Alles oder Nichts
Geschrieben von:
SternchenSaku
1) Preludium
"Juhuuu, juhuuu! Hihihi ..." Mit einem breiten Grinsen im Gesicht springt die 16jährige Sakura mit einem großen Satz über das Geländer der Treppenstufen, die zum Eingang der Schule führen, in der sie die letzten 3 Jahre zusammen mit 99 anderen Zeichnerinnen und Zeichnern eine Ausbildung zum Pokémonzeichner gemacht hat. Der sanfte Sommerwind weht durch ihr kurzes, rotes Haar und als sie in die Sonne blickt, kneift sie die blauen Augen zusammen. Von einem plötzlichen Windstoss erfasst, weht ihre Abschlusszeichnung, die verschiedene Studien eines Arktos' zeigt, davon. Hastig läuft sie der Zeichnung hinterher bis auf eine große Wiese, die Teil eines Pokémontrainingslagers ist. Staunend bleibt sie stehen, als sie sieht, wie der Sonnenuntergang die Wiese in ein warmes Rot taucht.
Nach ein paar Momenten des Staunens hebt sie die Zeichnung wieder auf und will sich gerade zum Gehen umwenden, als sie eine Bewegung einige Meter von sich entfernt wahrnimmt. Plötzlich taucht ein weißer Kopf aus dem Gras auf. "Gosso! Tragosso!", macht es und Sakura erblickt ein kleines Pokémon mit weißem Knochenschädel, einem niedlichen braunen Bäuchlein und einem weißen Knochen in der Pfote.
Verschlafen wirft es einen erstaunten Blick auf Sakura und will sich dann zum Gehen umwenden. Doch auf einmal bemerkt es eine weitere Bewegung im Gras - ein leises Rascheln ... als es neugierig dem Geräusch entgegentapst, schnellt plötzlich ein erbostes Rettan empor. "REEETTAAAAN, RETTAN!" Noch bevor das Tragosso auch nur Zeit für mehr als einen erstaunten Blick hat, ist das wilde Rettan auch schon wieder verschwunden, aber nicht ohne Tragosso einen schmerzhaften Biss in den Schwanz zu verpassen.
Von dem Gift, das durch Rettans Biss in seinen kleinen Körper gelangt ist, taumelt Tragosso und wirft einen Hilfe suchenden Blick auf Sakura. Diese zögert nicht lange und schnappt sich das Kleine, bevor es sich durch einen Aufprall auf den Boden noch weitere schmerzhafte Verletzungen zuziehen kann. Mit gehetztem Blick eilt Sakura mit dem Kleinen in den Armen durch die langsam ins Dunkel eintauchende Stadt, auf der Suche nach Hilfe. Schließlich erreicht sie das Pokémoncenter und übergibt Tragosso Schwester Joy zur Behandlung.
Erschöpft und mit gerötetem Gesicht wartet Sakura auf das Ergebnis der Untersuchung. Nach einer guten halben Stunde erscheint Schwester Joy wieder aus dem Behandlungsraum, zu Sakuras Erleichterung mit einem zuversichtlichem Lächeln auf den Lippen.
"Ein paar Stunden Ruhe, und das Kleine ist wieder völlig in Ordnung, du hast es ja noch rechtzeitig hergebracht." "Gottseidank!! Vielen Dank, Schwester Joy!" "Ist schon okay, das ist ja schließlich mein Beruf. Geh jetzt heim und ruh dich ein bisschen aus, ja?" "Nein, ich möchte viel lieber hier warten ... hätten sie einen ... Pokéball für mich?" Verwundert sieht Schwester Joy die abgehetzte Sakura an. "Aber ... du gehörst doch zu den Studienabsolventen dieses Jahres, oder? Natürlich bekommst du einen Pokéball von mir." "Vielen, vielen Dank!!"
Das Grinsen, das sich auf Sakuras Gesicht ausbreitet, entlockt auch der vom langen Tag müden Schwester ein freundliches Lächeln. "Dann mach dich wenigstens in der Toilette ein wenig frisch", rät Joy ihr. "Oh, ja, äh ... natürlich!" und schon ist Sakura durch den Raum ins Bad geflitzt.
Was sie dort im Spiegel erblickt, ist nicht gerade eine Schönheit - das Haar zerzaust, die Augen haben vom bis spät in die Nacht arbeiten der letzten Wochen dunkle Ringe bekommen, die Hände kalt, die Nase blass. Mit Puder versucht Sakura, die Schatten zu kaschieren, ein Lächeln zaubert den gewohnten Glanz in ihre müden Augen. Zugegeben, sie hat wirklich zu viel gearbeitet, aber es hat sich gelohnt ... als eine der Besten hat sie ihre Ausbildung abgeschlossen, Kopien ihrer Abschlussarbeit werden schon bald verschiedenste Gebäude zieren und morgen schon wird sie von Fuchsania City, ihrer Heimat, nach Alabastia aufbrechen, um sich ein Pokémon für erste Kampf-&Verhaltensstudien abzuholen, das Professor Eich den 10 besten Abgängern schenkt. Sie atmet noch einmal tief durch, dann verlässt sie das Bad und begibt sich in den Raum, in dem sich das kleine Tragosso befindet.
Leise betritt Sakura das Zimmer, wirft einen flüchtigen Blick auf den Pokéball, der auf dem Nachttisch liegt und widmet sich dann der Betrachtung dieses kleinen Wesens, das friedlich in Decken gehüllt schlummert. Leise nimmt sie Block und Stifte aus ihrer Tasche und beginnt, die Konturen des Tragosso abzuzeichnen - die feinen Risse im Schädelknochen, die Narben auf seinem Rücken.
In ihre Zeichnungen vertieft bemerkt Sakura nicht, dass sie durch die Glaswand im Zimmer von einem jungen Mann beobachtet wird. Ebenso wie sie das Tragosso, scheint er sie zu studieren, sich ihr Bild einzuprägen. Doch als sie erschöpft von ihrem Stuhl nach vorne auf Tragossos Lager kippt, ist er schon nicht mehr da, hat sich zum Gehen abgewandt und lautlos das Pokémoncenter verlassen ... nach einigen Stunden wacht Sakura plötzlich auf, als ihr Block auf den Boden fällt. Als sie hoch schaut, sieht sie ihre Mutter in der Tür stehen, die sie in die Arme schließt und ihr zu ihrem bestandenen Abschluss gratuliert. Stolz überreicht sie ihrer müden Tochter den Pokéball und deutet auf das mittlerweile aufgewachte Tragosso. Mit schlaftrunkenen, steifen Bewegungen taumelt Sakura auf Tragosso zu, kniet sich vor ihm hin und flüstert ihm ein paar Worte ins Ohr. Mit einem Strahlen auf beiden Gesichtern besiegeln sie ihre Freundschaft und als Tragosso im Pokéball verschwunden ist, ist das der Beginn einer wundervollen Freundschaft.
2) Game Start - die Reise beginnt
Als Sakura am nächsten Morgen ausgeruht aufwacht, genießt sie einige Momente lang einfach nur das Gefühl, neben einem kleinen Wesen aufzuwachen. Sie legt ihre warme Wange auf die kalte Oberfläche des weißen Schädels und hört auf das Pochen des Herzens ihres kleinen Freundes. Sanft stupst sie Tragosso an: "Hey, du, wir müssen aufstehen; wir müssen nach Alabastia!"
Das kleine Pokémon grummelt ein bisschen, schlägt die Augen auf und lässt ein herzhaftes Gähnen hören. Während Sakura das Fenster öffnet, um die frische Sommerluft und das warme Licht eines wunderschönen neuen Tages ins Zimmer zu lassen, reibt sich Tragosso den Schlaf aus den Augen.
Nach einem reichhaltigen Frühstück betrachtet sich Sakura noch einmal kritisch im Spiegel: die roten Haare ein wenig zerzaust, die blauen Augen klar, der Blick entschlossen, die dunkelblaue Old-School-Jacke mit der dunkelrot-weißen Aufschrift "Incubus", darunter das bauchfreie, ebenfalls dunkelblaue Shirt mit den Konturen eines Arktos, auf den Bauch das japanische Zeichen für Kunst tätowiert, die ausgewaschene Jeans und die Sneakers mit dem Flammenaufdruck. Perfekt.
Als Sakura mit ihrem kleinen Tragosso die Straße entlang der Sonne entgegen geht, schießt ihr plötzlich ein Gedanke durch den Kopf: 'Ich bin erwachsen geworden. Unabhängig. Frei.' Sie hat vor, ein paar Jahre ihr Glück als Zeichnerin zu versuchen, für Zeitungen oder das Fernsehen zu arbeiten, denn noch hat sie keine Lust auf einen festen Arbeitsplatz, ein geregeltes Einkommen und dergleichen. Lange hat sie ihre Mutter beknien müssen, bis diese ihr die Ausbildung erlaubte und hat sich ganz besonders angestrengt, um eines Tages ihren Traum vom bekannt sein, gut sein verwirklichen zu können. Nach 10minütigem Fußmarsch ist sie, wo sie hin wollte.
Bevor sie die Gelegenheit hat zu klingeln, öffnet ihr auch schon ein etwa 12 Jahre alter Junge mit einem Abra die Tür. "Hy Sakura. Ich habe dich kommen sehen." Einmal mehr staunt Sakura über die psychische Begabung des Kleinen. "Hy, Ishido." Nach einer kurzen Pause kommt sie auf den Grund ihres Besuches zu sprechen. "Einmal noch?" "Hast du ein Bild dabei?" "Ja klar! Hier ..." Mit diesen Worten kramt Sakura aus ihrer Tasche die Zeichnung von Tragosso hervor. "Wow, wie schön ... also gut, komm." Mit einem Lächeln auf den Lippen folgt Sakura Ishido in den Garten. Dieser weist sie an, sich gegenüber von ihm aufzustellen. Nur leise vernimmt Sakura die Worte, die er an Abra richtet: "Abra, Teleportation." Und während Sakura sich auf Alabastia konzentriert, dieses vertraute Kribbeln und das Gefühl, von einem anderen Ort angezogen zu werden, spürt, formen ihre Lippen lautlos das Wort 'Danke'.
Kurz darauf werden sie und Tragosso von einem scharfen Wind begrüßt, der ihnen vor Alabastia um die Ohren weht. Fröstelnd kuschelt sich Tragosso in Sakuras Armen an ihre Jacke. Auf dem kurzen Fußweg nach Alabastia erkennt Sakuras geschultes Auge Kennzeichen verschiedener Pokémonarten - ein Rattfratzbau, zerknickte Äste, ein Taubsinest. Alabastia begrüßt sie mit verschlafenen Häuschen, schönen Gärten, dem Geruch von frischem Brot und Gebäck aus den Bäckereien. Da sieht Sakura auch schon das Haus von Professor Eich vor sich, die Windmühle, die Stufen, die auch Ash, der Meistertrainer aus Alabastia, vor einigen Jahren erklommen hat. Sie atmet die frische Luft Alabastias ein ...
3) Eine wichtige Entscheidung
Nach kurzem Zögern steigt sie die Stufen empor. Oben angekommen, widmet sie sich einigen Momenten der Betrachtung dieser wunderschönen Landschaft, sieht die zahlreichen, verschiedenen Pokémon auf den Weiden stehen, spielen, leben. 'Ich könnte auch hier bleiben', denkt sie, doch gleich darauf verwirft sie den Gedanken wieder, denn sie will die Welt sehen und ihre eigenen Erfahrungen sammeln.
Oben angekommen, begrüßt Sakura ein niedliches Fukano, dessen schwarze Augen zwei Teichen gleichen. Das Fukano bellt freudig und kurz darauf erscheint Professor Eich im Saal. Als sie ihn das erste Mal sieht, stockt Sakura der Atem, denn er strahlt ein enormes Wissen und eine große Weisheit aus. "Fukano, was ist denn? Haben wir Besuch?" "Äh ... Professor Eich ... hallo ... mein Name ist Sakura Yuikishiro, ich bin eine der 10 Zeichnerinnen, denen sie ein Pokémon geben wollten ..." "Ah, Sakura ... die Arktos-Studien, nicht wahr? Eine wirklich schöne Arbeit!" Sakura merkt, wie sie leicht errötet. "Oh ... ja ... danke schön ..." "Bitte folge mir in mein Labor."
Schnell hastet Sakura dem Professor hinterher, ihre Schritte hallen in dem großen Saal. Von Sakura gefolgt, geht Professor Eich die wenigen Stufen zu seinem Labor hinunter und sein Blick fällt auf die vielen Messgeräte, Amaturen, die unzähligen Berichte, Zeichnungen und Studien, auf das leicht verstaubte, von Licht durchflutete Zimmer und nicht zuletzt auf die 2 kleinen Jungen von 10 Jahren, angehende Pokémontrainer und gute Freunde, mit offenen Herzen und entschlossenen Blicken.
Diese beiden schenken Sakura einen verwirrten Blick, es scheint, als hätten sie jemanden erwartet ... doch Professor Eich lässt den beiden, die bereits mehrere ungeduldige Blicke auf die drei Pokébälle mit ihren heiß ersehnten Anfangspokémon geworfen haben, keinerlei Zeit für irgendwelche Fragen. "Tut mir Leid, ihr beiden, aber Amano ist nicht gekommen ... das hier ist Sakura, sie bekommt von mir heute auch ein Pokémon, aber nicht fürs Training, sondern für ihre Zeichnungen - sie ist Absolventin der Schule für angehende Zeichner."
Sakura spürt, wie enttäuscht die beiden sind, dem einen schießen sogar Tränen in die Augen. "Heißt das ... sniff ... sniff ... dass wir kein Pokémon bekommen?" "Nun ja ... sie müssen alle drei trainiert werden ... und da Amano nicht da ist ..." "Aber ... aber ..." Jetzt kullern dicke Tränen der Enttäuschung aus den Gesichtern beider Jungen. Sie, die so lange auf diesen Tag gewartet hatten, sollten nun doch kein Pokémon bekommen. Doch Professor Eich kommt die rettende Idee: "Wisst ihr was ... wir geben einfach Sakura das dritte Pokémon!" Begeistert vergessen die beiden Jungen ihre Tränen und schenken Professor Eich ein wunderschönes, unschuldiges Kinderlächeln. Doch Sakura fühlt sich ein bisschen überrumpelt: "Ähm ... Professor Eich ...sie wollten mir doch ein Pokémon für meine Studien geben ... ähm ... " "Mach dir da mal keine Sorgen, Sakura ... Glumanda, Schiggy oder Bisasam sind ebenso gut zu zeichnen wie das Vulpix, das ich dir geben wollte." "Oh ... ja, äh - ein Vulpix?"
Doch Professor Eich hat sich von der sichtlich verwirrten Sakura schon wieder ab- und den Jungen zugewandt. "Du bist doch einverstanden, Sakura." Aus Eichs Tonfall schließt Sakura, dass es für ihn bereits beschlossene Sache ist - sie soll eines der drei kleinen Wesen trainieren. "Äh ... ja, natürlich."
Langsam tritt Sakura zu den anderen an den Tisch mit den drei Pokémon heran. Sie blickt in die glänzenden Augen der zwei Jungen und ist froh, zugesagt zu haben. Auch in ihr macht sich jetzt ein gewisses Gefühl der Aufregung und Anspannung breit, sie ist neugierig, welches Pokémon sie von nun an zusammen mit Tragosso begleiten soll. "Sakura!" Professor Eichs Stimme lässt sie aus ihren Träumereien hochschrecken. "Du darfst dir zuerst eines aussuchen." Als sie Anstalten macht, nach dem Pokéball mit Bisasam zu greifen, hört sie die beiden Kleinen tuscheln. "Ooh, bitte mach, dass sie nicht Bisasam nimmt ..." "Ssh, leise ...". Sie dreht sich zu den beiden um: "Na, sucht ihr euch eure lieber zuerst aus. Mir ist es sowieso egal." Dankbar ergreifen die beiden ihre Pokébälle. "Danke!" Als Sakura sich den dritten genommen hat, fordert Prof. Eich die drei auf, ihre Pokémon aus den Bällen zu holen. Und da stehen sie nun: Schiggy vor Dean, Eiichiro bestaunt sein Bisasam und Glumanda macht sich gerade mit Tragosso bekannt. Sakura beobachtet, wie die beiden Jungen ihre Pokémon bestaunen und auch sie kann ihren Blick nicht von ihren beiden Schützlingen nehmen. Sie ist glücklich.
Das Glumanda beäugt sie misstrauisch, doch als Sakura in die Knie geht, hüpft es in ihre Arme und plappert fröhlich mit ihr. Sakura streichelt ihm sanft über den Kopf, fühlt die warme, glatte Haut und blickt in große, schwarze Augen, die sie sofort in ihren Bann ziehen. Als sie sich wieder aufgerichtet hat, überreicht Professor Eich den drei angehenden Trainern einen Pokédex und ein paar Pokébälle.
Mit einer leichten Gänsehaut nimmt Sakura die Gegenstände entgegen; so hatte sie sich das alles gar nicht vorgestellt. Doch als sie hinaus geht, die Stufen hinunter, hinaus aus Alabastia, bereut sie ihre Entscheidung keineswegs, sie fühlt, das Richtige getan zu haben, und verspricht sich, den beiden Pokémon ein guter Trainer zu sein.
4) Prellungen und Blessuren, doch trotzdem glücklich.
Ein warmer Wind begleitet Sakura und ihre beiden Pokémon, als sie auf der Route 1 in Richtung Vertania City über eine weite Ebene laufen. Das abendliche Rot der Sonne bricht sich in den vereinzelt stehenden Bäumen. Seit sie Alabastia vor zwei Stunden verlassen haben, hat sich der kalte Wind, der sie empfangen hatte, gelegt, da sie sich immer weiter vom Meer entfernen. Glücklich und ein bisschen außer Puste beschließen die drei, unter einem großen Baum halt zu machen und ein bisschen auszuruhen.
Gerade, als Sakura ihren Block und die Bleistifte heraus holen will, um ihre beiden Schützlinge, die allerliebst miteinander spielen, zu zeichnen, um dieses friedliche Bild für ewig auf Papier einschließen zu können, ertönen aus dem Baum über ihr laute Summgeräusche und ein Bibor, das seine schlafenden Artgenossen beschützen will, schießt hervor und attackiert sofort Sakuras Pokémon. Ängstlich sieht Sakura, wie ihre beiden Pokémon von dem viel stärkeren Bibor immer und immer wieder verletzt werden.
Endlich schafft sie es, sich zu fassen und wirft sich zwischen die Kämpfenden, verjagt das Bibor. Erschrocken muss sie feststellen, dass Glumanda eine schmerzhafte Stichwunde davon getragen hat, die anschwillt. Hastig beordert sie ihre beiden Pokémon in deren Pokébälle, schnappt sich ihren Rucksack und hetzt die Route 1 entlang, um möglichst schnell Vertania City zu erreichen, dass den beiden geholfen werden kann. Von Müdigkeit oder Ausruhen ist keine Rede mehr, das Adrenalin, das die Sorge durch ihren Körper pumpt, lässt sie immer und immer weiter laufen. Doch kurz vor Vertania City versperren kämpfende Pokémon ihr den Weg - Bibors, die ihren Nachwuchs durch eine Herde Taubsis bedroht meinten, haben eben diese angegriffene und der so entstandene Kampf wird erst zu Ende sein, wenn alle besiegt sind.
Die deutlich schwächeren Taubsis kämpfen trotz ihrer Unterlegenheit todesmutig, besonders eines, ein besonders großes, weiß sich zu wehren, doch als mehrere Bibors es attackieren, hat es keine Chance mehr. Sakura beschließt, den Taubsis zu helfen und diesen sinnlosen Kampf zu beenden. Mit gemischten Gefühlen setzt sie das stark angeschlagene Glumanda ein, in der Hoffung, die Angst vor dem Feuer werde die Bibors vertreiben. Doch Glumanda kann noch keine Feuerattacke und obwohl es sich mit Kratzern tapfer wehrt, ist es doch zu schwach, die Bibors zu vertreiben.
Als aber die Taubsis bemerken, dass Glumanda auf ihrer Seite steht, beschützen sie es und kämpfen mit ihm. Plötzlich, als die Bibors eine besonders heftige Attacke auf die drei Taubsis starten, die Glumanda beschützen, wird es Glumanda zu viel. Sakura spürt förmlich, wie es alle seine restlichen Energiereserven sammelt, sie meint, ein zehrendes Feuer in seinen Augen zu sehen, und als die Welt den Atem anzuhalten scheint, stößt es eine gewaltige Feuersäule aus.
Da die Bibors Todesangst vor dem Feuer haben, suchen sie schnell das Weite, und nachdem Glumanda einen triumphierenden Blick auf die vertriebenen Feinde geworfen hat, kippt es erschöpft um und wird zu einem verschwitzten, zitternden Häuflein Elend. Sofort läuft Sakura besorgt zu ihrem tapferen Schützling, Tränen der Erleichterung und Besorgnis suchen sich ihren Weg über ihr Gesicht und sie nimmt Glumanda in die Arme, fühlt, wie kalt es ist und lässt es hastig in seinem Pokéball verschwinden, so dass es sich ein wenig ausruhen kann, bis das rettende Pokémoncenter erreicht ist. Doch auch die Taubsis haben teils schwere Verletzungen, besonders das große, das sich am tapfersten gegen den Angriff der Biborsgewehrt hat. Einige wiederum sind fast völlig unverletzt - sie waren in der Mitte und haben den neu geborenen Nachwuchs beschützt. Als Sakura sieht, wie schlecht es den Taubsis geht, beschließt sie, ihnen zu helfen. Sie schnappt sich kurzerhand das größte von ihnen und wie sie richtig vermutet hatte, ist dieses der Anführer, denn als sie mit ihm davonläuft, folgen ihr die anderen auf dem Fuße.
In Vertania City angekommen, erntet sie verwunderte und verächtliche Blicke und sie spürt eine große Ohnmacht - die Menschen in der Stadt sehen, dass die Taubsis kaum noch weiter können, doch anstatt ihr zu helfen, suchen die Leute schnellstmöglich das Weite.
Endlich ist Sakura im Pokémoncenter angekommen. Sofort werden die Taubsis betäubt und zur Behandlung gebracht. Sakura schafft es gerade noch, einem vorbeieilenden Chaneira ihre beiden Pokémon in die Hand zu drücken, dann spürt sie, wie die Erschöpfung die Überhand gewinnt, sie stolpert zu einer Couch und lässt sich erschöpft darauf nieder. Doch sie ist nicht allein. Der junge Mann, der sie auch schon in Fuchsania City beobachtet hatte, ist wieder da. Er deckt sie rasch mit seinem Mantel zu, bevor er wieder lautlos verschwindet.
5) Wer nicht hören will, muss fühlen.
Als Sakura aufwacht, tun ihr sämtliche Muskeln weh, denn auch sie hat bei dem Kampf am vorherigen Tag ein paar Blessuren davon getragen, außerdem ist sie die ganze Strecke nach Vertania ja mit den verletzten Pokémon gerannt. Als sie merkt, dass sie immer noch ihre verdreckten Klamotten vom Vortag trägt, dass sie verschwitzt ist, sehnt sie sich wieder nach ihrem warmen, gemütlichen Zuhause, nach ihrer Mutter und ihren Freunden, nach einem Menschen, der sie sanft in die Arme nimmt und tröstet.
Schnell springt sie auf, schnappt sich ihren Rucksack und den nach Aftershave duftenden Mantel, mit dem sie zugedeckt war, und eilt ins Bad des Pokémoncenters. Dort duscht sie erst einmal ausgiebig und spült die Anstrengungen des vergangenen Tages mit Seifenschaum und Wasser weg. Ein warmes, wohliges Gefühl macht sich in ihr breit und als sie sich angezogen hat und ihre Haare wieder trocken sind, fühlt sie sich wieder ein bisschen besser und im Einklang mit sich selbst.
Erfrischt und mit geröteten Wangen geht sie an die Rezeption und erkundigt sich nach ihren Pokémon und den Taubsis. "Oh, du warst das, die die Taubsis hergebracht hat. Das war sehr nett von dir, ein paar von ihnen ging es wirklich nicht gut. Wir haben ihnen ein Serum gespritzt, das die Schwellungen lindern soll und sie alle heute Morgen heimgeschickt, während du noch geschlafen hast. Deine beiden Pokémon liegen in Zimmer 1 und dürften auch noch friedlich schlummern. Aber ... eines der Taubsis wollte sich nicht vertreiben lassen; es ist bei Tragosso und Glumanda." "Oh, okay, vielen Dank, Schwester Joy! Ich werde sie gleich mal besuchen gehen!" "Ja, aber sei bitte leise, es ist erst acht Uhr Morgens."
Doch diese Worte hat Sakura schon gar nicht mehr gehört, denn flink schlängelt sie sich durch vorbeieilende Chaneiras, Trainer und Pokémon, die noch in Morpheus' Armen schlummern, bis hinter zu den Krankenzimmern.
Mit klopfendem Herz öffnet sie die Tür zu Zimmer 1, in freudiger Erwartung, ihre Pokémon zu sehen, aber auch ein bisschen besorgt, was das Taubsi denn noch wolle. Als sie das Zimmer betritt, erblickt sie die drei Pokémon friedlich aneinander gekuschelt, schlafend. Leise setzt sie sich zu den dreien und mit einigen wenigen Strichen hat sie dieses Bild auf Papier gebracht. Da wacht das Taubsi auf und erblickt sie verschlafen blinzelnd.
Langsam erhebt es sich, stolpert auf Sakura zu. Leise gurrend lässt es sich auf ihrem Schoß nieder und sieht sie erwartungsvoll an. "Du meinst ... ich soll dich mitnehmen?" Erfreut, dass Sakura seine Absichten versteht, nickt Taubsi und lässt sich von Sakura fangen. Durch dieses Geräusch wachen Tragosso und Glumanda auf und sehen, wie Sakura mit einem Lächeln auf den Lippen den Pokéball mit Taubsi an ihrem Gürtel befestigt. "Manda, Gluuumanda." "Oh, ihr seid aufgewacht! Geht es euch gut?" Als die beiden artig genickt haben, werfen sie einen verwunderten Blick auf den Pokéball mit Taubsi. "Hm? Ach, ja, Taubsi wird uns von nun an begleiten, einverstanden?" "Gosso! Tragossoo!" "Mandaaa" "Das soll wohl 'ja' heißen, oder? Na dann kommt, wir wollen aufbrechen." Bereitwillig verschwinden die beiden in ihren Pokébällen und Sakura verlässt das Pokémoncenter, ein wenig aufgedreht, müde und glücklich.
Draußen angekommen, beschließt sie, ein wenig durch die Stadt zu spazieren, mit leuchtenden Augen betrachtet sie die schönen Häuser, beobachtet Menschen und Pokémon. Schließlich führt ihr Weg sie in ein kleines Café, in dem sie und ihre Pokémon etwas essen. Satt und zufrieden halten Glumanda, Taubsi und Tragosso ein kleines Nickerchen, derweilen Sakura die Ohren spitzt; die Trainer am Nebentisch diskutieren lautstark über die Pokémonliga.
Als diese das Café verlassen, rafft Sakura schnell ihr Zeug zusammen und folgt ihnen aus Vertania City hinaus zur Indigo Liga. Sie, die sonst so gerne die Natur betrachtet, hat jetzt nur noch Augen für die Trainer, ist neugierig, was diese Indigo Liga denn ist.
Als die Trainer in einem großen Haus, das den Eingang zur Siegesstraße darstellt, verschwunden sind, wartet Sakura noch kurze Zeit und betritt dann auch das Gebäude. Drinnen erwartet sie ein riesiger Saal, ihre Schritte hallen zunächst laut auf dem Marmorboden, werden dann aber von dem riesigen roten Teppich verschluckt, der dort ausgelegt ist. Am Ende der Halle wird sie von einem Wächter aufgehalten. "Hallo, kleine Miss. Darf ich bitte deine Orden sehen?" "Äh ... ich möchte bitte zur Indigo Liga." "Ja, aber dazu brauchst du die 8 Orden aus den Arenen von Kanto. Hast du sie?" "Äh ... nein." "Dann darf ich dich nicht durchlassen. Du musst dir erst die acht Orden erkämpfen, dann darfst du an der Indigo Liga teilnehmen. Bitte geh jetzt." "Aber ..." "Kein aber. Geh." Da die letzten Worte des Pförtners schroff und ungeduldig klangen, wendet sich sakura ohne ein weiteres Wort enttäuscht und wütend ab und zwingt sich, langsam die Halle zu verlassen, was ihr schwer fällt, da sie sehr temperamentvoll ist und unter normalen Umständen so etwas nicht auf sich sitzen lassen würde.
Draußen angekommen, lässt sie erst einmal ihrer Enttäuschung freien lauf, indem sie schnell nach Vertania City zurück rennt. Beschämt wird sie in Vertania immer langsamer, ihr Herz klopft bis zum Hals. Sie atmet ein paar Mal tief durch und macht sich dann auf die Suche, nach der hiesigen Arena, denn sie will den Arenaleiter besiegen und sich so einen der Orden erkämpfen. Als sie vor der Arena angekommen ist, staunt sie nicht schlecht: sie hätte niemals gedacht, dass das so ein riesiges Gebäude ist.
Vorsichtig öffnet sie die Tür, deren Quietschen sie schaudern lässt. Doch als sie eintreten will, versperrt ihr plötzlich jemand den Weg - ein junger Mann, 17 vielleicht 18 jahre alt, mit schwarzen Haaren, eisblauen Augen, einem schwarzen T-Shirt mit einem kleinen aufgedruckten 'R' und dunkler Jeans. "Hey, was soll das - lass mich d-" Doch der junge Mann schneidet ihr mit einer Handbewegung das Wort ab. "Kleines, du willst doch nicht etwa zu Giovanni? Lass' das mal lieber sein, er ist viel zu stark für dich." Erbost darüber, dass ihr schon wieder jemand den Eintritt verwehren will, erwidert Sakura scharf: "Woher willst du das denn wissen? Lass' mich sofort durch!"
Er kann dem stechenden Blick aus ihren Augen nur kurz stand halten, dann schaut er weg und macht er den Weg frei. "Na gut, wenn du meinst, bitte, geh'. Aber ich habe dich gewarnt." Ohne sich weiter um den jungen Mann zu kümmern, schiebt sich Sakura an ihm vorei, wirft ihm noch einen letzten bösen Blick zu und geht in die Arena.
Dort angekommen, wird sie bereits erwartet. "Ah, eine Herausforderin. Ich bin Giovanni, der Arenaleiter von Vertania City." "Mein Name ist Sakura, ich komme aus Fuchsania City." "Soso, ein blumiger Name. Schön. Ich hoffe, du kennst die Regeln der Vertania Arena ...? Dein Schweigen nehme ich als Nein. Folgendes: Wir kämpfen drei gegen drei. Das Spezielle an dieser Arena ist, dass der Trainer die Schmerzen seines Pokémon mit erlebt. Steige auf diesen Turm neben dir und lass' uns anfangen, ich habe keine Lust, mich lange mit dir aufzuhalten."
Eingeschüchtert von seinem scharfen Ton steigt Sakura gehorsam auf die Tribüne. 'Wie soll ich den Schmerz meines Pokémon mitfühlen?' Als sie oben angekommen ist, hat Giovanni bereits sein erstes Pokémon in den Ring geschickt - ein Nidoking. Erschrocken spürt Sakura die große Kraft, die von diesem Pokémon ausgeht. 'Aber ... normalerweise müsste er schwächer sein ... Vertania City ist schließlich die erste Stadt nach Alabastia ...' Ein wenig ängstlich und verwirrt schickt Sakura Tragosso in den Kampf. Ihre Auswahl wird von einem erstaunten Blick Giovannis kommentiert. "Ein Tragosso? Na, meinetwegen. ich überlasse dir den ersten Zug." "Äh ... danke." Sakura versucht, sich zu sammeln, doch ihre Unruhe steigt weiter.
Dennnoch befiehlt sie Tragosso entschlossen den ersten Angriff: "Tragosso, Knochenkeule, los!" Mutig wirft sich Tragosso auf das Nidoking und seine Knochenkeule trifft es direkt am Kopf, doch sie erzielt in keinster Weise die gewünschte Wirkung. Nidoking schenkt Tragosso bloß einen verächtlichen Blick und setzt dann zu einem gewaltigen Gegenangriff an: Sein Megahieb trifft Tragosso und es wird aus dem Ring geschleudert. Sakura verfolgt die Szene geschockt und beginnt zu schreien. "Neeeiiin, Trago- ... aaaAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH" Ihr Schrei geht in ein Kreischen über, als der elektrische Schlag aus der Tribüne sie trifft. Halb ohnmächtig vor Schmerzen sackt sie zusammen. 'Oh mein Gott ... oh mein Gott ...' Tränen laufen über ihre Wangen und sie zittert. 'Was ist das nur ... die Tribüne ... den Schmerz des Pokémon mitfühlen ...' Plötzlich ergibt alles einen Sinn. Mit letzter Kraft schafft sie es, schluchzend von der Tribüne zu ihrem Tragosso hinzulaufen, nimmt es in die Arme. "Oh mein Gott ... Tragosso ... Tragosso ... es ... es tut mir so leid ..."
Von Schluchzern geschüttelt taumelt sie mit Tragosso in den Armen aus der Arena und als sie stolpert, fällt sie direkt in die Arme des jungen Mannes, der vor der Arena gewartet hat und genau zu wissen scheint, was passiert ist. Mit einem mitleidigen Lächeln auf den Lippen bringt er Sakura ins Pokémoncenter, wo Schwetsre Joy sie und Tragosso sofort versorgt.
Nach einigen Stunden, gegen 17.00 Uhr, wacht Sakura wieder auf, sie hat Kopfschmerzen, aber sonst geht es ihr gut. Langsam ruft sie sich die Ereignisse des Nachmittags ins Gedächtnis, sie erinnert sich daran, wie dumm sie war. Plötzlich durchdringt sie ein schmerzhafter Stich: "Tragosso!" Sie weiß wieder, wie schwer Tragosso verletzt war. Wieder laufen ihr Tränen über die Wangen, der Beginn ihrer Reise war nicht unbedingt das, was sie sich vorgestellt hatte - alles ging schief und sie ist völlig erschöpft. Trotzdem sie sich noch nicht fit fühlt, steht sie auf und stürmt aus dem Zimmer, um Tragosso zu suchen, doch sie kommt nicht weit, denn direkt vor dem Zimmer rennt sie in den jungen Mann, der sie hergebracht hat.
Dieser versucht, sie aufzuhalten, doch Sakura wehrt sich mit aller Kraft, ist so voll Sorge, dass sie ihn gar nicht erkennt, bis seine Hand mit einem schmerzhaften "KLATSCH!" auf ihrer Wange landet. Der Schmerz raubt ihr den Atem und sie muss sich an ihn klammern, um nicht umzufallen.
Als sie wieder Luft bekommt, macht sie sich von ihm los, und jetzt erkennt sie ihn auch. "Du bist doch ... der ..." "Ssh, ist ja gut. Sei still und leg dich wieder in dein Bett!" Sakura ist so perplex von seinem bestimmten Ton, dass sie tatsächlich Anstalten macht, in ihr Zimmer zurückzukehren, doch dann erinnert sie sich wieder an Tragosso. "Ich ... ich muss zu meinem Tragosso! Sofort!!!" Wie auch in der Arena kann er ihrem Blick nichts entgegen setzen und führt sie in das Zimmer, in dem Tragosso liegt. Nur auf den ersten Blick scheint es friedlich zu schlummern, bei genauerem Hinsehen erkennt Sakura, wie verkrampft es da liegt, wie sehr es schwitzt und welche großen Schmerzen es zu haben scheint. Sofort wird Sakura von einer Welle aus Schuldgefühlen übermannt, die Tränen wollen kein Ende nehmen und von Schluchzern geschüttelt lehnt sie sich an den Türrahmen. Da ist der junge Mann wieder hinter ihr, legt seinen Mantel um sie und führt sie ins Zimmer. Willenlos lässt Sakura es geschehen, dass es sie auf einen Hocker vor Tragossos Lager zwingt.
Als er sie so hilflos und verzweifelt da sitzen sieht, nimmt er sie impulsiv in die Arme und hält sie beschützend fest. Überrascht hört sakura auf zu schluchzen und genießt die Trost spendende Umarmung, sie fühlt sich zum ersten Mal seit Beginn ihrer Reise wieder geborgen. Viel zu schnell lässt er sie wieder los. "Ich bin draußen, wenn du mich brauchst." "Ja ...", antwortet sie mit belegter Stimme, dann ist er auch schon wieder aus dem Zimmer hinaus geeilt und sie ist mit Tragosso allein. Vorsichtig setzt sich Sakura auf Tragossos lager und versucht, mit einer Umarmumg, das an Tragosso weiterzugeben, was die Umarmung des Jungen ihr gegeben hatte. Sie spürt, wie tragosso zittert, liebevoll streichelt sie Tragosso über den kühlen Schädel. Sie atmet tief durch, um nicht noch einmal weinen zu müssen.
Während sie so da sitzt, leise summend, Tragosso in den Armen wiegend, weiß sie nicht, wie viel Zeit vergeht - Minuten, Stunden, aber irgendwann rührt sich das Kleine, wacht auf und blickt Sakura mit schlaftrunkenen Augen ins Gesicht. "Hey, Kleiner ...", flüstert Sakura und Tränen der Erleichterung laufen über ihr Gesicht, denn Tragosso sieht schon wieder ganz fit aus. "Tragosssoooooo!", ist Tragossos einziger Kommentar zu dem allen und es schmiegt sich in sakuras arme. Sakura spürt, dass Tragossomihr vergeben hat, aber dass sie jetzt aufpassen muss, damit so etwas nicht noch einmal passiert, und sie Tragossos Vertrauen verliert.
Erleichtert tapst sie mit Tragosso in den Armen durch den dunklen Gang in ihr Zimmer, legt sich erschöpft ins Bett und schläft mit einem Gefühl absoluter Zufriedenheit mit Tragosso in den Armen ein. Mitten in der Nacht öffnet sich auf einmal leise die Tür - der junge Mann tritt ins Zimmer und betrachtet die friedlich schlummernde Sakura, ein spöttisches Lächeln umspielt sein Gesicht.
6) Freundschaft?
Früh am Morgen erwachen Sakura und Tragosso und nachdem Sakura eine Dusche genommen hat, packt sie ihr Zeug zusammen und verschwindet ganz leise aus dem Pokémoncenter. Draußen atmet sie erleichtert auf, denkt noch einmal über die Geschehnisse des letzten Tages nach. Sie beschließt, sich von nun an genauer über ihre Gegner zu erkundigen, auf ihre Pokémon Rückscht zu nehmen. Zum ersten Mal begreift sie, dass die Pokémon keine Kampfmaschinen, sondern lebende Wesen mit Gefühlen sind, die zu verletzen das Aus für eine Freundschaft bedeuten würde. Sie ist Tragosso unendlich dankbar, dass es ihr immer noch vertraut. Während sie so in Gedanken versunken die Straße entlang geht, bemerkt sie nicht, dass vor ihr ein Schatten auftaucht, und wieder einmal rennt sie in den jungen Mann hinein, der ihr bereits mehrere Male geholfen hat. Jetzt erst erinnert sie sich wieder an ihn und als sie erkennt, dass sie in ihn gelaufen ist, errötet sie leicht.
"Oh ... ähm ... hallo. Ich ... wollte dir nur danke sag-" Mit einem belustigten Audruck in den Augen schneidet er ihr wieder das Wort ab. "Ist schon gut. Alles vergeben und vergessen. Ich hab da nur noch eine Bitte ..." "Ja?" Verwundert blickt Sakura ihm in die Augen und diesmal hält er ihrem Blick stand. "Kann ich mitkommen?" Völlig überrumpelt von dieser Frage beginnt Sakura zu stottern. "Ähm ... äh ... j-ja, ja klar. Ich würde mich freuen." Sichtlich erfreut schenkt er ihr ein so bezauberndes Lächeln, dass sie weiche Knie bekommt und sich an einem nahen Baum festhalten muss. "Oh - ist dir nicht gut?" "Äääh, nein nein, geht schon, danke ..." Gemeinsam verlassen sie Vertania City. Sakura erfährt, dass er Hoshi heißt und auch am Anfang seiner Pokémonreise steht. "... Ich habe einfach keine Lust, jetzt schon mein Leben lang auf einem Fleck zu bleiben, ich will die Welt sehen." 'Wow, der ist ja genau auf meiner Wellenlänge', denkt Sakura und erzählt ihm von ihren Plänen. Doch könnte Sakura Hoshis Hintergedanken sehen, wäre sie bestimmt nicht mehr so fröhlich ...
Als sie auf der Route 2 in Richtung Vertania Wald gehen, tauchen plötzlich aus dem Gebüsch drei Mitglieder des Team Rocket auf. "Halt!! Stehenbleiben!" Doch als der Blick der drei auf Hoshi fällt, stutzen sie und ziehen ihn kurzerhand beiseite. Sakura steht derweilen etwas betreten in der Gegend herum und beschließt, ihre drei Schützlinge während der unverhofften Pause zu zeichnen. Freundig begrüßen die drei sie, alle sind ausgeruht und fit. Sakura streicht sanft über Federn, Haut und Schädelknochen, dann fordert sie ihre kleinen Freunde auf, ein bisschen zu spielen. Beschwingt und inspiriert fängt Sakura an, die drei auf einem Bild einzufangen, doch weil sie andauernd an Hoshi denken muss, gelingt die Zeichnung nicht. Komischerweise hat sie Herklopfen und ihr Atem geht schneller, wenn sie an die vergangenen Ereignisse denkt, doch die Erinnerung an seinen schroffen Ton ernüchtert sie wieder. 'Bestimmt hat er das alles nur aus Mitleid getan ...', denkt sie betrübt. Derweilen Sakura ihren trüben Gedanken nachhängt, sind die vier anderen in eine hitzige Diskussion verwickelt: "Du kannst doch nicht einfach mit diesem dummen Mädel wegziehen, Hoshi! Du als der Sohn von Giovanni, als der Erbe des Team Rocket, musst ihn bei seinen Aufgaben unterstützen und die Leitung der Vertania-Arena übernehmen! Außerdem bist du bereits mir als Mann versprochen." Aus Wut über die hämischen Worte des Mädchens, das sein Vater für ihn als Freundin ausgesucht hatte, kann sich Hoshi nicht mehr zurückhalten und gibt Miaka eine Ohrfeige. "SEI STILL! ICH WILL NICHTS DAVON HÖREN!" Und ein bisschen ruhiger: "Es ist meine Sache, was ich tue. Ich bin 18 Jahre alt und mein Vater kann nicht über mein Leben bestimmen. Ich werde mir die Pokémon dieses Mädchens stehlen, sie scheinen ein großes Kraftpotential zu besitzen. Ich benutze das Mädchen nur." Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. In Wirklichkeit ist Hoshi auch auf der Suche nach dem Gefühl, wie es ist, Eigenes zu leisten, Sachen zu erreichen, von denen er früher nur träumen konnte. Mit diesen Worten wendet er sich von Miaka, Tala und Nihon ab, um zu Sakura zurück zu kehren.
Diese betrachtet versonnen das Spiel ihrer drei kleinen Freunde und skizziert immer wieder Gesichter, Beine und Körper an. Gebannt bleibt Hoshi einige Meter vor ihr stehen und betrachtet dieses friedliche Bild. Er fühlt, wie die Röte ihm ins Gesicht steigt, doch mit einem ungeduldigen Kopfschütteln fasst er sich wieder und geht mit schnellen Schritten zu Sakura. "Los, lass' uns weiter gehen." Wie erwartet, schreckt Sakura hoch. "Äh ... ja, okay." Hastig packt sie ihre Sachen zusammen, verstaut ihre drei Schützlinge in ihren Pokébällen und folgt Hoshi. Erste Zweifel plagen sie: 'Mist. Jetzt soll ich mich auch noch nach ihm richten, dabei wollte ich für mich sein und dort hingehen, wo ich hin will. Statt dessen folge ich jetzt diesem komischen Kerl. Der ist jetzt vielleicht mies drauf ... das kann ja heiter werden.' Als sie im Vertania Wald angekommen sind, muss Sakura unwillkürlich schaudern. Ein dunkler, kühler Wald empfängt die beiden, abgesehen vom Wind herrscht Stille. Als sie den Wald durchqueren, legt sich dieses bedrückende Gefühl und an seine Stelle tritt eine fast schon magische Ruhe, aus dem bedrohlichen Schweigen wird romantische Stille, der Wald lebt und heißt Sakura willkommen, durch das Blätterdach dringen Sonnenstrahlen und der Wind lässt die Blätter mit ihnen spielen. Das saftig-grüne Gras verschluckt ihre Schritte ...
7) Kämpft für mich!
Plötzlich raschelt es im Gras: zwei Trainer sind aufgetaucht. "Hey, ihr zwei. Wie wäre es mit einem Kampf? Zwei gegen Zwei." Hoshi zögert nicht lange und sagt zu und auch Sakura wischt ihre Bedenken weg. Als sie dem Käfersammler gegenüber steht, spürt sie, wie ihr Herz schneller schlägt. "Wähle dein erstes Pokémon!", ruft sie dem Trainer zu. Dieser wirft einen Pokéball und ein Kokuna erscheint. Erstaunt betrachtet Sakura den Chinin-Panzer des Pokémons. Schnell wirft sie den Pokéball mit Glumanda. "Okay, Glumanda, kämpfe für mich." Kaum hat Glumanda das gegnerische Pokémon erblickt, vollzieht sich ein Wandel - aus dem süßen, knuddeligen Glumanda wird ein zum Kampf entschlossenes, mutiges Pokémon, das Feuer in seinen Augen lodert. Der Wald scheint den Atem anzuhalten, als Sakura Glumanda den ersten Angriff befiehlt: "Los, Glumanda, Glut!!!" "Kokuna, Härtner!" Glumandas Glut taucht die Umgebung in ein aggressives Rot und von dem Feuer wird Kokuna weg geschleudert - der Härtner hat nichts genützt, da Glumanda der Elementklasse wegen im Vorteil ist. Sakura fühlt, wie das Adrenalin, das die Freude über Glumandas Sieg durch ihre Adern pumpt, sie erfüllt, am liebsten möchte sie laut jauchzen - Glumanda hat mit Leichtigkeit gegen Kokuna gewonnen.
hr Gegner kniet besorgt neben seinem Kokuna und redet beruhigend auf es ein, versorgt die Verbrennungen, die Glumandas Glut verursacht hat. Da fühlt sich Sakura gar nicht mehr so wohl, als sie sieht, dass das Kokuna Schmerzen hat. Schuldgefühle schießen ihr durch den Kopf, sie will die Pokémon nicht leiden sehen, kann es nicht akzeptieren, dass sie nur zum Kämpfen geschaffen sein sollen. Enttäuscht zieht sie Glumanda zurück und lässt sich im Gras nieder, um Hoshi bei seinem Kampf zuzusehen. Erstaunt sieht sie, wie viel Spaß es Hoshi macht, gegen den anderen zu kämpfen, obwohl sein kleines Evoli dem Bibor dessen deutlich unterlegen ist, obwohl es sogar verletzt wird. Sie sieht, dass der Kampf sogar Evoli Spaß macht, dass es sich von der Kampfeslust seines Trainers hat anstecken lassen, dass es immer und immer wieder aufsteht und den Attacken von Bibor Tapfer Paroli bietet. Sie sieht, wie Hoshi sein Evoli anfeuert, sein Blick ist entschlossen und obwohl Evoli zum Schluss unterliegt, scheint er noch glücklich zu sein. Noch als die beiden Käfersammler schon wieder verschwunden sind, steht er da, verschwitzt und glücklich, sein verwundetes Evoli in den Händen. Als Sakura sieht, mit welch einem glücklichen Ausdruck in den Augen das verschwitzte und verletzte Evoli seinen Trainer ansieht, dass es die Verletzungen gar nicht spürt, weil es weiß, dass sein Trainer, nein, sein Freund stolz auf es ist, begreift Sakura endlich, was der Sinn des Kämpfens sein soll - es macht Spaß. Nicht nur dem Gewinner, sondern auch dem Verlierer. Nicht nur dem Trainer, sondern auch dem Pokémon, weil sie Freunde sind, weil sie für einander da sind.
Erschöpft lässt sich Hoshi neben Sakura ins Gras fallen, kramt einige Beeren aus seinem Rucksack, baträufelt sie mit einem Trank und gibt seinem Evoli davon. Sanft, beinahe schon zärtlich streicht er Evoli über den Kopf und sieht es verträumt an. Sakura merkt, wie sie ihn anstarrt und wendet ihren Blick schnell ab, bevor er es bemerkt. "Du ... du hast verloren, stimmt's?" "Ja - und?" "Ähm ... bist du nicht traurig oder sauer ...?" Mit einem Lächeln streicht Hoshi Sakura über die Wange. "Dummes Ding ... natürlich bin ich nicht gerade glücklich, aber ein verlorener Kampf ist kein Weltuntergang, Kleines." Ein wenig erbost darüber, dass er sie Kleines nennt, zieht Sakura die Nase kraus und zwickt ihn. Errötend murmelt sie "Nenn' mich nicht Kleines!" "Okay, Kleines, hihi". Mit einem resignierten Seufzer erhebt sich Sakura und macht Anstalten, aufzubrechen, die Spannung scheint unerträglich und sie will ja schließlich weiter reisen. Außerdem will sie nicht, dass Hoshi bemerkt, wie sehr seine Anwesenheit sie nervös macht, und wie sehr ihr Herz klopft.
8) Freundschaft!
Schweigend gehen die beiden nebeneinander her, sie hängen ihren Gedanken nach. Sakuras Gedanken kreisen um die Szene, die sich ihr vorher geboten hat, sie erinnert sich daran, wie Tragosso und Glumanda leiden mussten und wie sie ihr Leben beeinflusst haben, wie froh sie darüber ist, dass sie die beiden hat. So in Gedanken versunken spaziert sie durch den riesigen, atmenden Wald; Blätter rascheln, Zweige knacken. Plötzlich fährt sie hoch - Hoshi reißt sie unsanft zurück und bedeutet ihr, still zu sein. Angespannt lauschen die beiden auf das Rascheln direkt vor ihnen im Gras, ihr Atem geht flacher, Sakuras Herz klopft bis zum Hals, sie ist gespannt, was aus dem dichten Gras vor ihnen auftauchen wird. Sie wirft einen hastigen Blick auf Hoshi, bemerkt, wie er fieberhaft mit den vier Pokébällen an seinem Gürtel spielt, sie nacheinander durch seine Finger gleiten lässt und überlegt, welches Pokémon er gegen den Schatten vor ihnen einsetzen soll. Schließlich wird es Sakura zu viel - mit einem ungeduldigen "Pff!", wirft sie einen Stein ins Gras vor sich - er saust mitten in das Rascheln hinein und erzielt die gewünschte Wirkung - mit einem lauten Fiepen stürmt ein kleines Pokémon aus dem Gras - wie Sakura auf den ersten Blick erkennt, ist es ein Nidoran - ein recht kräftiges sogar. Bevor Sakura auch nur Zeit zu reagieren hat, zischt auch schon einer von Hoshis Pokébällen an ihr vorbei und mit den Worten "Los, Endivie!" ist ein kleines Pflanzenpokémon erschienen, dessen Kopf ein großes Blatt ziert.
Verwundert verfolgt sie jede der Bewegungen des Endivie, schnuppert erstaunt den süßlichen Geruch, den es verströmt. 'Wo er das Endivie wohl her hat?', wundert sie sich und will einen Schritt nach vorne machen, um dieses Pokémon, das sie nur von Fotografien und Zeichnungen kennt, einmal näher in Augenschein zu nehmen, doch wieder reißt Hoshi sie unsanft zurück und aus ihren Gedanken. Hastig befiehlt er seinem Endivie, Rankenhieb gegen das Nidoran einzusetzen und mit einer bemerkenswerten Präzision und Schnelligkeit schießen Endivies Ranken nach vorne, scheinen das Nidoran fast spielerisch zu umkreisen und klatschen auf seiner Haut auf, umschlingen das Nidoran, heben es mit Leichtigkeit hoch und lassen es kurz darauf auf dem Boden aufschlagen. Benommen und von der Wucht des Aufpralls schlittert das Nidoran noch einige Meter weiter, bevor Hoshi mit einer routinierten Bewegung einen leeren Pokéball auf das Pokémon schleudert, das sich widerstandslos einfangen lässt. Mit einem überlegenen Lächeln auf den Lippen kniet er sich zu seinem Endivie nieder, klopft ihm anerkennend auf den Rücken und hebt den Pokéball mit Nidoran auf. Dann zieht er sein Endivie zurück und wendet sich der immer noch am selben Fleck stehenden Sakura zu.
"W-wow! das war - genial!!" 'Ich habe ihn unterschätzt', denkt Sakura. 'Er ist viel besser, als ich gedacht habe ...' Und das Gespräch wieder aufnehmend: "Du musst ja schon ganz schön viel Erfahrung haben, wenn - du so-" Wie hätte es auch anders sein können - Hposhi schneidet ihr wieder das Wort ab, doch diesmal mit einem seltsam traurigen Ausdruck in den Augen. "Hm ... das ... war mein Vater. Er hat mich zu absoluter Perfektion erzogen, dieses Endivie habe ich, seit ich zehn Jahre alt bin. Ich ... ", doch er vollendet den Satz nicht mehr. Mit einem Ruck rafft er sich auf und drückt der erstaunten Sakura den Pokéball mit Nidoranin die Hand, umschließt ihre Hand mit seiner, drückt sie kurz und wendet sich dann ab. "Hier, das Nidoranist für dich. Ich habe schon eines. Pass' gut darauf auf, okay?" "J-ja ... danke" Das letzte Wort hat Sakura nur geflüstert. Behutsam verstaut sie den Pokéball mit Nidoran an ihrem Gürtel und läuft zu Hoshi, der ein paar Meter entfernt steht. Dieser macht ein paar Schritte von Sakura weg, damit sie das schelmische Grinsen auf seinen Lippen nicht sieht. Er freut sich, dass er ihr mit dem Pokémon eine Freude machen konnte, er beneidet sie um ihre Naivität und Energie. Er fühlt sich erschöpft, vergangene Ereignisse belasten ihn, er ist ausgezehrt, nicht mager, aber müde. Schweigend gehen die beiden wieder nebeneinander her, jeder in seine Gedanken versunken, darauf bedacht, den anderen nicht zu stören.
Diesmal ist es Sakura, die Hoshi bedeutet, anzuhalten und still zu sein, denn sie erkennt auf einer Lichtung vor den beiden eine Herde Hornlius. Und wo Hornlius sind, sind auch Bibors nicht weit. Kurzerhand stößt Sakura den überraschten Hoshi in den nächstgelegenen Busch und purzelt gleich hinterher. Unsanft und mit lautem Gepolter landen beide im Gebüsch und schrecken jene auf, die sie auf keinen Fall auf sich aufmerksam machen wollten - die Bibors! Kreischend und wild um sich fuchtelnd geben die beiden ihr Versteck in dem Busch auf und flüchten Hals über Kopf. Das mag vielleicht grotesk klingen, aber beide fangen plötzlich an zu lachen, als sie auf ihrer Flucht vor den Bibors einen Abhang hinabschlittern, mal auf Händen und Füßen, mal auf den Knien rutschend, als sie durchs hohe Gras rennen. Als Sakura strauchelt, fasst Hoshi sie sogar an der Hand, um sie am Fallen zu hindern. Völlig erschöpft, aber glücklich, weil diese unerträgliche Spannung von ihnen beiden gewichen ist, lassen sie sich ins Gras fallen. Glücklich schließt Sakura die Augen. "Ich hole uns mal etwas zu essen okay?" "Ja, ist gut." Als Hoshi weg ist, schaudert Sakura - es ist kalt geworden. Fröstelnd schlingt sie die Arme um ihre Knie und lehnt sich an den Baum, der direkt neben ihr steht. Dass das ein Fehler war, sollte sie gleich darauf bemerken.
9) Hornliu und Bibor? - Nein, danke!
Als Sakura sich wieder von dem angenehm kühlen Stamm des Baumes lösen will, um sich ein wenig die Beine zu vertreten und den Spätnachmittag auf Papier einzufangen, kommt sie nur ein kleines Stück weit - sie klebt an irgend etwas fest. Sie versucht ein bisschen nervös, sich von dem Baumstamm zu befreien, verbissen zieht und zerrt sie, doch weder ihr Oberteil noch der Baum geben nach und als ein bedrohliches "Ratsch" zu hören ist, welches zeigt, dass die Belastbarkeit ihres Oberteils auch ihre Grenzen hat, gibt sie resigniert auf. Unglücklicherweise liegt ihr Rucksack einige Meter von ihr entfernt, so dass sie nicht an ihn heran kommt, und somit auch nicht an ihre Pokébälle, die neben ihrem Rucksack liegen. Die andere Alternative wäre natürlich, das Oberteil auszuziehen, aber dazu kann sie sich dann nun doch nicht durchringen ...
Als die Tränen kaum noch zurückzuhalten sind - schließlich ist ihr nicht so ganz wohl bei der Sache - zwingt sie sich, tief durchzuatmen. Kein Grund zur Sorge, Hoshi wird gleich da sein, wird sie bestimmt mit einem spöttischen Lächeln auf den Lippen aus ihrer misslichen Lage befreien. Hoffnungsvoll und mit dem festen Entschluss, sich nicht entmutigen zu lassen, lässt sich Sakura an den Baum zurücksinken. Die Minuten vergehen, langsam senkt sich die Dunkelheit über den Wald, es wird stiller und kühler. Sakura fröstelt und rutscht in eine etwas bequemere Lage.
Auf einmal raschelt es im Gebüsch und die Hornlius von vorher tauchen auf. Sofort kommen die kleinen Pokémon zu Sakura gekrochen, wuseln um sie herum, pieksen sie mit den kleinen, aber schmerzhaften Stacheln auf ihren Köpfen, die zudem noch die Abendsonne reflektieren und die Hornlius als eine einzige, wabernde, leuchtende Masse erscheinen lassen. Geblendet hält sich Sakura einen Arm vor die Augen, ihr Herz klopft und kalter Angstschweiß bildet feine Tröpfchen in ihrem Nacken. 'Was ist, wenn die Bibors auch noch auftauchen? Was ist mit Hoshi geschehen?' Mit vor Angst geweiteten Augen sucht sie die Gegend ab und bemerkt gar nicht, wie die Hornlius sie mit ihrem Fadenschuss an den Baum fesseln oder, besser gesagt, kleben. Erst als die Hornlius ihr Werk beendet haben, spürt sie den Druck auf ihrer Brust, den die über sie gespannten Fäden verursachen, spürt, wie sie sie einschneiden, wenn sie sich dagegen stemmen will.
Plötzlich hört sie das Geräusch näher kommender Schritte im Gebüsch. Erleichtert, dass Hoshi ihr endlich zu Hilfe kommt, stößt sie einen heiseren Schluchzer aus. Doch es ist nicht Hoshi, der sich ihr nähert, denn Sakura hört leises Gemurmel, darunter auch weibliche Stimmen und das Getrappel mehrerer Füße und kurz darauf tauchen aus dem Dickicht drei Personen auf, die sie als die drei Team-Rocket-Mitglieder erkennt, die sie und Hoshi kurz nach Vertania City gesehen haben. Als die drei Sakura in ihrer misslichen Lage erkennen, bleiben sie stehen und ergötzen sich sichtlich an dem Szenario, wirken aber keineswegs überrascht. Während dieser Momente hat Sakura Zeit, die drei einmal genauer zu betrachten. Ein etwa 14jähriges Mädchen mit braunen, zu zwei Rattenschwänzen gebundenen Haaren und einer Brille, sie sieht recht schüchtern und lieb aus, ein kräftiger junger Mann mit orangeroten, hochgegelten Haaren, der eine gewisse Autorität ausstrahlt und ein Mädchen in ihrem Alter mit langen, blonden Haaren. Letztere zieht eine Grimasse, als sie Sakura erkennt.
"Uah, das Mädchen von heute Morgen ... nanana, in was für eine missliche Lage bist du denn da geraten ... wirklich urkomisch!" Und indem sie auf Sakura zuschlendert: "Sieh an, sieh an ... ganz alleine und deine Pokébälle liegen hier einfach so offen herum ... tztztz, die könnten ja verloren gehen ..." Gerade als sie mit einem schadenfrohen Grinsen die Bälle aufnimmt und Sakura, die diese Szene verwirrt verfolgt, mit einem kalten Blick aus ihren grünen Augen taxiert, kommt plötzlich eine weitere Gestalt aus dem Dickicht geschossen, es ist Hoshi. "Sakura ... Sakura??? Ich hab die Hornlius gesehen und dachte - ist alles okay mit d-" Als er die Situation erfasst hat, stockt Hoshi und er begreift, was vorgefallen ist.
"Miaka!! Was soll das? Habt ihr die Hornli-" Doch Miaka, das blonde Mädchen, schneidet ihm unwirsch das Wort ab. "Hoshi!! Schön, dass du endlich da bist! Das hast du wirklich gut eingefädelt mit den Hornlius! Komm', wir schnappen uns ihre Pokémon und hauen dann ab." Und bevor Hoshi Sakura gegenüber zu einer Erklärung ansetzen kann, packt Nihon, der weitaus kräftiger als er selbst ist, ihn, und zusammen mit Sakuras Pokébällen ziehen die vier ab.
Als die Schritte verstummt sind und der Wald endgültig im Dunkel versunken ist, realisiert Sakura erst, was geschehen ist. 'Er hat mich verraten. Hat mich benutzt, um an meine Pokémon heranzukommen. Tränen der Wut und Enttäuschung kullern über ihre Wangen, sie wird von heftigen Schluchzern geschüttelt. Einzig die Tatsache, dass sie sich auf die Lippe beißt, verhindert, dass sie alles hinausschreit. Erfolglos zerrt sie immer und immer wieder an den Fäden, doch diese spannen sich wie Stahlseile um sie und geben keinen Zentimeter nach. "Ich ... sniff ... will ... heim ... sniff" Wie eine gewaltige Welle übermannen Angst, Trauer, Wut, Enttäuschung und Heimweh sie. Wäre sie doch bloß niemals auf Professor Eichs Angebot eingegangen! Doch sie weiß, dass sie jetzt daran nichts mehr ändern kann und schämt sich für ihren Ausbruch, für ihre Schwäche. Sie ist eigentlich keine Heulsuse, doch der Stress der letzten Tage und die Tatsache, dass sie mit schmutziger Kleidung mittels klebriger Fäden an einen Baum gefesselt ist, dass sie friert und durstig ist, tragen nicht unbedingt zu ihrem Wohlbefinden bei, ihre Nerven sind zum Zerreißen gespannt und ihr Kopf schmerzt. Erschöpft keuchend lässt sie sich zurück sinken, der Wald ist völlig ruhig, das einzigste Geräusch ist Sakuras Herz, das rasend schnell pocht.