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4. Dezember 2009

Fanstory von: lowlaury

Das mürrische Glurak
Eisig sauste der Wind durch die Routen und Wälder der Sinnoh-Region. überall sah man Kerzen und Lichter im überfluss und hier und da glänzten die Kugeln der leicht eingeschneiten Weihnachtsbäume, die man zu dieser Zeit fast bei jedem Pokémon vorfand. Der Mond stand schon hoch am Himmel und ein kleines Azurill saß ungeduldig auf einem Stein vor der Höhle, in der es mit seinen Eltern wohnte und starrte hinauf zum Sternenzelt. Es war ein wunderschöner Anblick. Am Nachthimmel funkelten abermillionen Sterne und es war kein einziges Wölkchen zu sehen. Noch heller und schöner als die Sterne strahlte der kugelrunde Mond und tauchte alles in silbriges Licht.
Das kleine Azurill seufzte. Es saß schon seit Stunden auf diesem Stein und langsam wurde ihm trotz seiner im Winter sehr nützlichen Speckschicht wirklich kalt. Doch hinein ins Warme gehen wollte es auch nicht. Denn es war der Weihnachtsabend und das kleine Azurill wartete sehnsüchtig auf das Eintreffen des Weihnachtspokémons, von dem es schon so viel gehört hatte. Es war nämlich gleichzeitig auch sein allererstes Weihnachtsfest und es konnte es kaum noch erwarten. So viel hatten ihm seine Eltern schon davon erzählt und es musste einfach wunderbar sein! Schon allein die vielen funkelnden und glitzernden Lichter, die sich nun über das Tal, in dem seine Familie wohnte, erstreckten, versetzten Azurill in Verzückung. Es lag eine allgemeine Vorfreude in der Luft, die jedem Pokémon das Herz erwärmte. Es war einfach zauberhaft und Azurill wünschte sich, es könnte für immer Weihnachten bleiben.
Von weit her hörte es ein wohl sehr großes Pokémon durch den Schnee stapfen. Dumpf drangen die Geräusche zu ihm vor und die Schritte kamen näher. Azurill wurde aufgeregt. Ob das vielleicht das Weihnachtspokémon war? Eigentlich hatten ihm seine Eltern erzählt, dass das Weihnachtspokémon stets mit einem rot-goldenen Schlitten angeflogen kam, der von 4 kräftigen Damhirplex gezogen wurde, doch vielleicht hatte es sich es ja dieses Jahr anders überlegt? Azurill sprang von seinem Stein und hüpfte aufgeregt auf und ab.
„Endlich! Endlich!“, rief es und tanzte umher. Die stapfenden Schritte kamen immer näher, bis Azurill schließlich eine verschwommene Silhouette erkennen konnte. Schließlich war das fremde Pokémon so nah, dass Azurill es als Glurak identifizieren konnte. Da es nicht wusste, wie das Weihnachtspokémon aussah, rannte es aufgeregt auf das Glurak zu. „Hey! Bist du das Weihnachtspokémon?“, fragte es und hüpfte um das Glurak herum.
Der Feuerdrache schnaubte verächtlich. „Ich? Ganz sicher nicht. Das ist doch alles Humbug.“
Azurill sah es mit großen Augen an. „Was meinst du damit?“, fragte es verunsichert.
„Na dieses ganze Weihnachts-Zeug. Das ist alles erstunken und erlogen. Es gibt kein Weihnachtspokémon. Und auch alles andere nicht! Wie ich diese nervigen Lichter und fröhlichen Pokémon überall hasse...“, grummelte Glurak.
„Das ist nicht war!“, rief Azurill empört. „Natürlich gibt es Weihnachten! Und das Weihnachtspokémon! Ich weiß es genau!“ Wütend starrte es das viel größere Pokémon an.
„Na wenn du das denkst, in Ordnung. Glaub ruhig weiter an diesen Stuss, ich jedenfalls lasse mich nicht davon einlullen.“ Das Glurak wollte weitergehen, als plötzlich ein heftiger Schneesturm losbrach. Kalt schlugen die Schneeflocken und kleine Eisklumpen in Azurills Gesicht und der Wind wehte fürchterlich.
„Oh nein!“, rief es, doch der eisige Schnee schluckte seinen Ausruf und begann nur noch heftiger um die beiden Pokémon zu tänzeln. Azurill wurde von einem heftigen Windstoß erfasst und eine Meter weit geschleudert. „Hilfe!“, schrie es in Panik. „Der Wind ist zu stark!“
Glurak verdrehte die Augen. Es stand trotz des Sturms fest und sicher. „Schwächling.“, sagte es abfällig, stampfte aber trotzdem los und stellte seine Flügel schützend um die kleine Wassermaus. So verweilten sie einige Zeit, bis der Sturm langsam schwächer wurde. Die beiden Pokémon sahen sich um.
„Woah“, machte Azurill erstaunt. „Es ist alles komplett eingeschneit! Man sieht ja nur noch weiß! … Hey, was ist das?“ Es deutete auf ein leuchtendes Glitzern im Himmel, das immer näher kam.
Glurak kniff die Augen leicht zusammen, damit es durch den hellen Schnee besser sehen konnte. Tatsächlich kam da etwas auf sie zugeflogen. Langsam aber sicher nahm das Leuchten Form an. Es war ein Pokémon, das beide noch nie zuvor gesehen hatten.
„Das Weihnachtspokémon!“, hauchte Azurill voller Bewunderung.
Glurak schüttelte den Kopf. „Niemals. Es gibt kein Weihnachtspokémon.“ Das fremde Pokémon war schließlich nur noch wenige Meter entfernt und schwebte kurz über den Köpfen der beiden verwunderten Pokémon.
„Hallo!“, sagte es fröhlich. „Das trifft sich sehr gut, dass ich euch beide hier treffe.“
„Wer bist du überhaupt?“, fragte Glurak angriffslustig und stieß eine kleine Flamme durch seine Nase aus.
„Ihr könnt mich Jirachi nennen.“, sagte das Pokémon und lächelte freundlich.
„Bist du das Weihnachtspokémon??“, flüsterte Azurill, da es so aufgeregt und beeindruckt von Jirachi war, dass es kaum sprechen konnte.
„Ja, ich schätze so nennt man mich.“, kicherte Jirachi.
„Pah“, sagte Glurak. „Es gibt kein Weihnachtspokémon! Wie oft soll ich es denn noch sagen?“
„Natürlich gibt es eins! Es steht doch direkt vor dir und du glaubst immer noch nicht daran?“, rief Azurill erbost. „Liebes Jirachi, bitte sag ihm, dass es dich sehr wohl gibt!“
„Ich sehe, dass es Jirachi gibt.“, meinte Glurak wütend. „Aber es ist garantiert kein Weihnachtspokémon.“
„Hm, na ja, 'Weihnachtspokémon' ist auch eigentlich nur ein Begriff, den sich die Pokémon hier auf der Erde ausgedacht haben, weil sie nicht wissen, wer ich bin. Aber ich finde den Namen sehr schmeichelhaft.“, schaltete sich Jirachi ein. „Aber nun streitet bitte nicht. Ich bin zu euch gekommen, da ich eure Hilfe brauche.“
„Was ist denn los, Jirachi?“, fragte Azurill besorgt. „Ich helfe dir gern, wenn ich kann!“
„Pah!“, sagte Glurak erneut. „Ich helfe keinen Lügnern.“
„Ich habe in dem schrecklichen Schneesturm eben meine Damhirplex verloren und ohne sie kann ich den Schlitten nicht fliegen und alle Geschenke rechtzeitig zu den Pokémon bringen!“
„Das ist ja schrecklich!“, rief Azurill. „Was können wir tun?“
„Wenn es dir nichts ausmacht, Glurak, würde ich dich gerne bitten, den Schlitten zu ziehen. Du bist kräftig genug, um das zu schaffen. Ohne dich ist Weihnachten verloren!“, sagte Jirachi.
Sowohl Jirachi als auch Azurill sahen Glurak bittend an. „Bitte, Glurak! Ich weiß, dass du ein gutes Herz hast, du hast mich vor dem Schneesturm gerettet!“, flehte Azurill.
Glurak rang mit sich selbst. Langsam kamen ihm doch Zweifel, ob er Recht hatte und ob es wirklich alles nicht stimmte. Immerhin klang das Jirachi sehr glaubwürdig... Glurak seufzte. „Na schön, ich versuch's.“, sagte es schließlich.
Azurill machte jubelnd einen Luftsprung. „Juhu! Jetzt sind wir alle Weihnachtspokémon!“

Schnell war Glurak am Schlitten befestigt und schon bald flogen die drei Pokémon hoch im Himmel. Azurill staunte über die vielen Lichter, die von hier oben so winzig aussahen und beinahe noch schöner als von nahmen. Glitzernder Schnee hatte sich über das Tal gelegt und es stellte sich vor, wie alle Pokémon morgen aufwachen würden und ihre Geschenke vorfinden, die Jirachi, es selbst und Glurak ihnen gebracht hatten. Es freute sich sehr, dass es Jirachi helfen konnte.
„Dort hinten fangen wir an!“, sagte Jirachi und deutete auf eine Reihe kleiner Höhleneingänge. Der Schlitten flog über die Höhlen und Jirachi nutzte seine Psychokinese, um die Geschenke direkt in sie hinein schweben zu lassen. So arbeiteten sie eine ganze Reihe Höhlen ab, bis plötzlich ein neuer Schneesturm aufkam. Der Schlitten wurde von den heftigen Windstößen hin und her geschleudert. Azurill klammerte sich ängstlich fest.
„Kiyah! Hilfe!!“, rief es.
„Haltet euch gut fest!“, raunte Glurak ihnen zu und versuchte, den Schlitten unter Kontrolle zu bekommen. Mit viel Geschick schafften sie es, neben einem kleinen zugefrorenen See notzulanden.
„Oh nein, so schaffen wir es nicht mehr rechtzeitig, die Geschenke zu bringen!“, sagte Jirachi verzweifelt.
Das kleine Azurill begann zu weinen. „Aber Weihnachten ist doch so wichtig für die Pokémon!“, wimmerte es. „Wir müssen es weiter versuchen!“ Ein gewaltiger Windstoß fegte über die Gegend und Azurill wurde wieder ein Stück mitgerissen, bis es unsanft auf dem Boden landete.
„So wird das aber nichts. Der Sturm ist zu stark!“, rief Glurak kaum hörbar, da der wehende Schnee jegliche Geräusche verschluckte.
„Jirachi!“, klang es da dumpf aus der Ferne. Die verschwommenen Umrisse einer Herde Damhirplex wurden klarer, je näher sie angerannt kamen. Sie kämpften sich durch den Schneesturm, bis sie vor Jirachi und den anderen standen. „Jirachi, endlich haben wir dich wiedergefunden!“
„Meine Damhirplex!“, rief Jirachi erfreut. „Schön, dass ihr wieder da seid.“
„Hey, vielleicht können wir es mit dem Schlitten ja schaffen, wenn Glurak und die Damhirplex ihn zusammen ziehen!“, schlug Azurill vor.
„Versuchen können wir es.“, sagte Glurak entschlossen.
Es und die Damhirplex versammelten sich vor dem Schlitten und Jirachi machte sie fest. Die Pokémon gaben alles, um den Schlitten in die Lüfte zu heben. Er schwankte bedenklich, als die eisigen Winde ihn umsausten, dennoch flog er hoch in den Himmel.
„Wir schaffen es!“, rief Azurill glücklich. Doch kaum hatten sie eine gewisse Höhe erreicht, schlug der Wind so heftig, dass der Schlitten einige Meter hinunter geschleudert wurde, bis ihn die Damhirplex und Glurak wieder halten konnten.
„Es geht nicht, wir müssen landen! Es ist zu gefährlich!“, rief eines der Damhirplex. Mit Müh' und Not gelang es den Pokémon, den Schlitten sicher zu Boden zu bringen. Sie waren wieder bei dem See gelandet.
„Weihnachten ist verloren.“, schluchzte Azurill. „Dabei hatte ich mich so darauf gefreut.“
„Nicht traurig sein.“, tröstete Jirachi und tätschelte das kleine Pokémon sanft. „Wir schaffen das schon.“
Glurak sah sich um. „Da, mitten im See ist eine Höhle! Da können wir Schutz suchen. Das Eis müsste dick genug sein, um uns zu tragen und dorthin zu gelangen.“
Die Gruppe machte sich auf den Weg zur Höhle. Azurill schluchzte leise vor sich hin. Es wollte nicht, dass alle Pokémon morgen traurig sein würden. Es wollte, dass alle fröhlich sind und sich nächstes Jahr wieder auf Weihnachten freuten. Es wollte Weihnachten doch so unbedingt retten!
Die Pokémon betraten die Höhle. „Hey, was ist das?“, fragte Glurak und deutete auf ein schlafendes, blau leuchtendes Pokémon.
„Oh, das ist ja Tobutz!“, rief Jirachi. „Dann ist das hier wohl der See der Kühnheit.“
Das Tobutz wachte von den Stimmen der Pokémon auf. „Na nu? Was tut ihr denn alle hier?“, fragte es.
„Tobutz!“, erzählte Jirachi. „Es ist ganz schrecklich. Heute ist Weihnachten, aber wegen des Schneesturms können wir die Geschenke nicht rechtzeitig überbringen.“
„Das ist wirklich schlimm.“, sagte Tobutz und legte nachdenklich den Kopf zur Seite. „Vielleicht kann ich euch helfen. Die Kraft von Vesprit, Selfe und mir könnte reichen, um den Sturm kurzzeitig zu beruhigen. Wenn ihr euch beeilt, schafft ihr es.“
„Das ist ja toll!“, rief Azurill verzückt. „Wir können es schaffen! Wir schaffen das!!“ Es hüpfte aufgeregt hin und her.
Die anderen Pokémon nickten sich entschlossen zu. „Also gut.“, sagte Jirachi. „Wir versuchen es!“

Es dauerte nicht lange und Tobutz hatte Vesprit und Selfe herbeigerufen. Die drei stellten sich in einem Dreieck auf und vereinten ihre Kräfte. Buntes Licht strahlte hell auf. Augenblicklich wurde der Schneesturm ruhiger.
„Und nun macht schnell!“, sagte Tobutz. „Lange können wir ihn nicht so halten.“
Jirachi, Azurill, Glurak und die Damhirplex eilten zum Schlitten und kurz darauf erhoben sie sich schon in die Lüfte. Nun war der Wind nur noch eine leichte Brise und der Schnee fiel in kleinen, sanften Flocken, die sofort schmolzen, sobald man sie berührte. Langsam fing es schon an zu dämmern und die Pokémon hatten nicht mehr viel Zeit. So schnell sie konnten verteilten sie die Geschenke, damit alle Pokémon, die das Tal bewohnten, am morgen etwas vorfinden würden.
Schließlich waren alle verteilt und sie kehrten erschöpft zur Höhle zurück. Tobutz, Vesprit und Selfe empfingen sie erleichtert.
„Ihr habt es geschafft!“, freute sich Vesprit.
Azurill hüpfte glücklich auf und ab. „Ja! Ja! Wir haben es geschafft!“ Es wandte sich an Glurak: „Und, glaubst du immer noch, dass alles Humbug ist?“
Glurak sah zu Boden. „Na ja... ich denke, ich lag wirklich falsch mit dem, was ich gesagt habe.“
Das kleine Azurill fiel seinem neuen, großen Freund in die Arme. „Das freut mich!“
Jirachi dachte kurz nach. „Azurill, Glurak“, sagte es schließlich. „Ihr habt noch gar kein Geschenk!“
Da fiel es auch den beiden Pokémon auf. „Du hast Recht!“, rief Azurill. „Da habe ich mich die ganze Zeit so darauf gefreut und hab es dann glatt vergessen.“ Es kicherte.
„Ihr könnt euch wünschen, was ihr wollt.“, sagte Jirachi. „Ich kann euch jeden Wunsch erfüllen.“
„Ich habe nur einen Wunsch.“, sagte Azurill nach kurzem überlegen. „Ich wünsche mir, dass wir das nächste Weihnachten wieder alle gemeinsam verbringen! Wir sind doch jetzt Freunde.“ Es blickte strahlend in die Runde.
„Ja...“, sagte Glurak nachdenklich. „Ja, das wünsche ich mir auch. Weihnachten sollte man mit seinen Freunden feiern. Denn es ist das schönste Fest im ganzen Jahr.“


Ende