klaro," sagte Agu, "mit der Zeit sammelt sich da so einiges an!" - "Dann pass auf," sagte Professor Apff, "ich werde dir vielleicht doch das Pokémon geben! Aber unter einer Bedingung!" - "Und die wäre?" fragte Agu glücklich und gespannt zugleich. "Nimm Bettina mit auf deine Reise," erklärte Professor Apff, "vielleicht kannst du ihr ja beibringen, wie sie ihr Bisasam richtig trainiert!" - "Kein Problem," rief Agu, "Ihre Betty ist schon so gut wie Pokémon-Meisterin!" - "Freut mich," sagte Professor Apff, gab Agu Vulcis PokéBall und drückte dann seine Nichte noch einmal fest an sich: "Pass gut auf dich auf, Schätzchen, ja? Viel Spaß auf deiner Reise!"
Der alte Mann stand noch lang an seiner Tür und winkte, während Agu und Betty dem Sonnenuntergang entgegen gingen.
2. Der Samen gegen den Vulkan
Agu und Betty waren gerade über eine kleine Holzbrücke, die über einen Bach führte, gelaufen und befanden sich nun am Waldrand, als die Nacht herein bracht. Die beiden Trainer schlugen sich ein Nachtlager auf. "Ach ja," seufzte Agu, als er dann im Schlafsack lag und die Sterne am Himmel beobachtete, "das erinnert mich jetzt irgendwie ein bisschen an Jens..." - "Wer ist Jens?" fragte Betty. Agu erschrak. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Betty noch wach war. "Jens," erklärte er, "ist der Arenaleiter von Teak City in Johto. Bevor er die Arena übernahm, war er mein Begleiter. Ich war damals auch quasi sein Erzieher, genau wie jetzt deiner. Und das hat mich eben an die schöne alte Zeit erinnert, als ich noch mit Jens und Florian durch Johto gezogen bin." - "Ach so," sagte Betty, "ich war noch nie in Johto! Ist es schön da?" - "Traumhaft," schwärmte Agu, "da gibt es viele wunderschöne Städte, die man stundenlang bestaunen könnte ... aber euer Eden ist natürlich auch schön!" - "Danke," lächelte Betty, "wollen wir kämpfen?" - "Mitten in der Nacht?" rief Agu entsetzt. "Klar," grinste Betty, "dafür bist du doch da! Je früher desto besser!" - "Wieso?" fragte Agu, "bin ich etwa so unausstehlich, dass du mich schnell los werden willst?" - "Nee," erklärte Betty, "aber ich will, dass mein Onkel möglichst bald stolz auf mich sein kann!" Agu überlegte, ob er dem Mädchen etwas von dem Sprichwort ‚Saffronia City wurde nicht an einem Tag erbaut' erzählen sollte, doch dann willigte er doch ein - so ein kleines Kämpfchen vor dem Einschlafen hat ja bisher noch keinem geschadet!
"Also, pass auf," sagte Agu, "weil das ja jetzt, soweit ich weiß, dein erster richtiger Kampf ist, darfst du den Gegner selbst wählen! Ich lasse alle meine Pokémon raus und du suchst aus!" - "Okay!" - "Also los! Ihr seid alle dran!" Knuddeluff, Turtok, Meganie, Glumanda, Karnimani, Tragosso, Hoeruko und Vulci kamen also aus Agus PokéBällen und stellten sich vor Betty auf. "Wow," staunte diese, "acht Pokémon! Äh, Moment mal! Mein Onkel hat mir mal erzählt, dass man nur sechs Pokémon bei sich haben kann!" - "Was? Echt?" Agus Überraschung war nicht gespielt, das hatte er vorher tatsächlich nicht gewusst. "Klar," erklärte Betty, "weißt du das nicht? Jedes überzählige wird automatisch zu deinem Professor gebeamt!" - "Mein Professor?" Agu verstand immer weniger. "Ja," rief Betty, "das ist der Professor, von dem du dein Start-Pokémon bekommen hast!" - "Oh," sagte Agu, "jetzt verstehe ich! Mein Start-Pokémon war nämlich Pummeluff, das ich in der Wildnis gefangen habe!" - "Daran kann's liegen," meinte Betty, "aber wie dem auch sei, ich wähle für den Kampf Vulci!" - "Bist du sicher?" erschrak Agu, "das ist ein Feuer-Pokémon! Und dein Bisasam ist ..." - "Egal," unterbrach Betty, "Vulci ist ein Pokémon meines Onkels, das kenne ich schon! Los, Bisasam!" - "Also gut," seufzte Agu, "wenn sie es nicht anders will... Knuddeluff, Turtok, Meganie, Glumanda, Karnimani, Tragosso, Hoeruko, alle zurück!"
Im Mondschein stellten sich Bisasam und Vulci kampfbereit gegenüber. "Fang du an, Betty," sagte Ash. "Okay," rief Betty, "Bisasam, Rankenhieb!" Zwar fuhr Bisasam seine Ranke aus, jedoch nur, um sie sich bei einem genüsslichen Gähnen vor den Mund zu halten. "Hmmm, ich glaube, jetzt bin ich dran," meinte Agu, "also gut! Vulci, eine ganz schwache Glut!" - "Vul!" rief Vulci und schoss glühende Kohlebrocken auf Bisasam. Der Samen fing sofort Feuer und das Pflanzen-Pokémon wälzte sich verzweifelt im Gras herum. "Bisasam, greif mit dem Rasierblatt an!" befahl Betty. Doch das Pokémon machte keine Anstalten. Es stapfte einfach in Richtung Wald davon. "Bisasam scheint dich einfach nicht als Trainerin zu akzeptieren," stellte Agu fest, "die Frage ist nur, warum?" - "Wenn ich das wüsste," seufzte Betty. "Gehen wir das mal Schritt für Schritt durch," schlug Agu vor, "wie behandelst du das Bisasam?" - "Ganz normal," erzählte Betty, "morgens lasse ich es zum Frühstück aus seinem PokéBall und gehe mit ihm ein bisschen Spazieren. Nach dem Mittagessen darf es sich zwei bis drei Stunden in seinem Bällchen ausruhen, bevor wir dann bis zum Abendessen trainieren. Dann darf es wieder in den PokéBall und bis zum nächsten Morgen schlafen." - "Seltsam," sagte Agu, "dann weiß ich leider auch nicht, was los ist."
In diesem Moment ertönte ein lautes und hilfloses "BIIIIISAAAAA!!!" aus Richtung Wald.
3. Begegnung mit IHM
"Das war Bisasam!" stellte Betty erschrocken fest. "Was hat es?" wunderte sich Agu. Beide Trainer drehten sich um. Zwischen den Bäumen stand ein großes Pokémon, um das Flammen loderten und es so zu einem unheimlichen Erscheinungsbild machten. "Das ist ... ein Raichu!" rief Agu. "Sind Raichus nicht Elektro-Pokémon?" fragte Betty. "Doch," sagte Agu verwirrt, "aber die Form stimmt eindeutig!" Das seltsame Pokémon schoss plötzlich los und stand an einer ganz anderen Stelle. Alle Bäume, an denen es vorbei gewetzt war, standen in Flammen. "Das gibt einen Großbrand!" rief Betty. "Nur die Ruhe," sagte Agu, "Turtok, Karnimani, Hoeruko, ihr seid dran! Hydropumpe oder, falls ihr die noch nicht könnte, Aquaknarre!" - "Tok!" - "Karni!" - "Hoe!" Die drei Pokémon gehorchten und versuchten, das Feuer unter Kontrolle zu kriegen. Und während Betty und Knuddeluff nach Bisasam schauten, zückte Agu seinen Pokédex. "Pikachu," knarzte dieser, "ein Feuer-Pokémon. Weitere Daten sind nicht vorhanden." - "Pikachu?" wunderte sich Agu, "da passt immer weniger!" Er sah noch einmal hin. Ein Pikachu war dieses Pokémon unter keinen Umständen! Aber was auch immer es war, es raste so schnell durch die Gegend, dass die drei Wasser-Pokémon gar nicht mit Löschen nachkamen. So waren sie und die beiden Trainer bald in einem Ring aus Flammen eingeschlossen. "Interessante Taktik," bemerkte Agu, "nur doof, dass gerade wir die Opfer sind!"
"Halt, du Untier!" rief in diesem Moment die Stimme eines anderen Trainer, "Aquana, Hydroblizzard!" - "Aquanaaaaa!!" rief die Wasser-Form von Evoli und fror die lodernden Flammen kurzerhand ein. "Chu!" rief das merkwürdige Pokémon und stellte sich dem Aquana gegenüber. "Verstehe," sagte der Trainer, ein älterer Herr, "du willst Krieg! Den kannst du kriegen! Aquana, Surfen!" Daraufhin beschwor das Wasser-Pokémon eine gewaltige Flutwelle herauf, die den ganzen Waldboden in einen einzigen Sumpf verwandelte. Doch das andere Pokémon fühlte sich dadurch nicht gestört, es sprang einfach zu Seite. "Mist," rief der Trainer, "Aquana allein hat keine Chance! He, du da hinten! Setz Turtok, Karnimani und Hoeruko ein! Wir müssen es einkesseln!" - "Wird erledigt," rief Agu zurück, "habt ihr es gehört, Turtok, Karnimani und Hoeruko? Ihr werdet gebraucht!" Die drei Wasser-Pokémon und Aquana kreisten das seltsame Pokémon also ein und setzten auf den Befehl des fremden Trainers hin gemeinsam Surfer ein. "Chu!" rief das Pokémon und schoss einfach nach oben. Dort gab es ein lautes "CHUUUUUUUUUU!!!!!" von sich und mit ihm einen gewaltigen Feuerball, der alle vier Wasser-Pokémon auf einen schlag umhaute. Danach verschwand es im nächtlichen Sternenhimmel.
"Wahnsinn, dieses Biest," stellte Agu fest und sah ihm staunend nach, "wissen Sie, was das war?" - "Später," sagte der Trainer leise und zeigte hinüber. Bisasam war ebenfalls bewusstlos und sein Samen stand in Flammen. Da die Wasser-Pokémon alle k.o. waren, war ein Löschen nicht möglich. Zum Pokémon Center tragen konnte man es auch nicht, dafür war es zu heiß, und bis Schwester Joy geholt war, würde es zu spät sein. "Oh," stimmte Agu zu, "das sieht schlecht aus. Das arme, kleine Pokémon! Und die arme Betty!" Er wollte zu ihr gehen, doch der fremde Trainer hielt ihn fest. "Stör sie lieber nicht in den letzten Minuten mit ihrem Pokémon," sagte er leise. Betty hatte sich über ihr Bisasam gekniet und umarmte es, so weit das ging, ohne sich die Finger zu verbrennen. Und die Tränen rannen ihr wie Wasserfälle über das Gesicht.
4. Kalte Nächte, heiße Kämpfe
"Wow," war das einzige Wort, das Agu fand, als sich Ignia City vor ihm ausbreitete. Er war ja schon oft stehen geblieben, um die Aussicht über eine Stadt zu bewundern, aber einen Ort mit so vielen Fackeln bei Nacht erleben zu dürfen, stellte alles bisher da gewesene in den Schatten. Er, Betty und Ignis gingen durch das Eingangsportal, das aus zwei großen Marmorsäulen mit je einer lodernden Flamme darauf bestand. "Ziemlich große Stadt," sagte Betty nach einiger Zeit. "Stimmt," erläuterte Ignis, "Ignia City ist ja auch die Hauptstadt von Eden! Es gibt hier unter anderem ein Trainer-Beratungscenter, einen Radioturm und ein Museum!" - "Cool, ein Radioturm!" rief Agu, "einen zweiten Meisterball könnte ich gut gebrauchen! ... Äh, und welchen Zweck hat die U-Bahn-Stadion da?" - "Tja," seufzte Ignis, "damit konnte man immer in die nördlichen Länder fahren. Leider wurde sie stillgelegt, nachdem ES die ersten Trainer aus Kanto und Johto auf dem Gewissen hatte. Man wollte die Trainer nicht in Gefahr bringen." - "Verständlich," sagte Agu, "übrigens, das Pokémon von vorhin - war das ES?" - "Richtig," stimmte Ignis zu, "da war schon das dritte Mal, dass ich das Vieh in dem Wald angetroffen habe! Übrigens, hier ist die Pizzeria!" Die Truppe stand vor einem alten Backsteingebäude, an dem in großen Lettern ‚Ad Marco' stand.
Bei Kerzenschein und italienischen Liedern wurden drei große Pizzen aufgetragen. "Die seh'n ja lecker aus," rief Agu begeistert, "Knuddeluff, Glumanda, ihr seid dran!" - "Du setzt beim Essen deine Pokémon ein?" staunten Betty und Ignis gleichzeitig. "Natürlisch," antwortete Agu kauend, "dasch schind schlieschlisch meine beiden alten Freunde, mit denen isch damalsch in Kanto keine Eischbude auschgelaschen habe! *runterschluck* Übrigens, wann bringen wir's hinter uns?" - "Wann bringen wir wasch hinter unsch?" fragte Ignis etwas verwirrt. "Na, den Arenakampf!" rief Agu, "Schie schind dosch Arenaleiter, oder nischt?" - "Asch scho," verstand Ignis, "nasch dem Eschen!" Umso größer wurden darauf hin die Stücke, die Knuddeluff und Glumanda ab bekamen - Agu wollte schließlich möglicht schnell mit Essen fertig sein!
Es muß etwa drei Uhr morgens gewesen sein, als Agu, Betty und Ignis dann die Arena betraten. "Wer von euch beiden möchte denn zuerst kämpfen?" fragte Ignis. "ICH! ICH! ICH!" rief Agu sofort aus alter Gewohnheit, doch dann hielt er ein, weil ihm zwei Dinge aufgefallen waren. Zum einen machte das ganze gar nicht so richtig Spaß, wenn sich der zweite Herausforderer nicht mit ihm um den ersten Kampf prügelte, zum anderen trainierte Ignis ja Feuer-Pokémon. Da wäre Betty mit ihrem Bisasam vollkommen hilflos! Deshalb schlug er vor: "Würden Sie auch einen Doppelkampf machen, Ignis?" - "Klar," lächelte Ignis, "wieso nicht! Jeder von euch eins, ich zwei, okay? Wenn ihr gewinnt, kriegt jeder einen Orden, bei einer Niederlage kriegt ihn keiner! Verloren hat das Team, bei dem ein Pokémon kampfunfähig wird!" - "Ich kenne die Regeln," rief Agu, "und ich wähle natürlich Turtok!" - "Mir bleibt wohl nichts anderes übrig," seufzte Betty, "ich muß mit Bisasam ran!" - "Bisa-Bisa," sagte das kleine Pokémon und wollte wohl sagen, wie leid es ihm tat, aber dass es ja auch nichts dafür könne, dass es ein Pflanzen-Pokémon sei. "Aha," rief Ignis, "interessante Mischung! Ein Pokémon, das für Feuer fatal ist und eines, für das Feuer fatal ist! Ich nehme Flamara und Vulcator! Und du, Aquana, sitzt wie immer da drüben auf deinem Sofa und passt auf, dass es zu keiner Brandkatastrophe kommt!" - "Aquana!" rief das Wasser-Pokémon zustimmen und robbte zu dem Sitzmöbel. "Der Kampf möge beginnen!" rief Ignis.
"Dann beginn gleich mal mit einem schnellen Surfer, Turtok!" rief Agu sofort. "Flamara," konterte Ignis, "lenk die Riesenschildkröte mit ein paar Ruckzuckhieben ab! Und du, Vulcator, Vulkanausbruch auf Bisasam!" - "Nein," schrie Betty, "Bisasam, kontere mit einem Rankenhieb!" Das hatte jedoch nur zur Folge, dass die Ranken Feuer fingen. "Oje," seufzte Agu, "Turtok, mal kurz Aquaknarre auf Bisasam!" - "Tok!" grunzte Turtok und löschte die Ranken. Diese Zeit nutzte jedoch Flarama, um das große Wasser-Pokémon mit einem gezielten Ruckzuckhieb auf den Rücken zu werfen. "Danke, Agu," sagte Betty, "aber das sieht schlecht aus für dein Turtok!" - "Ach was," winkte Agu, "Turtok, Hydropumpe!" - "Ha," lachte Ignis, "und wie will es zielen, wenn es auf dem Rücken liegt? Flamara und Vulcator, die Agilität reicht vollkommen aus!" Doch Agu hatte es auch gar nicht auf Treffen angelegt! Der Rückstoss des Schusses beförderte Turtok an die nächste Wand und dieselbe nach oben. Die Schildkröte vollführte einen Salto rückwärts und landete wieder auf den Füssen. "Was war das denn?" staunte Ignis. "Tja," grinste Agu, "auf so verrückte Ideen kommt man nur, wenn man es geschafft hat, auf einem Lugia zu fliegen, das einem nicht gehorcht hat!" Er dachte an die verrückten Flüge mit Meganie und Tragossos Knochen als Aufstiegshilfe und Glumanda als lebendes Lenkrad zurück. Doch dann wurde er aus seinen Träumen gerissen, als er bemerkte, dass Flamara den Sandwirbel eingesetzt und damit Turtok verwirrt hatte. Das Wasser-Pokémon torkelte nun hilflos in der Arena herum, während die beiden Feuer-Pokémon auf Bisasam los gingen. "Flamara, Feuerwirbel!" befahl Ignis, "und Vulcator noch mal Vulkanausbruch!" - "Hilf mir, Agu!" rief Betty verzweifelt. Sie setzte zwar mehrfach Rasierblatt ein, doch stets fielen die Blätter verbrannt zu Boden, bevor sie ihr Ziel erreichten. Zwar konnte Bisasam bisher den Flammen durch wildes Herumspringen entgehen, doch lang würde das nicht mehr funktionieren. Doch was sollte Agu tun? Turtok konnte schließlich nichts mehr sehen! Aber in dem Moment kam die rettende Idee! "Turtok, einfach einmal Bodycheck ins nichts!" Verwundert sahen Betty und Ignis zu, wie sich Turtok elegant auf den Bauch warf. Womit sie nicht gerechnet hatten, war, dass dieser Bodycheck die Arena zum Beben brachte, woraufhin ein Fensterladen, der vorher schon morsch gewesen war, nun ganz ab fiel. Der Wind pfiff durch das Fenster hinein. Jetzt übernahm Agu kurzerhand Bisasam: "Bisasam, stell dich zwischen das Fenster und die Feuer-Pokémon! Und jetzt Rasierblattsturm mit voller Konzentration auf Vulcator!" - "Bisa!" rief Bisasam und gehorchte dem Trainer. Dank dem Wind bekamen die Blätter so eine hohe Geschwindigkeit, dass sie nicht nur ihr Ziel erreichten, sondern sogar den Vulkan mit einem Schlag flach legten.
"Glückwunsch," sagte Ignis, nachdem er sich vom ersten Schreck erholt hatte, "ihr habt euch den Sieg redlich verdient!" Der Arenaleiter pfiff, woraufhin ein Arkani angelaufen kam und zwei wunderschöne Ignia-Orden brachte. "Danke," sagte Agu glücklich und heftete das rot leuchtende Abzeichen neben den Gargaorden von Sumafu. Betty konnte es kaum fassen: Ihr erster Orden, und das auch noch in einer Feuer-Arena! Glücklich heftete sie ihren ersten Schritt zur Liga an ihr Hemd. "Danke, Bisasam," sagte sie und wollte das Pokémon gerade streicheln, als es zu leuchten begann. Bisasam wuchs und wuchs und rief schließlich: "Bisaknosp!"
5. Das Gissel war zu viel
Nachdem Ignis Agu und Betty eine kleine Schlafgelegenheit in der Arena gerichtet hatte, konnten die beiden Trainer immerhin für drei Stunden die Augen schließen, bevor dann gegen sieben in der Früh ein Dodri lauthals krähte. "Das Dodri aus Alabastia ist nie so früh..." grummelte Agu und stand missmutig auf. Da Betty noch schlief, ging er erst mal zum Fenster, um zu sehen, was als nächstes so alles anstehen könnte. Sofort fiel ihm auf, dass im Süden eine Stadt am Fuß der Berge lag - ganz klar die nächste Station! Doch so lange Betty noch schlief, ging der junge Trainer aus Kopet Town erst mal in den Radio-Turm.
"Willkommen im Radio-Turm von Ignia City," sagte die Dame am Empfang, "was kann ich für Sie tun?" - "Ich will einen Meisterball gewinnen!" rief Agu entschlossen. "Da muss ich Sie leider enttäuschen," sagte die Dame, "das Gewinnspiel findet nämlich in Zubaro City statt." - "Zubaro City?" fragte Agu. "Die Stadt am Fuße der Zura Mountains im Süden," erklärte die Dame. "Ach so," freute sich Agu, "prima! Zubaro City war sowieso mein nächstes Reiseziel!" Er verließ den Radio-Turm wieder und traf draußen prompt auf Betty, die inzwischen auch aufgestanden war und ihn nun suchte. "Guten Morgen Betty," rief Agu, "wir gehen jetzt sofort nach Zubaro City!" - "Von mir aus," meinte Betty, "ich geh in jede Stadt, wo es eine Arena gibt!" - "Aha," dachte Agu sofort, "Nachtigall, ick hör dir trapsen! Bald darf ich mich wieder mit jemandem um den ersten Kampf kloppen!" Dann rief er entschlossen: "Also los! Auf in den Süden!"
Die beiden Fackeln am südlichen Ausgang von Ignia City lagen seit etwa einer halben Stunde hinter den beiden Trainern, als sie beschlossen, erst einmal zu frühstücken. Agu hatte zum Glück genug Brot, Wurst und Kaffee für zwei im Rucksack. "Das wird uns munden," rief er, "das wird ... äh, wo ist denn Wurst hin?" - "Keine Ahnung," sagte Betty verwundert, "du hast sie doch vor einer Minute auf den Stein da gelegt." - "Stimmt," sagte Agu gereizt, "aber da liegt sie nicht mehr!" - "Vielleicht ist sie runter gefallen," schlug Betty vor, "schau doch einfach mal hinter, neben und unter den Steinen nach." - "Vielleicht gar keine schlechte Idee," gab Agu zu und hob einen kleinen Stein hoch, der neben dem größeren lag.
"Gis... sel...?"
"Waaah! Der Stein lebt ja!" erschrak Agu. "Das ist ein Pokémon," stellte Betty fest. "Stimmt," knurrte Agu, "und zudem ist es ein Pokémon, dem die Hälfte von meiner Wurst aus dem Mund ragt! Was ist das überhaupt?" Er zückte seinen Pokédex, der mit seiner knarzenden Stimme das folgende von sich gab: "Gissel, die Gift-Assel. Dieses langsame Käfer-Gift-Pokémon trifft man sehr häufig in Eden an, meist in Kellern und Höhlen oder in der Nähe von Wasser." - "Ziemlich häufig also," wiederholte Agu, "na ja, egal! Pokémon ist Pokémon! Ich wähle dich, Glumanda!" - "Glumanda!" rief das Feuer-Pokémon, als es aus Agus PokéBall zum Vorschein kam. "Flammenwurf!" befahl der Trainer. Glumanda gehorchte dem Befehl und legte das Gissel mit einem Schlag flach. "Hm, kein Weltklasse-Pokémon," bemerkte Agu, "aber was soll's... PokéBall, looooos!!" Das rot-weiße Objekt flog auf Gissel zu und traf. Das Pokémon verschwand darin. "Cool," staunte Betty, "du hast ein Pokémon gefangen!" - "Ist das was besonderes?" wunderte sich Agu, während er seinen PokéBall aufhob, "ich habe schon hunderte Pokémon gefangen! Naja, hunderte vielleicht nicht, aber zehn bestimmt schon!" - "Ist ja toll," rief Betty, "kannst du mir irgendwann mal zeigen, wie das geht?" - "NEIIIIIIIIIIN!!!!!" schrie Agu. "Warum denn nicht?" fragte Betty erschrocken. "Doch, natürlich," sagte Agu hastig, "aber das ‚Nein' galt der Tatsache, dass ich keine Steckplätze mehr am Gürtel frei hab für Gissels PokéBall!" - "Das ist doof," bemerkte Betty. "Ganz meine Meinung," grummelte Agu, "aber es wird schon irgendwie klappen! Müssen eben an einen Steckplatz zwei PokéBälle!" Er zerrte an Gürtel und PokéBällen herum - mit dem Erfolg, dass der Gürtel mit einem lauten Ratsch in mehrere Einzelteile zerbröckelte. Alle PokéBälle fielen zu Boden, kullerten den Abhang herunten und plumpsten in den nahen Bach. "Neinverdammtherrgottimhimmelkruzitürkenaberauchzumkuckucknochmal!" heulte Agu. All seine mühsam gefangenen Pokémon wurden von der Strömung dahin getrieben.
Verzweifelt sah Agu hinterher. Dann rannte er los. Klar, dass er seine PokéBälle wieder haben wollte. Ergo sprang er in den Bach und schwamm hinterher. "Agu, warte!" rief Betty hinterher, doch Agu hörte nicht mehr zu. Zuerst die PokéBälle und dann der Trainer wurde von dem Fluss in eine unterirdische Höhle gerissen und das Mädchen hatte nur das Nachsehen, bis es schließlich auf die Idee kam: "Ich geh wohl besser in die nächste Stadt und hole Hilfe!"
6. Wasser, Wind und Hund
Der reißende Strom erreichte eine Geschwindigkeit von bestimmt hundert Sachen, die es Agu natürlich unmöglich machten, nach seinen PokéBällen zu greifen. So konnte der junge Trainer sich nur treiben lassen und hoffen. Ich nutze die Zeit, um mal ein bisschen die Umgebung zu beschreiben. Obwohl, viel zu beschreiben gibt es ja nicht. Links 'ne Wand, rechts 'ne Wand, oben 'ne Wand und unten das Wasser. Außerdem ab und zu ein paar Tropfsteine. -BANG!- Und das war Agus Kopf, der an einen der solchen knallte. Der Pokémon-Trainer wurde bewusstlos und drohte, jeden Moment unter zu gehen und zu ertrinken.
"Sie müssen mir helfen!" rief Betty, als sie in die Stadt lief und Officer Rocky sah. "Worum geht's denn?" fragte Rocky. "Agu!" versuchte Betty zu erklären, "PokéBälle! Fluss! Störmung! Hinterher!" - "Wie bitte?" Officer Rocky verstand nicht recht. "Weggerissen! Ertrinken! Tot!" fuhr Betty aufgeregt fort. "Also wie jetzt?" fragte Rocky verwirrt, "die PokéBälle wurden vom Fluss mit der Strömung hinterher getrieben und sind ertrunken?" - "Nein," rief Betty, "Agu! Seine PokéBälle! Er ist hinterher und wurde weggerissen!" - "Was?" erschrak Officer Rocky, "dann müssen wir ihm unbedingt helfen!"
"Uah! Lass das, Lance! Papa will noch schlafen!" Agu fing wieder an, sich zu bewegen und betastete seinen Kopf, wo eine dicke, fette Beule saß. "Wahnsinn," murmelte der Trainer, "ich hab geträumt, dass ich auf einem fremden Kontinent lande, wo ein Monster-Pokémon spukt. Dann fallen meine PokéBälle in den Fluss und ich schwimme hinterher und stoße mir den Kopf an einem Tropfstein. So eine Schwachsinn!" Er schlug die Augen auf und fügte hinzu: "WAAAAAAAAAAH!!!!!"
"Sui?" fragte ein kleines, hellblaues Hündchen, das neben Agu stand und ihm vor einer Minute das Gesicht abgeleckt hatte. Der junge Trainer lag auf einem Haufen Stroh, der am Ufer des Flusses, der ihn weggerissen hatte, lag. Die PokéBälle lagen daneben. Agu befand sich in einer ziemlich großen Höhle, durch die der Bach floss. Es war taghell, weil die Diamanten an den Wänden so herrlich funkelten. Und dann war doch noch dieses niedliche, kleine Hundebaby. Natürlich zückte Agu sofort seinen Pokédex. "Suicune," knarzte dieser, "ein legendäres Wasser-Pokémon. Es ist nur ein einziges Exemplar bekannt, um dessen Herkunft sich viele Sagen und Legenden ranken." - "Cool," rief Agu und streichelte das Suicune, "ein legendäres Pokémon!" Er spielte mit dem Gedanken, ob er vielleicht jetzt schon seinen Meisterball einsetzen sollte. Doch dann wurde ihm klar, dass er doch erst einmal überlegen sollte, wie er hier raus kommen könnte. Er ließ Knuddeluff aus dem PokéBall. "Knuddeluff," fragte er, "sag mal, kannst du Suicune fragen, ob es hier einen Ausgang kennt?" - "Knuddel!" rief Knuddeluff zustimmen und wandte sich dann an den legendären Hund: "Knuddeluff-Knuddel, Knuddeluff?" - "Suicuuuuune!" jaulte Suicune und lief dann zu einem großen Felsbrocken, vor dem es fröhlich mit dem Schwanz wedelte. "Verstehe," rief Agu, "dahinter ist ein Ausgang! Und ich hab natürlich kein Pokémon, das Stärke beherrscht! Typisch!" Dann kam ihm eine Idee: "Ich werde Betty anrufen und ihr sagen, sie soll nachkommen und ein Pokémon mit Stärke mitbringen! Wozu hat man schließlich ein Handy!" Er zückte also sein tragbares Telefon und wählte Bettys Nummer. Jedoch hörte er nur das Besetz-Zeichen. "Das gibt's nicht," verzweifelte Agu, "mit wem redet die da jetzt bloß?"
Betty legte auf. "War zwar eine gute Idee, Officer Rocky," seufzte sie, "Agu anzurufen und zu fragen, wo er ist, aber leider ist besetzt. Wüsste nur gern, mir wem er da gerade telefoniert!"
Plötzlich begann der Felsen, zu wackeln. "Suiuiui!" rief der Suicune und stellte sich erwartungsvoll vor den Felsen. Agu wich lieber ein paar Schritte zurück. Der große Stein bewegte sich langsam zur Seite und dahinter kam zum Vorschein ... noch ein Suicune! Ein wesentlich größeres Exemplar! "Suicune!" rief das kleine Suicune und lief dem großen Suicune entgegen, um mit ihm zu schmusen. "Offenbar Mutter und Kind," stellte Agu fest. "Sui?" fragte das große Suicune und sah zu Agu. "Sui, Suicune!" versuchte das kleine zu erklären. "Cune!" rief das große Exemplar und ging auf Agu zu, um an ihm zu schnuppern. "Ich tu dir nichts, wenn du mir nichts tust," sagte Agu vorsichtig, "ist doch ein Angebot, oder?" - "Ah," antwortete Suicune, "du sprichst also die menschliche Sprache. Fein, dann weiß ich ja, mit was für einer Gattung ich es zu tun habe! Wer bist du?" - "Was?" staunte Agu, "du kannst sprechen?" - "Ist das was besonderes?" rief das Suicune empört, "und du hast mir immer noch nicht gesagt, wer du bist und wo du her kommst!" - "Ähm," sagte Agu, "also, na gut! Ich bin Agu Cloud und ich bin draußen in den Fluss gefallen und wurde hierher getrieben!" - "So ist das also," sagte Suicune und setzte einen Blizzard auf die Wand ein, die daraufhin sofort vereist war, "dann lass dir erst einmal eines klar sein: Das eben passiert auch dir, wenn du versuchst, mich zu fangen!" - "Wie könnte ich," rief Agu, "ich will hier nur irgendwie wieder raus!" - "Das hoffe ich auch für dich," rief Suicune, "denn kein Mensch hat das recht, meine Höhle zu betreten! Wenn sie bekannt würde, hätten ich und mein kleiner Schatz keine ruhige Minute mehr!" - "Keine Sorge," versprach Agu, "wenn du mir den Weg nach draußen zeigst, dann sage ich zu keinem auch nur ein Wort von dieser Höhle!" - "So sei es," stimmte Suicune zu, "also komm mit!" Dann wandte sie sich ihrem Kind zu und rief: "Suiui! Suicune! Cune!" ("Und du bleibst hier, hast du verstanden?!") - "Suicuuune..." ("Och, Mama...")
Betty und Officer Rocky standen am Ufer des Baches, mit dem alles angefangen hatte. "Die Fluss?" fragte die Polizistin. "Genau der," bejahte Betty, "und dort drüben ist die Stelle, wo er unterirdisch wird." In diesem Moment schoss etwas heißes knapp über die Köpfe der beiden Damen. "Ihre Mütze brennt!" stellte Betty erschrocken fest. Schnell riss sich Officer Rocky die Kopfbedeckung vom Kopf und warf sie in den Fluss. "Diesen Mistvieh," schimpfte sie, "ich muß sofort den Stützpunkt alarmieren! Vielleicht kriegen wir es jetzt endlich!" - "Mistvieh?" Betty drehte sich um. "Oh! Das Feuer-Raichu!" - "Genau das," stimmte Officer Rocky zu, bevor am anderen Ende der Leitung jemand abhob. "Radioturm Zubaro City?" - "Hier Officer Rocky! Bereit machen! Das Monster ist im Anflug auf die Stadt!" - "Verstanden! Wir schießen es ab!" Wenige Sekunden später durfte Betty staunend mit ansehen, wie im obersten Stockwerk des Radioturms die Luken auf gingen und insgesamt fünf Kanonen zum Vorschein kamen. Und diese warteten auch nicht lang und begannen sofort, auf das Untier zu schießen.
7. Von hinten durch die Brust geschossen
Klar, dass das seltsame Pokémon den Schüssen einfach auswich. "Das hab ich befürchtet," rief Officer Rocky, "dann setzte ich jetzt meine Geheimwaffe ein!" Sie zog fünf PokéBälle aus der Tasche und warf sie. Zum Vorschein kamen ein Ibitak und vier Lektrobals. "Ibitak," orderte die Polizistin, "bring die Lektrobals hoch zu dem Monster! Und ihr, Ibitaks, setzt Explosion ein!" Der große Vogel und die vier Elektro-Kugeln gehorchten und so wurde das flammende Raichu nun von rechts beschossen und von Links mit Lektrobals bombadiert. "Chu!" zischte es und suchte schnell Zuflucht in einer Höhle in den nahen Bergen. "Mist," rief Officer Rocky, "wieder entkommen!" - "Ähm," sagte Betty vorsichtig, "dann können wir uns jetzt wieder um Agu kümmern?" - "Später," lehnte Officer Rocky ab, "bin gleich wieder da!" Sie eilte ins Pokémon Center und kam ein paar Sekunden später wieder raus, mit fünf neuen PokéBällen in der Hand. "Was ist da drin?" fragte Betty. "Ein Blitza mit Blitz zur Beleuchtung," antwortete Officer Rocky, "ein Quappo, ein Impergator und ein Garados für den Kampf und ein Duflor, das die Zubats fern hält!" Mit diesen Wort ging sie entschlossen auf den Berg zu. "Moment mal," erschrak Betty, "wollen Sie da etwa hinterher? Das Vieh ist gefährlich!" - "Ich weiß," sagte Officer Rocky entschlossen, "gerade deshalb muß ich hinterher! Es ist meine Aufgabe, die Bevölkerung zu beschützen!" - "Gut," seufzte Betty, "dann... ... dann komme ich mit!!" Ihr war eingefallen, dass der Fluss, in den Agu gefallen war, ja in eben diesen Berg geflossen war. "Wenn du meinst," sagte Officer Rocky, "ich kann dir nur wärmstens davon abraten, aber ich kann niemandem verbieten, die Zura Mountains zu betreten!"
"Ist es noch weit?" fragte Agu. "Nicht mehr weit," knurrte Suicune, "und jetzt hör auf, alle zwei Minuten die gleiche Frage zu stellen!" - "Na gut," sagte Agu, "aber ist ..." - "JAAA, ES IST NOCH SEHR WEIT!!!" brüllte Suicune. "Das meinte ich doch gar nicht," verteidigte sich Agu, "aber ist dieses Leuchten da vorne normal?" - "Wo?" Erschrocken drehte sich Suicune um. "Was ist das?" fragte es. "Das hoffte ich, von dir zu erfahren," sagte Agu locker. "Das ist eindeutig ein Pokémon," stellte Suicune fest, "ein Feuer-Pokémon nämlich. Seltsam ist nur, dass es in dieser Höhle keine Feuer-Pokémon gibt." - "Wo kommt es dann her?" wunderte sich Agu und lugte um die Ecke, "heiliges Kanonenrohr! Das Feuer-Raichu!" - "Was?" rief Suicune, "hier? Das darf ja wohl nicht wahr sein! Dem werde ich jetzt aber mal eine gehörige Lektion erteilen!" - "Tu das," stimmte Agu zu und zückte schon mal den Meisterball, "und ich werde es dann einfangen!" - "Einverstanden," rief Suicune, "und jetzt tritt zurück!" Es stellte sich kampfbereit hin, rief "SUICUUUUUUUUUUNE!!!" und gab eine gewaltige Hydropumpe von sich. "Ai?" zischte das merkwürdige Raichu und sah in die Richtung, aus der das Wasser gekommen war. "Unglaublich," erschrak Suicune, "diese Attacke hat bisher noch kein Feuer-Pokémon überstanden!" - "Warte mal," rief Agu, "du musst es gar nicht schwächen! Das ist ja schließlich ein Meisterball! Meisterball, looooos!!"
Agu warf das runde Super-Bällchen. "Da kommt was," bemerkte das Monster, natürlich in seiner Sprache, "aber ich lasse mich nicht fangen!" Es verschränkte die Arme und spielte den Meisterball mit dem Kopf zurück. "Was?!" erschrak Agu, "es... es hat den Meisterball abgeblockt!" - "Vielleicht wird er alt?" überlegte Suicune, "das ist immerhin ein Modell aus dem vorherigen Jahrhundert!" - "Könnte sein," sagte Agu und betrachtete den Meisterball, "aber ich glaube, du solltest jetzt lieber weiter kämpfen!" - "Stimmt," rief Suicune. Das Raichu setzte Läuterfeuer ein, Suicune konterte mit einer zweiten Hydropumpe. Die Attacken waren gleich stark und so ging nichts vor und nichts zurück. "Ich hab's!" rief Agu schließlich, "Gissel, ich wähle dich! Unterstütze Suicune?" - "Gis...?" - "Ähm, Agu?" sagte Suicune vorsichtig, "du weißt, dass sich Gissel mit Raupy um den Titel des schwächsten Pokémon kloppt?" - "Ist mir bewusst," flüsterte Agu zurück, "aber warte einfach ab! Das hab ich mal in einem Comic gelesen sowas!" Dann wurde er lauter: "Gissel, du kannst es besiegen! Los, setz den Hyperstrahl ein!" - "Aiaiaiaiai," ("Ein Gi-hi-hi-hissel,") lachte das Untier, als es diese Worte vernahm, "chu, aiaiai, chu-chu!" ("und Hyyyperstraaahl! Hahahahaha!") Es kriegte sich vor Lachen nicht mehr ein. Und so ließ natürlich auch seine Attacke nach. Suicunes Hydropumpe hatte nun frei Bahn und schoss das Pokémon mehrere Meter weit davon. "Wir haben es!" jubelte Agu, "das hast du super gemacht, Gissel! Oh, und du natürlich auch, Suicune!" - "Danke," sagte Suicune glücklich, "aber deine Idee war auch spitze! Komm, lass uns sehen, ob es wirklich k.o. ist!" In diesem Augenblick war ein lautes "Blitza!" zu hören und es wurde hell in der ganzen Höhle. "Was war das?" fragte Agu und kniff die Augen zusammen. "Ein Elektro-Pokémon," erklärte Suicune, das ebenfalls die Augen schließen musste, "das Blitz eingesetzt hat!" Kaum war dieser Satz beendet, knallte Suicune, da es nichts mehr sehen konnte, gegen eine Säule. Das hatte zur Folge, dass sich ein ziemlich loser Tropfstein löste und dem legendären Hund genau auf's Haupt fiel. Suicune blieb bewusstlos liegen. "Nein! Suicune!" rief Agu.
"Das klang eben nach Agu!" rief eine Stimme, die sehr der Stimme von Betty ähnelte. Agu lunzte um die Ecke. Tatsächlich, Betty, Officer Rocky und noch zwei Männer vom Sicherheitsdienst der Stadt waren im Anmarsch. "Verflixt," überlegte Agu, "was nun? Wenn sie Suicune hier entdecken, fangen sie es bestimmt ein! Und wenn nicht, dann steht es morgen in der Zeitung und Suicune hat hier keine Ruhe mehr! Das kann man dem lieben Tier nicht zumuten, nach allem, was es für mich getan hat! Es gibt nur eine Möglichkeit..." Zögernd sah er noch einmal zwischen der anmarschierenden Truppe und dem legendären Hund hin und her, dann zückte er den Meisterball und ließ Suicune darin verschwinden. Und das ganze keine Sekunde zu früh, denn kurz darauf rief Betty: "Agu! Da bist du ja! Geht es dir gut? Ich hab mir schon Sorgen gemacht!" - "Danke," sagte Agu und steckte schnell den Meisterball ein, "alles bestens!" - "Da bin ich ja beruhigt," seufzte Betty. "Hey," rief Officer Rocky, "da liegt das Monster! Es ist k.o.!" - "Gut," sagte einer der Sichereinsbeamten, "dann nehme ich es jetzt in Gewahrsam!" Er packte einen Hyperball aus und fing das Pokémon beim dritten Versuch ein. "Ich wüsste nur gern," überlegte Officer Rocky, "wer es k.o. geschlagen hat!" - "Hier sind Wasserspuren," bemerkte ein Sicherheitsbeamter, "ganz frisch! Ein Wasser-Pokémon muß sich darum gekümmert haben!" - "Seltsam," grübelte Rocky, "es gibt hier keine wilden Wasser-Pokémon! Und wir haben unsere noch nicht eingesetzt!" - "Hast du was gesehen, Agu?" fragte Betty. "Ähm, ich, nun ja," stotterte Agu, "also, tja... das war mein Turtok! Es war ein langer und harter Kampf!" - "Bravo, junger Mann," lobte Officer Rocky, "dein Name wird morgen in allen Zeitungen stehen!" - "Das ist doch nicht nötig," lehnte Agu ab, "schon eine Urkunde oder Medaille wäre zu viel des guten! Es reicht mir, einfach ins Pokémon Center zu gehen und dort mein Turtok heilen zu lassen!" Unhörbar für die anderen fügte er noch hinzu: "Und Suicune!"
Die ganze Truppe trat aus dem Berg. Vor Agu streckte sich Zubaro City im Licht der untergehenden Sonne aus. "Wahnsinn," staunte der junge Trainer, "wie der Radioturm im Licht funkelt!" Erst dann fiel ihm auf, dass weiter hinter Zubaro City noch Ignia City lag. "Wow," rief er, "jetzt bin ich sogar von Süden her gekommen, obwohl ich erwartet hatte, von Norden zu kommen! So was nennt mal wohl ‚von hinten durch die Brust geschossen'!" Mit dem Abendrot im Rücken machten sich er, Betty, Officer Rocky und die beiden Sicherheitsbediensteten an den Abstieg, während über ihnen die Zubats in Schwärmen aus der Höhle flogen, um ihren nächtlichen Beutezug zu starten.
8. Das Pokémon-Quiz
Die Sonne war gerade am Horizont verschwunden, als die Truppe das Pokémon Center von Zubaro City betrat. "Schwester Joy," rief Agu sofort, "können Sie bitte meine Pokémon heilen?" - "Chaneira!" rief Chaneira und nahm die PokéBälle von Turtok und Suicune in Empfang. "Und dieses Pokémon hier," fügte der Sicherheitsbeamte hinzu, "schicken Sie bitte zu Professor Apff, ja? Er soll es untersuchen!" - "Wir erledigt," sagte Schwester Joy und nahm alle drei PokéBälle in Gewahrsam. "Fein," sagte Officer Rocky, "und teilen Sie bitte allen Zeitungen und Fernsehsendern mit, dass die Gefahr gebannt ist! Das Monster-Pokémon steckt nämlich in diesem Hyperball hier!" - "Oh, Glückwunsch," freute sich Schwester Joy, "wer hat es denn gefangen?" - "Ich," rief der Sicherheitsbeamte, "aber ohne die tatkräftige Hilfe von diesem jungen Mann hier hätte ich ..." - "Schon gut," unterbrach Agu, "jetzt geh ich erst mal endlich in den Radioturm!" Mit diesem Worten verließ er das Center. Betty folgte ihm.
"Willkommen im Radioturm von Zubaro City," rief die Dame am Empfang, "was kann ich für Sie tun?" - "Ich will an der Glückszahlshow teilnehmen!" rief Agu. "Da müsstest du nach Dukatia City, junger Mann," lächelte die Dame, "hier in Zubaro City findet nur das Pokémon-Quiz statt!" - "Aha," meinte Agu, "na gut! Dann nehm ich eben da teil!" - "Ich auch," fügte Betty hinzu. "Du auch?" staunte Agu. "Ja, ich auch," wiederholte Betty. "Dann macht euch bereit," sagte die Empfangsdame, "das Quiz beginnt in fünfzehn Minuten!"
Pünktlich um 20:15 wurden die Türen in den Senderaum aufgeschlossen und die beiden Trainer konnten eintreten. "Seid ihr die heutigen Teilnehmer?" fragte der Moderator. "Ja," antwortete Agu, "wir sind Agu Cloud und Betty Apff!" - "Fein," sagte der Moderator, "stellt euch bitte dort drüben hinter eure Ratepults! Die Show beginnt!" Dann schaltete er das Mikrofon an und begann die Sendung: "Guten Abend, meine Damen und Herren! Sie hören RTEZ, Radio Television Eden Zubaro City! Es ist wieder mal Dienstag und damit ist wieder mal Pokémon-Quiz-Time! Wie immer haben wir zwei Kandidaten im Studio, doch wer will, kann auch noch von zu Hause aus teilnehmen! Greifen Sie zum Hörer, die Telefonnummer lautet 3336 / 675149!" Keine zwei Sekunden später klingelte es auch schon. "Jaaa? Wer immer auch dran ist, Sie sind dabei!" - "Echt? Cool!" freute sich der Trainer am anderen Ende. "Find ich auch," sagte der Moderator, "wenn wir bitte noch Ihren Namen erfahren dürften?" - "Ich bin... äh, Moment mal! Wo bin ich überhaupt dabei?" - "Wie bitte?" staunte der Moderator, "jetzt sagen Sie bloß, dass Sie sich verwählt haben und eigentlich gar nicht beim Pokémon-Quiz teilnehmen wollten!" - "Ne, eigentlich nicht," sagte der Anrufer, "aber ich nehm trotzdem teil, wenn's was zu gewinnen gibt!" - "Gibt es," stimmte der Moderator zu, "nämlich ein waschechtes Zubat-Ei aus den Zura Mountains!" - "Ah, gut," grinste der Anrufer, "also noch ein Pokémon! Dann mach ich mit! Her mit der ersten Frage!" - "Moment," rief der Moderator, "so einfach geht das hier nicht! Ich stelle gleich fünf Fragen aus allen Bereichen! Wer als erster die richtige Antwort sagt, bekommt einen Punkt, und wer am Ende die meisten Punkte hat, kriegt das Ei! Wir beginnen mit Frage Nummerooooo eins - haha, mit welcher sonst? Also, hier ist sie: Welches Pokémon ist das längste bekannte Exemplar?" - "Pah, einfach," rief Agu sofort, "Onix, ohne Frage!" - "Fa-halsch!" lachte der Telefonkandidat, "Stahlos ist noch größer! Ätschelbätsch!" - "Ihr liegt beide falsch," sagte Betty darauf hin locker, "noch nie was von Monstorium gehört?" - "Glückwunsch, junges Fräulein," lobte der Moderator, "diese Antwort ist richtig!" - "Wow," staunte Agu, "gut geraten, Betty!" - "Frage zwei," fuhr der Moderator fort, "welches Pokémon hat die beste Nachtsicht?" - "Ha! Mauzi!" rief der Anrufer sofort, "das ist eine Katze und Katzen können im dunkeln sehen!" - "Pech für's Ausplaudern," unterbrach Agu, "dann wird's ja wohl Snobilikat sein! Wenn schon denn schon!" - "Dann sag ich mal Hoothoot," lächelte Betty.
"Wieder ein Punkt für die junge Dame," lobte der Moderator. "Blödes Miltank," murmelte der Anrufer. "Herr Irgendwer," mahnte der Moderator, "keine solchen Ausdrücke mehr, ja? Kommen wir zu Frage drei: Welches Pokémon kommt hier in Eden am häufigsten vor?" - "Das ist Betrug!" schimpfte der Telefonkandidat, "ich bin nicht in Eden! Woher soll ich das wissen?" - "Pech für Sie," grinste Agu, "ganz klar Gissel! Hat mir mein Pokédex gerade gestern Mittag erzählt!" - "Mag sein," meinte Betty, "aber hat er auch die paar Millionen Zubats aus den Zura Mountains hier mitgezählt?" - "WAAAH!!" schrie Agu, "nein, verdammt noch mal!" - "Schon der dritte Punkt für das junge Fräulein," stellte der Moderator fest, "eigentlich könnten wir jetzt ja aufhören! Die beiden Herren haben sowieso keine Chance mehr!" - "Juchu!" freute sich Betty, "ich habe gewonnen!" - "Glückwunsch," lobte Agu, "hätte ich dir echt nicht zugetraut! Spitze gemacht!" - "Hey, wo ist es?" rief der Anrufer. "Wo ist was?" wunderte sich der Moderator. "Gib den Hörer her," ertönte aus dem Hörer, wobei die Stimme plötzlich deutlich weiblicher klang, "wieso hast du so lang telefoniert, James? Alles unsere schönen Telefongebühren! ... Hallo Boss! Tut mir leid, wenn James Ihnen gerade Appetit auf ein Simsala gemacht hat, aber es ist uns leider wieder entkommen! Es hat sich einfach davon teleportiert!" - "Verzeihung," fragte der Moderator etwas verwirrt, "mit wem spreche ich?" - "Mit Jessie natürlich," brüllte die... *räusper* Dame am anderen Ende, "und ich... oh, halt mal! Sie sind ja gar nicht unser Boss! Sorry, wiederhören! -klack- TUUUT TUUUT TUUUT" - "Seltsame Kerle," murmelte der Moderator und wandte sich dann Agu und Betty zu, "nun, wie dem auch sei, die junge Dame hat zu Recht gewonnen! Bitte sehr, mein Fräulein, hier haben Sie ein frisch gelegtes Zubat-Ei!" - "Danke," freute sich Betty und steckte das Ei vorsichtig in ihren Rucksack, "ich werde das Kleine gut hüten!" - "Ich werd dir dabei helfen," fügte Agu hinzu, "und jetzt entschuldige mich, ich muß schnell ins Pokémon Center!" Mit diesen Worten verließ er den Radioturm. Seine einzigen Gedanken galten nun wieder Suicune und dessen gesundheitlichem Zustand.
9. Die Flatter-Arena
Agu betrat das Pokémon Center. "Sind meine Pokémon fertig?" fragte er. "Sicher," lächelte Schwester Joy, "hier!" Sie überreichte dem Trainer die beiden PokéBälle mit Turtok und Suicune, die dieser gerade noch einstecken konnte, bevor auch schon Betty angelaufen kam. "Agu," rief sie, "wo bist du hin? Wollen wir nicht in die Arena?" - "Doch," sagte Agu, "ich musste nur schnell Turtok abholen! Komm, lass uns gehen!" Die beiden verließen das Pokémon Center und marschierten geradewegs auf die Pokémon-Arena von Zubaro City zu.
"Ah, guten Tag," sagte ein etwa 30-jähriger Mann, als zwei Trainer eintraten, "mal wieder neue Herausforderer! Ich bin Rolf, der Arenaleiter! Ich bevorzuge schnelle Kämpfe, deswegen kämpfen wir zwei gegen zwei mit einem Zeitlimit von fünf Minuten! Wer von euch beiden möchte denn zuerst?" - "ICH!!! ICH!!! ICH!!!" riefen Agu und Betty gleichzeitig. "Wieder ganz wie damals," seufzte Agu, als Rolf dann schließlich eingriff: "Also, wenn ihr euch nicht einig werden könnt, dann wird es am fairsten sein, zu losen! Also denn: Zu - bat - Gol - bat - und - Iks - bat, den - ers - ten - Zug - der - Mensch - dort - hat!" Sein Finger zeigte bei Beenden des Versleins auf Agu, und so nahm Betty vorerst auf der Zuschauerbank Platz.
"Die Zeit beginnt jetzt," rief Rolf, "ich wähle für den ersten Kampf Iksbat!" - "Aha," erinnerte sich Agu, "gegen ein Iksbat habe ich in Fuchsania City schon siegreich gekämpft! Da probiere ich einfach mal mein Vulci aus! Los, Vulci, Glut!" - "Vulc!" rief das kleine Pokémon, als es aus dem PokéBall zum Vorschein kam. "Aha," bemerkte Rolf, "ein Feuer-Boden-Pokémon! Gut! Iksbat, Konfustrahl!" Zwar wurde die Fledermaus von der Glut hart getroffen, flog jedoch ohne Probleme weiter und schoss den Konfustrahl auf Vulci ab. Der kleine Vulkan war nun verwirrt. "Verflixt," rief Agu, "Vulci, Bodycheck!" Zwar führte Vulci diese Attacke aus, aber dummerweise auf sich selbst. Iksbat legte auf Rolfs Befehl einen Himmelsfeger nach, woraufhin das Feuer-Boden-Pokémon besiegt umfiel.
"Mist!" rief Agu, "na warte, dafür wirst du teuer bezahlen! Ich wähle dich, Suicune!" - "Das ist ja ein Suicune!" erschrak Rolf. "Genau das ist es," rief Agu, "und es setzt jetzt einen ordentlichen Blizzard ein! Los!" - "Suicuuuuune!!!" rief der legendäre Hund und schoss so eine gewaltige Eismasse auf Iksbat, dass dieses sofort besiegt war.
"Gut gemacht," sagte Rolf, "auch wenn's mit einem Suicune kein Kunststück war! Dann hoffe ich mal, dass mein Yanma etwas mehr aushält! Los, Yanma, Ruckzuckhieb!" Doch der kleine, schnelle Hieb störte Suicune überhaupt nicht. "Ein Sternschauer dürfte reichen," sagte Agu lässig. Et voila, auch Yanma war Vergangenheit!
"Trainer, die mit legendären Pokémon kämpfen, mag ich überhaupt nicht," seufzte Rolf, "aber ich kann leider nichts dagegen tun. Er schnipste mit dem Finger und schon kam ein wunderschön glänzendes silbernes Zubat angeflogen, das einen Orden herbei brachte, der dem Batman-Logo ähnelte. "Das ist der Zubaorden," erklärte Rolf, "er gehört dir!" - "Danke," sagte Agu, "und dir viel Glück, Betty! Bis später!" - "Bis später?" fragte Betty erstaunt, "wo gehst du hin?" - "Äh, nach draußen," redete sich Agu hastig heraus, "frische Luft schnappen!" Dann verließ er schnell die Arena. "Nun gut," sagte Rolf, "da ich sehe, dass du nur ein Pokémon hast, werde ich dir entgegen kommen. Wir kämpfen eins gegen eins mit einem Zeitlimit von drei Minuten! Ich wähle ..."
Agu lief auf die Zura Mountains zu. Dort warf er den Meisterball und Suicune kam zum Vorschein. "Agu?" fragte es vorsichtig, "warum hast du mich gefangen?" - "Um dich vor der Entdeckung zu schützen," erklärte der junge Trainer, "außerdem bin ich hierher gegangen, um dich wieder frei zu lassen!" - "So?" fragte Suicune, "aber du hast mich zuvor in einem Arenakampf eingesetzt!" - "Hätte doch jeder getan," grinste Agu, "so eine Chance darf man sich doch nicht entgehen lassen! Noch leichter bekommt man einen Orden doch nur, wenn man ihn auf der Straße findet!" - "Das ist es ja," versuchte Suicune zu erklären, "legendäre Pokémon in Arenen sind neben Sonderbonbons und Fokus-Bändern so ziemlich das unfairste Mittel zum Sieg, das es gibt! Diese Arena hier ist die dritte Arena der Eden-Liga, sie passt sich an Trainer an, deren Pokémon ungefähr auf Level 30 sind. Wenn dann da so einer mit einem Legendäro auf Level 50 angetanzt kommt, können sie einpacken!" - "Ich hab schon verstanden, Suicune," seufzte Agu. "Gut," sagte Suicune, "dann lebe wohl, mein Freund! Vielleicht sehen wir uns irgendwann einmal wieder!" Mit diesem Worten verschwand es in den Zura Mountains.
Agu blieb eine Weile stehen und betrachtete die Aussicht über Zubaro City. Langsam nahm er den Zuraorden vom Hemd und hielt ihn zwischen sich und den Mond. Dann holte er aus und warf das Zeichen des Sieges mit viel Schwung mitten in die Pampa.
Es waren noch fünfzehn Sekunden zu kämpfen, als Agu wieder die Arena betrat. Rolfs Omot saß auf Bisaknosp und bearbeitete es mit dem Blutsauger. Bisaknosp jedoch hatte Omot mit den Egelsamen bepflanzte und holte sich so die abgesaugten Kraftpunkte sofort zurück. Es war ein ewiger Energiekreislauf ohne Anfang und ohne Ende. "Betty muß sich etwas einfallen lassen," dachte Agu, "sonst sieht es düster aus!" Doch Betty stand nur da, sah auf die Uhr und zählte die Sekunden bis Kampfende: "Fünf... vier... drei... zwei... eins... RISIKOTACKLE!!!" Rolf machte Augen wie Wagenräder, als das Pflanzen-Pokémon in allerletztes Sekunde angriff. Omot verlor seine Kraft, dann ertönte die Klingel, die das Ende des Kampfes signalisierte, und erst dann zog Bisaknosp sich selbst seine Kraftpunkte ab. "Das gibt's ja nicht," staunte Rolf, "klasse Strategie, junge Dame! Sie haben sich den Zubaorden redlich verdient!" Ein Fingerschnips und das silberne Zubat brachte ein zweites Batman-Logo. "Danke," freute sich Betty, "schon mein zweiter Orden!" Glücklich heftete sie ihn neben den Ignia-Orden.
Rolf ging auf Agu zu. "Hör zu, junger Trainer," begann er. "Jetzt macht er mich bestimmt noch zum Schneckmag wegen dem Suicune," seufzte Agu. Doch das genaue Gegenteil traf ein. "Als Omots Kampf gegen Bisaknosp etwas eintönig wurde," lächelte Rolf, "habe ich kurz aus dem Fenster geschaut und zufällig gesehen, wie du Suicune freigelassen und den Orden weggeworfen hast. Dieses Handeln ist ein guter Beweis dafür, dass es dir leid tut, deshalb sollst du eine zweite Chance kriegen!" - "Danke," sagte Agu glücklich, "diesmal soll es ein fairer Kampf werden!"
10. Die Halle der Sieger
Die Uhr schlug drei Uhr nachts. "Zwei gegen zwei Pokémon," legte Rolf fest, "Zeitlimit: Vier Minuten!" - "Okay," rief Agu, "ich weiß schon, welche beiden ich benutzen werden!" - "Ich auch," grinste Rolf, "und das erste davon heißt Smettbo!" Der Schmetterling verließ Rolfs PokéBall. "Ah, gut," atmete Agu auf, "Smettbos kenne ich noch von Florian! Die haben ein Problem mit Feuer! Diesmal wähle ich meine altbewährte Waffe: Glumanda!" Aus dem PokéBall kam die niedliche Feuer-Echse, die Agu schon seit dem zweiten Tag seiner Reise sein Eigen nannte. "Glumanda!" rief das Pokémon. "Aha," stellte Rolf fest, "ein Feuer-Pokémon, das war zu erwarten! Smettbo, Schlafpuder!" - "Hihihi," kicherte Smettbo und ließ den feinen Staub auf Glumanda herab rieseln. Glumanda gähnte genüsslich. "Bleib wach!" rief Agu, "bombadier es mit einem gewaltigen Feuerball!" - "Glu-gääähn-MANDAAAAA!!!" Die Flammen schossen los. "Schnell," befahl Rolf, "Agilität!" Agu traute seinen Augen nicht, als das flinke Smettbo der Attacke auswich. "Und jetzt Giftpuder!" fügte Rolf hinzu. Ein weiteres Pülverchen rieselte daraufhin auf Glumanda hinab, woraufhin das Feuer-Pokémon lila anlief und die Augen verdrehte. "Oje," rief Agu, "Glumanda, komm besser zurück!"
"Hier," sagte Rolf und warf Agu etwas zu, "das ist eine Gegengiftbeere! Ich will ja nicht, dass deinem Glumanda etwas ernstes passiert! Der Kampf dauert noch Zwei Minuten und 19 Sekunden und du darfst noch ein Pokémon einsetzen!" - "Ich weiß," sagte Agu, der gleichzeitig Glumanda die Beere gab und einen PokéBall in die Arena warf, "mein zweites Pokémon ist noch mal Vulci!" - "Der Vulkan schon wieder," seufzte Rolf, "na ja, wieder ein Sieg! Smettbo, Psychokinese!" - "Das hätten Sie wohl gern!" rief Agu, "Vulci, schnell Schaufler! Und dann Vulkanausbruch!" Schneller als Smettbo und Rolf schauen konnten, war Vulci unter der Erde verschwunden. Und während der Schmetterling noch die Psychokinese ins Leere abschoss, kam das Feuer-Pokémon auch schon wieder zum Vorschein und überraschte Smettbo mit einer Feuer-Fontäne von unten. Sofort fiel das Käfer-Pokémon besiegt zu Boden.
"Gut gemacht," lobte Rolf, "doch noch steht ein kerngesundes Pokémon vor dir! Und wir haben noch eine Minute und 35 Sekunden zu kämpfen!" - "Keine langen Reden," rief Agu, "setzen Sie Ihr nächstes Pokémon ein!" - "In Ordnung," sagte Rolf, "mein nächstes Pokémon ist ..." - "Warten Sie mal," unterbrach Agu, "schau Sie!" Vulci leuchtete und wuchs. "Vulcmon!" - "Wow," staunte Agu, "es hat sich weiter entwickelt Cool!" - "Schön für dich," sagte Rolf, "aber das geht alles von unserer Zeit ab! Noch eine Minute und fünf Sekunden! Ich wähle Bibor! Schnell, Nadelrakete!" - "Ähm, Agu?" sagte Betty vorsichtig, "schau dir lieber mal dein Glu..." - "Nicht jetzt," unterbrach Agu, "hab wichtiges zu tun! Vulcmon, Flammenwirbel!" Der schon etwas größere Vulkan ließ Bibors Nadeln einfach in der Luft schmelzen und fing dann die Wespe in einem Ring aus Feuer ein. Das hilflose Bibor fand keinen Ausweg und konnte auch nicht mehr attackieren. Agu sah zufrieden auf die Uhr: "Noch zwanzig Sekunden! Was wolltest du mir gerade sagen, Betty?" - "Schau dir mal dein Glumanda an!" rief Betty. Agu drehte sich um. Die Feuer-Echse saß am Boden der Arena und warf einen giftigen Blick in Richtung Vulcmon. "Hey," rief Agu, "Glumanda, was ist das denn für ein Gesicht! Stimmt was nicht?" Glumanda antwortete nicht. Es sprang auf, schoss auf Vulcmon zu und tacklete es gehörig. Vulcmon unterbrach die Attacke, torkelte herum und geriet schließlich über die weiße Markierung. In diesem Moment ertönte die Klingel, die das Kampfende bedeutete.
"Tut mir echt leid," seufzte Rolf, "auch, wenn es nicht deine Schuld war: Regeln sind Regeln und ich muß diesem Kampf leider für Vulcmon als verloren zählen, weil es die Kampffläche verlassen hatte. Eine Sekunde später und du hättest es geschafft. Ich bin sicher, du gewinnst, wenn du irgendwann noch einmal hier bist!" - "Danke," sagte Agu niederschlagen, "Vulcmon, zurück! Glumanda, du erst recht! Was bildest du dir eigentlich ein?" Wütend verließ er die Arena.
Draußen blieb Agu auf dem Dorfplatz stehen und starrte den Mond an. "Diese blöde Glumanda," grummelte er, "warum greift es Vulcmon an? Die beiden gehören zusammen! Sie sind ein Team! Sie dürfen sich nicht gegenseitig bekämpfen!" Er sah kurz in die Büsche am Fuß der Zura Mountains. "Nein, unmöglich," seufzte er, "da finde ich den Orden nie mehr drin!" - "Agu," rief Betty und lief zu ihm, "es tut mir ja leid für dich!" - "Schon gut," seufzte Agu, "jetzt komm, wir müssen weiter!" - "Heute noch?" erschrak Betty, "es ist halb vier!" - "Na und?" rief Agu, "in zwölf Stunden ist es auch halb vier! Und dann klebt mein Lance vor RTK II und schaut sich die Dragonite Balls an! Ich bin zu sauer, um schlafen zu können!" Er stapfte los. "Agu!" rief Betty, hinterher, "ich leg mich jetzt im Pokémon Center schlafen! Morgen früh komm ich nach!" Agu hörte nicht zu und ging weiter.
Die nun folgende Wiese schien endlos. Im Norden war mit viel Phantasie eine große Gebirgskette zu erahnen, im Osten folgte in ein paar Kilometern ein dunkler Wald und im Süden war es nicht weit bis zu den Klippen des Meeres. Aus Westen kam Agu. Sauer war er inzwischen nicht mehr, aber ratlos. Ratlos und enttäuscht. Warum hatte Glumanda einfach so ein Pokémon aus dem eigenen Team angegriffen? Eins war klar: Jetzt war ein neuer Hosentaschen-Kandidat gefundet! Der Trainer zupfte also Glumandas PokéBall vom Gürtel und steckte ihn in seine Hosentasche, aus der er kurz darauf Gissels PokéBall zog und ihn an den frei gewordenen Steckplatz steckte. Und dann fiel ihm ein mittelgroßer Tempel auf. "Was ist das denn?" staunte Agu. Das Gebäude bestand komplett aus Marmor und das goldene Dach hätte bei Tag sicherlich im Sonnenlicht geglänzt. ATRIUM VICTORIS stand über dem Eingangsportal.
Vorsichtig öffnete Agu die Tür und trat ein. Drin war ein großer, fast leerer Saal aufzufinden, in dessen Mitte auf einer Säule ein Pokal stand. Während an den Wänden zu Agus Linken viele Bilder von allen möglichen Trainern und von Pokémon wie Simsala und Gengar hingen, waren rechts nur nackte Mauern zu bestaunen. "Seltsam," murmelte Agu. "So seltsam ist das gar nicht," krächzte eine alte Stimme. Agu fuhr herum. Hinter ihm stand eine alte Frau. "Wer sind Sie?" fragte Agu. "Ich heiße Klara," krächzte die Alte, "ich komme jede Nacht hier her, um in Ruhe meinen Gatten zu besuchen. Zuerst war er der große Sieger, doch nur wenige Wochen später verstarb er viel zu früh. Das ist nun fünfundzwanzig Jahre her." - "Oh," sagte Agu, "das tut mir leid für Sie!" Er schwieg eine Minute. Dann fragte er: "Und warum ist das nicht seltsam?" - "Was?" wunderte sich Klara, "oh, ach so! Ja, das liegt daran, dass links die Sieger des Psycho-Geist-Unlicht-Turniers hängen und rechts theoretisch die edischen Sieger der Indigo-Liga, falls es denn mal welche geben sollte." - "Ich werde der erste sein," dachte Agu bei sich und fragte dann: "Psycho-Geist-Unlicht-Turnier? Was soll das denn sein?" - "Ein Wettkampf," antwortete Klara, "der jedes Jahr an Halloween in Darkian Town abgehalten wird. Schau, dort drüben hängt ein Werbeplakat. Ich vermeide es um diese Zeit allerdings immer, die Stadt zu betreten. Zu viele Erinnerungen an meinen geliebten Gemahl." Neugierig betrachtete Agu das Plakat.

"Halloween?" erschrak er dann plötzlich, "das ist doch übermorgen! Wo geht's denn auf dem schnellsten Weg nach Darkian Town?" - "Immer in Richtung Osten," erklärte Klara, "du kannst es gar nicht verfehlen! Wenn du jetzt los gehst, bist du heute Abend gegen 19:00 Uhr da!" - "Danke!" rief Agu, "ha, da mach ich mit!" Aller Ärger war vergessen, voller Freude stürmte er aus der Halle. "Gebt acht, ihr Psychos, Geister und Unlichter," rief her, "hier kommt euer neuer Meister!" Dann hielt er an. Fast wäre er auf ein kleines Pokémon getreten, das im Gras saß, bis eben an einer Nuss geknabbert hatte und den Trainer nun mit großen Augen ansah. Es sah aus wie ein Eichhörnchen. "Rewol?" fiepste es.
11. Richtig Rewol!
Agu und das Rewol starrten sich eine Weile lang an, bevor der Trainer dann auf die glorreiche Idee kam, es zu fangen. Und was macht man, wenn ein Pokémon fangen will? Ganz klar: Man setzt ein eigenes Pokémon ein, um es gegen das andere Exemplar kämpfen zu lassen! Normalerweise hätte Agu ja jetzt Glumanda benutzt, aber da er seinem treuen Freund immer noch nicht ganz verziehen hatte, setzte er Vulcmon ein. "Okay, Vulcmon," rief er, "und jetzt wirst du ..." - "Feuuuuuriiiiigeeeeel!!" - "Hä?"
Ein anderer Trainer, ein ziemlich junger Trainer, stand etwa zehn Meter entfernt im Gras und hatte ein Feurigel eingesetzt. "Hau hier ab!" rief Agu, "das ist mein Rewol!" - "Da steht nirgends dein Name dran!" rief der andere Trainer zurück, "und jetzt Glut, Feurigel!" - "Feu!" rief Feurigel und schoss das kleine Flämmchen los. "Nichts da!" bestimmt Agu und trat die Flammen kurzerhand aus, "und jetzt Flammenwurf, Vulcmon!" - "Wenn dein Vulkan nicht so heiß wäre, würde ich ihn erwürgen," knirschte der fremde Trainer, "Feurigel, du wirst ... äh, wo ist eigentlich das Rewol hin?"
Langsam dachte die Sonne wieder ans Aufgehen. Es war sieben Uhr morgens und auch Betty erwachte aus ihrem Schlummer. Zwar nicht, weil sie ausgeschlafen hatte, sondern nur, weil Chaneira angefangen hatte, sein Guten-Morgen-Lied zu trällern, aber was soll's, wach ist wach! Also gähnte Betty einmal genüsslich und schwang sich dann aus dem Bett. Ich denke, ich muß nicht unbedingt auch beschreiben, wie sie sich anzog und frühstückte. Jedenfalls lief sie dann los, um Agu einzuholen.
Inzwischen hatten sich Agu und der andere Trainer kampfbereit gegenüber gestellt. Es drohte ein Kampf der Feuer-Pokémon. "Feurigel," begann der andere Trainer, "Ruckzuckhieb!" - "Vul..." wollte Agu noch brüllen, kam aber nicht mehr dazu, weil die Attacke schon getroffen hatte. "Aber jetzt, Vulcmon," rief Agu schnell, "Steinhagel!" - "Vulcmon!" rief Vulcmon und lief ein paar Steinbröckelchen auf Feurigel hinab rieseln. "Brauchst du einen Regenschirm, Feurigel?" lachte der andere Trainer, "so, und jetzt verpass dem Vieh einen gepfefferten Flammenwirbel!" Schon war Vulcmon in einem Ring aus Feuer eingeschlossen. "Pfff," winkte Agu ab. Ein kurzes "Schaufler!" genügte, damit der Vulkan sich nach unten aus der Misere zog. Direkt unter Feurigel tauchte es dann wieder auf und verpasste ihm einen Bodycheck.
Betty sah die Flammen schon von weitem. "Da scheint ein Kampf stattzufinden," stellte sie fest. Doch bevor sie sich näher darum kümmern konnte, kitzelte sie etwas am Bein. Sie sah nach unten und bemerkte das Rewol, das sich hinter ihr zu verstecken versuchte. "So eine Chance dürfte ich mir eigentlich nicht entgehen lassen," dachte sie, "wie hat Agu das doch gleich gemacht?" Vorsichtig nahm sie einen leeren PokéBall vom Gürtel und ging ein paar Schritte von Rewol weg. Dann holte sie kräftig zum Wurf aus und pfefferte den Ball so stark sie konnte auf das Eichhörnchen zu. "Reeeee!!" quiekte das Pokémon erschrocken und sprang zur Seite. "Verflixt! Daneben!" fluchte Betty, "oh, stimmt ja! Ganz vergessen! Man muß es ja auch erst mit einem eigenen Pokémon schwächen! Okay, ich habe keine große Wahl - los, Bisaknosp!" - "Bisa!" - "Schlafpuder, Bisaknosp!" Bevor Rewol etwas tun konnte, war es schon im Reich der Träume verschwunden. Ein zweiter PokéBall genügte, um es zu fangen.
"Jaaaaa-hahaha!!" - "Verflixter Mist noch mal!" Agu hatte soeben Feurigel besiegt und war mächtig stolz auf Vulcmon. Der andere Trainer war rot vor Wut. Doch in diesem Moment tauchte Betty auf. "Hallo Agu," sagte sie, "ich hab mir schon gedacht, dass du was mit diesem Kampf zu tun hast! Um was geht's denn?" - "Wir kämpfen um ein Rewol, das hier irgendwo steckt," erklärte Agu, "wer gewinnt, darf es fangen, wenn es wieder auftaucht!" - "Dann seid ihr beide zu spät," lächelte Betty und ließ den PokéBall stolz auf ihrem Finger kreiseln, "hier drin ist es!" - "Oh, Glückwunsch!" rief Agu, "dann hast du ja jetzt endlich mal selbst ein Pokémon gefangen! Und wenn dein Zubat ausschlüpft, hast du schon drei!" Der andere Trainer war nicht ganz so erfreut. "Das ist Betrug!" schimpfte er, "ihr habt euch bestimmt abgesprochen! Sie hat das Rewol da hinten erwartet! Aber das lasse ich nicht auf mir sitzen! Los, Traunfugil! Bescher denen beiden einen Alptraum!"
"HALT!!" rief eine Männerstimme aus Richtung Darkian Town. "Paps?" fragte Trainer und drehte sich erschrocken um, "Traunfugil, zurück!" Es tauchte ein Mann auf, der etwa genau so alt wie Agu war und diesem auch ziemlich bekannt vorkommt. "Jan," tadelte der Mann, "habe ich dir nicht schon hundert Mal gesagt, du sollst die Attacken deiner Pokémon nicht auf Menschen ausrichten?" - "Aber Papa," verteidigte sich Jan, "die haben mir mein Rewol geklaut!" - "Pah, geklaut," winkte der Mann ab, "du besitzt gar kein Rewol, also können sie es dir auch nicht geklaut haben! Höchstens vor der Nase weg geschnappt, und das ist vollkommen legal, so lange ein fairer Kampf voraus gegangen ist! Und jetzt gib den PokéBall her! Traunfugil ist bis zum Turnier eingezogen!" - "Och, Paps," knurrte Jan, doch alles Murren half nichts.
Nun wendete der Mann sich zu Agu und Betty. "Tut mir leid, wenn mein Sohn sie erschreckt hat," sagte er, "er ist noch etwas überdreht." - "Das merkt man," rief Agu, "und er will echt bei diesem Psycho-Geist-Unlicht-Turnier mitmachen?" - "In der Tat," stimmte der Mann zu, "ich übrigens auch!" - "Und ich natürlich auch!" rief Agu. "Na, so ein Zufall," stellte der Mann fest, "dann werden wir uns ja morgen Abend als Gegner gegenüber stehen, wenn es das Los will!" - "Ja, werden wir vielleicht," sagte Agu, "auf jeden Fall viel Glück!" - "Danke, gleichfalls!" rief der Mann und machte sich dann mit Jan wieder auf den Weg.
Agu sah auf die Uhr. "Ja, es ist noch Zeit," sagte er, "dann kann ich dir ja jetzt noch die Siegeshalle zeigen!" - "Gern," stimmte Betty zu. Doch dann rief sie: "Wow! Schau mal, was für ein großes Pixi der Mann hat! Und das Gengar erst!" - "Schön," winkte Agu ab und hielt schon die Klinke in der Hand, "aber ich kenne schon einen, der ein Pixi und ein Geng... äh..." Agu stockte. "Was ist los?" fragte Betty. Doch sie bekam keine Antwort. Agu zückte seinen Geldbeutel, holte Fotos von Jens und Florian raus und sah kritisch darüber. "Sieh dir mal den auf dem linken Foto an," sagte er schließlich, "und denk dir knapp 15 Jahre dazu!" - "Könnte fast der Mann da hinten sein," stellte Betty erstaunt fest. "Könnte nicht nur," rief Agu, "ist! Das ist mein alter Freund Jens!"
12. Turnier an Halloween
Voller Freunde stürzte Agu auf den Trainer und dessen Filius zu. "Jens!" rief er, "Jens! Eine Ewigkeit ist das her! Endlich sehen wir uns wieder!" - "Hä?" Überrascht drehte sich Jens um. "Kennen wir uns?" - "Klar kennen wir uns," rief Agu, "ich bin's! Agu! Dein alter Freund von damals in Johto!" Jens musterte Agu von oben bis unten. "Tatsächlich," sagte er dann, "so ein Ding! Die Welt ist echt ein Dorf! Was führt dich denn nach Eden?" - "Das selbe wollte ich dich gerade fragen," lachte Agu, "also, ich bin diesem Hoeruko hier über das Meer gefolgt *nebenbei PokéBall zeig* und habe gar nicht gemerkt, dass es mich nach Eden gebracht hat. Und dann dachte ich mir, wenn ich schon mal hier bin, warum nicht gleich die paar Orden mitnehmen?" - "Ganz der alte Agu," grinste Jens, "was mich betrifft, als Arenaleiter beziehungsweise zukünftiger Arenaleiter interessieren mich und Jan Orden wenig, wir sind nur wegen dem Psycho-Geist-Unlicht-Turnier angereist. Da wollte Jan schon immer mal mit seinem Traunfugil dran teilnehmen, aber erst jetzt, wo das Monster-Pokémon sichergestellt ist, stimmte ich der Reise zu." - "Aha," sagte Agu, "übrigens, weißt du auch, dass ich dabei geholfen habe, das Monster zu fangen?" - "Nicht du, sondern Suicune," stellte Betty richtig. "Wollen wir nicht endlich mal nach Darkian Town?" rief Jan dazwischen. "Hast ja recht," seufzte Jens, "komm, lass und gehen!" - "Ich komme mit!" rief Agu. "Prima," stimmte Jens zu, "dann fehlt ja jetzt nur noch Florian, dann wär die alte Truppe wieder komplett!" - "Dafür sind jetzt wir dabei," lächelte Betty, "nicht wahr, Jan?"
Nach einem langen Fußmarsch, auf dem sie sich fast ausschließlich gegenseitig mit den Stärken und Vorteilen ihrer Pokémon übertrumpft hatten, kamen die vier Trainer endlich in der Stadt es. Es war ein ziemlich düsterer Ort. Alle Häuser waren schwarz oder zumindest dunkel, manche auch nicht mehr im besten Zustand. Über der Stadt hing ein geheimnisvoller Nebel. Ab und an zischte ein Nebulak oder manchmal auch ein Traunfugil an der Truppe vorbei. Auf den Fensterbänken standen ausgeschnitzte Kürbisse, in denen Kerzen brannten. "Cool! Echt halloween-mäßig!" rief Jan. "Stimmt," riefen Agu und Jens gleichzeitig, "aber ich will jetzt erst mal Infos zu diesem Turnier!" - "Dann geht doch ins Pokémon Center," lächelte Betty und zeigte auf ein in einer kleinen Holzhütte untergebrachtes Pokémon Center, an dessen Eingangstür ein Schild hing, auf dem ‚Anmeldung zum Psycho-Geist-Unlicht-Turnier hier!' stand. "Nix wie rein!" jubelten Agu und Jens und versuchten, sich gleichzeitig durch die Tür zu quetschen. "Wenn das wirklich die gute, alte Zeit war," seufzte Betty, "dann bin ich froh, dass ich in der hässlichen Neuzeit lebe!" Jan nickte nur.
"HUNDUSTERRRRRRRRR!!!"
"WAAAAAAAAAAH!!!"
"Hunduster, zurück!" lachte Schwester Joy und ließ den dunklen Bello in seinem PokéBall verschwinden, "gelungener Halloween-Scherz, nicht wahr?" - "Sehr gelungen," stöhnte Agu und hielt sich dabei sein Herz, "da ist mir dieses übertrieben glückliche Chaneira hundert Mal lieber!" - "Zur Sache," sagte Jens, "wir kommen wegen dem Turnier. Drei Anmeldungen bitte!" - "Gern," stimmte Schwester Joy zu, "Trainer eins: Name? Wohnort? Pokémon?" - "Jens Gayh, Teak City, Gengar," antwortete Jens, "jetzt du, Jan!" - "Also," rief Jan, "Jan Gayh, ebenfalls Teak City, Traunfugil!" - "Dann bin wohl jetzt ich dran," rief Agu kampfbereit, "Agu Cloud, Kopet Town, Knuddeluff, Meganie, Tur..." - "Moment!" unterbrach Schwester Joy, "junger Mann, bei diesem Turnier sind nur Pokémon des Typus Psycho, Geist und Unlicht zugelassen!" - "Ach, und das erfahr ich jetzt schon?" schimpfte Agu, "ja verdammt noch mal, hab ich überhaupt so was? Verflixt, wie konnte wie bloß Lugia freilassen!" - "Mach dir nicht draus," versuchte Betty ihn zu trösten, "ich kann mit Bisaknosp und Rewol auch nicht teilnehmen. Dann setzen wir uns eben beide auf die Bank und schauen zu, ja?" - "Nein!" rief Agu, "ich hab mir jetzt in den Kopf gesetzt, da teilzunehmen! Jens, kannst du mir nicht ein Pokémon leihen?" - "Klar," antwortete Jens, "hier!" Er warf Agu einen PokéBall zu. "Es gehört sowieso halb dir," erklärte er, "das ist das Nebulak, das du mir damals im Austausch gegen Tragosso gegeben hast! Es ist natürlich inzwischen ein Alpollo, versteht sich!" - "Cool," freute sich Agu, "danke!" - "Also trage ich bei Agu als Pokémon Alpollo ein?" fragte Schwester Joy. "Genau!" rief Agu, "äh, Moment mal! Was ist das?" Der PokéBall in Agus Hand begann, zu leuchten. "Entwickelt es sich etwa weiter?" fragte Agu verwirrt. "Hatte ich ganz vergessen," rief Jens, "Alpollos entwickeln sich nur weiter, wenn man sie weitergibt oder tauscht! Schwester Joy, Sie tragen ihm wohl besser ein Gengar ein!"
Die vier verließen das Pokémon Center. Jens sah nach oben auf die Kirchturmuhr, die halb im dichten Nebel verschwand. "Halb acht," stellte er fest, "um neun beginnen die Kämpfe. Was meinst du, Jan, noch ein Übungskampf?" - "Klar, Papi!" rief Jan. "Gut," sagte Jens, "wir sehen uns dann um viertel vor neun vor dem Stadion, Agu! Bis dann!" - "Jo! Bis nachher!" rief Agu. Dann betrachtete er erneut den PokéBall. "Ich denke, ich sollte auch Gengar vor dem Kampf noch erproben," murmelte er, "aber wo einen Gegner her kriegen? Betty kann ich den Geist unmöglich zumuten!" Er sah sich um, fest entschlossen, den erstbesten Trainer, dem er begegnen würde, heraus zu fordern. Es handelte sich hierbei um einen jungen Mann, ungefähr so alt wie Agu, mit grüner Weste, blauer Cäppi und einem Pikachu auf der Schulter. Aber es war nicht Ash. "Heda!" rief Agu, "ich fordere dich heraus!" Der Trainer drehte sich um. "Wenn du meinst," sagte er, "von mir aus! Meine Pokémon können noch etwas Training gebrauchen!"
Agu und der andere Trainer stellten sich kampfbereit gegenüber. "Ich wähle für diesen Kampf Gengar!" rief Agu. "Und ich setzte Happy ein!" konterte der andere Trainer. Aus seinem PokéBall kam ein Smettbo zum Vorschein. "Aha," stellte Agu fest, "mal wieder ein Smettbo! Scheint ziemlich häufig zu sein! Gengar, Hypnose!" - "Happy, Psychokinese!" rief der andere Trainer. Der Smettbo war schneller. Es kicherte "Hihihi!", schwirrte um Gengar herum und schoss von hinten die Psychokinese ab. Gengar wurde schwer getroffen. "Halte durch, Gengar!" rief Agu, "mach einen Konfustrahl!" Das Geist-Pokémon rappelte sich auf. Leise knurrte es: "GENGAAAAAR!!!" Dann ...
13. Jan gegen Mew
... färbten sich seine Augen rot und es kam ein greller Strahl heraus geschossen. Der Konfustrahl! Er traf Smettbo voll und verwirrte den kleinen Schmetterling. "Happy," rief der Trainer, "kannst du noch kämpfen? Wirbelwind!" Zwar wirbelte Smettbo, doch patschte es sich seine eigenen Flügel mitten ins Gesicht, woraufhin es ins Trudeln geriet und abstürzte. "Happy, zurück!" - "Gute gemacht, Gengar," lobte Agu und tätschelte den Geist, "wenn du beim Turnier auch so brav bist, haben wir gute Chancen!"
Die Turmuhr schlug. Achtmal laut und neunmal leise. Es war viertel vor neun. Höchste Zeit für Agu und Betty, zum Stadion zu laufen! Auch der andere Trainer lief los, er hatte offenbar auch bald einen Kampf.
Nur Fackeln beleuchteten das Stadion, aber keine Scheinwerfer, kein Flutlicht und kein gar nichts. "Genau die richtige Atmosphäre für ein Turnier der dunklen Pokémon," stellte Agu fest. "Ah, da sind ja Jan und Jens!" rief Betty. "Und?" fragte Jens, "kommst du mit dem Gengar klar, Agu?" - "Klaro," antwortete Agu, "es ist folgsam wie ein Fukano! Gehen wir rein?" - "Na, was denkst du denn!" lachte Jens, "nur schade, dass unsere Kämpfe gleichzeitig stattfinden, so können wir nicht beim Kampf des jeweils anderen zusehen. Nur Jans Kampf um halb elf können wir live mitverfolgen!" - "Naja, besser als nichts," meinte Betty, "ich hab's da besser, ich kann mir auf dem Rundum-Turm beide Kämpfe gleichzeitig anschauen!"
Punkt neun Uhr betraten Agu und Jens ihre Felder. Die Gegner warteten schon und sahen beide nicht aus, als wäre mit ihnen leichtes Spiel. Agus Gegner nannte sich Ilja. "Seltsamer Name," dachte der Trainer aus Kopet Town, "hoffentlich sind seine Pokémon nicht genauso seltsam!" Der Gong ertönte und die ersten beiden PokéBälle flogen in den Ring. Agu hatte ja keine große Wahl, er musste mit Gengar den ganzen Kampf bestehen. Aus Iljas PokéBall kam ein Pantimos zum Vorschein. "Pantimos!" rief es. "Erst mal schnell Barriere!" befahl Ilja sofort. "Höhöhö," lachte sich Agu ins Fäustchen, "wie kann man nur so doof sein, defensiv zu beginnen! Das ist sein Ende! Gengar, Hypnose!" - "Gengaaaaar!" rief der Geist und schoss kleine, blaue Kreise ab. Diese versprangen jedoch einen halben Meter vor Pantimos einfach. "He," rief Agu, "was ist das denn?" - "Die Barriere," erklärte Ilja, "und jetzt Psystrahl, Pantimos!" - "Pananan-tiiimooos!!" rief das Psycho-Pokémon und schoss den Strahl los. "Gengar, um Himmels Willen, ausweichen!!" rief Agu - doch es war zu spät! Gengar war betroffen und seine Kraft schwand. "Verdammt," grummelte Agu, "und ich kann nicht zurück schlagen, weil da diese blöde Barriere ist! Obwohl... Gengar, Weissnebel!" - "Gengar!" sagte der Geist und ließ mit einer lässigen Handbewegung die Barriere verschwinden. "Gute Strategie," lächelte Ilja, "aber leider doch nicht gut genug. Pantimos, mach dem Spiel mit einem Sternschauer ein Ende!" Nur wenige Sekunden später lag Gengar besiegt am Boden. "Mist," grummelte Agu, "Gengar zurück!" Und da ertönte auch schon die Meldung aus dem Lautsprecher: "Trainer Agu hat sein erstes und einziges Pokémon verloren! Ilja gewinnt den Kampf! Kampfdauer: Fünf Minuten, Ilja: 260 Punkte, Agu: Null Punkte!"
Wir schalten in die andere Arena, wo Jens' Kampf stattfand. Sein Gegner war dummerweise Agathe von den Top Vier. Sie war zwar inzwischen bestimmt im dreistelligen Alter, aber das hinderte sie nicht daran, ihrer Karriere mit einem Sieg beim Psycho-Geist-Unlicht-Turnier die Krone aufzusetzen. Von einem Rollstuhl aus war sie einen PokéBall in die Arena, aus dem ein Gengar zum Vorschein kam. "Auch ein Gengar," stellte Jens fest, "aber bestimmt wesentlich besser trainiert als meins. Sie ist ja schließlich Top Vier, ich nur Arenaleiter. Na ja, versuchen wir es mal! Gengar, los!" Und so standen sich zwei Geist-Pokémon gegenüber. "Gleich Psychokinese!" krächzte Agathe. "Was? Das Vieh kann Psychokinese?" erschrak Jens, "so ein Mist! Gengar, Abgangsbund, schnell!" - "Gengaaar," knurrte das Geist-Pokémon des Arenaleiters und baute die Kettenreaktion auf. Kurz darauf wurde es von der Attacke getroffen und verlor ganz schön kräftig Energie. "So, Gengar," grinste Jens, "aufgrund des Abgangsbundes kann sie es sich nicht erlauben, dich zu besiegen! Jetzt erst mal Hypnose, ja?" - "Kann ich nicht?" lächelte Agathe, "kann ich sehr wohl! Noch mal Psychokinese, Gengar!" Es kam, wie es kommen musste: Die Attacke traf, Jens' Gengar war besiegt, das Abgangsbund gesiegt Agathes Gengar. "Na ja," seufzte Jens, "immerhin unentschieden..." Doch in eben diesem Moment zückte Agathe einen weiteren PokéBall. "Das ist nur ein Alpollo," erklärte sie, "aber es genügt zum Sieg, da du gar kein Pokémon mehr hast!" Und so war auch diese Kampf nach fünf Minuten mit 220 Punkten für Agathe und derer null für Jens beendet. "Welch Schmach, welch Schande!" jammerte Jens.
Dann war er da, der große Augenblick. Punkt halb elf in der Nacht betraten Jan und ein anderer Trainer die Arena. Agu, Jens und Betty saßen natürlich oben auf der Tribüne und sahen gespannt nach unten. "Hey," rief Betty plötzlich, "ist der andere nicht der, gegen den du vorhin noch gekämpft hast?" - "Stimmt," fiel jetzt auch Agu auf, "wüsste aber trotzdem gerne, wer ..." Seine Gedanken wurden durch den Lautsprecher unterbrochen: "Es steht der Kampf zwischen Jan und Richie an!" - "Richie!" rief Agu, "das war's! Klar! Ich wusste, der Name kam mir bekannt vor!" Der Lautsprecher fuhr fort: "Ich möchte Jan natürlich nicht entmutigen, aber ich glaube, der Sieger steht schon fast fest mit Richies besonderem Psycho-Pokémon! Nun, lassen wir uns überraschen! Der Kampf möge beginnen!" Zwei PokéBälle flogen durch die Luft. Aus Jans kam natürlich Traunfugil - und aus Richies ein Mew!
14. Inferno an Halloween
"Das-das-das gi-gi-gibt's doch nicht!" stotterte Jan ganz verwirrt, "da-da-das i-i-ist ei-ein M-Mew!" Zur Kontrolle zückte er seinen Pokédex. "Mew," knarzte dieser, "ein seltenes Psycho-Pokémon, das vor Jahrtausenden die Erde bevölkerte. Heute gilt es als ausgestorben, nur noch ein Exemplar soll auf der unzugänglichen Farbenwolke leben." - "Wie ist der Typ bloß da rauf gekommen?" murmelte Jan und sah gen Himmel. "Mal 'ne Frage," rief Richie dazwischen, "wann beginnen wir den Kampf? Turito (sprich: Törri-tu) fängt schon an, sich zu langweilen!" - "Oh, stimmt!" rief Jan, "der Kampf! Na gut, Traunfugil, Leidteiler! Hoffen wir jetzt nur, dass Mew zuerst dran ist!" In der Tat war es das, aber jetzt war Richie natürlich nicht mehr so doof, Psychokinese zu benutzen, wie es Ash bestimmt getan hätte. Stattdessen folge ein Psycho-Plus. Erst mal geschah dadurch jedoch überhaupt nichts. "Was war das denn jetzt für eine Attacke?" staunte Jan, "das Mew kann anscheinend nicht viel! Gut, Traunfugil, dann feuer mal einen Psystrahl ab!" - "Trauni!" rief der Geist und ließ den Strahl los. Dieser düste haarscharf an Mew vorbei, machte nach einer kleinen Handbewegung des Psycho-Pokémon eine 180-Grad-Drehung, schoss auf der anderen Seite wieder an Mew vorbei und landete mitten in Traunfugils Gesicht, das dadurch ordentlich in Mitleidenschaft gezogen wurde - nicht nur das Gesicht, sondern das ganze Traunfugil! "Das war das Psycho-Plus," grinste Richie, "gut gemacht, Turito! Jetzt Psychokinese!" - "NEIIIIIN!!" schrie Jan, "Traunfugil, Agilität!" In letzter Sekunde konnte der Geist ausweichen, doch die Psychokinese traf ihn trotzdem am Rockzipfel, wodurch doch noch ein bisschen Energie flöten ging. "Aktiv können wir das Vieh also nicht angreifen," murmelte Jan, "nun gut, dann eben anders! Traunfugil, Hypnose!" - "Oh Schreck," rief Richie, als ob Schlafen das schlimmste von der Welt wäre, "Turito, ganz schnell Barriere, und damit meine ich wirklich superschnell!" Doch es war zu spät. Traunfugil hatte Mew schon hypnotisiert. Das kleine Pokémon gähnte einmal, dann noch einmal, dann fielen ihm langsam die Äuglein zu. An der Schwanzspitze begann es dabei zu leuchten. "Oh nein, was ist das denn schon wieder für eine Attacke?" stöhnte Jan und war dann umso überraschter, als Richie rief: "Turito, zurück! Du hast prima gekämpft!" Auch das Publikum war verwundert. "Warum zieht es Mew zurück?" rief der Kommentator, "es waren noch zehn Minuten übrig und Mew hatte nicht einmal die Hälfte seiner Energie verloren! Nun, wir werden viele Trainer nie verstehen, auf jeden Fall hat Jan gewonnen! 55 Punkte!" Die Menge jubelte.
Als Jan das Stadion verließ, warteten draußen schon Agu, Jens und Betty. "Das hast du prima gemacht," lobte Jens. "Aber nein," seufzte Jan, "das war doch nur, weil Richie sein Mew so plötzlich zurück gezogen hat." - "Warum eigentlich?" fragte Betty. "Keine Ahnung," gab Jens zu, "normalerweise hätte Mew noch alle Chancen gehabt." - "Wo ist Richie eigentlich hin?" wechselte Agu das Thema, "ich wollte ihn doch noch fragen, ob er neues über Ash weiß!" Doch von Richie war nirgends eine Spur zu sehen. "Anscheinend hat er das Stadion über den Hintereingang verlassen," überlegte Jens. "Wie sieht jetzt eigentlich Jans Platzierung aus?" fragte Betty. "Leider nicht sehr gut," seufzte Jens, "er hat zwar gewonnen, aber 55 Punkte reichen nicht. Agathe hatte ja 220 Punkte und dieser Pantimos-Fuzzi sogar 260!" - "Schade für ihn," meinte Betty, "und jetzt? Schauen wir uns noch die übrigen Kämpfe an oder gehen wir weiter, Agu?" - "Weder noch!" rief Agu, "jetzt schauen wir uns nämlich die Arena von Darkian Town an!" - "Auch 'ne gute Idee," stimmte Betty zu. "Na, dann los!" rief Agu und lief los, blieb jedoch ein paar Sekunden später schon wieder stehen. "Halt mal," überlegte er, "was machen Jens und Jan in der Zeit? Die können doch als Arenaleiter nichts mit Orden anfangen!" - "Stimmt schon," stimmte Jens zu, "aber wir schauen uns gerne Arenakämpfe an!" - "Okay," rief Agu, "dann wär ja alles geklärt!" Diesmal raste er wirklich zur Arena, dicht gefolgt von Betty, die wiederum Jan auf den Fersen hatte, und der wiederum Jens.
Der Trainer aus Kopet Town rannte zielstrebig auf die Arena zu, in einem Winkel von 180 Grad zu Frontseite des Gebäudes. Elegant hielt er eine Hand nach vorne, sprang zwei Meter vor dem Gebäude wie eine Elfe in die Luft, öffnete locker die Tür und landete graziös auf einer weißen Marmorplatte direkt vor dem Arenaleiter.
Dieser Abschnitte hätte hier jetzt stehen können, wenn die Tür nicht abgeschlossen gewesen wäre :D
PLOTSCH!!!
"Agu!" erschrak Jens, "hast du dir was getan?" - "Nein, nicht viel," wimmerte Agu, "nur einen Tschahn verloren und die Hand ein bisschen verstaucht." - "Die Arena sieht zu aus," stellte Jan fest. "Sie ist zu," stellte Betty richtig. "Steht ja auch da," sagte Jens und zeigte auf einen Zettel, der an der Arenatür hing. ‚An alle Trainer: Die Arena von Darkian Town ist während des Psycho-Geist-Unlicht-Turniers für vier Wochen geschlossen.' "Das darf doch wohl nicht wahr sein!" rief Agu, "wie können die bloß die Arena zu machen?! Ich könnte... ich könnte..." - "Mensch, Agu," rief Jens, "reg dich lieber ab! Durch deine Wut wird uns ja schon ganz heiß!" - "Nein, wird uns nicht!!" schrie Betty, "heiß wird uns wegen DA-DA-DA-DAS DA!!!" - "Da-da-da-was da?" staunte Jens und drehte sich um. Am Himmel war ein flammendes Raichu zu sehen. "Wenn ich nicht wüsste, dass das Monster-Pokémon in Gewahrsam ist," meinte er, "ich würde glauben, das ist es!" Agu wandte die Blicke nach oben. "Das ist es auch!" rief er, "wie kommt das denn hierher?!" Betty warf einen Blick in Richtung Stadion. "Die Leute kriegen nichts von der drohenden Gefahr mit," rief sie, "sie sind zu sehr in den Kampf vertieft!" - "Wir müssen sie warnen!" rief Jan. "Nein!" rief Agu, "dann entsteht eine Massenpanik! Wir müssen das Vieh so besiegen! Los, Turtok! Los, Karnimani! Los, Hoeruko!" - "Wow," staunte Jan, "so viel Wasser-Pokémon!" - "Och," meinte Jens, "da hat sich nicht viel getan! Zwei davon hatte er schon vor fünfzehn Jahren! Was mich allerdings wundert ist, warum er Wasser-Pokémon gegen ein Elektro-Pokémon einsetzt!" - "Weil dieses Elektro-Pokémon ein Feuer-Pokémon ist," erklärte Agu, "hier hast du übrigens dein Gengar zurück, setzt sie am besten beide ein, sie könnten eine gute Unterstützung sein!" Er reichte Jens hastig den PokéBall. "Nicht nötig," sagte Jens und steckte den PokéBall an den Gürtel, um einen anderen von demselben zu nehmen, "ich verlasse mich da lieber auf unser Pixi! Dem hab ich glücklicherweise kürzlich Regentanz beigebracht!"
So standen nun also drei Wasser-Pokémon und ein Normal-Pokémon mit Wasser-Attacke kampfbereit da, als das Monster landete. Seine Augen glühten vor Angriffslust.
15. Das Ende einer Elektro-Maus ...
"Turtok, Hydropumpe! Karnimani, Aquaknarre! Hoeruko, Surfer!" befahl Agu. "Pixi, Regentanz!" fügte Jens hinzu. Das Feuer-Raichu landete direkt vor den Trainern und ihren Pokémon und sah sie giftig an. Dann fegte es mit einem gewaltigen Läuterfeuer erst mal Pixi und Karnimani weg. Turtok hielt mit letzter Kraft stand, ihm floss jedoch der Schweiß in Strömen von der Stirn. Hoeruko zittert vor Angst und versuchte, davon zu rollen. "Feuri-" begann Jan, wurde jedoch von seinem Vater unterbrochen: "Lass bloß dein Feurigel stecken! Das Vieh ist ein Monster! Bring dich am besten mit Betty irgendwo in Sicherheit!" - "Ja," rief Betty, "komm mit in mein Heimatdorf! Ich muß wissen, wie es meinem Onkel geht, er sollte doch auf das Pokémon aufpassen!" - "Gut," sagte Agu, "wir kommen nach! Turtok, meinst du, du schaffst trotzdem eine Hydropumpe? Und du, Hoeruko, reiß dich zusammen und versuch wenigstens einen Platscher!" - "Und ihr helft den beiden, Gengars!" rief Jens und ließ seine beiden Geist-Pokémon raus. Doch sie hatten keine Chance. Über die Platscher von Hoeruko lachte das Raichu sich nur krank, die gewaltigen Wasserschwälle von Turtok ließ es mit einfachen Tackles zerplatzen und die Hypnose-Versuche der Gengar schien es gar nicht zu bemerken.
"Los, Pikachu! Surfer!"
"Hä?" wunderten sich Agu und Jens und sahen sich erstaunt um. Hinter ihnen stand ein älterer Herr, der ein Pikachu aus dem PokéBall gelassen hatte und ihm nun eine - Agu staunte - Wasser-Attacke befahl. Mit unvorhergesehener Wirkung: Das Raichu setzte sich nicht zur Wehr, es sah das Pikachu mit einer Mischung aus Angst, Ehrfurcht, Trauer und Neid an und ließ sich dabei halb löschen. "Endlich habe ich dich," zischte der fremde Trainer. "Deine Chance," flüsterte Jens schnell Agu zu. "Was?" wunderte sich Agu, verstand dann jedoch und reagierte sofort: "Turtok, Hydropumpe wie du nie zuvor hydrogepumpt hast! Und Hoeruko die stärkste Wasser-Attacke, die du drauf hast!" Gemeinsam attackierten die drei Pokémon das Monster, dessen Energie immer weniger wurde - bis es schließlich ein lautes "AAAAAIIIII!!!" von sich gab und wie eine Rakete in den nächtlichen Himmel davon schoss.
"Scheibenhonig!" rief der fremde Trainer und schlug mit der Faust in die Luft, "es hat wieder nicht gereicht!" - "Wieder nicht?" staunte Agu, "haben Sie sich dem Vieh etwa schon öfter in den Weg gestellt?" - "In der Tat," grummelte der Trainer und sah böse in die Himmelsrichtung, in die das Raichu verschwunden war, "aber bisher konnte es jedes Mal fliehen! Ein einziges Pikachu reicht einfach nicht! Wir brauchen mehr!" - "Warum denn Pikachus?" fragte Jens interessiert. "Ihr habt doch seine Reaktion bemerkt," erklärte der Trainer, "wenn es schon bei einem Pikachu solch ängstlich-ehrfürchtigen Trauer-Neid hat, wie mag es dann erst bei drei oder vier Pikachus... ach, kommt am besten mit zu mir nach Hause, dann erzähle ich euch die ganze Geschichte!" Agu und Jens stimmten zu und die drei Trainer wollten gerade los gehen, als Hoeruko zu leuchten begann. Es wuchs und wuchs und wuchs, bis es eine Länge von 30 Metern erreichte und fast Pikachu zerquetscht hätte, wenn dieses nicht schnell beiseite gesprungen wäre. "Monstorium!" sagte das Pokémon mit einer tiefen Stimme. Es sah nun aus wie ein Blauwal und hatte ein seltsames rotes Muster auf dem Rücken.
Nachdem Agu Monstorium zurück gerufen und mit alle Mühe den PokéBall aufgehoben und an seinen Gürtel gesteckt hatte, folgten er und Jens dem fremden Trainer durch die dunklen Gassen, bis sie an einen dichten Wald kamen, an dessen Rand eine kleine Holzhütte stand. "Hier lebe ich," erklärte der Trainer, "übrigens, ihr könnt mich Yeran nennen." - "Gut, Yeran," sagte Agu, während er sich an den Tisch setzte, "ich bin Agu Cloud." - "Und ich bin Jens Gayh," fügte Jens hinzu. "Sie können uns also was über das Mistvieh erzählen?" fragte Agu gespannt. "Ja, kann ich," sagte Yeran, "es ist ein Faichu, und zwar das einzige existierende Exemplar. Und ich ... habe es versehentlich selbst erschaffen!" - "Sagen Sie das noch mal!" rief Agu, "SIE haben dieses Fa-... Fafnir... Falaralala... Vieh erschaffen??" - "Faichu," korrigierte Yeran, "wie Fire und Raichu! Ja, ich war es. Es war eins so ein liebes Pikachu, nämlich der Bruder von meinem lieben Philipp hier." Er streichelte das Pikachu, das auf seiner Schulter saß. "Aber eines Tages geschah die Katastrophe. Wir wurden, während wie im Wald Pilze sammelten, von einem Despotar angegriffen. In einem verzweifelten Kampf gelang es mir und Philipp, in letzter Sekunde zu entkommen, doch Mecki, so hieß Faichu, ließ in diesem Kampf sein Leben." Er wischte sich eine Träne aus dem Gesicht und reichte Philipp ein Taschentuch: "Tut mir leid, dass ich dich an diese Geschichte erinnert habe. Hier, nimm einen Butterkeks." - "Das ist schrecklich," stellten Agu und Jens fest, "aber wie wurde es dann zu Faichu. "Kommt," sagte Yeran vorsichtig, "wir gehen besser vor die Tür."
Die drei Trainer ließen Philipp also drinnen in Frieden und redeten draußen weiter. "Also," fragte Agu erneut, "wie wurde Mecki zu Faichu?" - "Tja," seufzte Yeran, "das war wohl mein Fehler. Irgendein Spinner hatte mir mal erzählt, man könne Pokémon außer mit diesen sündhaft teuren Belebern auch mit Entwicklungssteinen wieder beleben und ich war auch noch so doof, das zu glauben. Da ich nur einen Feuerstein parat hatte, versuchte ich es mit diesem und es geschah nichts, wie zu erwarten war. Also verkaufte ich fast alles, was ich hatte, um mir doch einen Beleber leisten zu können. Ja, und dann kam ich auf die glorreiche Idee, den Feuerstein zu zermahlen und in den Beleber zu mischen. Die Mischung hatte sogar die gewünschte Wirkung, dass Mecki ins Leben zurück kehrte. Als es sich dann auch noch weiter entwickelte, kannte meine Freude keine Grenzen - bis ich sah, was vor mir stand! Faichu durchbrach eine Wand, rasierte die Bäume im Umkreis von fünfzig Metern ab und verschwand dann im Nachthimmel. Zwei Tage später stand das erste Mal etwas über es in der Zeitung." - "Was für eine Geschichte," staunte Agu ganz beeindruckt. "Haben Sie denn auch eine Idee, wie wir es unschädlich machen können?" fragte Jens, "ohne es zu töten oder schwer zu verletzen, versteht sich! Es kann ja nichts dafür!" - "Nun ja," überlegte Yeran, "vielleicht. Ich habe schon oft bemerkt, dass Mecki Respekt vor Philipp hat. Vielleicht greift es keine Pikachus an, weil es immer noch spürt, dass es tief in seinem Inneren einmal selbst ein Pikachu war. Meine Idee wäre, dass wir genügend Pikachus auftreiben, die es lange genug ruhig stellen, um irgendwie seine Erinnerungen zu wecken. Auch wenn es ewig dauert, den Traum von einem friedlichen Faichu werde ich niemals aufgeben!" - "Klingt recht utopisch," gab Agu zu. "Und wo sollen wir so viele Pikachus her kriegen?" fragte Jens. "Ein hat auf jeden Fall schon mal Richie," erklärte Agu, "du müsstest ins Stadion gehen und dich erkundigen, wo er ist, Jens. Komm danach in die nächste Stadt nach, ich warte da in der Arena auf dich!" - "Okay," stimmte Jens zu. Dann gaben sie noch Yeran ihre PokéCom-Nummern, um immer in Verbindung zu bleiben, bevor Jens zurück nach Darkian Town lief und Agu in den Wald hinein.
16. Schlucht ohne Boden
Da es Nacht war, war es im dichten Tann sehr dunkel und Agu konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Höchste Zeit, ein Feuer-Pokémon als Taschenlampe raus zu lassen, oder noch besser natürlich gleich beide. "Glumanda, Vulcmon, ihr seid dran!" - "Glumanda?" - "Vulcmon!" - "GLUUU!!" Nicht nur Glumandas Schwanzspitze brannte, auch in seinen Augen flackerte das Feuer. Ehe Agu sich versah, hatte es einen Feuerball auf Vulcmon geschossen und nebenbei einen nahe Lärche in Brand gesetzt. "Turtok, lösch das Feuer!" rief Agu und ließ seine Riesenschildkröte aus dem PokéBall, bevor er sich dann Glumanda zuwandte: "Was ist bloß in dich gefahren? Warum greifst du dauernd Vulcmon an? Wenn das so weiter geht, werde ich gezwungen sein, dich weg zu wegen! Pokémon in einem Team sollten gemeinsam kämpfen und nicht gegeneinander!" - "Gluuumanda!" sagte das Pokémon, was so ähnlich wie das genervte "Jaaa, jaaa!" eines Teenager klang. "Zurück in den PokéBall," grummelte Agu. Auch Turtok rief er zurück, da das Feuer nun gelöscht. Nur Vulcmon blieb draußen und leuchtete dem Trainer den Weg.
"DESPOTAR!!"
Agu erschrak. Was war das? "Vulcmon, beleuchte Stück für Stück die ganze Umgebung!" - "Vulc!" stimmte das Pokémon zu und drehte sich, am Kopf leuchtend, im Kreis. Keine zwei Sekunden später sah Agu die Ursache des Geräuschs: Ein wildes Despotar, das nicht sehr friedlich aussah! "DESPOTAR!!" brüllte es erneut. "Jetzt suchen wir mal besser das Weite!" stellte der Trainer fest, "komm, Vulcmon!" Die beiden rannten fluchtartig davon, doch Despotar verfolgte sie, daher setzte Agu auch noch Meganie ein, damit es versuchen konnte, mit Rasierblättern nach hinten das Despotar etwas aufzuhalten. Doch das Unlicht-Pokémon schien sich nicht besonders an der Attacke zu stören.
"Owei," stellte Agu schließlich fest, "Ende der Fahnenstange!" Er, Meganie und Vulcmon waren an eine Schlucht gekommen, wo es keine Brücke und kein gar nichts gab. Nur das Despotar, das nun ebenfalls aus dem Wald trat und immer noch böse knurrte. "Ob das das Despotar ist, das Mecki auf dem Gewissen hat?" überlegte Agu und wusste genau, dass er auf diese Frage nie eine Antwort bekommen würde. Stattdessen überlegte er, ob Meganies Ranken stark genug sein würden, damit er und Vulcmon auf die andere Seite der Flucht gehen konnten. Als er sah, dass eben dieses Meganie Despotar nicht mehr im Schach halten konnte, stand sein Entschluss fest: "Wir haben nichts zu verlieren! Wenn wir abstürzen, stürzen wir eben ab, aber wenn wir es nicht versuchen, bringt das Despotar uns noch um! Meganie, lass von dem Pokémon ab und versuch, deine Ranken um den Baum da hinten zu wickeln!" - "Mega!" rief Meganie und fuhr seine Ranken aus. Sie waren gerade lang genug, um sich um den Baum zu schlingen. "Jetzt bloß nicht runter sehen..." sagte Agu zu sich und stieg vorsichtig auf die Ranken, die unter seinem Gewichte schwankten. Vulcmon rief er lieber zurück, um Meganie nicht noch mehr zu belasten, schließlich musste es nebenbei immer wieder Rasierblätter auf Despotar schießen. Das Mondlicht musste also reichen.
Ein Ibitak kam über die Schlucht geflogen. "Iiiiibitak!" krächzte es. "Die lassen sich immer was neues einfallen," murmelte eine junge, heimtückisch aussehende Frau, die auf dem Vogel-Pokémon saß, "aber das lassen wir nicht durch gehen! Ibitak, Bohnschnabel!" - "Iiiiibi!" Das Flug-Pokémon stürzte sich auf Meganie und machte es auf einen Schlag kampfunfähig. Der Rasierblattsturm hörte auf und vor allem wurden die Ranken wieder eingezogen. "Meganie!" rief Agu und versuchte krampfhaft, sich an den Ranken festzuhalten, "oh, wer ist denn die da?" - "Ich bin Miss Nice," zischte die Frau, "und es ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich niemand heimlich anschleicht!" - "Hä?" fragte Agu verwirrt, während er an den Ranken des bewusstlosen Meganies baumelnd in der Schlucht hing. "Das geht dich nichts an!" rief Miss Nice, "du weißt schon zu viel! Schönen Lebensabend noch! Und falls du versuchst, hier raus zu klettern: Panzaeron, los! Überwache die Schlucht!" Die seltsame Tussi ließ einen stählernen Vogel aus einem PokéBall, der sofort begann, über Agu zu kreisen. Dann landete sie neben Despotar und streichelte es. "Brauchst dich nicht zu grämen," sagte sie, "ist nicht schlimm, dass diesmal jemand so weit gekommen ist, du machst deine Sache wirklich gut. Hier hast du dein Happi-Happi!" Die Frau warf dem Despotar ein halbes Tauros vor die Füße und kam dann noch auf die glorreiche Idee, Meganie in die Schlucht zu werfen. "Gute Reise," kicherte sie, stieg dann wieder auf Ibitak und verschwand im Nachthimmel.
"Echt freundliche Peson," knurrte Agu und wusste nicht, was er jetzt noch tun sollte. Er hatte schon die Hand am PokéBall, um Meganie zurück zu rufen und so wenigstens es zu retten - als ihm die rettende Idee kam! Schnell riss er sich den Rucksack vom Himmel und bekann, darin zu kramen. Bis zum Boden waren es nur noch etwa zwanzig Meter. Endlich fand der Trainer das Gesuchte: Eine Beere! Noch fünfzehn Meter! Mit aller Mühe öffnete er Meganie den Mund und steckte die Beere hinein. Noch sieben Meter! Langsam begann das Pokémon, die Augen zu öffnen. Noch fünf Meter! "Endlich," rief Agu, "Meganie, hör zu, du musst uns retten!" - "Mega?" fragte Meganie, noch etwas schlapp. Noch drei Meter! "Setz Rasierblatt nach unten ein!" befahl Agu, "und zwar so schnell und viel du kannst! Genau unter uns!" Noch zwei Meter! "Nie?" fragte das Pflanzen-Pokémon verwirrt nach. "Tu es einfach!" brüllte Agu. Noch ein Meter! "MEGAAAAAA!!"
17. In der Stadt der Gauner
Langsam schlug Agu die Augen auf und sah sich um. "Wo... bin ich?" stöhnte er. Während er die Beule an seinem Kopf betastete, erkannte er, dass er in einem Bett gefesselt war. An der Wand war Meganie angekettet und versuchte verzweifelt, die Kette durch zu beißen. Durch das Fenster war ein Radio-Turm zu sehen, dahinter einige Berge. "Zubaro City?" überlegte Agu, "aber wäre das nicht ein bisschen weit weg? Karnimani, los! Befrei mich mit dem Zerschneider!" - "Karni!" rief Karnimani und im Nu hatte es die Gurte in ihre Einzelteile zerlegt. "Braves Tierchen," sagte Agu und tätschelte sein Pokémon, "und jetzt befreien wir Meganie im Teamwork! Los, Glumanda und Vulcmon, ihr schmelzt die Kette. Und ihr, Karnimani, Turtok und Hueruko kühlt Meganie ab, damit es der Hitze standhält!" Aus Hoerukos PokéBall kam Monstorium zum Vorschein. "Oh, ganz vergessen," keuchte Agu, unter dem kaum ins Zimmer passenden Blauwal liegend, "es hat sich ja weiter entwickelt! Monstorium, zurück! Sorry, du bist einfach zu groß. Na gut, Karnimani und Turtok, ihr schafft es auch allein! An die Arbeit, Vulcmon und Glumanda!" Vulcmon begann auch brav, die Kette zu erhitzen, doch Glumanda sah zunächst nur giftig zu dem Vulkan hinüber, dann startete es einen Tackle auf Vulcmon, welches daraufhin ins Torkeln geriet und seine Flammen unkontrollierbar im ganzen Zimmer verteilte. Gut, dass Turtok draußen war, sonst wäre ein Großbrand entstanden!
Die Tür flog auf und die, ähem, nette Dame von vorhin kam ins Zimmer. "Was geht hier vor sich?" fluchte sie, "wer hat euch überhaupt hier rein gelassen? Ich dachte, ihr wärt ..." In diesem Moment bekam sie gleichzeitig Vulcmons Flammenwirbel und Turtoks Hydropumpe ins Gesicht. Schreiend verließ sie das Zimmer. Kurz darauf trat ein ziemlich klein gewachsener, älterer Herr ein. "Wer sind Sie?" fragte Agu, "wissen Sie, wie wir hier her kommen?" - "In der Tat," lächelte der Mann, "und ich bin mir sicher, meine liebe Frau hier wäre nicht begeistert gewesen, hätte sie gewusst, dass ich mir ihr Sniebel ausgeliehen habe, um euch zu retten!" - "Liebe Frau?!" unterbrach Agu brüllend, "diese Furie?!" - "Pssst!" rief der Mann schnell. "Sorry," flüsterte Agu, "also, wer sind Sie und wo sind wir?" - "Ich heiße Franz," erklärte der Mann, "und wir sind in Wellcorn City, eine unzugängliche Stadt mitten im Wald, ganz am äußersten Ende von Eden." - "Aha," sagte Agu, "nie gehört. Und wie kommen wir hier her? Ach so, Ihr Sniebel... und warum?" - "Weil ich eure Hilfe brauche," erklärte der Mann, "diese Frau hat die ganze Stadt von der Außenwelt abgetrennt, um in Ruhe ihre Pläne reifen zu lassen. Sie ist das Oberhaupt von B.K.T.M. - das steht für Beinharte Kriminelle Triumphierende Mannschaft - und verhindert auf alle möglichen Arten und Weisen, dass jemand diese Stadt betritt oder, noch schlimmer, sie wieder verlässt. Denn der würde bestimmt sofort der Polizei verraten, was hier los ist."
Agu sah aus dem Fenster. Es gab in der Stadt nur ein paar herunter gekommene Hütten, ein paar Häuser, die wie Labors aussahen, eine düstere Kneipe und einen Radioturm, der offenbar eher eine Kontroll-Zentrale war. Ach ja, und ein ziemlich verwaist aussehendes Pokémon Center. "Wo ist denn da das Problem?" fragte Agu, "da hinten ist doch schon der Wald! Wenn ich da drin bin, hab ich es schon so gut wie geschafft! Sie müssen mir nur die Richtung sagen!" - "Osten," sagte Franz, "aber so einfach ist das nicht. Sie lässt jeden Quadratzentimeter der Stadt von ihren Digdas überwachen und sobald jemand die Stadt verlassen will, erreichten diese eine Barriere vor ihm und schlagen Alarm." - "Und?" winkte Agu ab, "ich muß sowieso noch mein Monstorium im Kampf erproben! Komm mit, Meganie!" Der Trainer und sein Pflanzen-Pokémon gingen gut gelaunt nach draußen.
Hier draußen, wo sogar die Sonne schien, hätte die Stadt fast das ärmere Viertel einer ganz normalen Stadt sein können. Hätte Agu es nicht gewusst, er hätte nie geahnt, hier in einer Gauner-Stadt gelandet zu sein. Munter pfeifend und mit Monstoriums PokéBall in der Hand spazierte er in Richtung Osten auf den Wald zu.
"Digda. Digda! Digda!! Digda!!! Digda!!!! Digda!!!!! Digda!!!!!! Digda!!!!!!! Digda!!!!!!!! Digda!!!!!!!!! Digda!!!!!!!!!!"
Die Rufe wurden immer lauter. Die Erde begann zu beben und gut dreihundert Digdas erhoben sich vor Agu. "Monstorium, los!" rief dieser sofort, doch kaum war der Wal aus seinem PokéBall zum Vorschein gekommen, pfefferten die Digdas ihm eine dreihundertfache Lehmschelle ins Gesicht. Es war sofort besiegt. Aus Richtung Radio-Turm kam auch schon Miss Nice geführt von einem Digda angehechtet. "Was treibst du hier?" zischte sie, "wenn das wieder dieser nutzlose Kerl von Franz war, dann... los, Ibitak! Los, Sniebel! Los, Panzaeron!" Zwei Vögel und ein koboldartiges Wesen kamen aus ihren PokéBällen zum Vorschein. "Bohrschnabel, Kratzfurie und Stahlschwinge!" befahl Miss Nice und gaben Agu keine Chance, überhaupt einen PokéBall aus der Tasche zu ziehen.
"Zubat!" rief ein Zubat, schoss aus dem Wald und richtete Hyperschall auf die ganze Versammlung. Schnell hielt Agu sich die Ohren zu. Einige Digdas begannen, aufeinander los zu gehen, und auch Ibitak, Sniebel und Panzeron schienen nicht mehr genau zu wissen, was sie taten, als sie sich gegenseitig angriffen. "Mistvieh!" fluchte Miss Nice und sah giftig zu dem Zubat hoch, das munter um sie herum flog. Kurz darauf ertönte eine bekannte Stimme aus dem Wald: "Los, Gengar! Hypnotisiere sie alle!" Es war die Stimme von Jens. Er, Jan und Betty kamen in die Stadt gerannten, wo nun auch Jan sein Traunfugil einsetzte. Zu zweit hypnotierten die Geister Ibitak, Panzaeron und Sniebel und ließen sich anschließend noch einen Traumfresser schmecken. "Gut, dass dein Zubat geschlüpft ist und ihn gefunden hat," sagte Jan zu Betty, "er war in einer ganz schön verzwickten Lage!" - "Kann man wohl so sagen," antwortete Agu, "und dieses prächtige Tier ist dein Zubat, Betty? Echt?" - "Ja, erklärte Betty, "kurz vor meinem Heimatdorf ist es geschlüpft. Übrigens, meinem Onkel geht es gut. Sein Labor liegt zwar in Schutt und Asche, aber glücklicherweise ist Faichu Nachts entkommen, so dass er nicht im Labor sondern in der Wohnung war."
"Und was machen wir mit der da?" fragte Jens und zeigte auf Miss Nice. "Was wohl," sagte Agu, "wir fesseln sie und lassen nehmen sie mit zur nächsten Polizei-Station!" Gesagt, getan! Dann verabschiedete sich Agu noch von Franz, der versprach, die Stadt wieder zu einer richtigen Stadt zu machen, und die Truppe ging noch lange winkend zurück in Wald.
18. Gemeine Giflors
"Bist du sicher, dass wir in die richtige Richtung gehen?" fragte Agu, nachdem er seit zwei Stunden nichts als Wald gesehen hatte. "Keine Ahnung," sagte Jens schulterzuckend, "musst du Bettys Zubat fragen." Das Pokémon flatterte voraus, Agu, Jens, Jan, Betty und die gefesselte Miss Nice folgten ihm. "Achtung," rief Betty, "da links ist ein Abhang!" - "Wo?" fragte Agu noch, als es schon geschehen war: Er stolperte über eine Wurzel, geriet ins Rutschen und schlidderte durch den Matsch und durch eine unangenehm pieksende Dornenhecke nach unten. Dort landete er mitten in einer schlafenden Giflor-Herde.
"Geht's dir gut, Agu?" rief Jens nach unten. "Alles klar!" rief Agu zurück nach oben und sah sich dabei nach den Giflor um. Sie schienen einen leichten Schlaf zu haben. "Verdammt," stellte Jens fest, "wenn wir noch Florian hätten, würde sein Sichlor kurzen Prozess mit diesen Dornen machen!" - "Ich komm auch so klar," antwortete Agu, "hab doch Vulcmon und Glumanda! In so einer Lage müssen die einfach zusammen arbeiten!" - "Wenn du meinst," meinte Jan, "wir warten hier oben auf dich! Soll Traunfugil die Giflors vielleicht ein bisschen traumfressen?" - "Nicht nötig," winkte Agu ab. Er wollte unbedingt, dass seine beiden Feuer-Pokémon allein in einer misslichen Lage waren, damit sie endlich zusammen arbeiteten. "Glumanda, los! Vulcmon, los!" Das giftige Flackern in Glumandas Augen, als es Vulcmon sah, kannte Agu schon zur Genüge. "Hört zu, ihr beiden," sagte er, "vor uns ist eine Dornenhecke, und die müsste ihr abfackeln!" - "Glumanda!" rief Glumanda sofort, hoppelte auf die Hecke zu und spuckte seine Glut hinein. Erste Ranken fingen Feuer. "Vulc!" sagte Vulcmon und stapfte nun ebenfalls auf die Hecke zu. "Glu!" rief Glumanda, als es das andere Feuer-Pokémon kommen sah, "Glu-Glumanda!" Ein fröhliches "Hallo Partner!" war das auf keinen Fall, das bewies auch der Flammenwirbel, der im nächsten Moment auf Vulcmon zu schoss. Doch der Vulkan wich schnell auf. Dadurch schoss die Attacke an ihm vorbei - und traf die Giflors!
Nach so einem Angriff ist jedes Giflor der Welt wach! "Giiiflor!!" riefen sie, etwa fünf Stück waren es, und schossen Stachelsporen und Rasierblätter blindlings in die Gegend. Wie es der Zufall wollte, wurde Glumanda zunächst von den Stachelsporen paralysiert, danach zerschnitt ein Rasierblatt die Dornenhecke und ein besonders großes Stück Ranke fiel auf Glumanda und fesselte es an den Erdboden. "Glumanda!" rief Agu erschrocken und ohne es zu merken zeitgleich mit Betty, Jens und Jan, "geht es dir gut? Befrei dich mit irgendeiner Feuer-Attacke!" Doch das Pokémon war zu schwach zum Kämpfen. Agu überlegte. Das war doch eigentlich DIE Chance! Wenn Glumanda jetzt von Vulcmon gerettet würde, wäre mit Sicherheit aller Ärger vergeben und vergessen! "Vulcmon, Feuerball mitten in die Ranke!" Er hielt auch schon Turtoks PokéBall bereit, falls es zu einem Großbrand käme. Doch dem war glücklicherweise nicht so. Die Ranken verwandelten sich in ein Häufchen Asche und Vulcmon ging auf Glumanda zu, um ihm auf die Beine zu helfen. Glumanda lächelte. Und Agu auch. Es war geschafft, die beiden Feuer-Pokémon waren durch dieses Erlebnis Freunde geworden.
"Giiiflooor!!" Himmel, die Giflors! Die hatte Agu ganz vergessen! Die Pflanzen-Pokémon hatten die Truppe eingekesselt und tankten Sonnenenergie für einen Solarstrahl. "Jetzt schnell handeln, ihr beiden!" rief Agu seinen Feuer-Pokémon zu. "Glumanda!" rief Glumanda und schoss eine Glut ab. Vulcmon benutzte den Vulkanausbrauch und begann kurz darauf, zu leuchten. Es wuchs auf eine stattliche Größe von zwei Metern an, hatte nun Stachel auf dem Rücken, war etwas dunkler gefärbt und knurrte: "Vulcator!" Unbeeindruckt von seiner eigenen Entwicklung stampfte es die Giflors mit einem Läuterfeuer in Grund und Boden. Agu jubelte, doch Glumanda guckte nun noch giftiger als jemals zuvor. Es kratzte Vulcator einmal quer über den Rumpf und lief dann davon. Agu erwischte es im letzten Moment mit einem PokéBall und machte sich dann an den Aufstieg zu seinen Freunden.
"Das war ja ein toller Kampf," lobte Betty. "Mag sein," murmelte Agu, "aber warum ist Glumanda immer noch sauer auf Vulcator? Zwischendrin sah es fast so aus, als ob sie Freunde geworden wären!" - "Ich glaube, ich verstehe, was da los ist," erklärte Jens, "Glumanda ist eifersüchtig auf die Entwicklung von Vulcator!" - "Hä?" Agu verstand nicht recht. "Ist doch klar," erläuterte Jens weiter, "wie lang hast du das Glumanda schon? Ziemlich lang, würde ich sagen, da du es schon hattest, als wir vor fünfzehn Jahren durch Johto gestreift sind. Es hat sich also jahrelang nicht entwickelt, und dann kommt da so ein Neuling angetanzt und entwickelt sich zweimal innerhalb von einem Monat! Glumanda ist eifersüchtig, Agu!" - "Ach so," verstand Agu und war sicherlich nicht erfreut über diese Neuigkeit, "und was kann man dagegen tun?" - "Nichts, fürchte ich," seufzte Jens, "Vulcator weggeben vielleicht. Käme drauf an, ob dir ein teuer Freund oder ein starker Kämpfer wichtiger ist." Agu überlegte und die Sekunden kamen ihm dabei wie Stunden vor. Schließlich packte er einen PokéBall aus und drückte ihn Betty in die Hand: "Vulcator gehört dir!"
Ungläubig sah Betty zwischen Agu und PokéBall hin und her. "Was?" fragte sie erstaunt, "echt?" - "Ja," sagte Agu, "mir sind Turtok und Meganie stark genug und man braucht auch treue Freunde wie Glumanda, auch wenn die nicht allzu übermächtig sind!" - "Na dann danke," freute sich Betty. "Und Gissel kannst du auch kriegen," fügte Agu noch hinzu, "dann hab ich auch wieder genug Steckplätze am Gürtel!" - "Na, das ist ja großzügig," seufzte Betty, über Gissel eindeutig nicht so erfreut wie über Vulcator. Ohne einen weiteren Kommentar ließ sie den PokéBall in ihren Hosentasche verschwinden, während Agu die sieben PokéBälle an seinem Gürtel neu anordnete, Glumanda ganz vorne. "Hey!" rief Jan plötzlich, "wo ist unsere Gefangene?" - "Oh, verflixt!" rief Jens und zeigte auf eine Dornenhecke auf der anderen Seite des Weges, unter der ein Stück Seil lag, "ich glaube, sie ist uns entkommen!" - "Na, die kommt nicht weit," grinste Agu, "die nächste Stadt hat bestimmt eine Polizei-Station, von wo aus wir Officer Rocky in diese Gauner-Stadt schicken! Ich würde vorschlagen, wir schlafen jetzt 'ne Runde und Zubat erkundet so lang den Weg!" - "Auch wahr," stimmt Betty zu, schickte ihr Käfer-Pokémon los und packte ihren Schlafsack auf. Agu, Jens und Jan taten es ihr gleich und so war die Truppe schon längst in tiefen Schlummer versunken, als der letzten Sonnenstrahl am Horizont verschwand.
19. Ein Johto-Orden mitten in Eden
Am nächsten Morgen standen unsere Freunde mit den ersten Ledybas auf und ließen sich von Zubat den Weg aus dem Wald zeigen. Bald traten sie auf eine große Wiese und konnten nicht weit entfernt ein kleines Dorf und viele Weinstöcke am Fuß eines Vulkans erkennen. "Wohin nun?" fragte Betty. "Da es deinem Onkel gut geht," meinte Agu, "müssen wir nicht im Affenzahn zurück in dein Heimatdorf. Wir werden langsam und gemütlich dort hin gehen und unterwegs alle möglichen Orden mitnehmen." - "Und alle möglichen Pikachus," fügte Jan hinzu. "Stimmt ja," fiel Agu wieder ein, "Jens, wie sieht's mit Richie und seinem Pikachu aus?" - "Wir treffen ihn in Bettys Heimatdorf," erklärte Jens, "er sammelt ebenfalls unterwegs ein paar Orden, aber er geht über Zubaro und Ignia City." - "Und wir gehen jetzt in das Dorf da hinten!" bestimmte Agu und zeigte auf die Häusersammlung am Vulkanhang. "Ihr," korrigierte Jens, "Jan und ich fliegen mit meinen Gengars zurück nach Teak City. Muss mich um meine Arena kümmern." - "Aber Papa," rief Jan, "kann ich nicht bei Agu und Betty bleiben? So eine Pokémon-Abenteuer ist doch super spannend, da kann ich doch nicht einfach mittendrin aussteigen!" - "Aber was ist mit Faichu?" fragte Jens, "was, wenn es dich erwischt?" - "Agu hat Turtok und Richie hat Pikachu," winkte Jan ab, "also was sollte schon schief gehen?" - "Na, meinetwegen," sagte Jens und drückte seinem Filius einen PokéBall in die Hand, "da drin ist ein Gengar, das dich jederzeit nach Hause bringen kann." - "Gut, Papa," freute sich Jan, "bis irgendwann!" Jens ließ das zweite Geist-Pokémon aus dem PokéBall und verabschiedete sich von Agu, Betty und Jan.
"Halt!" rief Betty plötzlich, "du bist doch Arenaleiter, oder?" - "Äh, ja," nickte Jens, "und?" - "Kann ich mit dir um einen Orden kämpfen?" fragte Betty. "Na, meinetwegen," sagte Jens schulterzuckend, "eins gegen eins, ja?" - "Okay," stimmte Betty zu, "dann wähle ich Vulcator!" - "Und ich wähle natürlich Gengar!" entgegnete Jens, "Hypnose!" - "Von wegen," rief Betty, "Vulcator, Schaufler!" Indem es sich unter die Erde grub entging das Feuer-Pokémon dem geistlichen Angriff, jedoch war die Boden-Attacke nicht sonderlich effektiv. "Versuch mal Nachtnebel!" befahl Jens seinem Gengar. "Vulkanausbruch!" konterte Betty. Die Glutbrocken und der Nachtnebel trafen sich in der Luft, wodurch die flammenden Teile in mehrere Stücke zerbarsten und in alle Richtungen davon sprangen. Die Hälfte, die Vulcator abbekam, machte diesem nicht viel aus, aber Gengar tat seine Hälfte richtig weh. "Jetzt schnell Läuterfeuer!" rief Betty. Bevor Gengar überhaupt wusste, was los war, fand es sich in einem Ring aus Feuer gefangen. Ein großes, sternförmiges Feuer schoss auf es zu und legte es flach.
"Gut gemacht," lobte Jens, "du bist wohl der erste Mensch, der in Eden einen Johto-Orden gewonnen hat! Hier!" Er warf der Trainerin den Phantomorden zu. "Danke," freute sich Betty. Jens verabschiedete sich nun zum zweiten Mal und flog dann mit seinem (per Beere geheilten) Gengar dem Horizont entgegen.
Nach einer halben Stunde Marsch kamen Agu, Betty und Jan in dem kleinen Dörfchen an. "Mal gespannt, wo die Arena ist!" rief Agu. "Und die Polizei," fügte Betty hinzu, "wegen dieser Gauner-Tussi da." - "Sieht so aus, als ob es hier nichts von beidem gibt," stellte Jan fest. Das Dorf konnte man mit einem Blick überschauen. Außer ein paar Häuschen und einem alten Pokémon Center schien es nicht zu geben. Natürlich informierte sich Agu sofort bei Schwester Joy. "Ihr seid hier in Vinalica," erklärte diese, "hier ist eigentlich tote Hose, hier wird nur Wein angebaut, sonst passiert hier nichts. Die nächste Polizei-Station wäre in Solan und die nächste Arena ebenfalls. Außer natürlich, ihr wollt es wagen, Mattcity zu betreten." - "Klar wagen wir das!" rief Agu, "nicht wahr, Freunde?" - "Kommt drauf an, wo Mattcity liegt," lachte Jan. "Da drin," erklärte Schwester Joy und zeigte aus dem Fenster in Richtung Norden. "In dem Kraftwerk?" staunte Agu. "Nein," seufzte Betty, die schon verstanden hatte, "in dem Vulkan, richtig?" - "Ganz genau," stimmte Schwester Joy zu, "keine Ahnung, wer auf die Idee gekommen ist, da drin eine Stadt zu gründen. Auf jeden Fall könnt ihr einem spiralförmigen Fußweg folgen, um zum Krater zu kommen. Da oben müsste dann eine alte Treppe sein, die in den Krater und zur Stadt führt. Ich muß aber auch darauf hinweisen, dass es beim Aufstieg schon viele Unfälle gab." - "Ojemine," seufzte Agu, doch nicht wegen den Unfällen, sondern nur, weil der Weg so lang war, "na ja, ich denke, wenn wir jetzt los gehen, können wir um Mitternacht oben sein. Dann schlafen wir da oben und steigen bei Sonnenaufgang hinunter nach Mattcity." - "Ohne uns!" rief Betty, "mich kriegen da jedenfalls keine zehn Pferde rein!" - "Ditto!" sagte Jan. "Feiglinge," grummelte Agu, "wir sehen uns morgen Abend wieder hier!" Er hatte schon die Hand am Türgriff, als Betty rief: "Und wieso sollten wir auf dich warten, hä? Kannst ja versuchen, uns einzuholen, wir gehen jedenfalls schon mal nach Solan vor!" - "Das könnte ihr nicht!" rief Agu. "Und warum nicht?" fragte Betty gereizt. "Weil ich vielleicht dein Lehrer bin?" grinste Agu. "Das ist lang her," winkte Betty ab, "ich kann inzwischen gut auf mich selbst aufpassen!" - "Wenn das so ist," schimpfte Agu, "dann gib mir doch mal ganz flott mein Vulcator zurück!" - "Geht nicht," rief Betty, "dann gehorcht dir dein Glumanda nicht mehr!" - "Hört ihr jetzt mal mit Streiten auf?" verzweifelte Jan. "Ja, tun wir!" rief Betty rot vor Zorn, packte Jan und zerrte ihn aus dem Pokémon Center und in Richtung Westen davon. "Feiglinge," zischte Agu hinterher und stapfte dann zornig auf den Vulkan zu.
20. In den Vulkan!
"Schöne Freunde," grummelte Agu immer noch, als er etwa die Hälfte des Aufstiegs hinter sich hatte, "immerhin meine Pokémon sind mir treu geblieben." Er ließ Knuddeluff und Glumanda aus ihren PokéBällen, um wieder ein bisschen Gesellschaft zu haben. Nebenbei fiel ihm auf, was für eine wunderbare Aussicht man von hier oben über Eden hatte. Natürlich ließ sich Agu die Chance nicht nehmen, zückte ein Blatt Papier und einen Stift und begann, eine Karte des Kontinents zu zeichnen. "Von der anderen Seite aus kann man bestimmt auch Kanto sehen," seufzte er, "wie wohl Lance ohne mich klar kommt?" Dann kam ihm noch eine andere Frage in den Sinn: "Was machen jetzt wohl Betty und Jan?" Es war nun schon fast drei Stunden her, dass sie sich verkracht hatten. "Ob sie Orden sammeln? Oder Pikachus? Ob sie mich vermissen? Oder haben sie mich schon völlig vergessen?" Agu blieb noch eine Weile stehen, dann fand er, dass es an der Zeit wäre, den Aufstieg fortzusetzen.
Die Bergwanderung lief ohne nennenswerte Zwischenfälle ab und so hatte der Trainer am Abend den Krater erreicht. Die rote Lava leuchtete aus der Tiefe. "Sieht unheimlich aus," stellte Agu fest, "und wo ist jetzt diese Treppe?" - "Knuddel!" rief Knuddeluff und zeigte auf ein paar Stufen, die in den Stein gehauen waren. "Oh," erschrak Agu, "ziemlich gewagte Kontruktion! Wollen wir es wagen?" Die beiden Pokémon nickten. "Na, dann los!" rief Agu und setzte einen Fuss auf die erste Stufe. Vorsichtig folgten ihm Glumanda und Knuddeluff.
"Mag! Magby!" Ein kleines Feuer-Pokémon kam die Stufen nach oben und auf diese Weise dem Trainer entgegen gehüpft. "Kusch!" rief Agu, "na los, mach den Weg frei!" - "Magby!" grinste das Pokémon und machte sich extra breit. "Na warte, duuu ..." zischte Agu und zog Karnimanis PokéBall vom Gürtel, "hau lieber ab, dann überleg ich's mir vielleicht noch mal!" Genüsslich legte sich das Feuer-Pokémon auf die Treppe. "Du hast es nicht anders gewollt!" rief Agu, "Karnimani, los! Hydropumpe!" - "Karnimani!" rief das Wasser-Pokémon und bespritzte Magby mit dem kühlen Nass, was jedoch die unerwartete Folge hatte, dass das Feuer-Pokémon lauthals "MAAAAAGBYYYYY!!!" schrie, worauf hin ein ausgewachsenes Magmar aus dem Vulkan stieg und ziemlich böse aussah. "Mag! Magmar, Magmar!" schimpfte es. "Oh," rief Agu, "sorry! Ich wollte Ihr Kind nicht verletzen, ehrlich!" - "Magmar, Mag!" grunzte Magmar, packte Magby und sprang zurück in den Vulkan. "Puuh," atmete Agu auf, "gerade noch mal Glück gehabt!"
Kaum war Karnimani wieder im PokéBall verschwunden, wurde es auch wieder aus demselben geholt. Seine Aufgabe war es nun, Agu und Knuddeluff abzukühlen, da es immer heißer wurde, je tiefer der Trainer in den Vulkan eindrang. Auch hell war es nun schon lange nicht mehr, da die Uhr längst Mitternacht geschlagen hatte. Endlich war in weiter Ferne ein Höhleneingang zu sehen. "Das ist wohl der Pfad nach Mattcity," stellte Agu fest, "kommt, das schaffen wir heute noch!" Kaum hatte er diesen Satz beendet, rutschte er ab und klammerte sich nun mit einer Hand krampfhaft an den Stufen fest. "Glumanda!" - "Karnimani!" - "Knuddeluff!" riefen die Pokémon hilflos, da sie nicht wussten, was sie nun tun sollten. "Holt Hilfe!" rief Agu, "lauft nach Mattcity und holt irgendwen! Schwester Joy, Officer Rocky, der Arenaleiter, egal wer, Hauptsache ein Mensch!" - "Karni!" rief Karnimani und machte sich sofort auf den Weg in die Höhle. Glumanda raste die Treppen wieder nach oben. Knuddeluff wollte hinterher springen, erreichte seine Schwanzspitze aber nicht mehr. Das Normal-Pokémon blieb bei Agu und passte auf ihn auf. "Feiges Vieh," zischte dieser, unhörbar für Glumanda.
Kurz darauf tauchte das Magby wieder auf. "Das schon wieder," seufzte Agu, "Knuddeluff, greif es nicht aktiv an! Halt es nur ein bisschen im Schach! Sonst kommt wieder die Mutter, und dann ist alles aus!" - "Knuddel!" stimmte Knuddeluff zu und beschloss, dass es wohl am besten wäre, Magby in den Schlaf zu singen: "Ah, ah-ah-ah-ah, Knuddelu-hu-hu-huff!" - "Nicht! Ich kann mir doch nicht die Ohren zu halten!" wollte Agu noch rufen, doch es war zu spät. Genüsslich gähnte er, dann fielen ihm die Augen zu und seine Hände rutschen ab. "Knuddeluff!" rief Knuddeluff erschrocken und wollte seinen Trainer packte, erwischte ihn jedoch nicht mehr. Ja, ja, der Fluch der Stummelärmchen... Agu stürzte unaufhaltsam der kochenden Flüssigkeit entgegen.
- SAD END -
Jaaa, sagen jetzt die ganz schlauen, Agu kann doch gar nicht sterben! Wie soll sonst Lance zustande kommen? Leute, ich weise noch einmal darauf hin, dass Lance schon seit fünf Jahren auf der Welt ist, also könnte durchaus... aber kann ich wirklich so gemein sein? Na ja, wartet ab!
21. Girm!
Höllenfeuer. Hitze, die einen wahnsinnig macht. Teufel mit Dreizacks. Glühende Kohlen. Ketten an der Wand. Giftige Rauchwolken. Auf einem nahen Thron der Oberteufel, erbarmungslos lachend.
Das zumindest war es, was Agu einen Moment lang erwartet hatte. Er hatte vorsichtshalber die Augen geschlossen und wunderte sich nun, warum es nicht endlich PLATSCH! machte. So tief konnte der Vulkan doch gar nicht sein! Oder doch? Der Trainer öffnete seinen Augen wieder und stellte fest, dass er von einer blaue Aura umgeben war und wenige Zentimeter über dem sicheren Ende in der Luft schwebte. "Bin ich... vielleicht schon tot?" überlegte er. Vorsichtig sah er sich um. Zu seiner Überraschung bemerkte er, dass nicht weit entfernt ein Gengar in der Luft schwebte, das ihn wohl mit seinen psychokinetischen Kräften oben hielt und nun auch versuchte, ihn wieder auf den sicheren Boden zu hiefen. Es war - das Gengar von Jan!
Er und Betty standen oben am Kraterrand, zusammen mit Glumanda. Das kleine Feuer-Pokémon war also doch nicht weg gerannt, es hatte nur Feuersignale in die Luft geschossen und damit Betty und Jan geholt. "Gengar," rief Jan, "setz ihn jetzt hier ab!" - "Geng!" grunzte Gengar und hob ihn bis genau vor den Höhleneingang, wo es ihn auf dem Boden landen ließ. Betty und Jan kamen angelaufen. "Ein Glück, dass es dir gut geht!" rief Betty. "Danke," sagte Agu, "seid ihr mir noch böse wegen vorhin?" - "Aber nein," beteuerte Jan, "so ein Streit kommt unter den besten Freunden mal vor! Alles vergeben und vergessen! Und jetzt gehen wir nach Mattcity, oder?" - "Na klar, nichts wie los!" rief Agu.
Die Freunde machten sich auf den Weg und kamen nach zwanzig Minuten Wanderschaft durch einen engen, dunklen und heißen Schacht in einer Stadt an, die tief im Inneren des Vulkans in den Fels gehauen war. Da, wo bei anderen Ortschaften der Dorfplatz war, befand sich hier ein riesiger Lavasee, in dem sich haufenweise Magbys, Magmars, Vulcis, Glumandas und ähnliches tummelten. Agu hätte sich ehrlich gesagt nicht gewundert, wenn jeden Moment auch ein Lavados aus dem Fluten geschossen wäre. Bei Spaziergängen durch die Stadt musste man äußerst vorsichtig sein, da die Bürgersteige nicht sehr breiten waren, ein Tritt auf die, ähm, Straße dafür allerdings umso fataler.
"Das ist die Arena!" rief Betty plötzlich. "Dann los!" rief Agu. "Nicht so schnell," hielt Jan die beiden auf, "auf die paar Sekunden kommt es jetzt auch nicht mehr an! Oder wollt ihr in der Eile in die Lava fallen?"
Also kamen sie nach einer gemütlichen Wanderung vor einer großen Höhle an, über der das Wort ‚MATTCITY GYM' in den Stein gehauen war. "Hallo?" fragte Agu vorsichtig. "Gibt's hier einen Arenaleiter?" fügte Betty hinzu. "Ja," zischte eine Stimme aus der Dunkelheit, "legt die Kugeln einfach in die dafür vorgesehenen Plätze. Von eins bis sieben, wie es eingraviert ist." Erstaunt sahen sich Agu und Betty um. Rechts von ihnen stand ein Altar mit sieben Vertiefungen. In jeder davon war eine Zahl von eins bis sieben eingraviert. "Welche Kugeln?" fragte Agu nach einiger Zeit. "Habt ihr die Dragonite Balls etwa nicht?" zischte die Stimme. "Dragonite Balls?" staunte Betty, "was ist das?" - "Eigentlich eine Zeichentrickserie," murmelte Agu, "die schaut sich Lance immer an. Da geht es um einen Jungen und sein Menki, die gemeinsam auf der Suche nach den sieben Dragonite Balls sind, damit ein geheimnisvolles Dragoran auftaucht und ihnen einen Wunsch erfüllt." - "Gut erklärt," grinste die Stimme, "und da ich ein großer Fan dieser Serie bin, habe ich eine kleine Bedingung an jede Herausforderung geknüpft: In ganz Eden sind sieben Nachbildungen dieser Dragonite Balls versteckt. Wer alle sieben dabei hat, darf kämpfen - wer nicht, der nicht!"
Agu stand vor Entsetzen der Mund offen. "Wiederholen Sie das bitte," stammelte er fassungslos, "wir steigen unter größten Anstrengungen in diesen blöden Vulkan und dürfen dann nicht einmal kämpfen?!" - "Ich bin mal gar nicht so," lachte die Stimme, "ihr dürft beide kämpfen, wenn nur einer von euch die Dragonite Balls bringt. Und jetzt haut bitte ab, gleich fängt eine Folge an, die ich erst neun Mal gesehen habe!" - "Aber ..." wollte Agu noch sagen, als die Stimme ihn unterbrach: "Geleitest du sie bitte zur Tür, Dragoran?" Der Trainer aus Kopet Town verstummte sofort, als Schritte durch die Höhle hallten. Ein gigantisches Dragoran tauchte aus der Dunkelheit auf. Agu und Betty sahen staunend an dem Vieh nach oben. "Wow," rief Betty, "das ist ja mindestens zehn Meter groß!" - "So ein riesiges Pokémon würde ich gern mal in Aktion sehen," sagte Agu ehrfurchtsvoll. "Das wirst du, wenn wir noch länger hier bleiben," rief Jan, "also kommt!" Er packte Agu und Betty und zerrte sie aus der Höhle. Dragoran sah ihnen eine Weile lang nach, dann drehte es sich um und stapfte zurück ins Innere der Höhle.
"Jetzt dürfen wir also sieben komische Kugeln finden," seufzte Betty. "Agu," sagte Jan, "du hast doch gesagt, du kennst die Serie. Dann weißt du auch, wie die Kugeln aussehen, damit wir wissen, nach was wir ungefähr die Augen offen halten müssen?" - "Na ja," überlegte Agu, "sie sind orange mit roten Sternen und ungefähr so groß wie Fußbälle. Aber einen Fußball auf einem Kontinent zu suchen gleicht der Suche der Nadel im Heuhaufen - aussichtslos! Wenn wir wenigstens wie in der Serie so einen Dragonite Ball Radar hätten, der würde uns die ungefähre Position anzeigen..."
"MAGMAR!!"
"Schon wieder so ein Mistvieh," grummelte Agu, "na warte! Jetzt fang ich dich ein! Turtok, los!" - "Tok!" - "Wir helfen dir," rief Jan, "los, Gengar!" - "Ja," rief Betty, "los, Gissel!" - "Gissel??" wiederholten Agu und Jan fassungslos. "Klar," lächelte Betty, "man muß neue Pokémon doch irgendwann im Kampf erproben! Los, Gissel, Sandwirbel!" - "Gis... sel..." gähnte Gissel müde und schleuderte Magmar ein paar Sandkörnchen ins Gesicht. "Turtok," seufzte Agu, "mach dem Spiel ein Ende. Hydropumpe." - "Turtok," grunzte Turtok und setzte Magmar mit einem Schuss außer Gefecht. "So," rief Agu, während er einen PokéBall zückte, "und jetzt ... äh, was ist das?" Gissel leuchtete. Es wuchs und wuchs, bis es eine stattliche Größe von drei Metern erreicht hatte und "Giiiiiiirrrm!!" fauchte.

Zögernd zückte Betty ihren Pokédex. "Girm," knarzte dieser, "der Gift-Wurm. Die weiter entwickelte Form eines Gissel. Das Stärkeverhältnis von Girm zu Gissel ist mit dem eines Garados zu einem Karpador zu vergleichen. Auch der eigene Trainer sollte sich vor Girm in Acht nehmen: Der Giftstachel an seinem letzten Glied kann schon bei der Berührung tödlich sein. Bisher ist unklar, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Gissel sich zu Girm entwickelt." - "Was bin ich für ein Tauros," heulte Agu, "einfach mein Gissel her zu geben! Ich könnte mich ohrfeigen!" - "Dafür hast du doch Magmar," versuchte Betty ihn zu trösten. "Stimmt," rief Agu, "das hätte ich fast vergessen! Nun denn, PokéBall looooos!"
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