24. Dezember 2009
Fanart von: Luxtragirl
Weinachtsstern
Fanstory von: Taja
Der Weihnachtsstern
Ein paar warme
Sonnenstrahlen kitzelten Bisasam an der Nase. Es fuhr hoch und musste
niesen. Etwas verschlafen sah es sich in seiner Höhle um. Alles war
beim Alten. Es war weihnachtlich geschmückt und auch ein kleiner
Tannenbaum stand in der Ecke. Das Pflanzenpokémon gähnte und streckte
sich ausgiebig, schüttelte den Schlaf aus den Augen und warf dann
einen Blick nach draußen. Die noch warme Sonne stand schon recht tief
am Himmel, es würde wohl bald dunkel werden. Die Bäume hatten ihr
letztes schön gefärbtes Laub abgeworfen, dass jetzt vom lauen Wind zum
Tanz aufgefordert wurde. Ja, es sah aus wie ein wunderschöner
Herbsttag. Doch genau das war das Problem, denn es war immerhin schon
der 23. Dezember! Morgen war Weihnachten und von Schnee keine Spur.
Dabei freuten sich alle Pokémon doch so sehr auf ein weißes
Weihnachtsfest. Auch Bisasam liebte das Tollen in der weißen Pracht.
Das würde wohl dieses Jahr nichts werden. Aber es gab wenigstens
etwas, was ein bisschen weihnachtliche Stimmung in das Pokémondorf
bringen sollte. Heute sollte der große Weihnachtsbaum auf dem
Marktplatz aufgestellt werden, was immer ein riesiges Spektakel für
die Pokémon war.
Auch Bisasam freute sich schon riesig darauf und so war die
noch schleichende Müdigkeit, die sich gerade wieder breit machen
wollte, schnell verfolgen. Erst Recht, als das Pflanzenpokémon
erschrocken feststellte, dass es schon ganz schön spät war. Es musste
dringend los, denn es hatte versprochen zu helfen. So schnell es seine
kurzen Beine trugen, eilte es zum großen Marktplatz in der Mitte des
Dorfes. Dort war schon geschäftiges Treiben. überall wuselten Pokémon
durcheinander um die ganze Umgebung trotz fehlenden Schnees richtig
weihnachtlich zu gestalten.
„Hey, Bisa, da bist du ja.“ Hinter
ihm tauchten seine Freunde Pikachu, Flemmli und Karnimani auf.
„Wir dachten schon, du hättest es verschlafen“, neckte das
Feuerpokémon ihn.
„Ja, hätte ich auch fast“, gab es etwas
verlegen zu.
„Aber du hast es ja noch geschafft. Oh, seht mal da
kommt er!“ Karnimani hüpfte ganz aufgeregt umher. Wenige Augenblicke
später konnten sie schon den dicken Stamm der Tanne sehen. Sechs
besonders kräftige Maschomei schleppten den Baum in die Mitte des
Platzes. Seile wurden um den Stamm befestigt und mit vereinten Kräften
zogen sie den Tannenbaum in die Höhe.
„Wow, ist der gigantisch“,
staunte Bisasam, als es an dem meterhohen Baum hinauf sah.
„Wirklich! Ich glaube der ist noch größer, als der vom letzen Jahr“,
bestätigte Pikachu.
Kaum war der Weihnachtsbaum in seiner Verankerung befestigt,
kam auch schon ein ganzer Trupp Pokémon die alle große Kartons trugen.
Angeführt wurden sie von Keckleon, das jedes Jahr das Baumschmücken
organisierte. So teilte es auch dieses mal alle freiwilligen Helfer in
Gruppen. Die Vogelpokémon verteilten weiße Watte und Lametta auf dem
Baum. Einige trugen andere Pokémon auf dem Rücken, die die
Lichterkette anbrachten. Bisasam war mit seinen lange Ranken natürlich
bestens geeignet zum Kugel aufhängen. Und so folgte es der Einteilung
mit Freuden an und nahm es eine glitzernde Christbaumkugel nach der
Anderen und befestigte sie ohne Mühe an den oberen ästen des Baums.
Palimpalim untermalte die ganze Aktion mit einem herrlichen Gesang und
so kam bei allem doch endlich etwas weihnachtliche Stimmung auf. Nach
einer guten Stunde hatten sie es mit vereinten Kräften geschafft.
Mittlerweile war es langsam duster geworden und so konnten sie gleich
testen, ob die Kerzen auch funktionierten. Im Schein der Lichter
erstrahlte der Weihnachtsbaum in einem wundervollen Glanz. Alle waren
sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Doch eins fehlte noch. Der Abschluss
des Baumschmückens war immer das Aufsetzen des großen funkelnden
Weihnachtssterns auf die Spitze. Jedes Jahr wurde diese Ehre einem
anderen Pokémon zu teil. Dieses mal sollte ein kleines Pichu diese
wichtige Aufgabe übernehmen. Alle standen schon bereit und erwarteten
die Ankunft des Sterns.
Doch nach einiger Zeit des gespannten Wartens kam nur ein
Zigzachs auf Keckleon zugerannt. Aufgeregt flüsterte es Keckleon etwas
zu.
Diesem entfuhr entsetzt: „WAAS? Der Stern ist weg?“
Sofort waren auch alle anderen Pokémon in Aufruhr.
„Ja, in der
Vitrine ist er nicht mehr und auch nirgends anders im Lagerhaus konnte
ich ihn finden“, berichtete das Zigzachs atemlos.
„Das ist ja
furchtbar! Wie konnte das bloß passieren!“ Total durcheinander rannte
Keckleon hin und her.
„Nun beruhige dich“, versuchte Bisasam,
das zufällig daneben stand, ihn zu besänftigen, „Wir gehen am Besten
noch mal zum Lager und suchen gründlich. Er kann sich doch nicht in
Luft aufgelöst haben. Einige sollten auch hier suchen, vielleicht hat
ihn schon jemand mitgenommen und bloß vergessen Bescheid zu geben.“
Wie Bisasam es vorgeschlagen hatte, durchsuchten die meisten Pokémon
den Marktplatz und Umgebung. Keckleon, Zigzachs, Pichu, Bisasam, seine
drei Freunde und ein paar Andere gingen derweil zum Lagerhaus. Das war
fast gänzlich leer, nur ein paar Kartons, die sie nicht zum Schmücken
gebraucht hatten, standen noch in der Ecke. Aber auch die große
Vitrine, in der der Weihnachtsstern aufbewahrt wurde, hatte keinen
Inhalt mehr.
„Los, durchsuchen wir alles noch einmal.“
Alle teilten sich auf, durchwühlten jeden Karton mehrmals und
stöberten in jeder Ecke, aber der Stern blieb verschwunden.
Da
bemerkte Bisasam plötzlich etwas im Staub: „Schaut mal, hier draußen
sind Fußspuren!“
Alle versammelten sich um die kleinen Tapsen
und die Schleifspur, die aus dem Lagerhaus wegzuführen schienen und
sich im Wald verliefen.
„Vielleicht hat jemand unseren Stern
gestohlen!“, fiel Keckleon panisch ein.
Das konnten sie
natürlich nicht zulassen. Hundemon schnüffelte an den Spuren und
folgte der Witterung. Es legte ein ganz schönes Tempo vor, sodass
einige Schwierigkeiten hatten hinterher zu kommen, aber weil es um die
Rettung ihres geliebten Weihnachtssterns ging, legten sich alle
mächtig ins Zeug. Und schon bald sahen sie die Spur im Gebüsch
verschwinden und hörten das Knacken von Zweigen in der Nähe. Sie
beschlossen sich erneut aufzuteilen und den Dieb einzukreisen. Als
alle in Position waren, sprangen sie aus dem Gebüsch und waren
ziemlich überrascht über das Bild, das sich ihnen bot. Ein kleines,
momentan ziemlich erschrockenes, Pichu zog den großen Weihnachtstern
hinter sich her.
„Aber das ist ja mein Bruder!“, schrie das Pichu, dass den
Stern auf den Baum setzten sollte, auf.
„Pichu, warum hast du
das getan?“, fragte Keckleon ärgerlich.
„Weil ihr gemein seid!
Ich hatte mir nichts anders gewünscht, als dieses Jahr den
Weihnachstern anzubringen. Mehr wollte ich nicht! Und wer wurde
ausgewählt? Mein doofer Bruder! Der bekommt immer alles! Aber wenn ich
es nicht machen darf, dann soll er es auch nicht!“, schrie das kleine
Elektropokémon wütend.
„Aber Pichu, es geht an Weihnachten doch
nicht darum, seine ganzen Wünsche erfüllt zu bekommen, sondern das man
mit Familie und Freunden zusammen ist und anderen eine Freude macht.
Du ärgerst damit nicht nur deinen Bruder, sondern du machst auch alle
anderen Pokémon traurig, die sich auf das warme Licht des
Weihnachstern gefreut haben“, erinnerte Bisasam, „Willst du das
wirklich?“
„Nein, eigentlich nicht“, gab es kleinlaut zu.
„Mmh, es ist zwar eigentlich Brauch, das nur ein Pokémon die Spitze
des Weihnachtsbaums aufsetzt, aber vielleicht können wir dieses mal
eine Ausnahme machen. Aber nur wenn dein Bruder einverstanden ist“,
überlegte Keckleon laut.
„Na klar, ich würde es sogar viel
lieber mit dir zusammen machen.“
„Wirklich? Oh, danke!“ Der
kleine Dieb fiel seinem Bruder in die Arme.
„Na dann ist ja
wieder alles gut“, stellte Pikachu zufrieden fest.
Karnimani
reinigte den ziemlich beschmutzen Stern noch schnell mit einer
Aquaknarre und dann machten sich alle wieder auf den Rückweg zum Dorf.
Dort wurden sie schon gespannt erwartet. Als sie sahen, dass
Keckleon den Weihnachtsstern bei sich trug, ging ein großer
Jubelschrei über den Marktplatz. Alle tanzten fröhlich umher. Keckleon
stellte sich auf ein Podest und räusperte sich. Sofort waren alle
still.
„Nun kommen wir zum feierlichen Abschluss des
Baumschmückens. Dieses Jahr werden die Pichu-Brüder das Aufsetzen des
Sterns übernehmen.“ Die andern wunderten sich zwar über diese
änderung, aber keiner hatte etwas dagegen. Die Pichus kletterten auf
Altarias Rücken, bekamen den Stern überreicht und flogen zur Spitze
des Tannenbaums. Es war nicht einfach für die beiden kleinen Pokémon
den großen Stern zu halten, doch mit vereinten Kräften befestigten sie
ihn schließlich. Das Licht der Kerzen brach sich auf seiner Oberfläche
und ließ den ganzen Marktplatz in herrlichen Farben erstrahlen. Alle
Pokémon jubelten und applaudierten. Jetzt war ihr wunderschöner
Weihnachtsbaum endlich komplett. Und auch Bisasam und seine Freunde
legten ein kleines Freudentänzchen hin. Plötzlich blieb das
Pflanzenpokémon wie angewurzelt stehen.
„Was ist denn?“, wollte
Flemmli wissen.
„Ich glaube ich hab gerade...“, etwas verwirrt
schaute es sich um.
Und da tatsächlich! Eine zweite
Schneeflocke fiel auf seine Nase. „Juhu, es schneit!“
Sofort
schauten alle nach oben. Und da kamen sie tatsächlich. Eine
Schneeflocke nach der anderen tanzte vom Himmel herunter. Begeistert
betrachteten alle die weißen Himmelsbriefchen, die im Licht des Sterns
besonders schön funkelten.
Nun konnte Weihnachten wirklich
kommen!
Und so wurde der wundervoll leuchtende Weihnachtsstern zu einem
Wegweiser für all die Pokémon, die in dieser dunklen Nacht noch durch
den Wald irrten, sodass sie alle gemeinsam am nächsten Tag ein
herrlich verschneites und friedliches Weihnachtsfest feiern konnten.